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Welche Auswirkungen haben Gewinn- und Abgeltungssteuern auf verschiedene Kapitalstrukturen?
Genau das erfährst du hier!

Inhaltsübersicht

Gewinn- und Kapitalertragssteuer

Aufbauend auf Modigliani/Miller schauen wir uns jetzt an, was es mit den Steuern auf sich hat und welche Auswirkungen sie auf die verschiedenen Kapitalstrukturen haben. Dazu betrachten wir sowohl die einfache Gewinnsteuer als auch die Kapitalertragssteuer.
Wir gehen für unsere Ausführungen davon aus, dass jährlich eine vollständige Gewinnausschüttung der konstanten Überschüsse Ü stattfindet. Dabei gilt vor Abzug der Fremdkapital- Zinsen ÜU=ÜV. Außerdem entspricht der konstante Gewinnsteuersatz s. Die Ausschüttungen an die Eigentümer sind nicht absetzbar, allerdings werden die Fremdkapital-Zinsen von der Bemessungsgrundlage der einfachen Gewinnsteuer abgesetzt.

Gewinnsteuer

Beginnen wir mit der einfachen Gewinnsteuer. Schauen wir uns zunächst an, welche Zahlungen dem Kapitalgeber bei ausschließlicher Eigenkapital-Finanzierung des Unternehmens zufließen. Wir rechnen einfach „1 minus den Steuersatz s mal den Überschuss von U“. Dadurch ergibt sich für den Marktwert des unverschuldeten Unternehmens die Formel

{GK}_0=(1-s)∙ÜU kEK.

Gewinn- und Abgeltungssteuer
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Berechnung des Marktwertes

Bei gemischter Finanzierung ergeben sich folgende Zahlungen für die Eigenkapital- und Fremdkapital-Geber: Wir rechnen wieder „1 minus s mal den Überschuss“. Allerdings ziehen wir jetzt aufgrund des eingesetzten Fremdkapitals zuerst noch die Zinsen ab, die wir für das geliehene Kapital bezahlen müssen. Dann rechnen wir am Ende noch die Steuerersparnis, die wir durch die anteilige Fremdfinanzierung erzielen, hinzu.

\left(1-s\right)\bullet(ÜV-rf∙NFK)+rf∙NFK

Umgeformt erhalten wir:

Umformung Gewinnsteuer
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Nach der Umformung

Dadurch ergibt sich der Marktwert des verschuldeten Unternehmens aus der Formel:

{GK}_0^V=1-s∙ÜUkEK +\frac{s\bullet r_f\bullet N\ F\ K}{r_f} , also {GK}_0+s\bullet\ NFK.

Der Marktwert des verschuldeten Unternehmens entspricht also gerade dem Marktwert des unverschuldeten Unternehmens U plus dem Wert der Ersparnisse durch Steuern. Diese nennt man auch Tax Shield.
Das bedeutet also, dass die erste These von Modigliani Miller nur dann gilt, wenn die Gewinnsteuer nicht berücksichtigt wird.

Tax Shield Gewinnsteuer
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Tax Shield

Wie du sehen kannst wird in der jetzigen Situation nämlich aufgrund der Steuervorteile die Verwendung von Fremdkapital bevorzugt. Übrigens, je höher die Verschuldung ist, desto besser ist es, da die Steuerersparnis immer höher wird. Die optimale Kapitalstruktur wäre somit eine reine Fremdkapital-Finanzierung.

Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich

Abgeltungs-/ Kapitalertragssteuer

Wie bereits angesprochen schauen wir uns zusätzlich noch die Kapitalertragssteuer an. Sie kann mit der in Deutschland seit 2009 geltenden Abgeltungssteuer verglichen werden.
Bei Anwendung der Kapitalertragssteuer werden Gewinne und Zinsen nach der Besteuerung auf Unternehmensebene nochmal einheitlich mit dem Steuersatz S_A gleich 25 Prozent besteuert.
Es gelten dieselben Annahmen wie zuvor.
Schauen wir uns jetzt an, welche Auswirkungen die Kapitalertragssteuer auf den Unternehmenswert hat:
Wie vorher auch berechnen wir zunächst die Situation bei reiner Eigenkapital- Finanzierung.
Den Kapitalgebern fließen dabei jährlich folgende Zahlungen zu:

ÜU∙1-s∙(1-SA)

Dadurch ergibt sich für die Berechnung des Gesamtwertes des Unternehmens der folgende Term:

Gesamtwert Kapitalertragssteuer Abgeltungssteuer
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Berechnung des Gesamtwertes

Bei gemischter Finanzierung sieht das Ganze wieder ein bisschen anders aus, da von den Überschüssen zunächst wieder die fälligen Zinsen für das Fremdkapital abgezogen werden müssen, bevor wir den Steuervorteil durch Fremdfinanzierung hinzurechnen.

(ÜV-rf∙NFK)∙1-s∙(1-SA)+rf∙NFK∙( 1-SA)

Umgeformt ergibt das Ganze dann:

1-s∙ÜV1-SA+s∙rf∙NFK∙( 1-SA)

Somit können wir auch wieder den Unternehmenswert bestimmen. Das geht dann anhand dieser Formel:

ÜU∙1-s∙1-SAkEK∙1-SA+s∙rf∙NFK∙(1-SA)rf∙1-SA

Das wiederrum entspricht:

{GK}_0+s\bullet\ NFK

Fazit

Was ist nun also die Erkenntnis zu den Ergebnissen? Nun, die Kapitalertragssteuer behandelt Fremdkapital und Eigenkapital aus steuerlichen Gesichtspunkten gleich. Insgesamt, unter Einbezug der Gewinnsteuer, wird allerdings das Fremdkapital bevorzugt. Die optimale Kapitalstruktur wäre also eine reine Fremdkapital- Finanzierung.

Zusammenfassung zur Kapitalertragssteuer
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Zusammenfassung zur Kapitalertragssteuer

So, jetzt hast du einen guten Überblick über die verschiedenen Steuern und welche Formeln du jeweils anwenden musst.

Gewinn- und Abgeltungssteuern — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Was ist Abgeltungssteuer?
    Die Abgeltungssteuer ist eine pauschale Steuer auf Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden, die bei privaten Anlegern anfällt. In Deutschland beträgt der Steuersatz dafür typischerweise 25 %. Im Modell wird sie als ein einheitlicher Steuersatz S_A auf die nach Unternehmenssteuern ausgezahlten Erträge behandelt.
  • Was ist Gewinnsteuer?
    Die Gewinnsteuer ist eine Steuer auf den Gewinn eines Unternehmens, also auf den Überschuss vor Ausschüttung an die Eigentümer. In dem üblichen Modellansatz mindern Fremdkapitalzinsen den steuerpflichtigen Gewinn, während Ausschüttungen an Eigenkapitalgeber nicht abzugsfähig sind. Der Gewinnsteuersatz wird dabei als konstanter Satz s modelliert.
  • Wie wird die Abgeltungssteuer berechnet?
    Die Abgeltungssteuer berechnet man, indem man den Steuersatz S_A auf den relevanten Kapitalertrag anwendet, also \text{Steuer} = S_A \cdot \text{Kapitalertrag}. Im Modell wird zuerst der Gewinn auf Unternehmensebene besteuert und danach werden Ausschüttungen und Zinsen beim Anleger nochmals mit S_A belastet. Beispiel: Bei 100\,\text{€} Kapitalertrag und S_A = 25\% rechnest du \text{Steuer} = 25\% \cdot 100\,\text{€} = 25\,\text{€}.
  • Wie hoch ist die Gewinnsteuer in der Regel?
    Die Gewinnsteuer ist in der Regel kein fester Wert, sondern hängt vom Land und vom konkreten Steuersystem ab. In Deutschland liegt die typische Gesamtbelastung auf Unternehmensgewinne häufig grob in der Größenordnung von rund 30 % (Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer, je nach Standort). In Modellen wird deshalb oft mit einem pauschalen Gewinnsteuersatz s gearbeitet.

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Kapitalstruktur verstehen

Gewinn- und Abgeltungssteuern gehören zur Kapitalstruktur und zur Frage, wie Unternehmen Eigenkapital und Fremdkapital nutzen. Wer sich mit Kapitalstruktur beschäftigt, vergleicht Finanzierungsformen und ihre Wirkung auf Kosten, Risiko und Unternehmenswert. So wird klar, warum Steuern die Wahl zwischen Eigenkapital und Fremdkapital beeinflussen können. Im Wirtschaftsbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.

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