Wasserfreies Natriumcarbonat nennst du auch reines Soda. Hier und im Video lernst du die Eigenschaften und Verwendung der Verbindung kennen.
Inhaltsübersicht
Was ist Natriumcarbonat?
Natriumcarbonat (Natriumkarbonat, englisch sodium carbonate) ist eine chemische Verbindung. Sie setzt sich aus zwei Natrium-Ionen (Na+) und einem Carbonat-Ion (CO32-) zusammen. Daher lautet die Natriumcarbonat-Formel Na2CO3. Daran erkennst du auch, dass es sich dabei um ein Salz der Kohlensäure (H2CO3) handelt. Die Strukturformel sieht folgendermaßen aus:
Liegt die Verbindung wasserfrei vor, kannst du das weiße Pulver auch kalziniertes Soda oder Waschsoda nennen.
Wie dir die Namen vielleicht schon verraten, wird Natriumcarbonat als Reinigungs– oder Bleichmittel verwendet. Aber auch in der Glasindustrie oder als Lebensmittelzusatzstoff wird Soda häufig für Glasschmelzen eingesetzt.
Natriumcarbonat Eigenschaften
Im Folgenden findest du einige physikalische und chemische Eigenschaften der Verbindung:
- Molare Masse: Die molare Masse von Na2CO3 beträgt 105,99 g/mol.
- Dichte : Die Verbindung hat eine Dichte von 3,58 g/cm3.
- pH-Wert : Der pH-Wert beträgt 11,5 (bei 50 g Natriumcarbonat in Wasser).
- Schmelzpunkt: Bei 854°C schmilzt Na2CO3.
- Siedepunkt: Natriumcarbonat zersetzt sich bei 1600°C.
- Aussehen: Es handelt sich um ein weißes Pulver.
- Löslichkeit: Es ist gut in Wasser löslich.
- Vorkommen: Du findest Natriumcarbonat in den Sodaseen von Ägypten, Ostafrika, Kalifornien und Mexiko. In Form von Trona (seltenes Mineral) kommt es ebenfalls in Mexiko und Ostafrika vor. Aber auch in Wyoming (USA) und der südlichen Sahara kannst du die Verbindung entdecken.
- Wissenswertes: Eine Sodalösung perlt beim Ansäuern Kohlenstoffdioxid (CO2) aus. Das kannst du dann in Wasser einleiten, um Sodawasser zu erhalten.
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Modifikationen
Von Natriumcarbonat sind unterschiedliche Formen bekannt. Das liegt daran, dass die Verbindung je nach Druck und Temperatur eine andere Struktur annimmt — also polyamorph ist. Die entstandenen Modifikationen können dann wasserfrei sein oder Kristallwasser enthalten (Hydrate). Wir haben dir einige Beispiele aufgelistet:
| Modifikation | Beschreibung | Formel |
| Wasserfrei |
|
Na2CO3 |
| Monohydrat |
|
Na2CO3 H2O |
| Dihydrat |
|
Na2Ca(CO3)2 2 H2O |
| Pentahydrat |
|
Na2Ca(CO3)2 5 H2O |
| Heptahydrat |
|
Na2CO3 7 H2O |
| Decahydrat |
|
Na2CO3 10 H2O |
| Hydrogencarbonat |
|
Na(HCO3) Na2CO3 2 H2O |
Natriumcarbonat Reaktionen
Reines Soda ist wasserfrei. Mischst du es jedoch mit H2O, entsteht unter Wärmeentwicklung eine basische Lösung:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{Na2CO3 + H2O -> NaHCO3 + NaOH}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-495b6ee73867a56df47e651d0a8e7766_l3.png)
Dabei reagiert das Carbonat -Ion (CO32-) basisch und nimmt ein Proton (H+) auf:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{CO3^2- + H2O -> HCO3- + OH-}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-b4ec3bf822e3bcc9a71d8ce4ecf7760e_l3.png)
Lässt du Natriumcarbonat mit einer Säure wie Salzsäure (HCl) reagieren, bilden sich die entsprechenden Salze der Säure. In dem Fall also Natriumchlorid (NaCl):
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{Na2CO3 + 2 HCl -> 2 NaCl + H2O + CO2}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-083c0d8d36cfed40216f19160b15619d_l3.png)
Außerdem entwickelt sich das Gas Kohlenstoffdioxid (CO2), was du an einem Blubbern erkennen kannst.
Auch mit Schwefelsäure (H2SO4) wird ein Salz gebildet. Du nennst es Natriumsulfat (Na2SO4):
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{Na2CO3 + H2SO4 -> Na2SO4 + H2O + CO2}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-a19eb6cc7400deff119318632136c7f7_l3.png)
Natriumcarbonat Verwendung
Das weiße Pulver ist schon seit sehr langer Zeit in Gebrauch der Menschen. Bereits die Ägypter setzten es früh zum Mumifizieren ein. Heutzutage wird Na2CO3 vielseitig in der Industrie verwendet.
Dazu haben wir einige Beispiele für dich:
- Glasindustrie: Hier wird das kalzinierte Soda am häufigsten genutzt. Es dient als Rohstoff bei der Glasschmelze. Das Soda verhindert nämlich das Auskristallisieren der erstarrenden Schmelze, wodurch das Glas unregelmäßige Strukturen beibehält — es bleibt also amorph. So fungiert wasserfreies Natriumcarbonat also als Flussmittel und bestimmt die Fließfähigkeit der Glasschmelze.
- Eisenhüttenindustrie: Auch hier wird Soda als Flussmittel eingesetzt, aber auch zur Entschwefelung von Roheisen oder Gusseisen.
- Waschmittel- und Seifenindustrie: Mit Soda kannst du Grobwaschmittel und andere Reinigungsmittel herstellen. Außerdem können mit der wasserfreien Verbindung Fette verseift werden. Dadurch entsteht dann beispielsweise eine Kernseife.
- Papierindustrie: Dort wird auch das wasserfreie Natriumcarbonat, also Soda, verwendet. Und zwar zum Reinigen, Bleichen und Aufarbeiten von Altpapier.
- Synthesestoff: Mithilfe von Na2CO3 können verschiedenste Stoffe hergestellt werden. Dazu kannst du Bleichmittel, Farben, Füllstoffe, Industriereiniger oder Klebstoffe zählen. Aber auch andere chemische Verbindungen wie Natriumchromat (Na2CrO4), Natriumdichromat (Na2Cr2O7) oder Pentanatriumtriphosphat (Na5P3O10) kannst du mit Natriumcarbonat produzieren.
-
Weitere Anwendungen: Das weiße Pulver findet noch in vielen weiteren Bereichen Verwendung. Wir haben dir noch ein paar Beispiele aufgelistet:
- Lederindustrie
- Wasserreinigung
- Textilindustrie
- Rauchgasentschwefelung
- Keramikindustrie
- Entgiftung von Nervenkampfstoffen (Neurotoxine)
- pH-Wert Anhebung von Trinkwasser und in Schwimmbädern
Natriumcarbonat Herstellung
Im Labor kannst du das weiße Pulver herstellen, indem du das Gas Kohlenstoffdioxid (CO2) in Natronlauge (NaOH) einleitest:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{2 NaOH + CO2 + H2O -> Na2CO3 + 2 H2O}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-38a60cc9b8f7aa0ff778426835d65753_l3.png)
Solvay-Verfahren
In der chemischen Industrie werden aber größere Mengen Natriumcarbonat benötigt. Deshalb wird heutzutage hauptsächlich das Solvay-Verfahren angewandt. Das heißt, Na2CO3 wird hier im Wesentlichen aus Natriumchlorid (NaCl) und Ammoniak (NH3) gewonnen (Sodaherstellung).
Dabei wird in einem ersten Schritt Ammoniak (NH3) und Kohlendioxid (CO2) in eine gesättigte NaCl-Lösung eingeleitet:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{2 NaCl +2 CO2 + 2 NH3 + 2 H2O -> 2 NaHCO3 + 2 NH4Cl}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-5f8038473bf73f2f0d6ab606e4b965a3_l3.png)
Bei dem Schritt entsteht Ammoniumchlorid (NH4Cl) und Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3). Letzteres wird in einem Ofen erhitzt, sodass schließlich Natriumcarbonat entsteht:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{2 NaHCO3 -> Na2CO3 + H2O + CO2}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-a3178984496f68848030fa43e680a9bd_l3.png)
Bei dem Verfahren handelt es sich um einen Kreisprozess. Das bedeutet, dass das Ammoniak und das Kohlenstoffdioxid in den Prozess zurückgeführt werden. Deshalb ist das Verfahren sehr wirtschaftlich und hat das frühere Leblanc-Verfahren mittlerweile weitestgehend abgelöst.
Leblanc-Verfahren
Eine weitere Möglichkeit, die Verbindung in der Industrie zu synthetisieren, ist über das Leblanc-Verfahren. Das bedeutet, dass das Natriumchlorid (NaCl) zunächst mit heißer Schwefelsäure (H2SO4) reagiert:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{2 NaCl + H2SO4 -> 2 HCl + Na2SO4}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-d796b6e180337e8f0afbb34a2ba6a8af_l3.png)
Anschließend wird das gebildete Natriumsulfat (Na2SO4) mit Kalk (CaCO3) und Kohlenstoff (C) versetzt. Dadurch erhältst du schließlich Natriumcarbonat:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\ce{Na2SO4 + CaCO3 + 2 C -> Na2CO3 + CaS + 2 CO2}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-b92e4d8424ce6d93dbb5c2d9e8cd5a65_l3.png)
Natriumchlorid ist also nahezu unerlässlich, um Natriumcarbonat in der Industrie herzustellen. Aber auch dein Körper kann nicht darauf verzichten. Welches Synonym hinter Natriumchlorid steckt und warum du es jeden Tag zu dir nimmst, erfährst du im nächsten Video!
Natriumcarbonat — häufigste Fragen
(ausklappen)
Natriumcarbonat — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Was ist Kristallsoda?„Kristallsoda“ ist Natriumcarbonat
mit gebundenem Wasser, meistens das Decahydrat. Die Verbindung liegt dann als Kristalle vor und nicht als wasserfreies Pulver. „Kristallsoda“ hat deshalb eine andere Zusammensetzung als reines Soda, obwohl der Grundstoff Natriumcarbonat derselbe ist.
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Was bedeutet kalziniertes Soda?„Kalziniertes Soda“ ist wasserfreies Natriumcarbonat
. „Kalziniert“ bedeutet hier, dass Natriumcarbonat durch Erhitzen in die Form ohne Kristallwasser überführt wurde. Kalziniertes Soda ist deshalb die reine, trockene Soda-Form und wird auch als Waschsoda bezeichnet.
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Sind Natriumcarbonat und Natron das Gleiche?„Natron“ und Natriumcarbonat sind nicht das Gleiche, sondern zwei verschiedene Salze. „Natron“ ist Natriumhydrogencarbonat
. Natriumcarbonat hat die Formel
und enthält das Carbonat-Ion statt des Hydrogencarbonat-Ions.
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Sind Backpulver und Natriumcarbonat das Gleiche?„Backpulver“ und Natriumcarbonat sind nicht das Gleiche, weil „Backpulver“ ein Gemisch ist. „Backpulver“ enthält typischerweise Natriumhydrogencarbonat
und einen Säurebestandteil, die beim Befeuchten und Erwärmen Kohlenstoffdioxid bilden. Natriumcarbonat
dagegen ist ein einzelner Stoff (Soda).
Salze verstehen
Natriumcarbonat ist ein Salz und gehört zu den wichtigen Stoffen der anorganischen Chemie. Wer sich mit Salzen beschäftigt, ordnet Formeln, Ionen und typische Reaktionen mit Wasser oder Säuren ein. Dabei wird klar, warum Salze je nach Aufbau ganz verschiedene Eigenschaften haben und im Alltag oder in der Industrie unterschiedlich genutzt werden. Weitere Videos dazu findest du in unserem Chemiebereich.
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