Merkmale einer Fabel
Was ist eigentlich eine Fabel und wie erkennst du sie? Hier und im Video erfährst du alles, was du über Fabeln wissen musst.
Inhaltsübersicht
Was ist eine Fabel?
Eine Fabel ist eine kurze Geschichte, in der Tiere die Hauptrolle spielen. Diese Tiere können sprechen und denken wie Menschen. Jedes Tier steht dabei für eine Eigenschaft. So sind beispielsweise Füchse schlau und Esel stur.
Fabeln haben außerdem immer eine Moral am Ende der Geschichte. Der Leser soll also aus dem menschlichen Verhalten der Tiere eine Lehre für sich selbst mitnehmen.
➡️ Beispiel
„Der Rabe und der Fuchs“
Ein Rabe sitzt mit einem Stück Käse im Schnabel auf einem Baum. Ein Fuchs schmeichelt ihm so lange, bis der Rabe zu singen beginnt und dabei seinen Käse fallen lässt.
Die Lehre: Lass dich nicht von Schmeicheleien blenden.
Merkmale einer Fabel
Jede Fabel hat bestimmte Eigenschaften, mit deren Hilfe du sie einfach erkennen kannst. Dazu gehören:
✓ Die Handlung von Fabeln ist oft sehr kurz und es passiert nur wenig.
✓ Es gibt keine konkreten Orts- oder Zeitangaben.
✓ Tiere können wie Menschen sprechen, denken oder handeln (Personifikation).
✓ In Fabeln tauchen keine Fabelwesen wie Drachen auf. Es geht nur um echte Tiere.
✓ Eine klassische Fabel hat drei Teile: Erzählteil, Dialogteil, Konfliktlösung.
✓ Jede Fabel hat eine Lehre. Diese steht meistens ganz am Ende.
✓ Fabeln kritisieren mit ihrer Lehre menschliches Verhalten.
✓ Fabeln sind immer im Präteritum
geschrieben.
Die wichtigsten Merkmale einer Fabel schauen wir uns im Folgenden genauer an.
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Aufbau einer Fabel
Du kannst Fabeln gut an ihrem Aufbau erkennen. Sie bestehen nämlich immer aus Erzählteil, Dialogteil und Konfliktlösung. Das siehst du zum Beispiel an der Fabel „Der Fuchs und die Ziege“:
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Erzählteil (Einleitung): Am Anfang lernst du die Tiere kennen und erfährst, in welcher Situation sie sich befinden.
➡️ Beispiel: Ein Fuchs fällt in einen Brunnen und kommt nicht mehr heraus. Eine durstige Ziege sieht ihn dort sitzen.
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Dialogteil (Hauptteil): Jetzt entwickelt sich ein Konflikt. Eines der Tiere handelt und das andere reagiert darauf. Dabei reden die Tiere oft miteinander, in Form eines Dialogs.
➡️ Beispiel: Der Fuchs überzeugt die Ziege, dass das Wasser im Brunnen besonders frisch sei. Die Ziege springt hinein und sitzt nun ebenfalls fest.
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Konfliktlösung (Schluss): Am Ende wird der Konflikt aufgelöst und die Geschichte endet mit einer Lehre.
➡️ Beispiel: Der Fuchs nutzt die Ziege, um auf ihrem Rücken herauszuklettern. Anschließend lässt er sie zurück.
→ Die Lehre: Denke erst nach, bevor du handelst, sonst wirst du ausgenutzt.
Lehre oder Moral einer Fabel
Am Ende jeder Fabel steht eine Lehre. Sie zeigt dir, was du aus dem menschlichen Verhalten der Tiere lernen kannst. Oft steckt die Moral auch in der Handlung selbst und wird nicht direkt ausgesprochen. Du musst dir die Lehre dann selbst herleiten.
➡️ Beispiele für Lehren in Fabeln:
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„Der Fuchs und die Trauben“: Der Fuchs will Trauben erreichen, schafft es aber nicht. Dann behauptet er, die Trauben seien sowieso sauer.
→ Lehre: Menschen reden Dinge schlecht, die sie nicht bekommen. -
„Der Wolf im Schafspelz“: Ein Wolf verkleidet sich als Schaf, um an die Herde heranzukommen. Am Ende fliegt er auf.
→ Lehre: Der Schein kann trügen. -
„Der Löwe und das Mäuschen“: Der Löwe verschont eine Maus. Später rettet die Maus den Löwen, indem sie ein Netz durchbeißt.
→ Lehre: Unterschätze niemanden.
Fabeltiere und ihre Eigenschaften
In jeder Fabel können Tiere wie Menschen denken, sprechen und handeln. Dabei verkörpern sie immer bestimmte, menschliche Eigenschaften. Diese Eigenschaften bleiben während der gesamten Geschichte gleich. Dadurch ist es häufig schon vorhersehbar, wie die Tiere in bestimmten Situationen reagieren werden.
Tipp: Diese festen Tierrollen machen es einfacher, die Lehre einer Fabel zu erkennen. Du weißt zum Beispiel: Wenn ein Fuchs vorkommt, geht es meist um List oder Täuschung und darum, sich davor zu schützen. Mehr zu den Eigenschaften von Fabeltieren erfährst du hier!
Analyse und Interpretation einer Fabel
Es kann vorkommen, dass du in der Schule Fabeln genauer untersuchen musst. Dafür schreibst du sowohl eine Analyse als auch eine Interpretation deiner Fabel. Auch wenn beide Teile eng zusammenhängen, ist es sinnvoll, sie erst einmal getrennt voneinander zu schreiben.
- Analyse: Bei der Analyse untersuchst du die Fabel genauer. Du betrachtest beispielsweise die Handlung, den Aufbau und das Verhalten der Tiere.
- Interpretation: Anschließend deutest du aus den Ergebnissen deiner Analyse, was die Moral oder Lehre der Fabel ist.
Hier zeigen wir dir, anhand „Der Fuchs und der Storch“, wie du eine Fabel am besten analysieren und interpretieren kannst. Lies dir dafür am besten zuerst die Geschichte kurz durch.
Der Fuchs lud den Storch zu sich ein. Er wollte freundlich wirken und sagte, er habe etwas Leckeres gekocht. Als der Storch ankam, stellte der Fuchs zwei flache Teller auf den Tisch. Darin lag eine dünne Suppe. Der Fuchs begann sofort zu fressen. Er leckte die Suppe schnell auf und war zufrieden. Der Storch versuchte ebenfalls zu essen. Doch mit seinem langen Schnabel konnte er die Suppe aus dem flachen Teller nicht aufnehmen. Er blieb hungrig, sagte aber nichts und ging wieder.
Einige Tage später lud der Storch den Fuchs zu sich ein. Auch er kochte eine Suppe. Als der Fuchs ankam, stellte der Storch das Essen in einen hohen, schmalen Krug. Der Storch steckte seinen Schnabel in den Krug und aß in Ruhe. Der Fuchs versuchte es auch. Doch sein Maul passte nicht in die enge Öffnung. Er bekam nichts und blieb hungrig. Da merkte er, wie gemein sein eigenes Verhalten gewesen war.
Analyse der Fabel — „Der Fuchs und der Storch“
Bevor du „Der Fuchs und der Storch“ interpretieren kannst, solltest du die Fabel gründlich analysieren. Dafür untersuchst du den Text auf seine Handlung. Folgende Fragen helfen dir dabei:
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Welche Tiere kommen vor?
Ein Fuchs und ein Storch. -
Was ist das Problem/der Konflikt?
Der Fuchs behandelt den Storch unfair, indem er ihm Essen auf einem flachen Teller serviert. Der Storch kann es wegen seines Schnabels nicht aufnehmen. Später revanchiert sich der Storch, indem er das Essen in einem Krug serviert. -
Wie ist die Fabel aufgebaut?
- Einleitung: Der Fuchs lädt den Storch ein.
- Hauptteil: Der Fuchs benimmt sich unhöflich und der Storch später genauso.
- Schluss: Der Fuchs merkt, wie es ist, gemein behandelt zu werden.
Interpretation der Fabel — „Der Fuchs und der Storch“
Nachdem du „Der Fuchs und der Storch“ analysiert hast, kannst du mit der Interpretation loslegen. Dabei geht es darum herauszufinden, was die Lehre oder die Moral der Fabel ist.
Du erkennst in unserer Beispiel-Fabel, dass beide Tiere feste Eigenschaften haben: Der Fuchs ist listig und selbstsicher — der Storch geduldig, aber auch nicht wehrlos.
Die Fabel „Der Fuchs und der Storch“ zeigt also, wer andere schlecht behandelt, wird oft genauso zurück behandelt. Die Lehre lautet deshalb:
„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“
Merkmale einer Fabel — häufigste Fragen
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Merkmale einer Fabel — häufigste Fragen
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Was ist der Unterschied zwischen Märchen und Fabel?Märchen spielen oft in einer fantastischen Welt mit Zauberwesen wie Hexen oder Riesen. In Fabeln treten Tiere mit menschlichen Eigenschaften auf. Fabeln haben außerdem immer eine klare Lehre und Märchen meistens nicht.
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Was ist der Unterschied zwischen Parabel und Märchen?Eine Parabel ist eine kurze, lehrhafte Geschichte mit Menschen als Figuren. In der Fabel übernehmen Tiere diese Rolle. Die Botschaft der Parabel ist meist komplexer und nicht so leicht zu erkennen.
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Was sind die Merkmale einer Fabel?Fabeln haben Tiere als Hauptfiguren und vermitteln eine Lehre am Ende. Die Tiere stehen dabei für bestimmte menschliche Eigenschaften. Außerdem ist die Handlung von Fabeln meist sehr kurz und Ort und Zeit werden nicht genau genannt.
Merkmale eines Märchens
Auch Märchen sind spannende Geschichten, die uns viel lehren können. Hier erfährst du mehr über die Merkmale von Märchen und was sie so besonders macht!