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Wie du das Gerundium und Gerundivum in Latein erkennen und übersetzen kannst, erfährst du hier und im Video. Außerdem lernst du, wie du die nd-Formen unterscheiden kannst.

Inhaltsübersicht

Gerundium und Gerundivum einfach erklärt

Im Lateinischen gibt es zwei sogenannte nd-Formen: Das Gerundium und das Gerundivum.

Das Gerundium in Latein ist ein Verbalsubstantiv, also ein substantivierter Infinitiv:

  • Legere delectat.
    Das Lesen macht Spaß.
  • ad legendum convenimus.
    → Wir treffen uns zum Lesen.

Das Gerundivum ist dagegen ein Verbaladjektiv. Es ist also ein Verb, das wie ein Adjektiv dekliniert wird. Es steht immer in KNG-Kongruenz zu seinem Bezugswort:

  • liber legendus (Nom. Sg. m.)
    → das zu lesende Buch

Gerundium Bildung

Gerundium und Gerundivum werden häufig als nd-Formen in Latein bezeichnet, da du sie einfach an den Buchstaben ­­–nd zwischen Verbstamm und Endung erkennen kannst. Nur im Nominativ sieht das Gerundium aus wie der Infinitiv.

In der Tabelle siehst du die Bildung des Gerundiums in allen Kasus. Das Gerundium gibt es nur im Singular:

Nominativ legere (das) Lesen
Genitiv legend-i des Lesens
Dativ legend-o dem Lesen
Akkusativ legend-um das Lesen
Ablativ legend-o durch das Lesen

Merke: Ein Gerundium hat nur die Endungen -i, -o und -um.

Bei Verben der konsonantischen Konjugation und der ī-Konjugation wird noch ein -e- an den Verbstamm angefügt:

agere: ag-e-ndi
audire: audi -e-ndi

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Gerundium übersetzen

Das Gerundium kannst du wörtlich mit einem Substantiv oder freier mit einem Infinitiv übersetzen:

  • Occasio legendi tibi est.
    → mit Substantiv: Du hast Gelegenheit für das Lesen
    → mit Infinitiv: Du hast Gelegenheit zu lesen.

Gut zu wissen: Die handelnde Person wird beim Gerundium und Gerundivum mit einem dativus auctoris ausgedrückt: tibi.

Die Präposition ad kannst du immer mit zum + Substantiv übersetzen; die Präposition in mit beim + Substantiv:

  • ad legendum convenire
    zum Lesen zusammenkommen
  • in legendo proficere
    beim Lesen Fortschritte machen
Gerundium in verschiedenen Kasus
  • Genitiv: Das Gerundium kommt vor allem nach bestimmten Substantiven und Adjektiven wie beispielsweise occasio (Gelegenheit), spes (Hoffnung) oder studiosus (eifrig bemüht).
  • Dativ: Das Gerundium im Dativ ist sehr selten.
  • Akkusativ: Das Gerundium steht immer mit der Präposition ad.
  • Ablativ: Das Gerundium im Ablativ ist recht häufig, meist passt eine Übersetzung mit „durch”.

Gerundivum Bildung

Auch das Gerundivum erkennst du an den Buchstaben -nd- zwischen Verbstamm und Endung. Das Gerundivum wird wie ein Adjektiv der ā- und ō-Deklination dekliniert:

Singular   maskulin feminin neutrum
  Nominativ legend-us legend-a legend-um
  Genitiv legend-i legend-ae legend-i
  Dativ legend-o legend-ae legend-o
  Akkusativ legend-um legend-am legend-um
  Ablativ legend-o legend-a legend-o
Plural Nominativ legend-i legend-ae legend-a
  Genitiv legend-orum legend-arum legend-orum
  Dativ legend-is legend-is legend-is
  Akkusativ legend-os legend-as legend-a
  Ablativ legend-is legend-is legend-is

Gerundivum Verwendung und Übersetzung

Für die Übersetzung ins Deutsche unterscheidest du, ob das Gerundivum attributiv mit einem Bezugswort steht oder mit einer Form von esse verwendet wird.

Bei der attributiven Verwendung kannst du dich entscheiden, ob du das Gerundiv mit einem Substantiv oder einer Infinitiv-Konstruktion übersetzt:

  • Libro legendo operam dedi.
    → Substantiv: Ich habe mir beim Lesen des Buches Mühe gegeben.
    → Infinitiv: Ich habe mir Mühe gegeben, das Buch zu lesen.

Steht das Gerundivum mit einer Form von esse (est, fuerit, erit, sunt, fuerunt, erunt), drückt es immer eine Notwendigkeit aus. Wie beim Gerundiv wird die handelnde Person dabei mit einem dativus auctoris ausgedrückt. Im Deutschen kannst du diesen Dativ aber auch in den Nominativ setzen:

  • Libri tibi legendi sunt.
    → mit Dativ: Die Bücher müssen von dir gelesen werden.
    → mit Nominativ: Du musst die Bücher lesen.

Eine Verneinung des Verbs esse übersetzt du mit einem Verbot:

  • Hic liber tibi legendus non est.
    Dieses Buch darfst du nicht lesen.

nd-Formen in Latein unterscheiden

Mit diesen drei Schritten kannst du leicht feststellen, ob du es in einem Übersetzungstext mit einem Gerundium oder einem Gerundivum zu tun hast:

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nd-Formen in Latein unterscheiden
  1. Lautet die Endung -o, -i oder -um?
    Nein → Gerundivum
    Ja → Schritt 2
  2. Gibt es ein Bezugswort mit demselben Kasus, Numerus und Genus?
    Ja → Gerundivum
    Nein → Schritt 3.
  3. Gibt es eine Form von esse (est, fuerit, erit, sunt, fuerunt, erunt)?
    Ja → Gerundivum
    Nein → Gerundium

PPP

Genau wie das Gerundivum, sind auch die Partizipien Verbaladjektive. Wenn du wissen willst, wie du das Partizip Perfekt Passiv in Latein erkennst und richtig übersetzt, schau dir hier das Video an.

Zum Video: PPP Latein
Zum Video: PPP Latein

Gerundium und Gerundivum Latein — häufigste Fragen

(ausklappen)
  • Wie lautet das Gerundium im Lateinischen?
    Gerundium heißt im Lateinischen ein Verbalsubstantiv und kommt nur im Singular vor. Im Nominativ sieht es wie der Infinitiv aus, zum Beispiel „legere“. In den anderen Kasus hat es die „-nd-“ Form mit Endungen wie „legendī“, „legendō“ und „legendum“.
  • Was ist der Unterschied zwischen Gerundium und Gerundivum?
    Gerundium und Gerundivum unterscheiden sich darin, dass das Gerundium wie ein Substantiv gebraucht wird, während das Gerundivum wie ein Adjektiv zu einem Bezugswort gehört. Ein Gerundivum steht deshalb in KNG-Kongruenz zum Nomen, zum Beispiel „liber legendus“ („das zu lesende Buch“).
  • Wie übersetzt man das Gerundivum?
    Ein Gerundivum übersetzt man als „zu …end“ oder mit einer passenden Infinitiv-Formulierung, wenn es attributiv bei einem Nomen steht, zum Beispiel „liber legendus“ = „das zu lesende Buch“. Steht das Gerundivum mit „esse“, drückt es Notwendigkeit aus, zum Beispiel „Libri tibi legendi sunt“ = „Du musst die Bücher lesen“.
  • Woher weiß man, ob man Gerundium oder Infinitiv verwendet?
    Gerundium und Infinitiv können im Nominativ gleich aussehen, weil das Gerundium dort die Infinitivform hat, zum Beispiel „legere“. Als Gerundium versteht man „legere“, wenn es wie ein Substantiv gemeint ist („das Lesen“), etwa in „Legere delectat“. Als Infinitiv steht „legere“, wenn es direkt von einem anderen Verb abhängt, etwa in „legere possum“.

Lateingrammatik verstehen

Gerundium und Gerundivum sind typische nd-Formen und ein wichtiger Teil der Lateingrammatik. Wer sich mit Lateingrammatik beschäftigt, achtet auf Formen, Endungen und Bezugswörter im Satz. Wenn du Konstruktionen sicher einordnest, erkennst du schneller, welche Satzteile zusammengehören und wie der Sinn im Deutschen entsteht. Weitere Videos dazu findest du in unserem Fremdsprachenbereich.

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