Die erlebte Rede ist eine Form der Figurenrede, mit der dem Leser die Gedanken und Gefühle einer Figur nähergebracht werden. Mehr darüber erfährst du in unserem Beitrag und Video .

Erlebte Rede – einfach erklärt

Die erlebte Rede gehört zu den Figurenreden und steht zwischen direkter und indirekter Rede. Sie drückt Gedanken, Empfindungen und Gefühle einer Figur aus und kommt nur in epischen, also erzählenden Texten zum Einsatz.

Der Erzähler schlüpft bei der erlebten Rede in die handelnde Figur hinein und gibt ihre Gedanken aus ihrer Sicht wieder. Dafür verwendet er den Indikativ (Wirklichkeitsform) und die dritte Person, denn die Figur spricht nicht selbst. Dieser Erzähler ist fast immer ein personaler Erzähler, er hat also nur Zugang zu der Figur, über die er berichtet. Die erlebte Rede ist eine Mischform aus Bericht und Monolog (Selbstgespräch).

Sieh dir dieses Beispiel für die erlebte Rede in einer Kurzgeschichte an:

Und jetzt? Von der nächsten Station zurück nach Oury? Unmöglich, dann mußte er dort eine Stunde warten, und dafür hatte er keine Zeit mehr. (Daniel Kehlmann, Unter der Sonne)

Erlebte Rede – Definition

Die erlebte Rede ist eine Form der Figurenrede, durch die dem Leser die Gedanken einer Figur nähergebracht werden. Sie steht zwischen direkter und indirekter Rede und wird im Indikativ der dritten Person ausgedrückt. Die erlebte Rede ist eine Mischform aus Bericht und Monolog.

Erlebte Rede – Merkmale

Als Leser bekommst du in Geschichten durch diese Figurenrede Einblick in den Kopf der handelnden Figur. Allerdings muss sich die Figur nicht selbst äußern, denn das übernimmt der Erzähler. Diese besondere „Vermittlerrolle“ des Erzählers wirkt sich auf die Sprache in der erlebten Rede aus. Das bedeutet, dass es einige charakteristische Merkmale der erlebten Rede gibt, auf die du achten solltest:

In längeren Passagen erlebter Rede ist es manchmal nicht ganz einfach zu entscheiden, wer gerade spricht: der Erzähler oder die Figur. Aber es gibt noch eine Reihe von sprachlichen Erkennungsmerkmalen, die dir dabei helfen können, die erlebte Rede im Text zu erkennen:

  • Modalverben , wie sollen, müssen oder dürfen, mit denen Hoffnungen oder Vermutungen einer Figur ausgedrückt werden
  • Wendungen, die Vermutungen oder Zweifel ausdrücken, zum Beispiel vielleicht oder vermutlich
  • Wendungen und Funktionswörter, die eher umgangssprachlich sind, zum Beispiel eh, halt oder eben

Wichtig: Das heißt natürlich nicht, dass all diese Merkmale in einer erlebten Rede auftauchen müssen. Umgekehrt sind nicht alle Textpassagen, in denen zum Beispiel Modalverben vorkommen, automatisch erlebte Rede. Es sind nur Hinweise darauf, dass es sich bei einem Text um die erlebte Rede handeln kann.

Erlebte Rede – Wirkung

Die erlebte Rede kann durch ihre besonderen Eigenschaften verschiedene Wirkungen auf dich haben. Beim Lesen scheint es so, als würden die Gedanken und Gefühle einer Figur nicht von ihr selbst erzählt werden, sondern von einem Erzähler. Das bedeutet, dass die Anwesenheit des Erzählers immer noch spürbar ist.

Indem der Erzähler die Gedanken der Figur liest und wiedergibt, verschmilzt er fast mit ihr. Du kannst die beschriebenen Gedankengänge und Gefühle einer Figur besser nachempfinden. Dadurch, dass bei der erlebten Rede die dritte Person verwendet wird, klingt der Text allerdings etwas weniger persönlich.

Erlebte Rede Wirkung – Beispiel:

Sie war zu spät dran. Musste sie Bescheid geben? Sollte sie sich entschuldigen?

Die Figur ist nicht pünktlich gewesen und überlegt jetzt, wie sie sich am besten verhält. Ihre Gedanken spricht sie nicht laut aus. Du weißt trotzdem, dass sie sich den Kopf zerbricht, weil dir der Erzähler davon berichtet.

An der verwendeten dritten Person erkennst du, dass eine andere Person, nämlich der Erzähler, über die Figur spricht. Du nimmst seine Anwesenheit wahr. Allerdings sind die Überlegungen als Fragen ausgedrückt und so spürst du als Leser die Unsicherheit der Figur. Das heißt, dass die Figurenrede trotzdem unmittelbar wirkt. Die Modalverben betonen, dass es sich um Gedankengänge und Vermutungen handelt.

Erlebte Rede oder innerer Monolog

Pass auf, dass du die erlebte Rede nicht mit dem inneren Monolog verwechselst! Mit beiden werden Gedanken von Figuren wiedergegeben, aber nicht auf die gleiche Art und Weise.

Während die erlebte Rede in der dritten Person verfasst ist, findet der innere Monolog in der ersten Person statt. Denn beim inneren Monolog gibt es keinen Erzähler, der dir erklärt, was die Person empfindet. Die Figur redet sozusagen gedanklich mit sich selbst. Bei der erlebten Rede dagegen bietet dir der Erzähler einen Einblick in die Gedanken und Gefühle einer Figur.

Sowohl die erlebte Rede als auch der innere Monolog ermöglichen es dem Leser, die Gedanken und Gefühle einer Figur nachzuempfinden. Das heißt, dass du beim Lesen „hautnah“ dabei bist und mit der Figur mitfühlst. Diese Wirkung ist beim inneren Monolog aber noch stärker als bei der erlebten Rede.

Wenn du die folgenden Beispiele vergleichst, siehst du, dass sich erlebte Rede und innerer Monolog grammatisch voneinander unterscheiden:

Erlebte Rede: Er wollte unbedingt noch ein Eis essen. Musste er sich denn nicht beeilen?

Innerer Monolog: Ich möchte unbedingt noch ein Eis essen. Hoffentlich muss ich mich nicht beeilen.

Durch die unterschiedlichen Formen findest du die erlebte Rede und den inneren Monolog in verschiedenen Texten. Während die erlebte Rede typisch für den personalen Erzähler ist, begegnet dir der innere Monolog hauptsächlich beim Ich-Erzähler .

Erlebte Rede, direkte Rede und indirekte Rede

Die erlebte Rede stellt eine Zwischenform der direkten und der indirekten Rede dar. Die daraus folgenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede erklären wir dir jetzt genauer.

Die direkte Rede ist eine wörtliche Wiedergabe davon, was die Figur sagt. Du erkennst die direkte Rede immer ganz leicht, denn sie ist durch Anführungszeichen vom Rest des Textes abgehoben. Durch die direkte Rede tritt der Erzähler in den Hintergrund, deswegen wirkt der Text für den Leser direkter. Der Leser hat dann das Gefühl, näher an der Figur zu sein.

Direkte Rede: Sie fragte: „Was soll ich jetzt nur tun?“

Die indirekte Rede ist eine sinngemäße Wiedergabe davon, was eine Figur sagt. Bei der indirekten Rede wird die Rolle des Erzählers deutlich. Er „vermittelt“ zwischen der Figur und dem Leser. Durch diese Redeform wirkt der Text distanzierter. Außerdem solltest du beachten, dass die indirekte Rede immer im Konjunktiv steht, also der Möglichkeitsform.

Indirekte Rede: Sie fragte, was sie jetzt nur tun solle.

Bei der erlebten Rede fallen dir zwei Gemeinsamkeiten auf:

  • das Subjekt (= handelnde Figur) steht in der dritten Person — wie bei der indirekten Rede
  • die Wortstellung ist die gleiche wie bei der direkten Rede

Erlebte Rede: Was sollte sie jetzt nur tun?

Wie du siehst, hat die erlebte Rede mit der direkten Rede die Wortstellung gemein, mit der indirekten Rede dafür den Wechsel des Aussagesubjekts in die dritte Person.

Epik

Jetzt kannst du die Frage „Was ist eine erlebte Rede?“ ganz leicht beantworten. Schau dir als Nächstes unser Video zur literarischen Gattung der Epik an, um mehr über Erzähltechniken, Erzähler und epische Texte zu erfahren!

Zum Video: Epik
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