Wusstest du schon, dass du deine Ausbildung verkürzen kannst und das ohne ein absoluter Überflieger zu sein? In diesem Beitrag und in unserem Video  erfährst du alles über die verschiedenen Möglichkeiten!

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Ausbildung verkürzen einfach erklärt

Um früher ins Berufsleben starten zu können, kannst du deine Ausbildung verkürzen. Normalerweise dauert diese — egal ob schulisch oder dual — zwischen 2 und 3,5 Jahren. Die Dauer ist in der sogenannten Ausbildungsverordnung und in deinem Ausbildungsvertrag  festgelegt. Aber wie kannst du deine Ausbildung verkürzen? Dafür musst du laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) eine dieser drei Voraussetzungen erfüllen:

  1. berufliche Vorkenntnisse 
  2. schulische Vorbildung 
  3. besonders gute Leistung in der Ausbildung

💡Beachte: Es ist immer eine Einzelfall-Entscheidung, ob du die Ausbildung wirklich verkürzen kannst. Diese Entscheidung liegt bei deiner zuständigen IHK oder Handwerkskammer.

Die Einzelheiten dieser Voraussetzungen und warum du überhaupt deine Ausbildung verkürzen kannst, erklären wir dir jetzt!

Ausbildung verkürzen durch berufliche Vorkenntnisse

Egal ob eine angefangene Ausbildung, Berufserfahrung, ein Berufsgrundbildungsjahr oder der Besuch einer Berufsfachschule — all diese Vorkenntnisse berechtigen eine Verkürzung deiner Ausbildung.

Berufsvorbereitende Maßnahme

Wenn du bereits ein Berufsgrundbildungsjahr erfolgreich absolviert hast oder eine Berufsfachschule besucht hast, weil du nicht sofort wusstest, welche Ausbildung du machen möchtest, kannst du dir das auf deine Ausbildungszeit anrechnen lassen. 

Dabei musst du beachten, dass die Höhe der Anrechnungszeit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt ist. Oft wird dir nach erfolgreichem Abschluss deines Berufsgrundbildungsjahres ein Jahr angerechnet und von deiner Ausbildungszeit abgezogen. Nach Besuch einer Berufsfachschule ist es meist ein halbes bis ganzes Jahr.

Du wirst also teilweise gleich in das zweite Ausbildungsjahr eingestuft und hast somit sogar direkt Anspruch auf die Vergütung des zweiten Lehrjahres! Die verkürzte Dauer wird in deinem Ausbildungsvertrag festgehalten.

Verkürzung wegen einschlägiger Berufserfahrung 

Hast du bereits Berufserfahrung in dem Feld gesammelt, in dem du nun auch deine Ausbildung machen willst, steht einer Verkürzung ebenfalls nichts im Wege! 

Manchmal kann sogar schon ein Nebenjob oder ein passender Freiwilligendienst in der gleichen Tätigkeitsbranche dafür ausreichen. Hast du zum Beispiel schon mal gekellnert, kann sich das positiv auf deine Ausbildungsdauer als Restaurantfachmann auswirken. Auch hier ist es wieder wichtig, dass du den Antrag gemeinsam mit dem zuständigen Ansprechpartner deines Ausbildungsbetriebes einreichst. Das ist manchmal sogar noch nach Vertragsabschluss, also während deiner Ausbildung, möglich!

Verkürzung durch vorangegangene Ausbildung 

Du hast deine vorherige Ausbildung abgebrochen oder bereits eine ähnliche Berufsausbildung abgeschlossen? Oder du möchtest deine angefangene Berufsausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen?

Auch das können Gründe sein, um deine Ausbildungsdauer zu verkürzen! Dabei ist es immer am besten, wenn deine vorherige Ausbildung Ähnlichkeiten mit deiner jetzigen hat. Wenn du deine Lehrstelle wechselst, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Wechselst du den Ausbildungsbetrieb, bleibst aber im selben Ausbildungsberuf, kann deine bisherige Ausbildungszeit entweder ganz oder teilweise auf deine neue Ausbildungsdauer angerechnet werden.

  • Wechselst du in einen verwandten oder ähnlichen Ausbildungsberuf, in dem die Grundausbildung (in der Regel das erste Ausbildungsjahr) im Wesentlichen identisch ist zu deinem bisherigen Beruf, kann dir diese Zeit voll angerechnet werden. Das Maximum sind hierbei 12 Monate

Du beginnst so deine neue Ausbildung also nicht von vorne, sondern führst sozusagen die alte fort. Daher hast du auch hier Anspruch auf die höhere Ausbildungsvergütung. Wird dir beispielsweise ein ganzes Jahr angerechnet, beginnst du gleich mit dem zweiten Ausbildungsjahr und bekommst auch das dafür vorhergesehene Gehalt. 

Schulabschluss anrechnen und Ausbildung verkürzen

Hast du einen höheren Schulabschluss als den Hauptschulabschluss, kannst du dir diesen anrechnen lassen und dadurch deine Ausbildung verkürzen. 

Wenn du zum Beispiel ein (Fach-)Abitur hast, aber eine Ausbildung machst, die einen Realschulabschluss voraussetzt (zum Beispiel die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker), kannst du deine Ausbildung um bis zu ein Jahr verkürzen. 

Tipp: Am Besten kümmerst du dich gleich zu Beginn deiner Ausbildung zusammen mit deinem Ausbildungsbetrieb um einen solchen Antrag bei der dafür zuständigen Stelle (z. B. der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer). Spätestens ein Jahr vor Abschluss deiner Ausbildung sollte der fertige Antrag bei der Behörde vorliegen. 

Schulabschluss

Ausbildungsverkürzung

(Qualifizierender) Hauptschulabschluss

nicht möglich

Mittlere Reife/Realschulabschluss

um bis zu 6 Monate möglich
Fachoberschulreife/Fachhochschulreife um bis zu 12 Monate möglich 
Abitur um bis zu 12 Monate möglich

Wird dein Antrag angenommen, beginnst du ganz normal im ersten Lehrjahr und die dir angerechnete Ausbildungszeit fällt hinten weg.

💡Beachte: Dementsprechend bekommst du auch nicht das höhere Gehalt gezahlt, wie bei der Anrechnung von beruflichen Vorkenntnissen. 

Ausbildung verkürzen wegen guter Leistungen

Die dritte Möglichkeit, deine Ausbildung zu verkürzen, ist eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung. Den Antrag hierfür kannst du während der Ausbildung stellen, zum Beispiel wenn du deine Zwischenprüfung besonders erfolgreich meisterst.

Aber was kannst du unter besonders gut verstehen? Um einen solchen Antrag stellen zu können, muss dein Notendurchschnitt in den prüfungsrelevanten Fächern bei 2,49 oder besser liegen.  In deiner Ausbildungsverordnung kannst du nachsehen, welche Fächer zu den prüfungsrelevanten zählen.

Aber auch deine praktische Leistung zählt mit: Bewertet dein Ausbildungsbetrieb deine praktische Leistung zusätzlich als sehr gut, also mit einem Schnitt von 2,49 oder besser, steht deiner vorzeitigen Zulassung zur Abschlussprüfung nichts mehr im Wege.  

Prüfungsrelevante Fächern Praktische Leistung im Betrieb
besser als Ø 2,49 besser als Ø 2,49

Du kannst diesen Antrag selbst bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK) einreichen, deine Berufsschule und dein Ausbildungsbetrieb müssen aber zustimmen und deine Leistungen schriftlich bestätigenAußerdem kann dieser Antrag frühestens ein halbes Jahr vor deiner Abschlussprüfung gestellt werden.

Mindestausbildungszeit

Treffen mehrere der genannten Gründe für eine Ausbildungsverkürzung auf dich zu, kannst du sie theoretisch auch kombinieren. Wenn also deine Ausbildungszeit wegen beruflicher Vorkenntnisse bereits verkürzt wurde, besteht immer noch die Möglichkeit, einen Antrag auf eine frühzeitige Teilnahme an der Abschlussprüfung zu stellen. 

💡Aber Vorsicht! Grundsätzlich solltest du darauf achten, dass du die Mindestausbildungsdauer einhältst und nicht durch eine Verkürzung unterschreitest. Diese Mindestausbildungsdauer unterscheidet sich je nach der ursprünglichen Dauer deiner Ausbildung:

Regelausbildungszeit  Mindestausbildungsdauer 
3,5 Jahre (42 Monate) 2 Jahre (24 Monate)
3 Jahre (36 Monate) 1,5 Jahre (18 Monate)
2 Jahre (24 Monate) 1 Jahr (12 Monate)

Wie beantrage ich eine Ausbildungsverkürzung?

All die genannten Möglichkeiten zur verkürzten Ausbildung beruhen auf dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Da das allerdings nur eine Richtlinie ist, musst du dich selbst bei deinem Ausbildungsbetrieb nach Chancen auf eine Ausbildungsverkürzung erkundigen, denn Anrechnungsgründe, der Notendurchschnitt und die Mindestausbildungsdauer sind nicht überall gleich.

Oft herrschen auch Unterschiede zwischen den Bundesländern. 
Außer bei einer Verkürzung wegen überdurchschnittlicher Leistung wird das Ganze dann auch schriftlich in deinem Arbeitsvertrag festgehalten. Bist du noch minderjährig, müssen deine Eltern für dich unterschreiben.

Der sogenannte Verkürzungsantrag wird dann bei der jeweils zuständigen Stelle, zum Beispiel der IHK, eingereicht. 

Gründe für eine Ausbildungsverkürzung

Alles schön und gut, aber warum solltest du deine Ausbildung überhaupt verkürzen?

Egal ob in Regelzeit oder verkürzt — für Arbeitgeber macht das kaum einen Unterschied. Aber für dich! Warum das so ist, siehst du hier:

  • Schneller volles Gehalt: Du startest eher in dein Berufsleben und verdienst somit auch schneller das Gehalt für Ausgelernte.

  • Vorerfahrung: Du sollst dich nicht langweilen in deiner Ausbildung! Hast du schon vorher in dem Bereich gearbeitet und viel gelernt, werden dir bestimmt viele Ausbildungsinhalte schon bekannt vorkommen. 

  • Guter Eindruck: Bei anderen Arbeitgebern hinterlässt du natürlich einen sehr guten Eindruck, wenn du, vor allem wegen besonders guter Leistungen, deine Ausbildung früher abschließen konntest. 

Verlängerung Ausbildungszeit

Aber nicht nur eine Verkürzung, sondern auch eine Verlängerung ist möglich. Das ist in diesen Ausnahmefällen der Fall: 

  • Du warst über einen längeren Zeitraum krank und es besteht die Gefahr, dass du deswegen deine Abschlussprüfung nicht bestehst. 

  • Du hast die Abschlussprüfung nicht bestanden. In diesem Fall kannst du einen Antrag stellen, um deine Ausbildungszeit bis zum nächsten Prüfungstermin zu verlängern. 

  • Ein weiterer Verlängerungsgrund ist eine mangelhafte Ausbildung. Das bedeutet, dass du in der vorgegebenen Ausbildungszeit nicht die Möglichkeit hattest alles zu lernen, da dein Betrieb zum Beispiel auf nur einen Teilbereich spezialisiert ist.

Teilzeitausbildung

Möchtest du nicht die gesamte Ausbildungszeit verkürzen, aber unter der Woche weniger Stunden aufwenden, hast du auch die Möglichkeit, deine Berufsausbildung in Teilzeit zu machen. Mehr dazu erfährst du im nächsten Beitrag !

Teilzeitausbildung
zum Video: Teilzeitausbildung

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