Video

Du willst dein Start-up verkaufen und dich mit dem eingenommenen Geld als Investor probieren?
Hier erfährst du wie du den optimalen Verkauspreis bestimmst!

Inhaltsübersicht

Unternehmensbewertung durch Ertragswertverfahren

Um dein Start-up zu verkaufen, musst du natürlich erst einmal herausfinden, wieviel es überhaupt wert ist. Für den Anfang ist es wichtig zu wissen, dass es DEN Unternehmenswert nicht gibt. Je nachdem, welche Bewertungsursache vorliegt und ob es sich um die Käufer oder Verkäufersicht handelt können sich unterschiedlich hohe Unternehmenswerte ergeben.
Aus diesem Grund gibt es auch unterschiedliche Bewertungssysteme. Grundsätzlich kann zwischen marktorientierten und fundamentalistischen Verfahren der Unternehmensbewertung unterschieden werden. Wir schauen uns zunächst die fundamentalistischen Verfahren an. Diese können nochmal in Einzel- und Gesamtbewertung differenziert werden.
Zu den Gesamtbewertungsverfahren zählen das Ertragswertverfahren, das wir uns in diesem Video anschauen und die Discounted-Cash-flow-Methoden , die wir in den nächsten drei Videos betrachten.

Bewertungssysteme Ertragswertverfahren
direkt ins Video springen
Übersicht Bewertungssysteme

Beim Ertragswertverfahren wird der Barwert der zukünftig erzielbaren Erträge ermittelt. Die Erträge werden dabei als mögliche Auszahlungen an die Eigentümer gesehen und werden als unsicher angenommen. Um den Ertragswert zu bestimmen, berechnest Du zunächst das Sicherheitsäquivalent zu den unsicheren Auszahlungen. Dieses ist über die Zeit hinweg konstant. Auch die Zinsstruktur ist flach, also konstant.

Beispiel

Schauen wir uns das mal an einem Beispiel an: Ein risikoaverser Eigentümer nimmt für die zukünftigen Ausschüttungen zum Zeitpunkt t=1 drei mögliche Auszahlungen zu verschiedenen Wahrscheinlichkeiten an. Er möchte den Ertragswert seines Unternehmens berechnen.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,2 beträgt die Ausschüttung 6000€, mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,6 12.500€ und mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,2 14.000€.
Außerdem ist diese Nutzenfunktion gegeben:

NF = 20+sqrt\ x

Bei einer solchen Aufgabe musst du zunächst das maximal anzusetzende Sicherheitsäquivalent bestimmen. Aufgrund der Risikoaversion des Investors entspricht dies dem Erwartungswert der Auszahlung zum Zeitpunkt t gleich 1. ({E(A}_1) Also 0,2 mal 6000 plus 0,6 mal 12.500 plus 0,2 mal 14.000 gleich 11.500.

maximal anzusetzendes Sicherheitsäquivalent
direkt ins Video springen
Maximal anzusetzendes Sicherheitsäquivalent

Als nächstes sollst du das Sicherheitsäquivalent der Nutzenfunktion zum Zeitpunkt t=1 bestimmen. SÄA1 Dazu musst du zunächst die Werte einzeln in die Nutzenfunktion einsetzen und berechnen.

NF\left(6000\right)=20+\sqrt{6000}=97,46

NF\left(12500\right)=20+\sqrt{12500}=131,80

NF\left(1400\right)=20+\sqrt{14000}=138,32

Die Ergebnisse werden dann mit der jeweiligen Wahrscheinlichkeit multipliziert und aufaddiert.

0,2\bullet97,46+0,6\bullet131,80+0,2\bullet138,32=126,236

Das Ergebnis und somit der erwartete Nutzen der Auszahlungen ist also 126,236.
Zur Bestimmung des relevanten Sicherheitsäquivalents stellst du nun die Formel um.

Relevantes sicherheitsäquivalent
direkt ins Video springen
Relevantes Sicherheitsäquivalent berechnen

Das bedeutet, dass der Eigentümer bei allen unsicheren Auszahlungen mit einem Erwartungswert kleiner 11.286,01 die sichere Variante vorziehen würde.
Aber das eigentliche Ziel ist es ja, den Ertragswert des Unternehmens zu bestimmen.
Dazu teilst du das Sicherheitsäquivalent durch den risikofreien Zinssatz. Dieser ist in der Aufgabenstellung mit 7 % angegeben.
Wir rechnen also 11286,01 geteilt durch 0,07. Der Ertragswert ist somit 161.228,7143.

\frac{11286,01}{0,07}=161.228,7143

Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich

Berechnung des Risikozuschlages

Als letzten Schritt können wir jetzt noch den Risikozuschlag berechnen. Sinn des Risikozuschlags ist es, das Risiko über einen Zuschlag zum risikofreien Zins zu berücksichtigen. Dabei wird angenommen, dass sich das Auszahlungsrisiko gleichmäßig über den Zeitraum verteilt. Wenn die erwarteten Auszahlungen wie zuvor für jede Periode identisch sind, erfolgt die Berechnung in einer ewigen Rente.
Unter dieser Annahme können wir einen Risikozuschlag z bestimmen, der dazu führt, dass wir dem Ertragswert des Sicherheitsäquivalents den gleichen Wert beimessen wie dem unsicheren Erwartungswert geteilt durch den risikofreien Zins rf plus den Risikozuschlag z.

EW=SÄrf=EA1rf+z

Also 11.286,01 geteilt durch 0,07 gleich 11.500 geteilt durch 0,07 plus z gleich 161.228,7143.

EW=\frac{11.286,01}{0,07}=\frac{11.500}{0,07+z}=161.228,7143

Z berechnen wir, indem wir den Erwartungswert der unsicheren Auszahlung durch das Sicherheitsäquivalent teilen, davon 1 abziehen und das Ergebnis mit dem risikofreien Zinssatz multiplizieren.

Berechnung Risikozuschlag
direkt ins Video springen
Berechnung des Risikozuschlages

Wenn du dieses Z in die Formel „11.500 geteilt durch 0,07 plus z \frac{11.500}{0,07+z} einsetzt, wirst du merken, dass sich auch hier 161.228,7143 ergibt.

So, jetzt weißt du, wie du den Wert deines Start-ups festlegst und kannst dich nach dem gewinnbringenden Verkauf deiner Karriere als Investor widmen. Viel Erfolg dabei!

Quelle: Der Beitrag ist in Anlehnung an das Skript: Corporate Finance von Prof. Dr. Marco WilkensProf. Dr. Hendrik Scholz und Prof. Dr. Oliver Entrop entstanden.

Ertragswertverfahren — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Was ist ein Ertragswert?
    Ein Ertragswert ist der heutige Wert eines Unternehmens, der aus den künftig erwarteten Ausschüttungen an die Eigentümer abgeleitet wird. Bei unsicheren Ausschüttungen wird dafür zuerst ein gleichwertiger sicherer Betrag angesetzt, damit das Risiko in der Bewertung berücksichtigt ist.
  • Wie berechnet man das Ertragswertverfahren?
    Das Ertragswertverfahren berechnet man, indem man unsichere künftige Ausschüttungen zuerst in ein Sicherheitsäquivalent umrechnet und dieses dann mit dem risikofreien Zinssatz auf heute abzinst. Bei einer ewigen Rente lautet der Schritt danach: \text{Ertragswert} = \frac{\text{Sicherheitsäquivalent}}{\text{risikofreier Zinssatz}}. Beispiel: \frac{11.286{,}01\,\text{€}}{0{,}07} = 161.228{,}71\,\text{€}.
  • Wann ist das Ertragswertverfahren anzuwenden?
    Das Ertragswertverfahren wendet man an, wenn der Unternehmenswert aus den künftig erzielbaren Erträgen beziehungsweise Ausschüttungen abgeleitet werden soll. Es passt zu Bewertungsanlässen wie einem Unternehmensverkauf, wobei der resultierende Wert je nach Käufer- oder Verkäufersicht unterschiedlich ausfallen kann.
  • Was sind die Nachteile des Ertragswertverfahrens?
    Nachteile des Ertragswertverfahrens sind, dass das Ergebnis stark von Annahmen über zukünftige Ausschüttungen und deren Risiko abhängt. Außerdem setzen typische Modellannahmen wie eine konstante Zinsstruktur und ein über die Zeit konstantes Sicherheitsäquivalent die Realität oft zu stark vereinfacht voraus.

Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

Unternehmensbewertung verstehen

Das Ertragswertverfahren ist ein wichtiges Verfahren der Unternehmensbewertung und gehört zu den Grundlagen der Finanzwirtschaft. Du vergleichst in diesem Themenfeld verschiedene Bewertungsverfahren und ordnest ein, welche Rolle künftige Erträge, Risiken und Zinsen für den Unternehmenswert spielen. Dabei wird klar, warum derselbe Betrieb je nach Annahmen und Methode zu unterschiedlichen Werten führen kann. Im Wirtschaftsbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.

Lernen lohnt sich! Entdecke hier deine Chancen.