Eskalationsstufen
Konflikte entstehen überall dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Wie du mit Hilfe der Eskalationsstufen nach Glasl solche Auseinandersetzungen analysierst und deeskalierst, erfährst du hier und im Video !
Inhaltsübersicht
Was ist das Eskalationsstufen-Modell nach Glasl?
Das Eskalationsstufen-Modell des österreichischen Konfliktforschers Friedrich Glasl verdeutlicht, wie aus anfänglichen Spannungen schwerwiegende Auseinandersetzungen entstehen. Dabei unterteilt er Konflikte in neun Eskalationsstufen, die sich auf drei Phasen verteilen:
- Phase I – Win-Win (Stufen 1–3): Die Beteiligten suchen noch nach einer gemeinsamen Lösung und die Beziehung bleibt weitgehend intakt.
- Phase II – Win-Lose (Stufen 4–6): Der Konflikt wird persönlicher und eine Seite versucht, sich auf Kosten der anderen durchzusetzen.
- Phase III – Lose-Lose (Stufen 7–9): Die Eskalation ist so weit fortgeschritten, dass beide Seiten Schaden in Kauf nehmen.
Glasls Modell hilft im Konfliktmanagement dabei, die Dynamik von Konflikten besser zu verstehen und passende Strategien zur Deeskalation abzuleiten.
Eskalationsstufen: Phase I – Win-Win
Die Eskalationsstufen in Phase I heißen Verhärtung, Debatte/Polemik und Taten statt Worte.
In Phase I bestehen die größten Chancen auf Deeskalation. Die Beteiligten streiten zwar, aber sie können noch miteinander reden.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Eskalationsstufe 1: Verhärtung
In der ersten Eskalationsstufe „Verhärtung“ entstehen erste Meinungsverschiedenheiten zwischen den Beteiligten. Typische Signale sind ein gereizter, aber noch sachlicher Ton und festgefahrene Positionen.
➡️Beispiel: Zwei Teammitglieder sind sich uneinig, wie ein Projekt priorisiert werden soll. In jedem Meeting vertreten sie ihre Positionen. Die Stimmung kühlt merklich ab, doch beide nehmen noch an gemeinsamen Gesprächen teil.
Eskalationsstufe 2: Debatte
In dieser Stufe geht es darum, Recht zu haben und die andere Seite als falsch dastehen zu lassen. Übertreibungen, Verallgemeinerungen und Seitenhiebe nehmen zu. Beide Seiten denken zunehmend Schwarz-Weiß und sehen die jeweils andere Seite als das Problem.
➡️Beispiel: In Besprechungen versuchen beide zunehmend, die eigene Priorisierung als einzig sinnvolle Lösung darzustellen. Aussagen wie „Das macht organisatorisch überhaupt keinen Sinn“ oder spitze Bemerkungen gegenüber der anderen Person häufen sich.
Eskalationsstufe 3: Taten statt Worte
Auf Stufe 3 haben die Beteiligten aufgehört, ihren Konflikt in Worte zu fassen. Stattdessen handeln sie demonstrativ, taktisch und oft stumm. Gespräche werden zunehmend verweigert oder ohne Erklärung abgebrochen.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied erscheint nicht mehr zu den Priorisierungsmeetings und verschiebt stattdessen eigenständig Aufgaben im Projektplan. Die andere Person erfährt davon erst über Kollegen, wodurch nicht mehr gesprochen, sondern über Handlungen Druck ausgeübt wird.
- Ziel: Die Parteien wieder ins direkte Gespräch bringen und den Fokus auf die Sache lenken
-
Hauptwerkzeuge:
✓ Konflikt frühzeitig direkt ansprechen
✓ Gesprächsregeln etablieren (Ausreden lassen, Ich-Perspektive)
✓ Reframing nutzen (Vorwürfe in Wünsche übersetzen)
✓ Gemeinsame Interessen/Ziele herausarbeiten
Eskalationsstufen: Phase II – Win-Lose
Phase II gliedert sich in folgende Eskalationsstufen: Koalitionen, Gesichtsverlust und Drohstrategien.
In Phase II sinken die Chancen auf eine einfache Deeskalation. Die Beteiligten streiten nicht mehr nur über Sachfragen, sondern kämpfen zunehmend um Durchsetzung und Anerkennung.
Eskalationsstufe 4: Koalitionen
Auf Stufe 4 ist der Konflikt kein Zweier-Konflikt mehr. Die Beteiligten suchen Verstärkung: Dritte werden um Unterstützung gebeten, wodurch Loyalitätsdruck entsteht und Gespräche immer häufiger über Verbündete statt direkt zwischen den Beteiligten stattfinden.
➡️Beispiel: Die beiden Teammitglieder sprechen in Meetings kaum noch direkt miteinander. Während das eine Teammitglied versucht, die Design-Abteilung auf seine Seite zu ziehen, sucht die andere Person Unterstützung bei der Projektleitung, wodurch sich im Team zunehmend Lager bilden.
Eskalationsstufe 5: Gesichtsverlust
Bei Stufe 5 werden Menschen gezielt in ihrer Würde oder ihrem moralischen Ansehen beschädigt. Der Konflikt wird öffentlich und persönlich. Angriffe richten sich nicht mehr gegen Argumente sondern gegen die Person selbst.
➡️Beispiel: In einem Meeting sagt ein Teammitglied vor allen, die Priorisierung der anderen Person sei „völlig planlos“ und zeige, dass sie das Projekt nicht im Griff habe.
Eskalationsstufe 6: Drohstrategien
Auf Stufe 6 kommen Ultimaten ins Spiel. Die Beteiligten setzen Fristen, formulieren Bedingungen und drohen mit konkreten Konsequenzen. Der Druck wird offen ausgesprochen, indem die Seiten mit „Wenn-dann-Formulierungen“ arbeiten.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied setzt der anderen Person eine Frist und sagt im Meeting: „Wenn die Priorisierung bis Freitag nicht geändert wird, gehe ich damit zur Abteilungsleitung.“
- Ziel: Dynamik stoppen, Unbeteiligte schützen, Gesichtsverlust verhindern
- Hauptwerkzeuge:
✓ Gespräch in einen geschützten, vertraulichen Rahmen verlegen
✓ Abwertungen sofort unterbrechen (Würde schützen)
✓ Klare Regeln für das weitere Vorgehen vereinbaren
Eskalationsstufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge
Ab Stufe 7 geht es darum, die andere Seite gezielt zu schädigen — egal ob persönlich, beruflich oder sozial. Misstrauen ist so stark ausgeprägt, dass kein Angebot mehr als ehrlich wahrgenommen wird, während Dritte gezielt genutzt werden, um Druck aufzubauen oder Informationen zu streuen.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied leitet bewusst fehlerhafte oder unvollständige Informationen zur Projektpriorisierung weiter, damit die Entscheidungen der anderen Person scheitern.
Eskalationsstufe 8: Zersplitterung
In dieser Stufe gezielte Schädigungsakte weichen einer systematischeren Strategie: Die andere Seite soll isoliert werden. Netzwerke werden untergraben, Kommunikationswege sabotiert und Personen aus relevanten Strukturen ausgeschlossen.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied organisiert kurzfristig ein Meeting zur Projektpriorisierung, lädt die andere Person bewusst nicht ein und trifft dort gemeinsam mit anderen bereits Entscheidungen über die nächsten Schritte.
Eskalationsstufe 9: Gemeinsam in den Abrund
Die Beteiligten nehmen in Stufe 9 eigene schwere Schäden bewusst in Kauf. Sie zerstören die eigene berufliche Stellung oder Beziehungen, wenn es der anderen Seite genauso oder stärker schadet. Der Konflikt hat eine Eigendynamik entwickelt, die dem Umfeld beider Seiten schadet.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied löscht kurz vor der finalen Abgabe wichtige Projektdateien aus dem gemeinsamen Ordner, damit die andere Person ihre Aufgaben nicht mehr fertigstellen kann.
- Ziel: Eskalation begrenzen, Handlungsfähigkeit der Organisation sichern
-
Hauptwerkzeuge:
✓ Destruktives Verhalten sofort stoppen
✓ Unbeteiligte und betroffene Bereiche schützen
✓ HR, Führung oder externe Unterstützung einbeziehen
Konfliktmanagement
Eskalationsstufen zeigen dir, wann du intern moderieren kannst und wann externe Hilfe nötig wird. Doch professionelles Konfliktmanagement geht noch weiter: Erfahre in unserem Beitrag, welche Strategien und Techniken dir helfen, Konflikte konstruktiv zu lösen.
Eskalationsstufe 8: Zersplitterung
In dieser Stufe gezielte Schädigungsakte weichen einer systematischeren Strategie: Die andere Seite soll isoliert werden. Netzwerke werden untergraben, Kommunikationswege sabotiert und Personen aus relevanten Strukturen ausgeschlossen.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied organisiert kurzfristig ein Meeting zur Projektpriorisierung, lädt die andere Person bewusst nicht ein und trifft dort gemeinsam mit anderen bereits Entscheidungen über die nächsten Schritte.
Eskalationsstufe 9: Gemeinsam in den Abrund
Die Beteiligten nehmen in Stufe 9 eigene schwere Schäden bewusst in Kauf. Sie zerstören die eigene berufliche Stellung oder Beziehungen, wenn es der anderen Seite genauso oder stärker schadet. Der Konflikt hat eine Eigendynamik entwickelt, die dem Umfeld beider Seiten schadet.
➡️Beispiel: Ein Teammitglied löscht kurz vor der finalen Abgabe wichtige Projektdateien aus dem gemeinsamen Ordner, damit die andere Person ihre Aufgaben nicht mehr fertigstellen kann.
- Ziel: Eskalation begrenzen, Handlungsfähigkeit der Organisation sichern
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Hauptwerkzeuge:
✓ Destruktives Verhalten sofort stoppen
✓ Unbeteiligte und betroffene Bereiche schützen
✓ HR, Führung oder externe Unterstützung einbeziehen
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