Du fragst dich, was genau Kaufmannseigenschaften sind? Hier und im Video erfährst du, welche Arten von Kaufleuten es gibt und was sie für Rechte und Pflichten haben.
Inhaltsübersicht
Was sind Kaufmannseigenschaften?
Die Kaufmannseigenschaften sind Merkmale, die bestimmen, ob eine Person oder ein Unternehmen als Kaufmann nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) gilt.
Das HGB ist das wichtigste Gesetzbuch für Kaufmänner und regelt ihre Rechte und Pflichten im Geschäftsleben. Es unterscheidet verschiedene Arten von Kaufleuten und legt fest, welche Regeln für sie gelten. Diese Unterscheidungen sind wichtig, da Kaufleute sowohl besondere Pflichten als auch Rechte haben.
Freiberufler wie Ärzte, Anwälte oder Künstler gelten rechtlich nicht als Kaufleute, weil sie keine kaufmännischen Unternehmen betreiben. Das bedeutet, sie müssen sich nicht ins Handelsregister eintragen und unterliegen nicht den gleichen Regeln wie Kaufleute.
Istkaufmann
Ein Istkaufmann ist jeder, der ein Handelsgewerbe betreibt. Das ist ein Unternehmen, das regelmäßig Waren verkauft oder Dienstleistungen anbietet, um Gewinn zu machen. Dabei kann es sich um einen Laden, einen Handwerksbetrieb oder eine Dienstleistung handeln.
Zudem erfordert ein Handelsgewerbe eine kaufmännische Organisation. Das bedeutet, dass das Unternehmen so groß ist, dass es klare Abläufe benötigt. Dazu zählen eine ordentliche Buchführung, eine Aufgabenverteilung und oft auch Fachkräfte in der Verwaltung.
Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, gilt das Unternehmen automatisch als Kaufmann und muss die Regeln des Handelsgesetzbuchs einhalten.
➡️ Beispiel:
Als Bäcker, der täglich Brötchen verkauft und mehrere Angestellte beschäftigt, wärst du ein Istkaufmann. Denn dein Geschäft ist regelmäßig und auf Dauer angelegt und benötigt eine kaufmännische Organisation. Du musst dich deshalb ins Handelsregister eintragen lassen.
Übrigens: Eine weitere Bezeichnung für den Istkaufmann lautet Musskaufmann. Er muss sich nämlich in das Handelsregister eintragen.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Formkaufmann
Ein Formkaufmann ist ein Unternehmen, das durch seine Rechtsform zum Kaufmann wird. Dazu gehören Gesellschaften wie eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) oder eine AG (Aktiengesellschaft). Solche Unternehmen müssen sich ins Handelsregister eintragen und somit die Vorgaben des HGB beachten.
➡️ Beispiel:
Deine neu gegründete GmbH für Grafikdesign wird automatisch zum Formkaufmann, auch wenn du nur wenige Kunden hast. Die GmbH-Form macht sie per Gesetz zum Kaufmann.
Kannkaufmann
Ein Kannkaufmann ist ein Unternehmer, der die Kaufmannseigenschaft freiwillig annehmen kann.
Kannkaufmänner gelten nicht automatisch als Kaufleute, können sich aber freiwillig ins Handelsregister eintragen. Damit erhalten sie auch die entsprechenden Rechte und Pflichten der Kaufleute.
Das betrifft häufig kleinere Betriebe, die keine kaufmännische Organisation benötigen, wie zum Beispiel Kleingewerbetreibende oder landwirtschaftliche Betriebe.
➡️ Beispiel:
Als Landwirt, der nur kleine Mengen Obst auf Märkten verkauft, giltst du normalerweise nicht als Kaufmann. Dein Betrieb benötigt schließlich keine kaufmännische Organisation. Du kannst dich jedoch in das Handelsregister eintragen, um etwa langfristige Verträge mit Supermärkten abschließen zu können.
Eine kaufmännische Organisation bedeutet, dass ein Unternehmen so strukturiert ist, dass es die Anforderungen des Handels erfüllt. Dazu gehören eine klare Aufgabenverteilung, eine geordnete Buchführung und eine Verwaltung durch Fachkräfte.
Fiktivkaufmann
Ein Fiktivkaufmann ist eine Person, die fehlerhaft im Handelsregister eingetragen ist. Trotz dieses Fehlers hat sie nach §5 HGB die gleichen Rechte und Pflichten wie rechtmäßig eingetragene Kaufleute.
Das bedeutet, dass der Fiktivkaufmann im Geschäftsverkehr wie ein Kaufmann behandelt wird und sich an die Vorschriften des Handelsgesetzbuchs halten muss.
Scheinkaufmann
Ein Scheinkaufmann gibt sich gegenüber Geschäftspartnern fälschlicherweise als Kaufmann aus. Er führt keinen ordnungsgemäßen Handelsbetrieb und ist auch nicht im Handelsregister eingetragen.
Dennoch erweckt er bei Kunden oder Geschäftspartnern den Eindruck, ein Kaufmann zu sein. Dadurch möchte er sich unberechtigt Vorteile wie Vertrauen und einen besseren Vertragsstand verschaffen.
Rechte des Kaufmanns
-
selbstgewählter Unternehmensname: Ein Kaufmann hat das Recht, unter einem eigenen Unternehmensnamen zu handeln. Wichtig ist für den Formkaufmann, dass seine Rechtsform in dem Namen erkennbar ist. Dieser muss sowohl passend gewählt, als auch im Handelsregister eingetragen sein.
-
Klagen: Vor Gericht kann der Kaufmann mit seinem Unternehmensnamen klagen, unter diesem aber auch verklagt werden.
- Prokura: Bei Bedarf kann ein Kaufmann einer Person eine umfassende Handlungsvollmacht für das Unternehmen übertragen. Sie darf dann im Namen des Kaufmanns Geschäfte abschließen.
Pflichten des Kaufmanns
-
Eintragung ins Handelsregister: Jeder Kaufmann muss sich ins Handelsregister eintragen lassen.
-
Buchführungspflicht: Kaufleute müssen eine ordentliche Buchführung führen, die alle Einnahmen und Ausgaben sowie das Vermögen des Unternehmens dokumentiert.
-
Jahresabschluss: Am Ende jedes Geschäftsjahres muss ein Kaufmann einen Jahresabschluss erstellen, um die finanzielle Lage des Unternehmens festzuhalten.
- Aufbewahrungspflicht: Kaufleute müssen wichtige Unterlagen wie Rechnungen und Verträge mehrere Jahre aufbewahren.
Formkaufmann
Nach diesem Überblick solltest du dir noch die einzelnen Kaufmannsformen im Detail anschauen. Hier erfährst du mehr über den Formkaufmann!
Kaufmannseigenschaften — häufigste Fragen
(ausklappen)
Kaufmannseigenschaften — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Was ist ein Kaufmann?Ein Kaufmann ist eine Person oder ein Unternehmen, das rechtlich als Kaufmann nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) gilt. Dadurch gelten im Geschäftsverkehr besondere Regeln, die bei vielen anderen Unternehmern nicht greifen. Zur Kaufmannseigenschaft gehören deshalb typische Rechte und Pflichten im Handel.
-
Wann ist man Kaufmann?Kaufmann ist man, wenn man nach dem HGB als Kaufmann gilt, zum Beispiel weil man ein Handelsgewerbe betreibt oder weil die Rechtsform einen automatisch zum Kaufmann macht. Außerdem kann man in bestimmten Fällen durch freiwillige Eintragung im Handelsregister Kaufmann werden.
-
Was ist der Unterschied zwischen dem Einzelunternehmen und dem eingetragenen Kaufmann?Ein Einzelunternehmen ist eine Unternehmensform, bei der eine einzelne Person den Betrieb führt. Ein eingetragener Kaufmann (e. K.) ist dagegen ein Kaufmann, der im Handelsregister eingetragen ist. Ein Einzelunternehmer kann also e. K. sein, muss es aber nicht.
-
Was ist der Unterschied zwischen Fiktivkaufmann und Scheinkaufmann?Ein Fiktivkaufmann ist im Handelsregister eingetragen, aber diese Eintragung ist fehlerhaft, trotzdem gelten die Regeln für Kaufleute. Ein Scheinkaufmann ist nicht eingetragen und betreibt keinen ordnungsgemäßen Handelsbetrieb, tritt aber nach außen so auf, als wäre er Kaufmann.
Handelsrecht verstehen
Kaufmannseigenschaften gehören zum Handelsrecht und regeln die Stellung von Kaufleuten im Geschäftsleben. Wer sich mit dem Handelsrecht beschäftigt, ordnet Unternehmen nach ihrer Rechtsform und ihren Pflichten ein. So wird klar, wann für ein Unternehmen die Regeln des HGB gelten und welche Folgen das hat. Im Wirtschaftsbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.