Makroökonomie

Die natürliche Arbeitslosenquote

Du hast immer noch nicht verstanden, wie der Gewinnaufschlag mit der Arbeitslosenquote zusammenhängt? Wir bringen in diesem Beitrag Licht ins Dunkle!

Herleitung der Arbeitslosenquote mit Hilfe von Graphiken

Nachdem du in den letzten Beiträgen gelernt hast, wie sich Preise und Löhne am Arbeitsmarkt ergeben, wollen wir uns jetzt mit der daraus resultierenden Arbeitslosenquote u beschäftigen. Diese erhalten wir aus dem Punkt, an dem sich die Reallöhne der beiden Betrachtungen genau entsprechen. Zur Erinnerung zeigen wir dir hier nochmal die beiden Formeln für den Lohn:

W=P^eF\left(u,z\right)

und für den Preis:

P=\left(1+\mu\right)W

Wir nehmen uns wieder eine Graphik zur Hilfe und überlegen zunächst einmal, wie wir die Achsen beschriften müssen.

Erstellen eines Graphen und Beschriftung der Achsen

Auf der X-Achse steht die Arbeitslosenquote u, denn diese wollen wir ja ermitteln. Für die Y-Achse suchen wir einen weiteren Parameter, der in beiden Gleichungen vorkommt. Dafür bedienen wir uns zunächst einer Vereinfachung: Das erwartete Preisniveau P e entspricht von nun an dem tatsächlichen Preisniveau P. Damit erhalten wir die veränderte Lohngleichung zu:

W=PF\left(u,z\right)

Jetzt können wir jetzt beide Gleichungen nach dem Reallohn umstellen und erhalten:

\frac{W}{P}=F\left(u,z\right)
\frac{W}{P}=\frac{1}{\left(1+\mu\right)}

Reallohn als Parameter für die Y-Achse

Für unsere Y-Achse wählen wir also den Reallohn W durch P. Bevor wir die Kurven allerdings auftragen, wollen wir vorher noch zwei wichtige Abkürzungen einführen. WS steht für „wage setting“, also die Lohnkurve, PS steht für „price setting“, also die Preiskurve.

Reallohn, arbeitslosenquote,
„Wage setting“ und „price setting“

Diese Abkürzungen solltest du kennen, sie werden in den meisten Lehrbüchern verwendet. Kommen wir jetzt zur Lohnkurve. Diese nimmt in unserem Koordinatensystem einen fallenden Verlauf. Das liegt daran, dass der Lohn mit steigender Arbeitslosenquote sinkt, da sich dadurch ein Verhandlungsvorteil für den Arbeitgeber ergibt. Falls du nicht mehr ganz sicher bist, wie die Kurve verändert wird, schau dir doch nochmal unser Video zu Lohnsetzung an.

Die Preiskurve

Die Preiskurve beschreibt ganz einfach eine Gerade, da in der Formel kein u vorkommt und sie somit nicht veränderbar ist. Der Reallohn, der aus der Preissetzung entsteht, ist damit unabhängig von der Arbeitslosenquote.

Reallohn, Erwerblosenquote
Der Graph

Wie du dir schon denken kannst, wollen wir jetzt wieder ein Gleichgewicht aus den beiden Kurven bestimmen. Dafür suchen wir den Schnittpunkt, also den Punkt, an dem die beiden Reallöhne genau gleich hoch sind. In unserem Beispiel treffen sich die Kurven im Punkt A – hier bezeichnen wir die Arbeitslosenquote als natürliche Arbeitslosenquote un. Obwohl der Name es vermuten lässt, ist diese nicht von der Natur gegeben, sondern vielmehr durch die Variablen  und z veränderbar.

Das Arbeitslosengeld steigt

Steigt beispielsweise das Arbeitslosengeld, erhöht sich auch die Sammelvariable z. Für dich bedeutet das, dass du weniger Angst vor der Arbeitslosigkeit haben musst und dementsprechend höhere Reallöhne fordern kannst.  Unsere WS-Kurve verschiebt sich also nach oben und bildet die neue Kurve WS‘. Du erkennst bestimmt schon, dass wir jetzt auch einen neuen Schnittpunkt A‘ bekommen. Die natürliche Arbeitslosenquote verschiebt sich damit nach rechts und steigt also von un auf un‘. Wir merken uns: Die Erhöhung von z führt zu einer Erhöhung von un.

Der Gewinnaufschlag

Kommen wir jetzt zum Gewinnaufschlag  und überlegen uns, was diesen beeinflussen könnte. Wir haben bereits gelernt, dass  als direkter Indikator für die Marktmacht eines Unternehmens verstanden werden kann. Wenn du die einzige Pizzeria der Stadt besitzt, kannst du die Preise wählen, wie du willst und die Leute werden trotzdem bei dir kaufen, weil es keine Alternativen gibt. Wenn nun allerdings zwei Konkurrenten ebenfalls eine Pizzeria eröffnen, sinkt deine Marktmacht und du musst deinen Gewinnaufschlag senken.

Konkurrenz
Gewinnaufschlag

Der Markteintritt von Konkurrenz kann damit zu einem kleineren Müh führen. Doch was bedeutet das für unsere PS-Kurve? Ganz einfach: Da das Müh im Nenner der PS-Gleichung steht, verschiebt sich die Gerade nach oben. Diese Gerade bezeichnen wir als PS‘mit dem Gewinnaufschlag Müh Strich. Die natürliche Arbeitslosenquote sinkt damit auf den neuen Wert un‘. Wichtig ist also: Sinkt der Gewinnaufschlag , sinkt auch die unser un.

Herleitung des Beschäftigungsniveaus

Bei gegebener natürlicher Arbeitslosenquote erhalten wir natürlich auch ein natürliches Beschäftigungsniveau. Zur Herleitung betrachten wir einmal die Definition der Arbeitslosenquote in Formelschreibweise:

u=\frac{U}{L}

Klein u ist demnach gleich die Anzahl der Arbeitslosen Groß U durch die Erwerbsbevölkerung L. Um das Beschäftigungsniveau zu erhalten, wollen wir die Formel jetzt erweitern. Dafür beschreiben wir die Anzahl der Arbeitslosen mit der Differenz zwischen der gesamten Erwerbsbevölkerung L und der Anzahl der Erwerbspersonen N. In der Formel erhalten wir damit:

u=\frac{U}{L}=\frac{L-N}{L}=1-\frac{N}{L}

Die Anzahl der Erwerbspersonen N ist hier genau das gesuchte Beschäftigungsniveau. Damit sind wir fast schon am Ziel angekommen. Wir stellen die Formel jetzt noch um zu:

N=L\left(1-u\right)

Und schon haben wir einen Zusammenhang für das Beschäftigungsniveau hergeleitet. Für das natürliche Beschäftigungsniveau gilt im Gleichgewicht, dass dieses durch die natürliche Arbeitslosenquote un gegeben ist:

N_n=L\left(1-u_n\right)

Für die Produktion folgt daraus über die bekannte Produktionsfunktion Y gleich N der Zusammenhang:

Y_n=N_n=L\left(1-u_n\right)

Damit haben wir ganz einfach die Gleichung für das natürliche Produktionsniveau bestimmt.

Mit diesem Wissen bist du jetzt für die Herleitung der AS-Kurve gewappnet. Wie das funktioniert, schauen wir uns im nächsten Beitrag an!


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