Makroökonomie

Geldmarkt – Geldnachfrage und Geldangebot

Der Geldmarkt ist ein Bestandteil des Finanzmarktes, dieser besteht neben dem Geldmarkt noch aus Kapital- und Kreditmarkt. Auf dem Geldmarkt stehen sich die kurzfristige Geldnachfrage und das kurzfristige Geldangebot gegenüber. Diese beiden bestimmen wiederum den Geldmarktzins. Im nachfolgenden Beitrag erklären wir euch die Geldnachfrage und das Geldangebot zunächst in einem vereinfachten Modell in dem nur Zentralbanken existieren und erweitern dieses dann um die Geschäftsbanken.

Geldmarkt – Geldnachfrage, Geldangebot und die Bestimmung des gleichgewichtigen Zinssatzes

In der Realität gibt es auf dem Geldmarkt zwei Anbieter von Geld: Die Zentralbank stellt das Bargeld und die Geschäftsbanken, wie z.B. die Commerzbank, stellen das Sichtguthaben. So nennt man beispielsweise das Geld, das du auf deinem Girokonto angelegt hast. Um dir die Mechanismen leichter verständlich zu machen, gehen wir erstmal davon aus, dass das gesamte Geld in Form von Bargeld gehalten wird. Also existiert zunächst nur die Zentralbank.

Geldnachfrage

Als erstes beschäftigen wir uns mit der Geldnachfragefunktion. Für diese gibt es verschiedene Schreibweisen. Wir orientieren uns hier an der Schreibweise aus dem Buch „Makroökonomie“ von Blanchard und Illing. Bezeichnen wir die Geldnachfrage, also die Menge an Geld, die die einzelnen Wirtschaftssubjekte halten wollen, mit M^d. Diese Geldnachfrage wird vom Nominaleinkommen PY und dem Zinssatz i bestimmt. Das Nominaleinkommen berechnet sich als Produkt aus dem Realeinkommen Y und dem Preisniveau P. Unsere Geldnachfragefunktion lässt sich also so beschreiben:

M^d=PY\astL(i)

Um besser zu verstehen, wie sich die Änderung einer Variablen auf die Geldnachfrage auswirkt, schauen wir uns das ganze nochmal graphisch an. Wir zeichnen die Geldnachfragefunktion in ein Diagramm mit dem Zinssatz i auf der y-Achse und der Geldmenge M auf der x-Achse:

Geldmarkt Geldnachfragefunktion
Geldmarkt: graphische Darstellung Geldnachfragefunktion

Veränderungen der Parameter der Geldnachfrage auf dem Geldmarkt

Schauen wir uns zuerst an was passiert, wenn wir das Nominaleinkommen erhöhen. Wie du siehst, verschiebt sich die Geldnachfrage bei einer Erhöhung des Nominaleinkommens nach rechts. Dadurch erhalten wir bei einem gleichbleibenden Zinssatz eine höhere nachgefragte Geldmenge. Das macht ja auch Sinn: wenn man mehr Geld verdient, hat man ja auch mehr davon auf der Bank, beziehungsweise mehr Cash im Geldbeutel. Die Geldnachfrage hängt also positiv vom Nominaleinkommen ab.

Geldmarkt Geldnachfragefunktion
Geldnachfragefunktion: Erhöhung Nominaleinkommen

Was passiert aber, wenn wir den Zinssatz erhöhen? Hier beobachten wir einen anderen Effekt. Durch eine Erhöhung des Zinssatzes von i auf i` erhalten wir eine geringere nachgefragte Geldmenge M`<M. Die Geldnachfrage hängt also negativ vom Zinssatz ab.

Geldmarkt Geldnachfragefunktion
Geldnachfragefunktion: Erhöhung Zinssatz

Gütermarktgleichgewichtsbedingung – Geldnachfrage und Geldangebot

Die Geldnachfrage hast du jetzt verstanden. Als nächstes schauen wir uns die Gleichgewichtsbedingung auf dem Geldmarkt an. Um ein Gleichgewicht auf dem Geldmarkt zu erreichen, müssen wir das Geldangebot mit der Geldnachfrage gleichsetzen:

M^s=M^d

Da das Geldangebot nicht vom Zinssatz abhängt, können wir das Geldangebot M^s einfach als senkrechte Gerade in unsere Grafik einsetzen. Im Schnittpunkt der beiden Geraden befindet sich jetzt also unser Gleichgewicht, das uns auch den gleichgewichtigen Zinssatz i^* und die gleichgewichtige Geldmenge M^* liefert.

 

Veränderungen von Geldangebot und Geldnachfrage

Veränderungen von Geldangebot und Geldnachfrage beeinflussen den gleichgewichtigen Zinssatz. Zunächst betrachten wir die Veränderungen des Geldangebots. Wie bereits oben erwähnt, bestimmt die Zentralbank das Geldangebot. Dies kann durch sogenannte Offenmarktgeschäfte erreicht werden. Einfach gesagt, sind Offenmarktgeschäfte der Kauf oder Verkauf von Wertpapieren gegen Geld. Um das Geldangebot, also die verfügbare Geldmenge, zu erhöhen, kauft die Zentralbank Wertpapiere und zahlt diese mit neu geschöpftem Geld.

Geldmarkt Geldangebot
Erhöhung des Geldangebots

Wie du in der Grafik sehen kannst, reduziert sich der Zinssatz bei einer Erhöhung des Geldangebots von i auf i`. Jetzt weißt du also, was du tun musst, um den Zins zu senken! Wenn du den Zinssatz wieder erhöhen willst, senkst du im Umkehrschluss einfach das Geldangebot. Das erreichst du, indem du Wertpapiere der Zentralbank verkaufst und das eingenommene Geld dem Wirtschaftskreislauf entziehst.

Geldmarkt: Veränderung der Geldnachfrage
Veränderung der Geldnachfrage

Allerdings hat nicht nur das Geldangebot Auswirkungen auf den gleichgewichtigen Zinssatz. Wie du in der Grafik sehen kannst, beeinflusst auch eine Änderung der Geldnachfrage den Zinssatz auf dem Geldmarkt. Bei einer Erhöhung des Nominaleinkommens verschiebt sich die Geldnachfragefunktion nach rechts. Um bei gleichgebliebenem Geldangebot im Gleichgewicht zu bleiben, muss sich der Zinssatz von i auf i` erhöhen.

Geldmarkt – erweitertes Modell  mit Zentral- und Geschäftsbanken

Bisher haben wir uns das Gleichgewicht auf dem Geldmarkt in einer Welt ohne Geschäftsbanken angeschaut. Das ist natürlich unrealistisch, da wir ja nicht unser gesamtes Geld in bar unter der Matratze aufbewahren. Damit unser Modell etwas realistischer wird, berücksichtigen wir nun, dass wir unser Geld auch als Sichtguthaben halten können. Als Sichtguthaben bezeichnet man die Positionen, die du beispielsweise auf deinem Girokonto hast und auf die du kurzfristig zugreifen kannst. Wir müssen jetzt also unterscheiden zwischen Bargeld, das von der Zentralbank kommt, und Sichtguthaben, das von den sogenannten Geschäftsbanken, wie z.B. der Commerzbank oder der Sparkasse, zur Verfügung gestellt wird.

Geldnachfrage im erweiterten Modell – Geldnachfrage nach Geschäftsbankgeld

Schauen wir uns zunächst wieder die Geldnachfrage an. An der gesamten Geldnachfrage hat sich durch die Einführung von Geschäftsbanken nichts geändert. Sie wird immer noch durch die Gleichung M^d=PY*L(i) beschrieben. Wir können die Geldnachfrage jetzt aber aufteilen, in die Geldnachfrage nach Zentralbankgeld und die Geldnachfrage nach Geschäftsbankgeld.

Bestimmen wir zuerst einmal die Geldnachfrage nach Geschäftsbankgeld, also nach den Sichteinlagen. Wenn wir den Anteil, den die Wirtschaftssubjekte als Bargeld halten wollen, mit dem Buchstaben c bezeichnen, ist der Anteil an Sichteinlagen folglich 1-c. Somit berechnet sich die Geldnachfrage nach Sichteinlagen D^d:

D^d=(1-c)\astM^d

Geldnachfrage im erweiterten Modell – Geldnachfrage nach Zentralbankgeld

Nun müssen wir noch die Geldnachfrage nach Zentralbankgeld bestimmen. Ein Teil der Geldnachfrage nach Zentralbankgeld beinhaltet den Bargeldbedarf der Privatpersonen, den wir mit {\rm CU}^d bezeichnen. Dieser setzt sich zusammen aus dem Anteil c, den die Wirtschaftssubjekte als Bargeld halten wollen, multipliziert mit der gesamten Geldnachfrage.

Geldnachfrage nach Zentralbankgeld
Geldnachfrage nach Zentralbankgeld

Allerdings fragen nicht nur die privaten Haushalte Zentralbankgeld nach, sondern auch die Geschäftsbanken. Diese müssen nämlich einen Teil des von ihren Kunden eingezahlten Geldes als Reserven in ihrem Bestand halten. Die Höhe der Reserven bestimmt der sogenannte Mindestreserve-Satz \theta. Die Anzahl an Reserven bestimmt sich also aus dem Reservesatz \theta multipliziert mit der Gesamtsumme der Sichteinlagen D. Wenn wir in diese Gleichung jetzt für die Sichteinlagen D unsere Funktion von eben einsetzen, erhalten wir die Geldnachfrage nach Reserven R^d.

Geldnachfrage Zentralbankgeld
Formel Geldnachfrage nach Zentralbankgeld

Um jetzt die Geldnachfrage nach Zentralbankgeld H^d zu bestimmen, müssen wir nur noch den Bargeldbedarf CU^d und die Nachfrage nach Reserven R^d addieren. Wenn wir für die beiden Parameter abschließend unsere vorher bestimmten Gleichungen einsetzen, erhalten wir folgende Gleichung für die Geldnachfrage nach Zentralbankgeld:

H^d=cM^d+\theta(1-c)M^d=[c+\theta(1-c)]*Md

Geldmarktgleichgewicht

Abschließend charakterisieren wir noch das Gleichgewicht. Dazu müssen wir das Geldangebot H mit der Geldnachfrage H^d gleichsetzen. Wenn wir für H^d unsere Geldnachfragefunktion heranziehen, ergibt sich folgende Gleichung:

H=[c+\theta(1-c)]*Md

Geldmarktgleichgewicht
Geldmarktgleichgewicht

Nun betrachten wir das Ganze noch graphisch. Das Geldangebot H wird direkt durch die Zentralbank kontrolliert. Wie bereits oben im ersten Abschnitt des Beitrags, steuert die Zentralbank das Geldangebot durch Offenmarktgeschäfte, also durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Die Auswirkungen von Veränderungen des Nominaleinkommens oder von Veränderungen des Geldangebots auf den gleichgewichtigen Zinssatz sind grundlegend dieselben wie im einfachen Fall.

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