In diesem Beitrag und im Video erfährst du, was kalkulatorische Zinsen sind und wie du sie berechnest!
Inhaltsübersicht
Was sind kalkulatorische Zinsen?
Kalkulatorische Zinsen sind fiktive Kosten in der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR).
Die Grundidee dahinter: Unternehmen haben gebundenes Kapital, das langfristig in Vermögensgegenständen steckt — beispielsweise in Gebäuden, Maschinen oder Rohstoffen. Dieses Kapital hätte alternativ am Markt angelegt werden können, um dort eine Rendite zu erzielen.
Die dadurch entgangene Rendite nennst du auch Opportunitätskosten. Mithilfe der kalkulatorischen Zinsen überprüfst du dann, ob sich die Investition in dein Unternehmen im Vergleich zu einer alternativen Geldanlage gelohnt hat.
Wichtig: Weil kalkulatorische Zinsen fiktive Kosten sind, tauchen sie nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) auf!
Kalkulatorische Zinsen = betriebsnotwendiges Kapital · kalkulatorischer Zinssatz
Wie ermittelst du das betriebsnotwendige Kapital?
Das betriebsnotwendige Kapital umfasst das Vermögen, das ein Unternehmen tatsächlich für seinen eigentlichen Betriebszweck benötigt — abzüglich des zinsfreien Fremdkapitals:
| Betriebsnotwendiges Kapital = bereinigtes Vermögen − Abzugskapital |
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Bereinigtes Vermögen
Das bereinigte Vermögen ist der Teil vom Anlage- und Umlaufvermögen, der unmittelbar für Betriebszwecke notwendig ist.
➡️ Beispiel:
| Notwendig | Nicht notwendig |
| ✓ Produktionsmaschinen | ✗ Stillgelegte Anlagen |
| ✓ Betrieblich genutzte Gebäude | ✗ Nicht betriebsnotwendige Beteiligungen |
| ✓ Betriebsnotwendige Vorräte | ✗ Wertpapiere ohne Betriebszweck |
| ✓ Betriebliche Forderungen | ✗ Überschüssige Kassen- oder Bankbestände |
Stillgelegte Anlagen und Wertpapiere ohne Betriebszweck musst du also beispielsweise vom Vermögen bereinigen.
Wichtig: Normalerweise setzt du bei den einzelnen Posten die Anschaffungskosten an. Ist jedoch eine aktuelle Preisbasis erforderlich, nutzt du die Wiederbeschaffungskosten. Sie geben an, was es heute kosten würde, das gleiche Gut neu zu beschaffen.
Abzugskapital
Abzugskapital sind Finanzierungsquellen, die dem Betrieb zinslos oder zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung stehen.
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➡️ Beispiel: Ein Handwerksbetrieb kauft Material im Wert von 10.000 €. Auf der Rechnung steht: „Zahlbar innerhalb von 30 Tagen“. |
In dem Fall verfügt der Betrieb also in der Zwischenzeit über Material, das er noch gar nicht bezahlen musste. Da diese Mittel den Betrieb bereits kostenlos finanzieren, wäre eine Verzinsung nicht gerechtfertigt. Du ziehst sie daher vom bereinigten Vermögen ab.
Der Zinssatz bildet die Verzinsung ab, die das gebundene Kapital alternativ am Markt erzielen könnte. Du fragst also: Welcher Zins wäre in diesem Zeitraum am Markt realistisch erzielbar gewesen?
Typische Anhaltspunkte sind der Zins für risikoarme Anleihen oder ein branchenüblicher Kapitalkostensatz. Falls du einen Risikozuschlag berücksichtigen möchtest, addierst du ihn auf den Marktzins.
Wie berechnest du die kalkulatorischen Zinsen?
Es gibt zwei Methoden, mit denen du die kalkulatorischen Zinsen berechnen kannst:
- Die Durchschnittsmethode setzt ein konstantes, durchschnittlich gebundenes Kapital an. Das liegt bei der Hälfte der Anschaffungskosten, also
. Dadurch sind die kalkulatorischen Zinsen über die gesamte Nutzungsdauer konstant. Das hat den Vorteil, dass du die Entwicklung der Zinsen über mehrere Jahre hinweg leichter vergleichen kannst. - Die Restwertmethode arbeitet mit den Mittelwerten aus Anfangs- und Endwerten des gebundenen Kapitals pro Periode. Daher nehmen die kalkulatorischen Zinsen über die Zeit ab. Das hat den Vorteil, dass du die aktuellen Werte des Unternehmens darstellen kannst.
Aber welche Methode solltest du nun wählen? Orientiere dich an dieser Entscheidungsregel:
- Lineare Abschreibung und konstante Jahresbelastung gewünscht
→ Durchschnittsmethode - Aktuelle Kapitalbindung soll periodengenau abgebildet werden
→ Restwertmethode - Restbuchwerte sind in der Aufgabe explizit vorgegeben
→ Restwertmethode
Beispiel — Durchschnittsmethode
Ein Unternehmen kauft eine Maschine für 60.000 €. Die Nutzungsdauer beträgt 5 Jahre, die Abschreibung erfolgt linear. Daneben hält das Unternehmen betriebsnotwendige Vorräte im Wert von 10.000 €. Als Abzugskapital bestehen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen von 5.000 €. Der relevante Marktzins der Periode beträgt 6 %.
Schritt 1: Betriebsnotwendiges Kapital bestimmen
Zuerst bereinigst du das Vermögen. Maschine und Vorräte sind betriebsnotwendig und gehören zur Zinsbasis. Für die Maschine setzt du den Durchschnittswert an:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\frac{\text{AK}}{2} = \frac{60.000\,€}{2} = 30.000\,€\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-104166ebb6edbd2c6bb4fb9d3bad6444_l3.png)
Die Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung ziehst du hingegen ab:
| Position | Wert |
| Maschine (AK/2) | 30.000 € |
| Betriebsnotwendige Vorräte | 10.000 € |
| Bereinigtes Vermögen | 40.000 € |
| − Abzugskapital (Verbindlichkeiten) | − 5.000 € |
| Betriebsnotwendiges Kapital | 35.000 € |
Schritt 2: Kalkulatorischen Zinssatz festlegen
Die Aufgabe gibt den Zinssatz bereits vor — er beträgt 6 %.
Schritt 3: Kalkulatorische Zinsen berechnen
Mit der Grundformel berechnest du nun die kalkulatorischen Zinsen:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\text{Kalkulatorische Zinsen} = 35.000\,€ \times 0{,}06 = 2.100\,€\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-2b3cf0ea401c821e8c3b25b4dec06392_l3.png)
Diesen Betrag setzt du als Kostenart in der internen Kostenrechnung an — und zwar jedes Jahr in gleicher Höhe, solange die Nutzungsdauer läuft.
Beispiel — Restwertmethode
Ein Unternehmen kauft eine Maschine für 90.000 €. Die Nutzungsdauer beträgt 3 Jahre, die Abschreibung erfolgt linear. Zusätzlich bestehen betriebsnotwendige Vorräte von 6.000 € sowie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen von 3.000 € als Abzugskapital. Der relevante Marktzins der Periode beträgt 8 %.
Schritt 1: Betriebsnotwendiges Kapital bestimmen
Die jährliche Abschreibung der Maschine beträgt:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\frac{90.000\,€}{3} = 30.000\,€ \text{ pro Jahr}\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-3bf256330f35f2c17be443f326b8b8ac_l3.png)
Damit ergeben sich folgende Restbuchwerte:
| Periode | Anfangswert | Endwert | Ø Kapitalbindung |
| Jahr 1 | 90.000 € | 60.000 € | 75.000 € |
| Jahr 2 | 60.000 € | 30.000 € | 45.000 € |
| Jahr 3 | 30.000 € | 0 € | 15.000 € |
Wichtig: Enthält die Aufgabe außerdem einen (Schrott-)Restwert, beziehst du diesen in die Bewertung ein. Dann sinkt die Kapitalbindung nicht auf null, sondern nur bis auf diesen Restwert.
Für jede Periode addierst du die betriebsnotwendigen Vorräte von 6.000 € und ziehst das Abzugskapital von 3.000 € ab. Das betriebsnotwendige Kapital je Periode berechnet sich also so:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[\text{Betriebsnotwendiges Kapital} = 0{,}5 \times (\text{Anfangswert} + \text{Endwert}) + 6.000\,€ - 3.000\,€\]](https://blog.assets.studyflix.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-330e951df1dfabba6d5b5cc6f44a56d3_l3.png)
| Periode | Ø Kapitalbindung | Betriebsnotwendiges Kapital |
| Jahr 1 | 75.000 € | 78.000 € |
| Jahr 2 | 45.000 € | 48.000 € |
| Jahr 3 | 15.000 € | 18000 € |
Schritt 2: Kalkulatorischen Zinssatz festlegen
Der Zinssatz ist bereits in der Aufgabenstellung gegeben — er beträgt 8 %.
Schritt 3: Kalkulatorische Zinsen je Periode berechnen
| Periode | Betriebsnotwendiges Kapital | Kalkulatorische Zinsen (8 %) |
| Jahr 1 | 78.000 € | 6.240 € |
| Jahr 2 | 48.000 € | 3.840 € |
| Jahr 3 | 18.000 € | 1.440 € |
Kalkulatorische Kosten
Kalkulatorische Zinsen sind nur eine Form kalkulatorischer Kosten. Es gibt noch weitere wie kalkulatorische Abschreibungen oder kalkulatorische Wagnisse. Welche Unterschiede es zwischen den einzelnen kalkulatorischen Kosten gibt, erfährst du hier!