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Du willst die Bilanzsumme verstehen? Wir erklären dir hier und im Video  was sie ist, wie du sie berechnest und was sie aussagt!

Inhaltsübersicht

Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist der Gesamtwert aller Aktiva oder Passiva in der Unternehmensbilanz zu einem bestimmten Stichtag.

1. Aktiva: Sie zeigt wie die finanziellen Mittel eingesetzt werden
➡️Anlagevermögen (z. B. Maschinen) + Umlaufvermögen (z. B. Vorräte)

2. Passiva: Sie zeigt, woher die finanziellen Mittel stammen
➡️Eigenkapital (z. B. Gewinnrücklagen) + Fremdkapital (z. B. Kredite)

Wichtig: Es gilt stets Aktiva = Passiva. Denn es ist nicht möglich Geld auszugeben, das nicht irgendwoher stammt.

Was sagt die Bilanzsumme aus?

Aus der Bilanzsumme kannst du folgende Informationen über ein Unternehmen ablesen:

 Unternehmensgröße: Je höher die Bilanzsumme, desto größer ist meist das Unternehmen.
 Kapitalbindung: Sie zeigt, wie viel Kapital insgesamt gebunden ist.
 Zeitvergleiche: Steigt die Bilanzsumme über mehrere Jahre, wächst das Unternehmen.
 Vermögensstruktur: Das Verhältnis von Anlage- und Umlaufvermögen zeigt die finanzielle Flexibilität.
✓  Verschuldungsgrad: Das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital ermöglicht Rückschlüsse auf die Verschuldung.

Trotzdem hat die Bilanzsumme Grenzen:

✗  Keine Aussage zur Ertragskraft: Eine hohe Bilanzsumme bedeutet nicht automatisch hohe Gewinne.
✗  Keine Aussage zur Liquidität: Viel Vermögen heißt nicht, dass Rechnungen jederzeit bezahlt werden können.
✗  Stichtagseffekt: Die Bilanzsumme ist nur eine Momentaufnahme und kann im Jahresverlauf schwanken.

Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich

Wie nutzt du die Bilanzsumme in Kennzahlen?

Die Bilanzsumme kann dir zwar schon einige Hinweise auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens geben — besonders aussagekräftig ist sie aber in Relation zu anderen Größen. Diese Kennzahlen sind dabei besonders relevant:

Kennzahl Formel Bedeutung Interpretation
Eigenkapitalquote Eigenkapital / Bilanzsumme Anteil des gesamten Kapitals, das aus eigenen Mitteln stammt Je höher, desto mehr Stabilität und finanzielle Unabhängigkeit
Fremdkapitalquote Fremdkapital / Bilanzsumme Anteil des gesamten Kapitals, das aus fremden Mitteln stammt Je höher, desto mehr Risiko und finanzielle Abhängigkeit
Verschuldungsgrad Fremdkapital / Eigenkapital Gegenüberstellung Fremd- zu Eigenkapital Je höher, desto mehr finanzielles Risiko
Anlagedeckungsgrad I Eigenkapital / Anlagevermögen Deckung des Anlagevermögens durch Eigenkapital Anlagevermögen durch Eigenkapital finanziert, wenn Wert > 100%
Anlagedeckungsgrad II (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermögen Deckung des Anlagevermögens durch langfristiges Kapital Anlagevermögen durch langfristiges Fremdkapital finanziert, wenn Wert > 100%

Berechnung der Bilanzsumme

Du hast zwei Wege, um die Bilanzsumme zu ermitteln: über die Aktivseite oder über die Passivseite.

Die Grafik zeigt, wie Aktiva und Passiva zusammengesetzt sind.
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Zusammensetzung von Aktiva und Passiva

Weg 1 – Aktivseite:

Um die Bilanzsumme über die Aktivseite zu ermitteln, addierst du alle Aktivaposten.

Formel: Anlagevermögen + Umlaufvermögen + aktive RAP = Bilanzsumme

➡️Beispiel

Position Betrag
Anlagevermögen 480.000 €
Umlaufvermögen 360.000 €
Aktive Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) 10.000 €

Du rechnest also:
480.000€ + 360.000€ + 10.000€ = 850.000€

Weg 2 – Passivseite:

Um die Bilanzsumme über die Passivseite zu ermitteln, addierst du alle Passivaposten.

Formel: Eigenkapital + Fremdkapital + passive RAP = Bilanzsumme

➡️Beispiel

Position Betrag
Eigenkapital 520.000 €
Langfristige Verbindlichkeiten 260.000 €
Kurzfristige Verbindlichkeiten 60.000 €
Passive Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) 10.000 €

Du rechnest also:
520.000€ + 260.000€ + 60.000€ + 10.000€ = 850.000€

Beide Seiten ergeben eine Bilanzsumme von 850.000 €. Du hast also alles richtig gemacht!

Übrigens: Die Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) tauchen auf beiden Seiten der Bilanz auf. Sie dienen der zeitlichen Abgrenzung von Zahlungen, die zwar schon geflossen sind, aber wirtschaftlich einem anderen Geschäftsjahr zuzuordnen sind.

Was ist eine „gute“ Bilanzsumme?

Eine „gute“ Bilanzsumme gibt es nicht. Entscheidend ist immer der Kontext. Besonders wichtig sind dabei:

  • Branche und Geschäftsmodell: Industrieunternehmen haben oft hohe Bilanzsummen, weil sie viel Anlagevermögen besitzen. Dienstleister kommen mit weniger Kapital aus.
  • Kapitalstruktur: Ein hoher Eigenkapitalanteil spricht für Stabilität, ein hoher Fremdkapitalanteil für mehr Risiko.
  • Zeitvergleich: Aussagekräftig wird die Bilanzsumme vor allem im Vergleich über mehrere Jahre.

Wie wirken Geschäftsvorfälle auf die Bilanzsumme?

Beeinflusst ein Vorgang sowohl die Aktiv- als auch die Passivseite, ändert sich die Bilanzsumme. Bleibt der Vorgang auf einer Seite, bleibt sie konstant. Das lässt sich in vier Fälle einteilen:

Fall Wirkung Bilanzsumme
Aktiva ↑, Passiva ↑ Bilanzverlängerung steigt
Aktiva ↓, Passiva ↓ Bilanzverkürzung sinkt
Aktiva ↑, Aktiva ↓ Aktivtausch unverändert
Passiva ↑, Passiva ↓ Passivtausch unverändert

Bilanzverlängerung und Bilanzverkürzung

Bei der Bilanzverlängerung steigen Aktiva und Passiva um den gleichen Betrag.

➡️Beispiel: Der Kauf einer Maschine auf Ziel.
→ Das Anlagevermögen auf der Aktivseite steigt — gleichzeitig entsteht eine neue Verbindlichkeit auf der Passivseite. Die Bilanzsumme wächst.

Bei der Bilanzverkürzung sinken Aktiva und Passiva gleichermaßen.

➡️Beispiel: Tilgung eines Kredits aus dem Bankguthaben.
→ Das Bankguthaben auf der Aktivseite sinkt — und die Verbindlichkeit auf der Passivseite sinkt im gleichen Zug. Die Bilanzsumme schrumpft.

Tipp: Beide Vorgänge verändern nicht nur die Summe, sondern auch die Bilanzstruktur. Ein Kauf auf Ziel erhöht zum Beispiel den Fremdkapitalanteil.

Aktivtausch und Passivtausch

Beim Aktivtausch verschiebt sich etwas innerhalb der Aktivseite.

➡️ Beispiel: Du hebst Geld von der Bank ab.
→ Der Kassenbestand steigt, das Bankguthaben sinkt — beide Positionen liegen auf der Aktivseite. Die Gesamtsumme ändert sich nicht.

Beim Passivtausch passiert dasselbe auf der anderen Seite.

➡️ Beispiel: Eine kurzfristige Verbindlichkeit wird in eine langfristige Verbindlichkeit umgewandelt.
→ Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sinken, die langfristigen Verbindlichkeiten steigen. Die Bilanzsumme bleibt unverändert.

Bilanzsumme vs. Umsatz

Bilanzsumme und Umsatz werden oft in einem Atemzug genannt — dabei messen sie verschiedene Dinge. Hier ist eine kurze Gegenüberstellung:

  Bilanzsumme Umsatz
Zeitbezug Stichtag Periode
Dokument Bilanz GuV
Inhalt Bestand an Vermögen und Kapital Erlöse aus Leistungserbringung
Aussage Größe und Kapitalbindung Leistungsvolumen im Zeitraum

➡️ Beispiel: Ein Stahlhersteller besitzt große Produktionsanlagen, Lager und Maschinen. Seine Bilanzsumme ist entsprechend hoch — etwa 800 Mio. €. Der Umsatz liegt dagegen bei 300 Mio. €. Viel Kapital ist also dauerhaft im Unternehmen gebunden, ohne dass jeder Euro davon direkt in Erlöse fließt.

Bilanz

Du hast die Bilanzsumme als Bestandsgröße kennengelernt — doch wie sieht die komplette Bilanz aus? In unserem Artikel zur Bilanz erfährst du, wie Aktiva und Passiva strukturiert sind und welche Positionen dort konkret stehen!

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