Unternehmensführung

Moral Hazard

Dieser Artikel behandelt das Problem des Moral Hazard. Nach der Definition dieser Informationsasymmetrie, welche auch als moralisches Risiko bekannt ist, wird das Problem einfach erklärt und es werden Beispiele gegeben.

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Inhaltsübersicht

Moral Hazard Definition

Der Begriff Moral Hazard, welcher im Deutschen so viel bedeutet wie moralisches Risiko, beschreibt das verantwortungslose, risikoreiche, fahrlässige und somit opportunistische Verhalten eines Marktteilnehmers beziehungsweise Vertragspartners, welches aufgrund ökonomischer Fehlanreize zustande kommt.

Moral Hazard Problem

Das grundsätzliche Problem ist, dass das opportunistische Verhalten des besser informierten Partners die Kosten des schlechter Informierten beziehungsweise der Allgemeinheit negativ beeinflusst. Das individuelle Risiko wird folglich kollektiviert und es entsteht ein geringerer Anreiz zur Schadensbegrenzung durch das Auseinanderfallen von Handlung und Haftung. Letztendlich resultiert die individuelle Rationalität in kollektiver beziehungsweise wohlfahrtsökonomischer Irrationalität.

Moral Hazard Beispiel

Folglich beschreibt das moralische Risiko eine Situation nach Vertragsabschluss, bei welcher die Vertragspartner nicht den gleichen Informationsstand haben. Eine Theorie, welche diese Problematik veranschaulicht, ist die institutionenökonomischen Prinzipal Agent Theorie .

Das Informationsdefizit der einen Seite entsteht, da gewisse Handlungen der anderen Partei nicht beobachtet werden können. Diese Unbeobachtbarkeit führt zu verantwortungslosem, fährlässigem und risikoreichen Verhalten der über die eigenen Handlungen besser informierten Seite. Die Fahrlässigkeit im Handeln wird durch ökonomische Fehlanreize und Opportunismus ausgelöst. Die vertragliche Absicherung beschränkt das Risiko für das Individuum. Somit muss das Individuum nicht selbst für die Folgen seines Handelns einstehen und es kommt zu leichtfertigem Verhalten und moralischem Risiko. Heutzutage kommt es in der alltäglichen Praxis oft zu Verhaltensmustern mit moralischem Risiko, welche im Folgenden kurz beleuchtet werden.

Moral Hazard Versicherung

In der der Versicherungsbranche entsteht das moralische Risiko im Allgemeinen, da der Versicherungsnehmer gegen potenzielle Schadensfälle abgesichert ist und nicht die Konsequenzen seines Handelns trägt. Folglich verhält dieser sich leichtsinnig oder fahrlässig.

Moral Hazard deutsch

Wie bereits erwähnt bedeutet Moral Hazard auf Deutsch so viel wie moralisches Risiko. Der Begriff Moral Hazard stammt ursprünglich aus der Versicherungswirtschaft und wurde anfänglich im Zusammenhang mit US- amerikanischen Feuerversicherungen verwendet. Schon im 17. Jahrhundert fand man heraus, dass Versicherungsnehmer fahrlässiger handelten als Unversicherte und somit durch die Versicherungsverträge risikofreudiges Verhalten begünstigt wird. Konkret wurde beobachtet, dass im Falle einer Feuerversicherung beispielsweise weniger Feuerlöscher installiert wurden.

Moral Hazard Beispiel Versicherung

Dasselbe fahrlässige Verhalten ist auch heute noch zu beobachten. Ist ein Auto beispielsweise versichert, so geht der Besitzer nachlässiger mit seinem Eigentum um und geht höhere Risiken ein, da er für mögliche Schäden nicht selbst aufkommen muss. Das kann sich im einem rasanten Fahrstil ausdrücken, oder auch der Bequemlichkeit sein Fahrzeug auf unbewachten Straßen zu parken, anstatt es in einem Parkhaus abzustellen. Andere Versicherungsnehmer befürchten zudem, dass sie durch ihre sparsame Leistungsinanspruchnahme die Anspruchsmentalität anderer Versicherten finanzieren müssen.

Moral Hazard Shirking

Ein ähnliches Beispiel für moralisches Risiko ist das so genannte Shirking. Arbeitnehmer bringen nicht 100 Prozent ihrer Leistung, weil es nur eingeschränkte Kontroll- und somit Sanktionsmöglichkeiten gibt. Umgangssprachlich ist dieses Phänomen auch als Drückebergerei bekannt. Der Arbeitnehmer versucht also unangenehmen Aufgaben aus dem Weg zu gehen, da der Arbeitgeber sein Verhalten nicht beobachten kann. Bestenfalls kann nur das Ergebnis der Arbeit beurteilt werden, für welches aber nicht unbedingt nur der Arbeitnehmer allein verantwortlich ist.

Moral Hazard Schulden

Auch auf dem Kreditmarkt gibt es das Problem des moralischen Risikos. Wenn die Möglichkeit eines Schuldenerlasses gegeben ist, entsteht die Gefahr, dass ein Schuldner hohe Kredite aufnimmt, ohne die Absicht seine Schulden zeitnah zu begleichen. Der Schuldner-Moral Hazard bringt folglich Anreize für die Schuldner, ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht zu maximieren, um den Kredit schnellstmöglich abzubezahlen.

Moral Hazard Wirtschaftskrise

Allgemein kann das Moral Hazard Problem auch ohne explizite Verträge auftreten. Die Gewissheit von anderen Staaten oder Institutionen durch Rettungsaktionen abgefangen zu werden, kann bei einzelnen Staaten oder einflussreichen Großunternehmen zu risikoreichem Verhalten führen. Bei einer drohenden Wirtschaftskrise sehen sich die anderen Marktteilnehmer gezwungen durch ihre Hilfe die Ansteckung der gesamten Wirtschaft zu verhindern.

Moral Hazard Gesundheitswesen

Ebenfalls zu beobachten ist das moralische Risiko im Gesundheitswesen. Durch den Versicherungsschutz sind die Behandlungskosten in Sozialsystemen größtenteils abgedeckt. Dadurch sinkt allgemein der Anreiz, risikoreiche Freizeitbeschäftigungen zu unterlassen oder ungesunde Lebensweisen einzuschränken, da die Kosten der Behandlung die Allgemeinheit trägt. Dieses Phänomen wird als ex ante Moral Hazard bezeichnet. Als ex post Moral Hazard wird die übermäßige Inanspruchnahme von kostenlosen Leistungen nach beziehungsweise bei einer Erkrankung oder Verletzung bezeichnet, auch wenn deren Wirksamkeit fraglich ist. Diese Art von moralischem Risiko ist auch auf der behandelnden Seite beobachtbar, wenn Ärzte beispielsweiße überflüssige oder die teureren Behandlungsmethoden auswählen, um selbst mehr Gewinn zu machen und die Kosten von der Versicherung bezahlt werden.

Adverse Selection Moral Hazard

Im Genaueren ist das Phänomen des Moral Hazard folglich eine Informationsasymmetrie nach Vertragsabschluss und bezeichnet somit versteckte Handlungen oder Informationen, welche ex post stattfinden (hidden action, hidden information). Die Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss wird Adverse Selektion genannt und beschreibt versteckte Charakteristika (hidden characteristics) ex ante, also vor Vertragsabschluss.

Adverse Selection Moral Hazard Informationsasymmetrie Adverse Selektion
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Adverse Selection und Moral Hazard

ex ante Moral Hazard

Wie im Beispiel Moral Hazard Gesundheitswesen bereits erklärt, wird zusätzlich zwischen ex ante Moral Hazard und ex post Moral Hazard unterschieden. Zu beachten ist, dass ein Moral Hazard immer eine Informationsasymmetrie nach, also ex post, Vertragsabschluss ist, man jedoch 2 Arten des nachvertraglichen moralischen Risikos unterscheiden kann.

Entscheidend, ob es sich um einen ex ante Moral Hazard oder einen ex post Moral Hazard handelt, ist der Zeitpunkt des Schadenfalls. Ein ex ante Moral Hazard tritt also nach Vertragsabschluss und vor Schadenseintritt auf. Der ex post Moral Hazard dagegen beschreibt das Verhalten nach Vertragsabschluss und nach dem Eintreten eines Schadensfalls.

Moral Hazard Lösungsmöglichkeiten

Um die gesamte ökonomische Wohlfahrt zu maximieren, ist es langfristig im Interesse beider Parteien Informationsasymmetrien zu beseitigen, oder diese zumindest abzuschwächen. In der Praxis stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um dem moralischen Risiko entgegenzuwirken.

Bonding

Eine Alternative das moralische Risiko zu minimieren, stellt das so genannte Bonding dar. Hierbei wird versucht den Handlungsspielraum der besser Informierten Seite durch detaillierte Verträge und Vertragsklauseln soweit einzuschränken, dass dieser nach Vertragsabschluss nicht opportunistisch handeln kann oder gegebenenfalls entsprechend sanktioniert werden kann. Rechte und Pflichten müssen genau definiert werden und darüber hinaus auch die Folgen des Nichteinhaltens.

Monitoring

Unter den Begriff Monitoring fallen veschiedenste Kontrollmöglichkeiten. Als Beispiele werden oft Informationssysteme zur erleichterten Überwachung der Angestellten genannt wie Zeiterfassung oder das Festlegen von Meilensteinen. Im Allgemeinen begünstigt auch eine strikte Hierarchie die bürokratische Kontrolle.

Incentives

Um das moralische Risiko zu verringern, bieten sich auch Arbeitsanreize, also Incentives an. Eine Möglichkeit stellen beispielsweise, Akkordlöhne, Bonussysteme und Gewinn- oder Kapitalbeteiligungen dar. Diese Maßnahmen beeinflussen die Kosten der besser informierten Seite, weshalb diese den Anreiz hat, die Informationen so einzusetzen, dass der Gesamterfolg maximal wird. Durch die Erfolgsbeteiligung wird das handeln entgegen des Interesses des Kollektivs irrational.

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