Epik
Erzählperspektiven
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Der neutrale Erzähler erzählt eine Geschichte ohne Wertung und aus keiner bestimmten Sichtweise. Hier erfährst du, wie du ihn erkennst und interpretierst. Schau dir für einen schnellen Überblick einfach unser Video an!

Was ist ein neutraler Erzähler?

Der neutrale Erzähler ist eine bestimmte Erzählperspektive . Eine Erzählperspektive verrät dir, aus welcher Position heraus der Erzähler das Geschehene betrachtet. Du unterscheidest dabei zwischen dem auktorialen Erzähler , dem personalen Erzähler , dem neutralen Erzähler und dem Ich-Erzähler .

Der neutrale Erzähler hält sich ganz aus der Geschichte heraus. Er ist daher nicht Teil der fiktiven Welt – also der Welt, in der die Geschichte spielt. Du erkennst ihn daran, dass er nur das beschreibt, was von außen wahrnehmbar ist. Das heißt, er bleibt durchgehend objektiv.

Merkmale des neutralen Erzählers

Innerhalb eines literarischen Werks brauchst du den Erzähler, damit du dich zurechtfinden kannst. Denn du siehst die fiktive Welt und alles, was in ihr vorgeht, ja nicht mit eigenen Augen. Daher hat der Autor den Erzähler erschaffen, damit er dir alles Wichtige berichten kann.

Wichtig: Wie du siehst, sind Erzähler und Autor also nicht dieselbe Person! Der Autor hat alles innerhalb der Geschichte erfunden. Da der Erzähler Teil der Geschichte ist, hat der Autor also auch ihn erfunden.

Je nach Erzählperspektive hat der Erzähler unterschiedliche Merkmale. Wenn du noch mehr über die verschiedenen Erzählperspektiven erfahren möchtest, dann schau dir einfach unseren Übersichtsbeitrag dazu an!

Zum Video: Erzählperspektive
Zum Video: Erzählperspektive

 

Einen Überblick über die wichtigsten inhaltlichen und formalen Eigenschaften des neutralen Erzählers findest du im Anschluss.

Inhalt 

Der neutrale Erzähler ist kein Charakter innerhalb der fiktiven Welt. Er befindet sich außerhalb und betrachtet die Geschehnisse und Charaktere von diesem Standpunkt aus. Dabei nimmt er nur Bezug auf das, was beobachtbar ist. Er ist also ein bisschen wie eine Filmkamera. Deshalb bezeichnest du die neutrale Erzählweise auch als Camera-Eye Technik.

Konkret bedeutet das, dass der neutrale Erzähler immer nur das beschreibt, was in der Geschichte vor sich geht. Er gibt keine zusätzlichen Informationen.

Neutraler Erzähler – Beispiel:  Julia lief in das Restaurant, wo Felix auf sie wartete. Die beiden umarmten sich.

Gegenbeispiel: Julia lief schnell in das Restaurant, wo ihr Bruder Felix schon ungeduldig auf sie wartete. Die beiden umarmten sich innig zur Begrüßung

Vielleicht bemerkst du den neutralen Erzähler gar nicht. Er macht nicht mit Kommentaren auf sich aufmerksam. Er stellt einfach alles dar, ohne es zu bewerten. Das bedeutet auch, dass er dir Zusammenhänge nicht weiter erklärt. Du musst sie dir selbst erschließen.

Jetzt verstehst du auch, woher der neutrale Erzähler seinen Namen bekommt: Wenn du eine neutrale Haltung gegenüber einer Sache einnimmst, dann hast du keine eigene Meinung dazu.

Neutraler Erzähler – Beispiel: „Wurde auch Zeit“, sagte Felix, als sie sich setzen. Julia lächelte ihn an.

Gegenbeispiel: „Wurde auch Zeit“, sagte Felix, als sie sich setzen. Er hatte bereits eine halbe Stunde gewartet. Julia lächelte ihn entschuldigend an.

Wichtig: Nur weil der neutrale Erzähler nicht lautstark auf sich aufmerksam macht, heißt das nicht, dass es in dem Text keinen Erzähler gibt!

Form 

Der neutrale Erzähler berichtet über alles Sichtbare innerhalb der fiktiven Welt, ohne selbst Teil von ihr zu sein. Deshalb benutzt er Personalpronomen der 3. Person, um die Charaktere und ihre Handlungen zu beschreiben. Genauso wie du es auch machen würdest, wenn du als Außenstehender jemandem von einer Situation erzählst.

Neutraler Erzähler – Beispiel: Sie schlug die Speisekarte auf, während er einen Schluck aus seinem Getränk nahm.

Wirkung des neutralen Erzählers

Der Erzähler wird wie jeder andere Teil der Geschichte vom Autor ganz bewusst erschaffen. Er hat sich beim Schreiben viele Gedanken darüber gemacht, wie der Erzähler auf dich als Leser wirken soll. Deshalb solltest du auch immer über die Wirkung nachdenken. Diesen Schritt solltest du vor allem in einer Textinterpretation auf keinen Fall vergessen.

Wenn eine Geschichte einen neutralen Erzähler hat, kannst du dich vor allem auf eines vorbereiten: Du musst mehr mitdenken! Denn der Erzähler wird dir nichts erklären.

Das bedeutet aber auch, dass der Erzähler deine Meinung über die Geschichte nicht weiter beeinflusst. Im Gegenteil: Alles, was er darstellt, ist ganz sachlich. Er beschreibt alles genau so, wie es zu beobachten ist. Es liegt an dir, deine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Allerdings kann diese Art von Erzählverhalten manchmal etwas langweilig wirken. Denn Kommentare von des Erzählers können auch lustig oder spannend sein. Und diese fehlen hier auch völlig.

Neutraler Erzähler – Beispiel

Jetzt hast du alle Eigenschaften des neutralen Erzählers kennengelernt. Das schauen wir uns an einem Beispiel aus der Literatur noch einmal genauer an.

Die Kurzgeschichte „Berge wie weiße Elefanten“ des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway behandelt ein Gespräch zwischen einem Paar in einer Bar in Spanien. Während der Unterhaltung stellt sich immer mehr heraus, dass es wohl um ein ernstes Thema geht. Aber du als Leser kannst dir da nicht sicher sein, denn das Thema wird nie genannt.

In dieser Textpassage erkennst du ganz eindeutig die Merkmale des neutralen Erzählers wieder:

Sie stellte die Filzuntersätze und die Biergläser auf den Tisch und blickte den Mann und das Mädchen an. Das Mädchen wandte den Blick ab, den Bergen zu. Sie waren weiß in der Sonne, und das Land war braun und trocken. „Sie sehen wie weiße Elefanten aus“, sagte sie. „Ich hab noch nie einen gesehen.“ Der Mann trank sein Bier.

Inhalt: Obwohl viele verschiedene Charaktere vorkommen, erfährst du nicht, was sie denken oder fühlen. Du erfährst nur Dinge, die beobachtbar sind. Also alles, was die Charaktere tun. Auch gibt dir der neutrale Erzähler zwar einen Einblick in das Gespräch, aber er kommentiert es nicht weiter.

Form: Es werden Pronomen in der 3. Person verwendet.

Wirkung: Es wird ganz sachlich beschrieben, wie die Umgebung aussieht und wie sich die Charaktere verhalten. Allerdings erfährst du nicht, warum diese Personen in der Bar sind, wie sie miteinander in Verbindung stehen oder wie sie heißen. Du musst den Rest der Geschichte abwarten, um deine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Neutraler Erzähler und auktorialer Erzähler

Neben dem neutralen Erzähler gibt es noch eine weitere Erzählperspektive, bei der sich der Erzähler nicht innerhalb der fiktiven Welt befindet: der auktoriale Erzähler. Allerdings hören hier die Gemeinsamkeiten auch schon wieder auf. Denn der auktoriale Erzähler ist allwissend, das heißt, er weiß über die Vergangenheit, die Zukunft und über alle Charaktere Bescheid. 

Schau dir als nächstes dieses Video  an, um mehr über den auktorialen Erzähler zu erfahren!

Zum Video: Auktorialer Erzähler
Zum Video: Auktorialer Erzähler

 

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