BWL Kennzahlen

Eigenkapitalquote

Dir ist noch nicht ganz klar, wie sich die Eigenkapitalquote berechnet und wie sie interpretiert werden kann? Hier findest du die Formel der Eigenkapitalquote, ein Beispiel zur Berechnung und Ansätze zur Bewertung und Erhöhung.

Falls dir Erklärungen in Videoform besser liegen, dann ist unser Lernvideo zum Thema Eigenkapitalquote perfekt für dich.

Inhaltsübersicht

Eigenkapitalquote einfach erklärt 

Die Eigenkapitalquote (engl. equity ratio) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl und ein Hinweis auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Die EK-Quote gibt den prozentualen Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital wieder. Dieser Wert gibt Auskunft über die finanzielle Situation eines Unternehmens und dessen Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern. Daher wird die Eigenkapitalquote von Gesellschaftern, Investoren, Gläubigern und Rating-Agenturen als Grundlage zur Beurteilung der Bonität eines Unternehmens verwendet. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital eines Unternehmens verringert das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, da ausreichend Sicherheiten vorhanden sind. Je höher die Eigenkapitalquote eines Unternehmens liegt, desto niedriger ist also das Risiko für dessen Gläubiger. Die Frage nach dem optimalen Eigenkapitalanteil lässt sich nicht eindeutig beantworten. Wichtige Faktoren sind dabei die Branche eines Unternehmens und welche Art und Größe es hat.

Eigenkapitalquote Formel

Die EK-Quote gibt den prozentualen Wert wieder, der sich aus dem durchs Gesamtkapital geteilte Eigenkapital ergibt. Die Formel zur Berechnung der Eigenkapitalquote lautet:

Eigenkapitalquote=\frac{Eigenkapital}{Gesamtkapital}\cdot100

Das Eigenkapital setzt sich dabei aus folgenden Bilanzpositionen zusammen:

Gezeichnetes Kapital
Kapitalrücklage
Gewinnrücklage
Gewinn-/Verlustvortrag

Jahresüberschuss/-fehlbetrag
= Eigenkapital

Das Gesamtkapital kann entweder an der Bilanzsumme abgelesen oder aus der Summe von Eigen- und Fremdkapital gebildet werden.

Gesamtkapital\ =\ Eigenkapital\ +\ Fremdkapital

Eigenkapitalquote berechnen

Dein Unternehmen weist am Jahresende folgende Bilanz auf:

Aktiva Passiva
Anlagevermögen 19.000.000,00 € Eigenkapital 7.000.000,00 €
Fremdkapital
Umlaufvermögen 16.000.000,00 € Rückstellungen 8.000.000,00 €
Verbindlichkeiten 20.000.000,00 €
Bilanzsumme 35.000.000,00 € 35.000.000,00 €

Das Eigenkapital beträgt somit 7.000.000 €.

Aus der Summe aus Eigen- und Fremdkapital kannst du das Gesamtkapital deines Unternehmens berechnen oder in diesem Fall anhand der Bilanzsumme ablesen. Für das Gesamtkapital ergibt sich dabei ein Wert von 35.000.000 €.

Gesamtkapital = 7.000.000 + 28.000.000 = 35.000.000

Du erhältst die Eigenkapitalquote durch die Division von Eigen- durch Gesamtkapital. Der Eigenkapital deines Unternehmens entspricht einem Fünftel des Gesamtkapitals und daher ergibt sich eine Eigenkapitalquote von 20 %.

Eigenkapitalquote = \frac{7.000.000}{35.000.000}\cdot100 = 20\%

Eigenkapitalquote Richtwert

Du fragst dich sicher, wie die oben berechnete Eigenkapitalquote deines Unternehmens bewertet werden kann. Klare Richtwerte oder Grenzwerte existieren nicht für den Eigenkapitalanteil. Das Steuerrecht geht ab einer Quote von 30% von einem angemessenen Eigenkapitalanteil aus. Die durchschnittliche EK-Quote im deutschen Mittelstand lag in den vergangenen Jahren bei circa 30 %. In der Praxis wird in der Regel die eigene Eigenkapitalquote im Vergleich mit anderen Unternehmen bewertet. Dabei muss auf drei Kriterien geachtet werden:

  • Branche: Eine allgemeine Annahme besagt, dass mit der Anlagenintensität einer Branche der erforderliche Eigenkapitalanteil ansteigt. Demnach läge die EK-Quote einer Bank oder Versicherung unter der eines Automobilherstellers.
  • Betriebsgröße: Statistisch besteht ein Zusammenhang zwischen der Größe eines Unternehmens und dem zugehörigen Eigenkapitalanteil. So steigt die Eigenkapitalquote tendenziell an, je größer ein Unternehmen ist.
  • Rechtsform: Während Kapitalgesellschaften relativ hohe Eigenkapitalquoten aufweisen, gilt für Personengesellschaften eher das Gegenteil. In Personengesellschaften wird zusätzlich zum Eigenkapital noch mit Privatvermögen gehaftet,

Allgemein besitzt die Eigenkapitalquote nur im Zusammenspiel mit anderen Kennzahlen wirkliche Aussagekraft über die finanzielle Lage eines Unternehmens.

Vorteile einer hohen Eigenkapitalquote 

Ein hoher Eigenkapitalanteil bietet mehrere Vorteile für ein Unternehmen:

  • Kreditaufnahme zu günstigeren Bedingungen: Eine hohe Eigenkapitalquote spiegelt die Sicherheiten wieder, die ein Unternehmen einem Geldgeber bieten kann. Je höher die Quote ist, desto stärker ist die Position des Unternehmens in den Konditionsverhandlungen.
  • Absicherung gegenüber unerwarteten Verlusten: Treten überraschende Forderungsausfälle oder Auftragsflauten ein, kann dies durch einen hohen Eigenkapitalbestand abgefedert werden, ohne dass das Insolvenzrisiko steigt.
  • Geringere Abhängigkeit von Gläubigern: Ein Unternehmen mit höherer Eigenkapitalquote muss geringere Zins- und Tilgungszahlungen leisten und weist bessere Schuldenkennzahlen auf.

Ein Vorteil existiert jedoch auch für niedrige Eigenkapitalquoten. So führt ein geringerer Anteil des Eigen- am Gesamtkapital zu einer höheren Eigenkapitalrentabilität . Diesen Zusammenhang beschreibt der Leverage-Effekt . Übersteigt das Fremdkapital das Aktivvermögen, kann die Eigenkapitalquote auch negative Werte annehmen. Dieser Fall bedeutet eine akute Überschuldung und die Gefahr einer Insolvenz für ein Unternehmen.

Vorteile einer hohen Eigenkapitalquote, Kreditaufnahme, Absicherung, geringere Abhängigkeit
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Vorteile einer hohen Eigenkapitalquote

Erhöhung der Eigenkapitalquote

Du möchtest ein Darlehen aufnehmen, jedoch lehnt die Bank deinen Antrag mit Verweis auf den niedrigen Eigenkapitalanteil deines Unternehmens ab. Um in Zukunft bessere Chancen auf einen Kredit zu haben, stehen dir verschiedene Finanzierungstricks offen die Eigenkapitalquote aufzubessern. Diese Ansätze lassen sich der Aktiv- und Passivseite der Bilanz zuordnen.

Kapitalfreisetzung (Aktiva)

Bei der Kapitalfreisetzung werden Posten des Anlage- oder Umlaufvermögens in liquide Mittel umgewandelt. Praktisch bedeutet das, dass dein Unternehmen Maschinen und Vorräte verkauft oder Zahlungsforderungen an Kunden eintreibt.

Kapitalerhöhung (Passiva)

Die Kapitalerhöhung zielt auf eine direkte Steigerung des Eigenkapitals ab. Eine Aktiengesellschaft erreicht dies durch die Ausgabe neuer Aktien und eine GmbH durch zusätzliche Einlagen der Gesellschafter oder der Aufnahme neuer.

Gewinnrücklagen (Passiva)

Hier wird die Eigenkapitalanteil dadurch erhöht, dass Gewinne nicht ausgezahlt, sondern im Unternehmen verbleiben. Dieses zusätzliche Kapital kann entweder zur Verringerung von Verbindlichkeiten genutzt werden oder als Gewinnrücklagen ins Eigenkapital einfließen.


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