Produktion & Logistik

Produktion und Logistik I
Materialbedarfsplanung

Mithilfe der Materialbedarfsplanung kannst du feststellen, wie viel Material du zur Herstellung deiner Produkte benötigst. Wir erklären dir das Vorgehen der Materialbedarfsplanung anhand des Dispositionsstufenverfahrens.

Materialbedarfsplanung Definition – Erklärung des Dispositionsstufenverfahrens mit Gozintograph anhand eines Beispiels

Bei der Materialbedarfsplanung werden Entscheidungen auf kurze und mittelfristige Sicht getroffen. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie viel Material du für die Herstellung benötigst. Dabei wird für die Materialbedarfsplanung das Dispositionsstufenverfahren und der Gozintograph verwendet. Nehmen wir nun an, dass du Zwei-Mann-Zelte produzierst und deine optimale Produktionsmenge zehn Stück beträgt.

Materialbedarfsplanung Beispiel: Primärbedarf und Sekundärbedarf

Als erstes musst du den Unterschied zwischen Primärbedarf und Sekundärbedarf kennen. Beim Primärbedarf handelt es sich um die Produkte, die wir am Ende verkaufen wollen. Zum einen gehören die Zelte zum Primärbedarf. Zum anderen gehören aber auch Ersatzteile zum Primärbedarf. Nehmen wir an wir wollen neben den zehn Zelten noch zehn Ersatzheringe verkaufen.

Materialbedarfsplanung Beispiel
Primärbedarf und Sekundärbedarf für die Materialbedarfsplanung

Der Sekundärbedarf ist der Bedarf, den wir für die Produktion der Zelte benötigen. Zum Sekundärbedarf gehören also u.a. Schnüre, Stangen und Stoffbahnen.

Erzeugnisstruktur in der Materialbedarfsplanung

Für die Materialbedarfsplanung musst du immer die Erzeugnisstruktur deiner Produkte kennen. Du musst also wissen, aus welchen Bestandteilen dein Zelt (Z) zusammengesetzt ist. Nehmen wir an es besteht aus zwei Stäben (St), einem Innenzelt (IZ), einem Außenzelt (AZ), zehn Heringen (H) und fünf Schnüren (Sch).

Materialbedarfsplanung
Erzeugnisstruktur innerhalb der Materialbedarfsplanung

Um ein Innenzelt zu produzieren, brauchst du außerdem einen Reißverschluss (R), fünf Stoffbahnen (S), und vier Schnüre (Sch). Für ein Außenzelt benötigst du einen Reißverschluss (R), eine Plane (P) und vier wasserabweisende Stoffbahnen (WS). Die Erzeugnisstruktur wird in unterschiedlichen Arten von Stücklisten erfasst. Eine Art davon ist die Baukastenstückliste.

Baukastenstückliste

Erstellen wir also für unser Beispiel eine Baukastenstückliste, um die Erzeugnisstruktur zu erfassen.

Materialbedarfsplanung
Baukastenstückliste für die Materialbedarfsplanung

Du siehst, dass in der Baukastenstückliste jedes Produkt und jedes Zwischenprodukt aufgelistet wird. Für die Produkte werden außerdem die direkten Vorgänger und ihre Direktbedarfskoeffizienten angegeben. Aus der Baukastenstückliste kannst du nun in einem nächsten Schritt folgende Fertigungsstruktur ableiten.

Fertigungsstruktur in der Materialbedarfsplanung

In den Knoten befinden sich die Endprodukte, die Zwischenprodukte und das Produktionsmaterial. Die Pfeile geben die direkte Vorgänger-Nachfolger-Beziehung mit dem Direktbedarfskoeffizient an. Dein Endprodukt ist dabei immer in der Fertigungsstufe 0. Danach folgen Fertigungsstufe 1 und Fertigungsstufe 2.

Materialbedarfsplanung Beispiel
Fertigungsstruktur innerhalb der Materialbedarfsplanung

Wird dir aus der Baukastenstückliste nicht klar, welches Produkt das Endprodukt ist, musst du einfach schauen, welches Produkt nicht in andere Produkte mit eingeht. Du siehst, dass das Innenzelt und das Außenzelt beim Zelt aufgelistet sind. Das Zelt kommt aber nicht im Innenzelt und im Außenzelt vor. Somit weißt du, dass das Zelt das Endprodukt ist und ganz oben in der Fertigungsstufe 0 steht.

Dispositionsstufenverfahren: Gozintograph erstellen

Jetzt lässt sich die Erzeugnisstruktur grafisch noch übersichtlicher mit einem Gozintograph darstellen. Diesen erhalten wir, indem wir gleiche Knoten zusammenführen und mit Dispositionsstufen statt mit Fertigungsstufen arbeiten. Die Dispositionsstufe ist die Stufe, in der das Produkt am weitesten vom Endprodukt entfernt ist. Wie sieht nun das Dispositionsstufenverfahren für das Zwei-Mann-Zelt graphisch aus? Gehen wir Schritt für Schritt vor. Dein Zelt befindet sich als Endprodukt ganz oben und damit in Dispositionsstufe 0. Jetzt müssen wir prüfen, ob die Stäbe in derselben oder der nächsten Stufe nochmal vorkommen.

Materialbedarfsplanung: Gozintograph erstellen
Gozintograph erstellen

Da dies nicht der Fall ist, ändert sich hier nichts. Genauso gehen wir für das Innenzelt, das Außenzelt, die Heringe und die Schnüre vor. Dabei stellen wir fest, dass die Schnüre in Stufe 2 nochmal vorkommen. Da die Dispositionsstufe eines Produkts ja der längste Weg zum Endprodukt ist, erfassen wir die Schnüre also erst in der nächsten Stufe. Den Rest können wir so übernehmen. Vergiss dabei nicht, die Pfeile mit den richtigen Direktbedarfskoeffizienten zu beschriften.

Gozintograph Aufgabe
Gozintograph Aufgabe

Jetzt fehlt nur noch die 2. Stufe. Am besten trägst du als erstes die Schnüre ein. Dabei musst du beachten, dass du zwei Pfeile zeichnen musst. Einer führt, wie im Fertigungsstufenmodell, auch zum Innenzelt, der andere führt ganz nach oben zum Zelt. Wie in Stufe 1, prüfen wir nun ob es Produkte gibt, die in Stufe 2 mehrmals vorkommen. Wir stellen fest, dass das nur für die Reißverschlüsse zutrifft. Wir führen die beiden Knoten also zu einem Knoten zusammen und zeichnen zwei Pfeile. Beim Rest ändert sich nichts. Du siehst, dass im Gozintograph jedes Produkt nur einmal genannt werden darf. So kannst du schnell kontrollieren, ob du etwas falsch gemacht hast.

Materialbedarfsplanung im Dispositionsstufenverfahren

Durch den Gozintograph allein weißt du aber immer noch nicht, wie viel Material du bestellen musst. Um das herauszufinden, legen wir nun in einem letzten Schritt eine Tabelle an. In dieser erfassen wir die Dispositionsstufe s, die Produkte, den externen Primärbedarf r_i, den Bestand b_i, den Bruttobedarf d_i und schließlich den Nettobedarf d_i^N.

Materialbedarfsplanung: Dispositionsstufenverfahren
Materialbedarfsplanung: Dispositionsstufenverfahren

Mit externem Primärbedarf sind die Endprodukte und Ersatzteile gemeint, die wir am Ende verkaufen wollen. Wir wissen, dass das zehn Zelte und zehn Heringe sind. Der Bestand gibt die Produkte an, die wir noch auf Lager haben. Nehmen wir an, das sind ein Innenzelt, sechs Heringe, zwei Schnüre und drei wasserabweisende Stoffbahnen. Für den Rest der Tabelle gehen wir nun von oben nach unten und von links nach rechts vor.

Dispositionsstufenverfahren: Bruttobedarf und Nettobedarf

In der Dispositionsstufe 0 entspricht der Bruttobedarf dem Primärbedarf. Unser Bruttobedarf ist also zehn. Da wir noch zwei Zelte auf Lager haben müssen wir diese von den zehn abziehen und kommen so auf einen Nettobedarf von acht Zelten. Weiter geht’s mit den Stäben. In unserem Gozintograph sehen wir, dass wir zwei Stäbe pro Zelt benötigen. Da wir ja acht Zelte benötigen, erhalten wir so einen Bruttobedarf von 16. Da wir keine Stäbe auf Lager haben, ist auch unser Nettobedarf 16.

 

Gozintograph Beispiel
Gozintograph Beispiel

Für ein Zelt wird ein Innenzelt benötigt, somit brauchen wir also acht Innenzelte. Da wir ein Innenzelt auf Lager haben, kommen wir auf einen Nettobedarf von sieben Innenzelten. Die Berechnung der Außenzeltbedarfe funktioniert genauso, nur dass wir hier keinen Bestand auf Lager haben. Interessant wird es bei den Heringen. Hier musst du beachten, dass du zu den benötigten Heringen, die Ersatzheringe dazurechnen musst. Du siehst im Gozintograph, dass du für ein Zelt zehn Heringe benötigst.

Materialbedarfsplanung Beispiel: Dispositionsstufenverfahren
Materialbedarfsplanung Beispiel: Dispositionsstufenverfahren

So kommst du zunächst auf eine Summe von 80. Rechnest du jetzt noch die zehn Ersatzheringe dazu kommst du auf einen Bruttobedarf von 90. Da du noch sechs Heringe auf Lager hast, ergibt sich also ein Nettobedarf von 84 Heringen. In Dispositionsstufe 2 gehen wir genauso vor. Für ein Zelt benötigst du fünf Schnüre. Du multiplizierst also die fünf mit der acht. Du brauchst aber auch fünf Schnüre für das Innenzelt. Deshalb multiplizierst du die fünf mit der sieben, dem Nettobedarf an Innenzelten. Addierst du beides, kommst du auf einen Bruttobedarf von 68. Durch deinen Lagerbestand von zwei Schnüren, reduziert sich dein Nettobedarf auf 66 Schnüre. Genauso füllst du die restliche Tabelle aus. Am Ende kannst du deinen Nettobedarf an Material ganz einfach rechts in der Tabelle ablesen.

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