In diesem Beitrag erfährst du, was das hedonistische Kalkül ist, welche Kriterien es nutzt und wie du es anwendest!
Inhaltsübersicht
Was ist das hedonistische Kalkül?
Das hedonistische Kalkül ist eine Methode des Philosophen Jeremy Bentham und gehört zum Utilitarismus. Damit kannst du Handlungen moralisch beurteilen, indem du die Folgen für alle Betroffenen betrachtest.
Es beruht auf den Annahmen des hedonistischen Prinzips. Dieses besagt, dass jeder Mensch nach maximaler Freude und minimalem Leid strebt. Laut dem Utilitarismus solltest du also deine Handlungen so wählen, dass sie das größtmögliche Gesamtglück erzeugen.
Der Utilitarismus bewertet eine Handlung dann als moralisch richtig, wenn sie das größte Maß an Glück für die größte Anzahl von Menschen erzeugt.
- Beim Handlungsutilitarismus (Bentham) wird jede Situation einzeln bewertet. Du wägst ab, wie viel Freude und Leid eine bestimmte Tat bei allen Betroffenen auslöst.
- Der Präferenzutilitarismus (Peter Singer) fragt, ob eine Handlung die individuellen Interessen und Wünschen der Betroffenen erfüllt, wenn sie zur allgemeinen Regel werden würde.
Nach welchen Kriterien beurteilt das hedonistische Kalkül?
Bentham hat 7 Kriterien entwickelt, um Freude und Leid einer Handlung zu messen:
- Intensität — Wie stark ist die Freude oder das Leid?
- Dauer — Wie lange hält die Empfindung an?
- Gewissheit — Wie wahrscheinlich ist es, dass die Empfindung wirklich eintritt?
- Nähe — Wie bald tritt die Empfindung ein?
- Ausmaß — Wie viele Menschen sind betroffen?
- Fruchtbarkeit — Wie wahrscheinlich erzeugt die Freude weitere Freude oder das Leid weiteres Leid?
- Reinheit — Wie frei ist die Freude von Leid? bzw. Wie frei ist das Leid von Freude?
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Wie funktioniert das hedonistische Kalkül?
Stell dir vor, deine Ethik-Lehrkraft überlegt, den Kurs eine Woche lang von Hausaufgaben zu befreien. Deine Aufgabe ist es, diese Entscheidung mit dem hedonistischen Kalkül zu beurteilen.
Schritt 1: Betroffene bestimmen
Zuerst legst du fest, wen die Entscheidung überhaupt betrifft. In diesem Fall sind das fünf Gruppen:
- Leistungsstarke Schüler
- Durchschnittliche Schüler
- Überlastete Schüler
- Unmotivierte Schüler
- Die Lehrkraft
Schritt 2: Freude und Leid je Gruppe beschreiben
Jetzt überlegst du für jede Gruppe, welche Freude oder welches Leid die Maßnahme voraussichtlich erzeugt.
| Freude | Leid | |
| Leistungsstark | — | üben gern eigenständig und verlieren durch die freie Woche möglicherweise Lernstruktur |
| Durchschnittlich | erleben Erholung und kehren mit mehr Energie in den Unterricht zurück | — |
| Überlastet | erleben deutliche Erleichterung und Entspannung | — |
| Unmotiviert | verzichten gerne auf weitere Aufgaben | riskieren noch weniger Lernfortschritte zu machen |
| Lehrkraft | spart sich die Korrektur | hat ein schlechtes Gewissen, wenn der Lernfortschritt des Kurses leidet |
Schritt 3: Kriterien anwenden und gewichten
Jetzt bewertest du für jeden Betroffenen die Folgen der Handlung entlang der sieben Kriterien. Nutze dafür eine einfache Skala von −2 bis +2, wobei +2 für starke Freude und −2 für starkes Leid steht.
| Leistungsstark | Durchschnittlich | Überlastet | Unmotiviert | Lehrkraft | |
| Intensität | -1 | +1 | +2 | +1 | +1 |
| Dauer | -1 | +1 | +1 | 0 | +1 |
| Gewissheit | +1 | +1 | +2 | +1 | +1 |
| Nähe | 0 | +2 | +2 | +2 | +1 |
| Fruchtbarkeit | -1 | +1 | +1 | -1 | 0 |
| Reinheit | 0 | +1 | +1 | -1 | -1 |
| Ausmaß | -1 | +2 | +2 | +2 | +1 |
| Summe | -3 | +9 | +11 | +4 | +4 |
Die Ergebnisse kannst du jetzt ganz einfach miteinander verrechnen. Hier überwiegt eindeutig die Freude, also ist die Handlung moralisch richtig.
Welche Grenzen hat das Kalkül?
Auch wenn das hedonistische Kalkül dir einen eindeutigen Wert liefert, an dem du deine Entscheidungen festmachen kannst, hat das hedonistische Kalkül einige Schwachstellen.
Zum einen kannst du Gefühle nicht objektiv messen, denn Freude und Leid sind subjektive Empfindungen. Wie viel Erleichterung wiegt eine Stunde Entspannung bei einer überlasteten Schülerin? Ist das mehr oder weniger als das leichte Unbehagen einer leistungsstarken Schülerin?
Zudem bewertet das Kalkül Folgen, die in der Zukunft liegen. Du kannst aber nicht in die Zukunft schauen und dir sicher sein, wie eine Handlung tatsächlich wirken wird. Ob die hausaufgabenfreie Woche wirklich zu mehr Aufmerksamkeit im Unterricht führt, kannst du vorher nur ahnen.
Deine Bewertungen bleiben also immer Schätzungen, keine exakten Messwerte.
Wie unterscheidet sich das Kalkül von Kants Pflichtethik?
Sowohl das hedonistische Kalkül als auch Kants Pflichtethik bewerten Handlungen moralisch. Ihr grundlegender Unterschied liegt darin, worauf sie schauen.
Das hedonistische Kalkül fragt nach den Konsequenzen. Moralisch richtig ist die Handlung, die für alle Betroffenen insgesamt die größte Freude und das geringste Leid erzeugt.
Kants Pflichtethik fragt hingegen nach der Absicht hinter einer Handlung. Die Folgen der Handlung spielen dabei keine Rolle. Für ihn hat eine Handlung nur dann einen moralischen Wert, wenn sie aus einem Pflichtbewusstsein heraus geschieht.
Entscheidend ist dabei der Grundsatz (Maxime), nach dem du handelst. Kant prüft diesen Grundsatz mit dem kategorischen Imperativ: „Handle nur nach einer Maxime, die du gleichzeitig zum allgemeinen Gesetz machen könntest.„
Laut Kant ist eine Handlung also dann moralisch richtig, wenn du aus der Maxime eine allgemeingültige Handlungsregel ableiten kannst.
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➡️Beispiel: Stell dir vor, dein Freund wird von jemandem gesucht, dem er etwas schuldet. Du weißt wo er ist, lügst aber, um ihn zu schützen.
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Moralphilosophie verstehen
Das hedonistische Kalkül gehört zur Moralphilosophie und ist ein Beispiel für eine Theorie zur Bewertung von Handlungen. Du vergleichst in diesem Themenfeld verschiedene ethische Positionen und prüfst, nach welchen Maßstäben sie richtiges Handeln beurteilen. So wird klar, warum manche Ansätze vor allem auf Folgen schauen und andere auf Pflicht, Regeln oder Motive. Im Pädagogik- und Psychologiebereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.