Produktion & Logistik

Lagerkennzahlen

Du hättest gerne mal einen strukturierten Überblick über die Lagerkennzahlen der BWL? Dann bist du hier genau richtig! Wir zeigen dir die wichtigsten Lagerkennzahlen Formeln, deren Berechnung und abschließend eine zusammenfassende Formelsammlung.

Wenn du die Lagerkennzahlen noch schneller verstehen möchtest, dann schau dir doch direkt unser Video dazu an.

Inhaltsübersicht

Lagerkennzahlen einfach erklärt 

Du fragst dich was Lagerkennzahlen eigentlich sind? Diese werden häufig auch als Lagerkennziffer bezeichnet und sind in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und insbesondere bei der Lagerhaltung von Bedeutung. Die Interpretation ihrer messbaren Werte gibt nämlich Auskunft darüber, wie wirtschaftlich oder effizient das Lager eines Unternehmens ist.

Lagerkennzahlen Aufgaben

Die Aufgabe von Lagerkennzahlen ist es letztendlich eine Grundlage für zukünftige logistische Entscheidungen zu liefern und sowohl wirtschaftliche, als auch unwirtschaftliche Lagerprozesse erkennbar zu machen.

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Lagerkennzahlen Aufgaben

Eine mögliche Entscheidung wäre beispielsweise die durchschnittliche Bestellmenge zu senken, um die Kapitalbindungskosten der Waren auf Lager zu reduzieren. Ziel der Lagerkennzahlen im Allgemeinen ist es, Bestellvorgänge zu verbessern, die Prognosefähigkeit zu verfeinern, die Anzahl der fehlerhaften Prozesse zu minimieren und daraus schlussendlich logistisch effiziente Ziele zu generieren.

Lagerkennzahlen Formeln 

Genug der theoretischen Worte, schauen wir uns doch einfach direkt die wichtigsten Lagerkennzahlen und deren Formeln an, damit du in Zukunft die Lagerkennzahlen berechnen und interpretieren kannst.

Durchschnittlicher Lagerbestand

Der durchschnittliche Lagerbestand ist eine Lagerkennzahl die angibt, wie viele Waren das Unternehmen im Durchschnitt auf Lager hat. Diese Kennzahl ist wichtig, da sie Auswirkungen auf die Kapitalbindungs- und Lagerkosten hat.

Die allgemeine Formel lautet:

Durchschnittlicher\ Lagerbestand\ =\ \frac{Anfangsbestand\ +\ Endbestand}{2}

Durchschnittliche Lagerdauer

Die durchschnittliche Lagerdauer macht deutlich, wie lange Ware im Durchschnitt auf Lager liegt. Je höher diese Lagerkennzahl, umso höher ist auch die Kapitalbindung. Wieso das so ist? Je länger ein Bestand auf Lager liegt, umso länger ist das Kapital im Lager gebunden und umso höher sind die Kosten der Lagerung.

Die Formel der durchschnittlichen Lagerdauer ist:

Durchschnittliche\ Lagerdauer\ =\ \frac{360\ Tage\ \cdot Durchschnittlicher\ Lagerbestand}{Jahresverbrauch}

oder:

Durchschnittliche\ Lagerdauer\ =\ \frac{360\ Tage}{Umschlagsh\ddot aufigkeit}

Kapitalbindung

Die Kapitalbindung bezieht sich auf das gebundene Kapital in einem Unternehmen, welches nicht unmittelbar freigesetzt werden kann. In der Lagerhaltung werden die Waren auf Lager als gebundenes Kapital bezeichnet. Aus diesem Grund ist die Kapitalbindung bzw. sind die Kapitalbindungskosten umso höher, je höher die Anzahl der Lagerbestände ist.

Folgende Formel verwendest du, um die Kapitalbindung zu ermitteln:

Durchschnittliche\ Kapitalbindung\ =

\ =\ Durchschnittlicher\ Lagerbestand\ \cdot \frac{Beschaffungskosten}{Bestellmenge}

Lagerkostensatz

Der sogenannte Lagerkostensatz (LKS) zielt darauf ab, die Lagerkosten des Unternehmens ins Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand zu setzen. Die Lagerkosten beinhalten alle Kosten, die in einem Lager anfallen, wie Personalkosten, Instandhaltungskosten, Abschreibungen, etc..

Die Lagerkostensatz Formel ist:

Lagerkostensatz\ =

=\ \frac{Lagerkosten}{durchschnittlicher\ Lagerwert}\ \cdot 100

=\ \frac{Lagerkosten}{durchschnittlicher\ Lagerbestand\ in\ Euro}\ \cdot 100

Lagerhaltungskosten(satz)

Der Lagerhaltungskostensatz setzt die Höhe der Lagerhaltungskosten (=Kostenintensität) ins Verhältnis zum Wert der Ware auf Lager. Diese Kennzahl ist wichtig, denn sie gibt dir Auskunft darüber, ob deine Lagerhaltung rentabel ist und wie viel Ware du in Zukunft bestellen solltest (optimale Bestellmenge ).

Die Berechnung des Lagerkostensatzes erfolgt durch folgende Formel:

Lagerhaltungskostensatz\ =

=\ Lagerkostensatz\ +\ kalkulatorischer\ Zinssatz

(Lager)Umschlagshäufigkeit

Bei der Berechnung der Umschlagshäufigkeit setzt du den Lagerverbrauch und den Lagerbestand in Beziehung miteinander. Letztendlich findest du damit heraus, wie oft sich dein Lager innerhalb der betrachteten Periode leert und durch deine neuen Bestellmengen wieder aufgefüllt wird. Die Umschlagshäufigkeit kannst du für das gesamte Lager, aber auch für einzelne Artikel(gruppen) kalkulieren. Das Ziel eines jeden Unternehmens ist eine möglichst hohe Umschlagshäufigkeit von mindestens 0,5. 

Die Kennzahl wird im Zusammenhang mit dem Lager eines Unternehmens als Lagerumschlagshäufigkeit (LU) bezeichnet. Um die Kennzahl zu berechnen, musst du zunächst den Wareneinsatz und den durchschnittlichen Lagerbestand berechnen. Dann erfolgt kannst du die Lagerumschlagshäufigkeit ganz einfach anhand dieser Formel berechnen:

Lagerumschlagshäufigkeit\ =\ \frac{Wareneinsatz}{durchschnittlicher\ Lagerbestand\ zu\ Einstandspreisen}

Lagerreichweite

Die Lagerreichweite gibt dir an, wie lange dein Warenbestand auf Lager bei einem durchschnittlichen bzw. „normalen“ Materialverbrauch reicht. Sie ist also wichtig zur Kalkulation deiner Versorgungssicherheit innerhalb der betrachteten Periode.

Die Berechnung erfolgt anhand der Formel:

Lagerreichweite\ =\ \frac{durchschnittlicher\ Lagerbestand\ (der\ Periode)}{Verbrauch\ (pro\ Periode)}

In manchen Fällen werden auch die offenen Bestellungen bei der Kalkulation beachtet. Dann würde die Formel zur Lagerreichweite lauten:

Lagerreichweite\ =\ \frac{durchschnittlicher\ Lagerbestand\ (pro\ Periode)\ + \ offene\ Bestellungen}{geplanter\ Verbrauch\ (pro\ Periode)}

Wenn deine Lagerreichweite zu gering oder zu hoch ist, so musst du gegebenenfalls etwas am Produktionsplan, deinen Bestellmengen oder sogar deiner Lieferantenwahl ändern.

Lagerzinsen /Lagerzinssatz

Die Berechnung deiner Lagerzinsen gibt dir an, wie viel dich dein im durchschnittlichen Lagerbestand gebundenes Kapital während der durchschnittlichen Lagerdauer kostet. Die Lagerzinsen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Lagerzinssatz. Der Lagerzinssatz, also auch deine Lagerzinsen, verringern sich, wenn du beispielsweise deine  Lagerumschlagshäufigkeit erhöhst.

Für die Berechnung der Lagerzinsen brauchst du zunächst den Lagerzinssatz. Die Formel für den Lagerzinssatz lautet:

Lagerzinssatz\ =\ \frac{Zinssatz\ (p.a.)\ \cdot\ durchschnittliche\ Lagerdauer\ (in\ Tagen)}{360\ Tage}

Der Zinssatz pro Jahr (p.a.) ist dir meist gegeben und entspricht dem Marktzinssatz.

Die Formel für die Lagerzinsen lautet:

Lagerzinsen\ =\ \frac{durchschnittlicher\ Lagerbestand\ \cdot\ Lagerzinssatz\ [in\ Prozent]}{100\  [Prozent]}

Meldebestand

Der sogenannte Meldebestand wird dir meist bei der optimalen Bestellmenge, sowie dem Bestellpunkt- und Bestellrhythmusverfahren  begegnen. Sobald der Meldebestand in einem Lager nämlich erreicht wird, wird der Bestellvorgang (meist automatisch) ausgelöst. Das dient dazu, dass deine Produktion ohne Probleme mit ausreichend Ware auf Lager weiterlaufen kann.

Die Meldebestand Formel lautet:

Meldebestand\ =\ Tagesverbrauch\ \cdot\ Lieferzeit\ +\ Mindestbestand

Mindestbestand

Der Mindestbestand ist bei den meisten auch unter dem Begriff des „Sicherheitsbestand“ oder „eiserner Bestand“ bekannt. Die Kennzahl stellt die Lagermenge dar, die mindestens auf Lager liegen sollte. Die Lagerkennzahl dient dazu unvorhersehbare und nicht kalkulierte Ereignisse, wie Lieferstörungen, Fehler der Lagerbestandsaufnahme, etc. abzufangen.

Die Formel für den Mindestbestand bzw. Sicherheitsbestand lautet:

Mindestbestand\ =\ Verbrauch\ am\ Tag\cdot\ Lieferzeit

Du kannst ebenfalls den sogenannten Sicherheitskoeffizienten berechnen. Dieser Stellt das Verhältnis deines zuvor berechneten Sicherheitsbestands und dem durchschnittlichen Lagerbestand dar.

Die Formel lautet:

Sicherheitskoeffizient\ =\ \frac{Mindestbestand}{durchschnittlicher\ Lagerbestand}\ \cdot 100\ [Prozent]

 

Produktivität

Die Produktivität ist ebenfalls eine wichtige Lagerkennzahl  zur Bewertung von Leistungen, die den Output ins Verhältnis zum Input setzt. Du kannst verschiedene Produktivitäten berechnen, wie beispielsweise die Maschinenproduktivität, die Arbeitsproduktivität deiner Mitarbeiter oder die sogenannte Kostenproduktivität.

Die allgemeinen Formel lautet dabei immer:

Produktivit\ddot at\ =\ \frac{Output}{Input}

Wareneinsatz

Der Wareneinsatz gibt den Wert der Menge an Waren an, der innerhalb eines Geschäftsjahres vom Unternehmen an den Kunden verkauft oder in der Produktion verbraucht wurde.

Die Formel für den Wareneinsatz lautet:

Wareneinsatz\ =

=\ (Anfangsbestand+Warenzug\ddot ange-Warenendbestand)

\cdot\ Einstandspreis

=\ Wareneinsatzmenge\ \cdot\ Einstandspreis

Lagerkennzahlen Formelsammlung

Abschließend findest du hier noch einmal alle wichtigen Lagerkennzahl Formeln in einer Übersicht dargestellt. Jetzt sollten also keine Fragen mehr offen sein.

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Lagerkennzahlen Formelsammlung (1)
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Lagerkennzahlen Formelsammlung (2)

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