Warum bleiben manche Menschen trotz Stress gesund, obwohl viele andere krank werden? Das Salutogenese-Modell beantwortet diese Frage. Hier erfährst du, wie es aufgebaut ist.
Inhaltsübersicht
Was ist das Salutogenese-Modell?
Das Salutogenese-Modell ist ein Konzept, mit dem untersucht wird, warum Menschen gesund bleiben. Er wirkt also genau in die andere Richtung als die Frage, was Menschen krank macht (Pathogenese). Entwickelt wurde das Salutogenese-Modell 1979 von Aaron Antonovsky.
Das Salutogenese-Modell besteht aus diesen vier Bausteinen:
-
Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
zeigt, wie krank oder gesund jemand ist. -
Stressoren
können äußere oder innere Anforderungen sein, die bewältigt werden müssen. -
Allgemeine Widerstandsressourcen
helfen bei der Bewältigung von Stressoren. -
Kohärenzgefühl
ist die innere Überzeugung, dass das eigene Leben verstehbar, sinnvoll und zu bewältigen ist.
Diese Bausteine hängen direkt miteinander zusammen und beeinflussen sich teilweise gegenseitig. Weil die Gesundheit hier als Kontinuum betrachtet wird, ist das Modell dynamisch und reagiert schon auf die kleinsten Veränderungen.
So funktioniert das Salutogenese-Modell
Jedes Element im Modell spielt eine Rolle in der Frage, wie ein Mensch gesund ist und bleiben kann. Deshalb erklären wir dir jetzt genauer, was die vier Bausteine bedeuten.
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Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
Antonovsky stellt sich Gesundheit nicht als Entweder-oder-Zustand vor, sondern beschreibt sie als eine fließende Skala mit zwei Polen:
- Absolute Gesundheit
- Absolute Krankheit
Auf dieser Skala befindest du dich immer irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Du bist also nie vollständig gesund oder vollständig krank.
Die Stressoren im Salutogenese-Modell
Ein Stressor ist jede Anforderung, die du bewältigen musst. Dabei unterscheidet Antonovsky zwei Arten:
- Äußere Stressoren kommen aus deiner Umgebung, z. B. eine Prüfung, ein Streit oder Zeitdruck.
- Innere Stressoren entstehen in dir selbst, z. B durch Versagensängste, körperliche Erschöpfung oder innere Konflikte.
Die allgemeinen Widerstandsressourcen
Die allgemeinen Widerstandsressourcen sind Eigenschaften und Umstände, die dir in vielen verschiedenen Situationen helfen. Deshalb nennt Antonovsky sie „allgemein“ oder auch „generalisiert“.
Zu den allgemeinen Widerstandsressourcen gehören persönliches Wissen und Intelligenz, Fähigkeiten, Eigenschaften, eine privilegierte Herkunft, körperliche Voraussetzungen, aber auch soziale Bindungen, religiöse Überzeugungen, kulturelle und finanzielle Sicherheit oder sozialer Status.
Allerdings wird normalerweise nicht nur auf eine Ressource zurückgegriffen — stattdessen wirken meistens mehrere zusammen.
Das Kohärenzgefühl im Salutogenese-Modell
Das Kohärenzgefühl ist die Orientierung im Leben, die sich immer weiter entwickelt. Es bedeutet, dass du überzeugt bist, dass du mit der Welt und ihren Anforderungen umgehen kannst.
Das Kohärenzgefühl („sense of coherence“) besteht aus drei Komponenten:
-
Verstehbarkeit („sense of comprehensibility“)
Eine Situation wird als erklärbar und vorhersehbar wahrgenommen. -
Bewältigbarkeit („sense of manageability“)
Du bist zuversichtlich, dass du mit den Anforderungen des Lebens umgehen kannst. -
Sinnhaftigkeit („sense of meaningfulness“)
Das beschreibt das Grundgefühl, dass das eigene Leben sinnvoll ist und es sich lohnt, mit Anforderungen umzugehen.
Zusammenspiel der Komponenten im Salutogenese-Modell
Die vier Bestandteile wirken im Salutogenese-Modell zusammen:
Erst treten Stressoren auf, die bewältigt werden müssen. Dafür stehen die Widerstandsressourcen zur Verfügung. Das Kohärenzgefühl entscheidet dann, wie gut diese Ressourcen genutzt werden und ob die Situation als handhabbar erlebt wird.
Je besser die Bewältigung dann gelingt, desto mehr bewegst du dich auf dem Kontinuum in Richtung Gesundheit. Gelingt sie schlecht, verschiebt sich deine Position in Richtung mehr Krankheit.
Das Salutogenese-Modell in der Praxis — Beispiel
Wie das Salutogenese-Modell in der Praxis aussieht, lässt sich am Beispiel von Prüfungsstress zeigen.
Du hast eine Prüfung in drei Tagen, das ist ein klassischer Stressor. Es passiert dementsprechend beispielsweise Folgendes:
- Stressor: Die bevorstehende Klausur ist eine Anforderung an dich und erzeugt Druck.
- Widerstandsressourcen: Du hast einen Zeitplan erstellt, alles Wichtige aufgeschrieben und du lernst gemeinsam mit einer Lerngruppe.
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Kohärenzgefühl:
- Verstehbarkeit: Das Klausurformat ist dir bekannt. Du weißt, welche Themen drankommen, und kannst die Anforderung einordnen.
- Bewältigbarkeit: Deine Mitschriften und die Lerngruppe geben dir das Gefühl, ausreichend Mittel zu haben.
- Sinnhaftigkeit: Du willst eine bestimmte Note erreichen, die Klausur ist also ein konkreter Schritt zu deinem Ziel.
- Ergebnis: Die Bewältigung gelingt. Du bewegst dich auf dem Kontinuum in Richtung mehr Gesundheit.
Das Salutogenese-Modell erklärt in diesem Fall also, wieso du eher gesund bist. Jemand anderes, der weniger Ressourcen oder Kohärenzgefühl hat als du, oder an den höhere Anforderungen gestellt werden, wäre nach der Prüfung möglicherweise weniger gesund.
Resilienz
Das Salutogenese-Modell zeigt dir, warum du in manchen Fällen eher gesund bleibst als in anderen. Aber was kannst du zusätzlich tun, um schwierige Situationen zu meistern? Das zeigen wir dir im Video zur Resilienz!