Wer war Karl der Große?

Karl der Große (747 – 814) war ein fränkischer König und später der erste westeuropäische Kaiser. Mit zahlreichen siegreichen Kriegen erweiterte der Herrscher im Mittelalter sein Reich über ganz Westeuropa. Dieser Erfolg verschaffte Karl dem Großen den Namen „Vater Europas„.

Das oberste Ziel von Karl dem Großen war es, den christlichen Glauben in der Welt zu verbreiten. Innerhalb seines eigenen Volkes führte er viele innovative Reformen durch: Er sorgte dafür, dass das Volk eine bessere Bildung erhielt und förderte die Kunst und Wissenschaft. Damit bestimmte er die geschichtliche Entwicklung Europas maßgeblich mit. 

Als Papst Leo III. ihn im Jahr 800 in Rom zum Kaiser krönte, wurde Karl der Große zum ersten germanischen Kaiser des Römischen Reiches.

Warum heißt Karl der Große eigentlich „der Große“?

Der Name kommt nicht von der Körpergröße  — obwohl er mit 1,84 m Körpergröße für seine Zeit tatsächlich relativ groß war. Karl wurde viel wahrscheinlicher „der Große“ genannt, da sein Reich und sein Machteinfluss in Europa genau das waren — nämlich sehr groß. 

Karl der Große Steckbrief

In diesem Karl der Große Steckbrief bekommst du einen Überblick über den König und Kaiser:

Lebensdaten 2. April 747 – 28. Januar 814 nach Christus
Bekanntheit König der Franken und römischer Kaiser, riesige Erweiterung des Reichs
Regierung
  • Verbindung von Politik und Religion
  • oberstes Ziel: Christianisierung seines Reiches 

Herkunft 

Karl der Große stammte aus dem Geschlecht der Arnulfinger, das ihm zu Ehren später in Karolinger umbenannt wurde. Er war der Sohn von Pippin III. und seiner Frau Bertrada. Wo und wann Karl genau geboren wurde, lässt sich nicht so einfach sagen: Wahrscheinlich ist allerdings, dass es im Jahr 747 in einer der vielen Residenzen seines Vaters zwischen der Loire und dem Rhein war.

Die Karolinger waren eines der vielen Familiengeschlechter des Frankenreichs. Regiert wurde das Gebiet bis ins 8. Jahrhundert von den Merowingern. Die Karolinger hatten unter dieser Regierung das Amt des „Hausmeiers“. Das bedeutet, dass sie im merowingischen Königreich für den königlichen Haushalt und die Landgüter zuständig waren. 

Da der „Hausmeier“ der oberste Amtsträger war, gelang es Karls Vater Pippin im Jahr 751 den letzten Merowingerkönig Childerich abzulösen und sich selbst die fränkische Königskrone aufs Haupt zu setzen. 

💡 Gut zu wissen: Über Karls Kindheit und Jugend ist wenig bekannt, über sein späteres Leben dafür umso mehr: Er hatte 5 Ehepartnerinnen und zusätzlich noch einige Affären. Außerdem zeugte er insgesamt 19 Kinder!

Karl der Große als König

Als sein Vater starb, übernahm Karl der Große im Jahr 768 die Herrschaft im Frankenreich zusammen mit seinem Bruder Karlmann. Das Verhältnis der beiden Geschwister war jedoch sehr angespannt. Statt ein vereintes Frankenreich zu regieren, feindeten sich die beiden Brüder gegenseitig an. Bevor der Konflikt zwischen den beiden eskalieren konnte, starb Karlmann 771. Ab dann regierte Karl der Große allein.

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Karl der Große

Das Frankenreich erstreckte sich damals vom heutigen Thüringen über Friesland bis hin zur französischen Atlantikküste. Es war das größte Reich, das Europa neben dem Römischen Reich gesehen hatte. Karl führte jahrelang Kriege, um sein Gebiet an den Grenzen zu festigen.

Karl der Große — Kriege

Karl der Große sah es als seine oberste Mission an, sein Herrschaftsgebiet zu christianisieren, also den christlichen Glauben zu verbreiten — wenn nötig auch mit militärischen Mitteln. Gleichzeitig wollte er das Frankenreich vergrößern. Das führte zu zahlreichen Kriegen, doch besonders durch den Langobardenfeldzug und die Sachsenkriege konnte Karl der Große sein Reich vergrößern.

Langobardenfeldzug (773 – 774)

Der erfolgreiche Krieg gegen die Langobarden verschaffte ihm den Namen „König der Langobarden“. Aber wie kam es zu diesem Krieg?

Als Karl nach dem Tod seines Bruders die alleinige Herrschaft für das Frankenreich übernahm, stieß er vor allem im Reichsteil von Karlmann nicht gerade auf Zuspruch. Aber es gab noch weitere Gründe: 

Karl und sein Bruder Karlmann hatten ursprünglich ein Bündnis mit Desiderius — dem langobardischen König. Diese Allianz wurde durch die Heirat Karls mit Desiderius Tochter besiegelt. Nachdem Karl die Alleinherrschaft besaß, löste er seine Ehe wieder auf. Das sah Desiderius als Beleidigung. Gleichzeitig floh Karlmanns Witwe nach Karls Machtergreifung in das Reich der Langobarden, was wiederum Karl als Beleidigung verstand.

Als sich nun Papst Hadrian I. an Karl den Großen wandte, entschloss dieser sich, militärisch einzugreifen. In weniger als einem Jahr gelang es ihm, das Langobardenreich zu erobern und dessen König zu werden.

Die Sachsenkriege (772 – 804)

Am längsten dauerten die Sachsenkriege — insgesamt 32 Jahre. Grund hierfür war, dass sich die Sachsen der Christianisierung widersetzten: Karl der Große war nämlich sehr gläubig und setzte auf das Christentum als Staatsreligion.

Die heidnischen Sachsen verweigerten sich dem katholischen Glauben allerdings seit langer Zeit. Außerdem bedrohten sie das Frankenreich schon als Karls Großvater Karl Martell noch regierte. Karl der Große hatte also eine religiöse, aber auch macht-politische Motivation für den Sachsenkrieg.

Der Krieg startete mit der Zerstörung der Irminsul. Die Irminsul war ein sächsisches Heiligtum, in dem die Sachsen die Weltsäule, die das Himmelsgewölbe trug, vermuteten. Die Zerstörung der Irminsul war eine politische und religiöse Beleidigung der Sachsen. Dafür rächten sie sich und rebellierten nun offen gegen Karl den Großen. 

In den folgenden Jahren gab es langwierige Auseinandersetzungen. Die Sachsen verschanzten sich immer wieder in kleinen Scharen in den Sümpfen und Wäldern des heutigen Norddeutschlands und überfielen die mächtigen Franken aus dem Hinterhalt. Das Ganze ähnelte einem militärischen Tauziehen — denn mal gewannen die Sachsen, mal Karl der Große. 

Immer, wenn Karls Truppen auf sächsisches Gebiet vordrangen, gründeten sich Ansiedlungen wie zum Beispiel die Karlsburg, das heutige Paderborn. Karl „entvölkerte“ die eroberten Gebiete, indem er:

  • Geiseln aus den verschiedenen Sachsenstämmen nahm, 
  • neue Burgen und Verteidigungsanlagen errichtete, 
  • neue Gesetze erließ, die heidnische Bräuche unterdrückten und die Sachsen zwangschristianisierten.

So gelang es ihm schließlich, die Sachsen zu schlagen und ihr Land östlich und westlich der Weser zu besetzen. Erst nach einem letzten Aufstand im Jahr 804 war der sächsische Widerstand komplett beendet. 

Weitere Kriege

Neben den Langobarden und den Sachsen hatte Karl auch noch mit den arabischen Besetzern auf der Iberischen Halbinsel und dem autonomen Herzogtum Bayern zu kämpfen. Während er es schaffte, das autonome, also unabhängige, Herzogtum vollständig in sein Reich zu integrieren, konnte er an der spanischen Front nur ein Grenzgebiet erobern: die „Spanische Mark“

Nach den Siegen über all diese Parteien war das Frankenreich so groß wie noch nie

Kaiserkrönung

Seit dem Imperium Romanum gab es kein so großes Reich wie das Fränkische Reich. So sah sich Karl als berechtigter Nachfolger der antiken römischen Kaiser. Für ihn war es eine weitere Klarstellung seiner Macht.

Krönen konnte ihn jedoch nur der Papst. Da dieser selbst in einer schwierigen Lage steckte (er sollte wegen seiner unsittlichen Lebensweise aus seinem Amt vertrieben werden), schlossen sie einen Pakt: Karl würde dem Papst Leo III. helfen, wenn dieser ihn im Gegenzug zum Kaiser krönen würde. 

Das geschah dann auch im Jahr 800: Karl zog in Rom ein und erhielt die kaiserliche Salbung. Damit war er endgültig der mächtigste Herrscher des damaligen Europas.

Innenpolitische Reformen zur Sicherung des Kaiserreichs

Karl der Große war nicht nur ein erfolgreicher Feldherr und Außenpolitiker, auch innenpolitisch stand er vor der großen Aufgabe, sein Gebiet zu vereinen und zu stabilisieren. So erließ er neue Gesetze und innovative Reformen. Welche das waren, erfährst du jetzt.

Grafschaftsverfassung

Zu den wichtigsten neuen Gesetzen zählte die Grafschaftsverfassung. Durch sie sollten die verschiedenen Stämme in seinem Reich durch ein einheitliches Verwaltungssystem vereint werden. 

Der Kaiser setzte dafür ihm treue Grafen als seine Stellvertreter in den verschiedenen Gebieten ein. Sie hatten dann die oberste Befehlsgewalt im jeweiligen Gebiet und waren Karl dem Großen direkt unterstellt. Als Gegenleistung wurde der Graf rechtmäßiger Eigentümer von Grund und Boden in diesem Gebiet. Die Anweisungen von Karl wurden den verantwortlichen Grafen per Boten übermittelt. Zudem kontrollierten die Boten die Grafen.

Alle Beteiligten innerhalb dieses organisatorischen Netzwerks waren durch einen Treueeid an Karl den Großen gebunden.

Grenzsicherung

Da Karl das Frankenreich vor äußeren Angriffen schützen wollte, ließ er Burgen und Verteidigungsanlagen bauen. Außerdem setzte der Kaiser Vasallen ein, die zum Kriegsdienst verpflichtet waren.

Um sich ein Bild der Lage zu machen, reiste Karl von Pfalz zu Pfalz. Das verschaffte ihm den Namen „Reisekaiser“. So konnte er flexibel regieren und handeln.

💡 Schon gewusst? Ein Vasall war ein Mann, der sich in den Dienst eines Herrn, Herzogs oder Fürsten begab. Er leistete diesem Herrn Gefolgschaft und verpflichtete sich so meist zu militärischen Diensten. Im Gegenzug wurde der Vasall von seinem Herrn mit Grundherrschaft oder Ländereien entlohnt. 

Kulturelle Reformen 

Als Kaiser plante Karl der Große nicht nur das Verwaltungswesen zu vereinheitlichen. Er setzte auch Reformen in der Kirche, Bildung, Architektur sowie der Kunst und Kultur durch. Erst unter seiner Regierung blühte die Dichtung, Bildung und Baukunst auf.

Bildungsreform

Da er nun neue Gebiete zu seinem Reich zählen konnte, organisierte Karl der Große die Erzbistümer neu. Außerdem vollzog er eine Bildungsreform in den Klöstern, um den Bildungsstand der Christen zu verbessern. Dafür gründete er auch neue Klosterschulen.

Die Bildungsreform beinhaltete auch die Praxis, bedeutende Bücher und Dokumente abzuschreiben. Hierfür lernten viele Mönche erstmals das Lesen und Schreiben. Außerdem wurde die sogenannte karolingische Minuskel (Art der Kleinbuchstaben) erfunden und als einheitliche Schrift eingeführt. Diese Erfindung erleichterte das Lesen enorm.

Währungsreform

Auch die Wirtschaft seines Reichs trieb der Kaiser des Frankenreichs voran, indem er eine Währungsreform einführte. Als einheitliches Zahlungsmittel galt nun die Silbermünze (der sogenannte Silberdenar). So konnte er den Handel vereinfachen. Außerdem erließ er ein Gesetz, nach dem nur der Herrscher, also er selbst, das Münzprägerecht hatte.

Karls Tod und seine Bedeutung für die Geschichte

Nach einer außergewöhnlich langen Regierungszeit von 46 Jahren starb Karl der Große am 28. Januar 814 in Aachen. Sein Sohn Ludwig der Fromme war der einzige rechtmäßige Erbe und übernahm somit die Herrschaft des Frankenreichs. Er regierte es allerdings nicht so erfolgreich wie sein Vater.

Als Ludwig 843 starb, wurde das Frankenreich unter seinen drei Söhnen aufgeteilt. So entstanden das Ostfrankenreich, das Westfrankenreich und Lotharii Regnum. Die Reiche wurden nie wieder vereint — ein ähnlich großes Reich wie das von Karl dem Großen sollte es in Europa nie wieder geben.

Karl vergrößerte sein Reich durch militärische Eroberungen und Unterdrückung. Dennoch hatte er es geschafft, die verschiedenen Gebiete durch seine Gesetzgebung, die Religion und die Währung zu vereinheitlichen. Damit setzte er einen Maßstab für viele Herrscher, die nach ihm kamen. 

Mittelalter

Wie du eben gelernt hast, wollte Karl der Große den christlichen Glauben verbreiten. Dieser prägte nämlich das Mittelalter , das mit dem Zerfall des römischen Reiches etwa um 500 nach Christus begann und um 1500 nach Christus endete. Wie die Menschen damals lebten, erfährst du im nächsten Beitrag .

Zum Video: Mittelalter
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