Durch ein Arbeitszeugnis belegst du deine Fähigkeiten, wenn du dich auf einen neuen Job bewirbst. Wie es aufgebaut ist, welche Arten es gibt und was die jeweiligen Noten bedeuten, erfährst du hier und in unserem Video !

Was ist ein Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis ist ein schriftlicher Nachweis deines Arbeitgebers. Es informiert über die Dauer und Art des Arbeitsverhältnisses sowie über dein Verhalten, deine Position und deine erbrachten Leistungen. Laut BGB und GewO hast du einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, dieser erlischt allerdings nach einer Verjährungsfrist von 3 Jahren. Das Zeugnis muss wahrheitsgemäß und wohlwollend formuliert sein.

💡 Schon gewusst? Viele Arbeitnehmer dürfen ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben. Das ist zum einen ein Vertrauensbeweis, zum anderen bietet es dem Arbeitnehmer die Möglichkeit, ein optimal ausgelegtes Zeugnis zu erstellen. Dazu müssen aber bei Aufbau und Inhalt unbedingt formale Regeln beachtet werden. Mehr dazu erfährst du jetzt!

Wie sieht ein Arbeitszeugnis aus?

Für den Aufbau eines Arbeitszeugnisses gibt es feste Regeln. Ein gutes Arbeitszeugnis sollte nicht mehr als drei DIN A4 Seiten umfassen.

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Arbeitszeugnis – Aufbau
  1. Briefkopf des Arbeitgebers: Alternativ kann an dieser Stelle auch ein Firmenbogen verwendet werden.

  2. Zeugnisüberschrift: Die Zeugnisüberschrift definiert die Art des Zeugnisses. Das kann außer dem Arbeitszeugnis auch ein Zwischenzeugnis, ein Ausbildungszeugnis , ein Praktikumszeugnis, ein Dienstzeugnis oder ein Endzeugnis sein.

  3. Einleitung: Nach der Überschrift folgt die Einleitung. Sie beinhaltet den Namen, das Geburtsdatum, den Beschäftigungszeitraum und den Aufgabenbereich des Arbeitnehmers. Sie sollte allerdings keine Bewertung beinhalten und sachlich formuliert sein.

  4. Unternehmensbeschreibung: Hier werden Angaben zum Arbeitgeber gemacht. Das Unternehmen wird dabei kurz mit Namen, Branche und Tätigkeitsgebiet präsentiert. Außerdem kann dieser Teil Informationen zur Rechtsform, Größe, Anzahl der Mitarbeiter und Standorten enthalten.

  5. Tätigkeitsbeschreibung und Aufgabenfeld: In der Tätigkeitsbeschreibung findest du alle Aufgaben und Tätigkeiten des Arbeitnehmers. Die wichtigsten Aufgaben sollten zuerst genannt werden und nach Relevanz geordnet sein. Dabei ist es egal, ob die Aufgaben in Form von Stichpunkten oder Fließtext verfasst sind, solange zukünftige Arbeitgeber sich ein genaues Bild deiner Tätigkeiten machen können. Je länger du im Unternehmen warst, desto detaillierter sollte dieser Abschnitt auch sein.

  6. Leistungsbewertung: Das ist der wichtigste Part des Arbeitszeugnisses. Er entscheidet oft darüber, ob du für die Arbeitsstelle, bei der du dich neu bewirbst, geeignet bist. Die Leistungsbewertung geht auf deine Fachkenntnisse, deine Arbeitsbereitschaft, die Arbeitsbefähigung und Erfolge ein. Bist du in einer leitenden Position tätig, beurteilt dieser Teil noch deine Führungsleistung und Führungsqualitäten. Hinter den Beschreibungen stehen für Personaler klassische Schulnoten.

  7. Verhaltensbewertung (Sozialverhalten): Hier wird der Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern dargestellt. 

  8. Schlussformel: Der Schlussteil beinhaltet den Grund für deinen Austritt, einen Dank bezüglich deiner geleisteten Arbeit, eine Bedauernsformel und Zukunftswünsche. Die Danksagung und persönliche Formulierungen können dein Arbeitszeugnis hier stark aufwerten, da es darauf hinweist, dass du ein wichtiger Teil des Unternehmens warst und wertgeschätzt wurdest.

  9. Ort, Datum und Unterschrift: An letzter Stelle muss dein Arbeitgeber das Zeugnis unterschreiben. Das Datum sollte das deines letzten Arbeitstages sein.

Qualifiziertes vs. einfaches Arbeitszeugnis

Grundsätzlich unterscheidest du zwischen dem qualifizierten und dem einfachen Arbeitszeugnis.

Einfache Arbeitszeugnisse informieren ausschließlich über die Art und Dauer der Beschäftigung sowie die persönlichen Informationen des Arbeitnehmers. Die Leistungsbewertung und das Sozialverhalten werden hier ausgelassen. Deswegen ist es kürzer als das qualifizierte Arbeitszeugnis.

Qualifizierte Arbeitszeugnisse hingegen geben dem Personaler zusätzlich Einblicke in die Leistungsfähigkeiten und das Sozialverhalten eines Bewerbers. Daher ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aussagekräftiger und wird bei Bewerbungen von Personalern erwartet. 

Wann kann ich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen?

Grundsätzlich müssen Arbeitgeber nur ein einfaches Arbeitszeugnis ausstellen. Als Arbeitnehmer hast du aber schon 6 Wochen nach Ende des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Das musst du allerdings aktiv beantragen.

Arbeitszeugnistypen

Es gibt nicht nur eine Art von Arbeitszeugnis. Zusätzlich zu „einfach“ und „qualifiziert“ gibt es noch weitere Zeugnistypen:

  • Zwischenzeugnis: Diese Zeugnisform wird während des Arbeitsverhältnisses ausgestellt, zum Beispiel wenn du intern den Job wechselst und eine neue Position einnimmst, wenn du befördert wirst, wenn sich dein Vorgesetzter wechselt oder der Betrieb übernommen wird. Es belegt den aktuellen Leistungsstand des Arbeitnehmers und wird oft besser bewertet, um den Angestellten zu motivieren.

  • Praktikumszeugnis: Auch Praktikanten haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Es beschreibt deine Aufgaben und enthält eine Bewertung der Leistung und des Sozialverhaltens des Praktikanten. Gerade Berufseinsteigern hilft ein Praktikumszeugnis bei der Bewerbung, daher solltest du als Praktikant immer ein Praktikumszeugnis verlangen.

  • Ausbildungszeugnis Azubis erhalten am Ende ihrer Ausbildung ebenfalls ein Ausbildungszeugnis. Dieses Zeugnis unterscheidet in seinem Aufbau und Inhalt nicht von einem Arbeitszeugnis. Zusätzlich enthält es einen Prüfungsvermerk mit der Note der Abschlussprüfung.

Arbeitszeugnis Notenschlüssel

Bei der Beurteilung der Leistungen benutzen Personaler im Arbeitszeugnis bestimmte Formulierungen, hinter denen sich die klassischen Schulnoten von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ verstecken. Diese Kernsätze bedeuten folgende Noten:

Note  Zeugnissprache
sehr gut  „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“
gut  „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“
befriedigend  „stets zu unserer Zufriedenheit“
ausreichend „zu unserer Zufriedenheit“
mangelhaft  „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“
ungenügend  „er/sie hat sich bemüht“

Ein Arbeitszeugnis muss insgesamt immer mindestens mit der Note 3 bewertet sein, also „befriedigend“. Schlechtere Arbeitszeugnisse muss dein Arbeitgeber begründen.

Wenn du mehr zu den Formulierungen im Arbeitszeugnis erfahren möchtest, klicke hier !

Merke: Personaler achten genauso auch darauf, was nicht im Zeugnis steht. Wird bei einem Geschäftsführer beispielsweise nur auf Nebensächlichkeiten eingegangen, nicht aber auf seine Arbeitsleistung in der Geschäftsführung, zeigt das an, dass die Leistung in der Hauptsache schlecht war.

Vor allem das Fehlen der Schlussformel wirkt nicht gut bei der Bewerbung, denn die Formulierungen in diesem Teil sind extrem aussagekräftig. Sie ist dem Arbeitgeber allerdings freiwillig überlassen und Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch darauf. 

Schlechtes Arbeitszeugnis – was tun?

Arbeitszeugnisse können bei deiner Bewerbung darüber entscheiden, ob du den Job bekommst oder nicht. Einerseits hinterlässt ein schlechtes Zeugnis keinen guten Eindruck, andererseits stellen sich dem Personaler einige Fragen, wenn du es bei der Bewerbung einfach weglässt. 

Wenn du also mit deinem Arbeitszeugnis unzufrieden bist, solltest du deinen Chef direkt darauf ansprechen und ihn gegebenenfalls bitten, es zu korrigieren. Macht er das nicht, kannst du einen schriftlichen Widerspruch einreichen und sogar Alternativformulierungen vorschlagen.

Hilft auch das nichts, kannst du innerhalb von 3 Wochen nach Erhalt des Zeugnisses eine Zeugnisberichtigungsklage einreichen. Ist deine Durchschnittsnote besser als eine 3, musst du außerdem Beweise liefern, dass du ein besseres Zeugnis verdient hast. Nach 15 Monaten verfällt dein Anspruch auf Korrekturen am Arbeitszeugnis.

Woran erkenne ich ein schlechtes Arbeitszeugnis?

An den Formulierungen im Arbeitszeugnis sind schlechte Bewertungen nicht immer einfach zu erkennen, da sie oft besser klingen, als sie gemeint sind. Trotzdem lässt sich ein schlechtes Zeugnis an diesen Anzeichen erkennen:

  • zweideutige Ausdrücke
  • Betonung von Selbstverständlichkeiten
  • wichtige Tätigkeiten werden weggelassen 

Muss ich mein Arbeitszeugnis einer Bewerbung beifügen?

Dein Arbeitszeugnis gibt detaillierte Aussagen, wie gut du deinen Job bei ehemaligen Arbeitgebern gemacht hast. Außerdem können Personaler so herausfinden, wie du dich gegenüber Kollegen und Vorgesetzten verhalten hast und ob du ins neue Team passt. 

Hast du bereits mehrere Jahre Berufserfahrung, musst du deiner Bewerbung auf keinen Fall alle Arbeitszeugnisse deiner ehemaligen Arbeitsstellen beifügen. Hauptsache ist, dass das Zeugnis deines letzten Arbeitgebers und alle weiteren Zeugnisse, die vor weniger als 10 Jahren ausgestellt wurden, dabei sind. 

Bist du Berufseinsteiger und kannst keine Berufserfahrung vorweisen, solltest du unbedingt Praktikumszeugnisse oder ähnliches beifügen!

Arbeitszeugnis anfordern

Du weißt jetzt, dass dir — unabhängig von der Art des Dienstverhältnisses und der Dauer des Beschäftigungszeitraums — gesetzlich ein Arbeitszeugnis zusteht. Stellt dein Arbeitgeber dir nach Ende des Arbeitsverhältnisses nicht automatisch ein Zeugnis aus, solltest du es anfordern

Alles, was du dazu wissen musst, erfährst du in unserem nächsten Beitrag !

Zum Video: Arbeitszeugnis anfordern
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