Feedback geben
Im Berufsalltag kommst du am Feedback geben nicht vorbei. Wie du Feedback respektvoll und motivierend formulierst, erfährst du hier und im Video.
Inhaltsübersicht
Was bedeutet Feedback geben?
Feedback bedeutet, jemandem eine Rückmeldung zu seinem Verhalten oder seiner Leistung zu geben. Dabei geht es darum, Entwicklung anzustoßen und das Verhalten in eine positive Richtung zu verändern. Das funktioniert nur, wenn dein Gegenüber versteht, was genau gemeint ist und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Wichtig: Feedback ist immer ein Geben und ein Nehmen. Wer Feedback gibt, teilt seine Wahrnehmung. Und nur wer Feedback annimmt, erkennt, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt. Erst dieser Austausch macht Feedback wertvoll.
Damit Feedback wirklich etwas verändert, braucht es klare Regeln. Ohne sie wird eine Rückmeldung schnell zu persönlich oder missverständlich. Klare Leitlinien helfen dir, ruhig zu bleiben und echte Entwicklung möglich zu machen. So entsteht Schritt für Schritt eine offene Feedbackkultur im Team.
Was macht ein gutes Feedback aus?
Gutes Feedback entsteht nicht spontan. Es braucht Klarheit und eine saubere Struktur. Wenn du weißt, worauf es ankommt, führst du Gespräche sicherer und stößt auf offene Ohren. Die folgenden 10 Regeln helfen dir als Feedbackgeber, dein Feedback wirksam zu gestalten:
1. Feedback vorbereiten und Ziel klären
Überlege dir vor dem Gespräch ganz konkret: Was genau ist passiert? und Was soll künftig anders laufen? Notiere dir eine konkrete Situation und einen klaren Wunsch für die Zukunft. So vermeidest du Sätze wie „Das läuft in letzter Zeit nicht gut“ und bleibst klar und lösungsorientiert.
2. Konkret und nachvollziehbar bleiben
Sprich eine klare Situation an, statt allgemein zu bleiben. Statt zu sagen: „Deine Kommunikation ist manchmal schwierig“, formuliere zum Beispiel so: „Im letzten Kundentermin hast du zwei Rückfragen unbeantwortet gelassen.“ Wenn du ein konkretes Beispiel nennst, kann dein Gegenüber dein Feedback leichter einordnen. Die Person dann versteht schneller, worum es dir wirklich geht.
3. Zeitnah Feedback geben
Sprich Themen an, solange sie noch präsent sind. Wenn du erst Wochen später ein Meeting ansprichst, erinnert sich dein Gegenüber oft nur noch vage. Sag lieber zeitnah: „Im heutigen Call ist mir aufgefallen, dass …“ Dadurch bleibt der Bezug klar und dein Feedback wirkt fair.
4. Ausreichend Zeit einplanen
Plane Feedbackgespräche bewusst ein, statt sie spontan zwischen zwei Terminen einzuschieben. Ein Satz wie „Hast du kurz fünf Minuten?“ signalisiert eher Kritik im Vorbeigehen. Besser ist: „Ich würde gern 30 Minuten mit dir über das Projekt sprechen.“ Damit zeigst du deinem Gegebüber Wertschätzung und gibst dem Thema genug Raum.
Tipp: Führe wichtige Feedbackgespräche wenn möglich in Präsenz. So nimmst du Reaktionen besser wahr und schaffst mehr Offenheit.
5. Wertschätzend auftreten
Sprich nie über Eigenschaften, sondern über beobachtbares Verhalten.
Statt „Du bist unzuverlässig“ sage lieber: „Der Bericht kam zweimal später als vereinbart.“ So bleibt dein Feedback sachlich. Dein Gegenüber fühlt sich nicht persönlich angegriffen, sondern versteht, welches Verhalten gemeint ist.
6. Sachlich bleiben
Wenn dich ein Thema ärgert, geh nicht direkt ins Gespräch. Aussagen wie „So kann man doch nicht arbeiten“ solltest du deswegen vermeiden. Formuliere dein Feedback eher so: „Die Präsentation enthielt mehrere Fehler, die wir vor dem Versand nicht geprüft haben.“ Damit vermeidest du Vorwürfe und schaffst eine Gesprächsbasis, auf der ihr gemeinsam nach Lösungen suchen könnt.
Tipp: Bist du emotional stark aufgewühlt, nimm dir bewusst etwas Zeit und Abstand. Ein kurzer Spaziergang oder ein paar Minuten Ruhe helfen, klarer zu formulieren.
7. Konstruktiv bleiben
Kritik ist wichtig, aber dein Feedback sollte auch zeigen, welches Verhalten du dir stattdessen wünschst. Statt nur zu sagen: „Die Übergabe war chaotisch“, ergänze: „Ich wünsche mir, dass du die wichtigsten Punkte künftig schriftlich zusammenfasst.“
8. Positives benennen
Heb nicht nur Fehler hervor, sondern auch das, was gut funktioniert. Beschreibe dabei konkret, was dir aufgefallen ist und warum es hilfreich war.
Zum Beispiel: „Du hast die Einwände des Kunden ruhig aufgenommen und strukturiert beantwortet. Das hat die Situation deutlich entspannt.“
Solche Rückmeldungen stärken Selbstvertrauen und zeigen, welches Verhalten beibehalten werden soll. Dadurch steigt auch die Bereitschaft, an anderen Punkten weiterzuarbeiten.
Die Sandwich-Methode strukturiert Feedback in drei Schritten:
- Positiver Einstieg – Du benennst eine konkrete Stärke.
- Kritischer Punkt – Du sprichst klar an, was verbessert werden soll.
- Positiver Abschluss – Du stärkst Vertrauen und blickst nach vorn.
➡️ Beispiel: „Deine Vorbereitung war sehr gründlich. In der Präsentation waren die Kernaussagen jedoch nicht klar genug. Ich bin sicher, dass du das mit einer klaren Zusammenfassung am Ende gut lösen kannst.“
Wichtig: Nutze die Methode nur, wenn beide positiven Punkte ehrlich gemeint sind. Wirkt das Lob vorgeschoben, verliert dein Feedback an Glaubwürdigkeit.
9. Aktiv zuhören
Beim Feedback Geben geht es nicht darum, dass du einen Monolog führst. Ein Feedbackgespräch lebt vom Austausch. Gib deinem Gegenüber Raum zu reagieren und höre wirklich zu. Statt direkt zu erklären, warum du recht hast, frage nach: „Wie hast du die Situation wahrgenommen?“ oder „Was war deine Überlegung dabei?“
10. Ergebnisse festhalten
Beende das Gespräch nicht mit einem offenen „Dann schauen wir mal“. Haltet konkret fest, was sich ändern soll und bis wann. Zum Beispiel: „Wir prüfen die Präsentation künftig gemeinsam einen Tag vorher“ oder „Du übernimmst ab nächstem Monat die Moderation.“ Klare Vereinbarungen sorgen dafür, dass Feedback nicht verpufft, sondern zu sichtbarer Entwicklung führt.
➡️ Beispiel
❌ „In letzter Zeit bist du in Meetings oft unvorbereitet und bringst das Team nicht wirklich weiter.“
→ Dieses Feedback bleibt unklar. Es nennt kein konkretes Beispiel und vermischt Verhalten mit Bewertung. Dein Gegenüber weiß nicht, was genau gemeint ist und fühlt sich schnell angegriffen.
✓ „Im letzten Projektmeeting hast du die Präsentation ohne Zahlen vorgestellt. Mir hat dadurch eine Entscheidungsgrundlage gefehlt. Für die nächsten Meetings wünsche ich mir, dass du die wichtigsten Kennzahlen vorbereitest.“
→ Dieses Feedback bezieht sich auf eine konkrete Situation. Es beschreibt die Wirkung und formuliert eine klare Erwartung. So weiß die andere Person genau, was sie ändern kann.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Ich-Botschaften und die WWW-Methode im Feedback
Wenn du Feedback gibst, sprichst du immer aus deiner eigenen Perspektive. Genau hier setzen Ich-Botschaften an. Statt zu bewerten oder anzugreifen, beschreibst du deine subjektive Wahrnehmung. Das senkt Widerstand und erhöht die Bereitschaft, dir zuzuhören.
Eine bewährte Struktur dafür ist die WWW-Methode. Sie hilft dir, Feedback klar und verständlich aufzubauen. Die drei W stehen für Wahrnehmung, Wirkung und Wunsch:
1. Wahrnehmung
Beschreibe, was du beobachtet hast, am besten anhand eines konkreten Beispiels. Halte dich dabei an Fakten und vermeide Bewertungen.
➡️ Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass du im letzten Sprint-Review mehrere Punkte offen gelassen hast.“
2. Wirkung
Erkläre, was diese Beobachtung bei dir auslöst oder bewirkt. So wird die Bedeutung und Wirkung des Verhaltens klar.
➡️ Beispiel: „Das hat bei mir Unsicherheit ausgelöst, weil wichtige Entscheidungen offen blieben.“
3. Wunsch
Formuliere, was du dir für die Zukunft wünschst. Der Wunsch gibt Orientierung für eine Verbesserung.
➡️ Beispiel: „Ich wünsche mir, dass du die offenen Punkte am Ende kurz zusammenfasst.“
Regeln zum Annehmen von Feedback
Feedbackregeln umfassen aber nicht nur das aktive Feedback geben, sondern auch auch das richtige Annehmen von Feedback. Wenn du Feedback annimmst, geht es darum zuzuhören und zu verstehen. Nur so kannst du erkennen, wie dein Verhalten auf andere wirkt und dich verbessern.
1. Zuhören und ausreden lassen
Lass dein Gegenüber vollständig aussprechen. Unterbrechungen wirken schnell abwehrend. Erst wenn du alles gehört hast, kannst du den Inhalt richtig einordnen.
2. Nicht sofort rechtfertigen
Feedback beschreibt immer eine Wahrnehmung. Sie lässt sich nicht „wegdiskutieren“. Verzichte deshalb auf Erklärungen oder Verteidigung und nimm die Rückmeldung zunächst an.
3. Nachfragen, um zu verstehen
Wenn dir etwas unklar ist, frage gezielt nach. So vermeidest du Missverständnisse und zeigst echtes Interesse.
4. Emotionen kontrollieren
Kritisches Feedback kann im ersten Moment auch verletzend wirken. Bleib trotzdem ruhig, denn eine sachliche Reaktion signalisiert Professionalität.
5. Den Nutzen erkennen
Auch unbequemes Feedback liefert Hinweise auf deine Wirkung. Nutze diese Hinweise bewusst, um dein Verhalten zu reflektieren und gezielt weiterzuentwickeln.
6. Wertschätzung zeigen
Bedanke dich für die Rückmeldung. Das gilt auch dann, wenn Ton oder Zeitpunkt nicht ideal waren. Wertschätzung hält den Dialog offen.
7. Konsequenzen ableiten
Überlege, welche Punkte du konkret ändern willst. Erst durch Umsetzung wird Feedback zu einem echten Entwicklungsinstrument.
➡️ Beispiel
❌ „Das sehe ich anders. Die Situation war stressig und ich hatte keine andere Wahl.“
→ Diese Reaktion beendet das Gespräch schnell. Du wirkst abwehrend und gehst nicht auf die Rückmeldung ein. Dein Gegenüber hat dann das Gefühl, dass du nicht wirklich zuhören willst und wird sich beim nächsten Mal vermutlich zurückhalten.
✓ „Danke für den Hinweis. Ich verstehe, dass mein Verhalten in der Situation so gewirkt hat. Kannst du mir ein konkretes Beispiel nennen, damit ich das besser einordnen kann?“
→ Du hörst zu und fragst nach. Du bleibst ruhig und offen. So entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe, aus dem du konkrete Lernpunkte für dich mitnehmen kannst.
Beispiele und Muster für Feedback
Konkrete Szenarien zeigen am besten, wie Feedback im Alltag wirkt. Die folgenden drei Beispiele stammen aus typischen Arbeitssituationen. Du siehst jeweils, wie der Feedbackgeber formuliert und wie eine gute Reaktion des Feedbacknehmers aussehen kann:
Feedbackgeber:
„Im letzten Projekt wurden zwei Deadlines nicht eingehalten. Das hat bei mir den Eindruck erzeugt, dass Risiken zu spät sichtbar werden. Ich wünsche mir, dass du mich früher informierst, wenn Termine kritisch werden.“
Feedbacknehmer:
„Danke für den Hinweis. Mir war nicht bewusst, dass das so wirkt. Ich werde künftig früher Bescheid geben, wenn sich Verzögerungen abzeichnen.“
→ So bleibt das Gespräch sachlich. Beide Seiten wissen, worum es geht und was sich künftig ändern soll.
Feedbackgeber:
„Deine klare Struktur im heutigen Meeting hat geholfen, schnell Entscheidungen zu treffen. Besonders die Zusammenfassung am Ende war sehr hilfreich.“
Feedbacknehmer:
„Das freut mich zu hören. Ich werde die Zusammenfassung auch in zukünftigen Meetings beibehalten.“
→ Dein Gegenüber erkennt dadurch klar, welches Verhalten gewünscht ist und beibehalten werden soll. Das gibt Sicherheit für kommende Situationen.
Feedbackgeber:
„In der letzten Teamrunde waren die Aufgabenverteilungen nicht eindeutig. Das hat bei mir Unsicherheit ausgelöst. Ich wünsche mir, dass Verantwortlichkeiten am Ende klar benannt werden.“
Feedbacknehmer:
„Verstanden. Ich sehe, dass das für Verwirrung gesorgt hat. Ich werde künftig klarer festhalten, wer was übernimmt.“
→ Die Rückmeldung bleibt sachlich und dein Gegenüber zeigt, dass es den Punkt verstanden hat und handeln will.
Feedbackgespräch
Wenn du Feedback geben willst, lohnt sich auch ein Blick auf das Feedbackgespräch. Wie du Rückmeldungen strukturiert vorbereitest und Gespräche sicher und zielführend führst, erfährst du hier!
Feedbackgespräch
Wenn du Feedback geben willst, lohnt sich auch ein Blick auf das Feedbackgespräch. Wie du Rückmeldungen strukturiert vorbereitest und Gespräche sicher und zielführend führst, erfährst du hier!