Internes Rechnungswesen

Kostenartenrechnung

Inhaltsübersicht

Ein wichtiger Bestandteil der Kostenrechnung ist die Kostenartenrechnung. Aufgabe der Kostenartenrechnung ist es zu bestimmen, welche Kosten in welcher Höhe angefallen sind. In diesem Beitrag definieren wir den Begriff und zeigen dir anschließend ein Rechenbeispiel.

Wenn du die Kostenartenrechnung noch schneller verstehen möchtest, dann schau dir direkt das Video dazu an.

Kostenartenrechnung Definition

Die Kostenartenrechnung ist ein zentrale Bestandteil jeder betrieblichen Kostenrechnung und gleichzeitig die erste der drei Stufen der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR). In der Kostenartenrechnung werden die insgesamt angefallenen Kosten einer Periode erfasst und die Kostenarten anschließend gegliedert. Wir wollen also wissen: Welche Kosten sind in welcher Höhe im Unternehmen angefallen? Es erfolgt dabei allerdings noch keine Zurechnung zu bestimmten Abteilungen oder Produkten, sondern lediglich eine grundsätzliche Aufstellung der angefallenen Kosten. Die Kostenartenrechnung muss hierfür Erträge von Aufwendungen und Leistungen abgrenzen. Dabei soll neben dieser Erfassung auch direkt eine Abgrenzung und Systematisierung des betrieblichen Werteverzehrs erfolgen, wobei immer eine bestimmte Periode betrachtet wird.

Im Rahmen der Kostenartenrechnung betrachten wir die Primärkosten eines Unternehmens und zählen auch die kalkulatorischen Kosten dazu. Unter kalkulatorischen Kosten versteht man Kosten denen keine Rechnungen oder Verträge zugrunde liegen. Deshalb müssen sie kalkulatorisch berücksichtigt werden. In der Finanzbuchhaltung sind diese Kosten nicht oder nicht in dem gleichen Umfang enthalten.

Kostenartenrechnung Definition: Primärkosten und kalkulatorische Kosten
Kostenartenrechnung Definition

Kostenarten

Kostenarten sind Kostenkategorien, die in einem Unternehmen nach Auflösung der Gesamtkosten entstehen und die anschließend nach bestimmten Kriterien aufgegliedert werden können.

Wie die Kostenarten gliedert werden, ist grundsätzlich dem Unternehmen selbst überlassen. Allerdings wird sich oft an den Konten der Buchhaltung orientiert.

Im Allgemeinen kann man Kostenarten folgendermaßen gliedern:

Nach verbrauchten Produktionsfaktoren 

  • Materialkosten
  • Personalkosten
  • Dienstleistungskosten
  • Steuern, Gebühren
  • Betriebsmittelkosten

Nach betrieblicher Funktion

  • Beschaffungskosten
  • Fertigungskosten
  • Vertriebskosten

Nach Art der Kostenerfassung

  • Aufwandsgleiche Kosten, auch Grundkosten genannt: Kosten, deren Höhe dem in der Gewinn- und Verlustrechnung verbuchten Aufwand entspricht
  • Kalkulatorische Kosten: werden lediglich intern angesetzt und aufgrund des Prinzips der Opportunität ermittelt

Nach Herkunft der Kostengüter

  • Primärkosten, z. B. Lohnkosten, Kosten für Büromaterial
  • Sekundärkosten, z.B. selbsterstellter Strom, selbst durchgeführte Reparaturen

Dabei werden in der Kostenartenrechnung  nur Primärkosten erfasst, wohingegen Sekundärkosten aufgrund ihrer Kostenstellenbezogenheit und Wiedereinsatzfähigkeit, erst in der Kostenstellenrechnung berücksichtigt werden.

Nach Zurechenbarkeit

  • Einzelkosten, die direkt den einzelnen betrieblichen Leistungen zugerechnet werden können, z.B. Holz bei der Möbelherstellung
  • Gemeinkosten, die einem Kostenträger (z.B. einem Produkt) nicht direkt zugerechnet werden können

Nach Grad der Abhängigkeit von Bezugsgröße 

  • fixe Kosten
  • variable Kosten
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Kostenartenrechnung

Kostenartenrechnung Kostenstellenrechnung Kostenträgerrechnung

Die Ergebnisse, die du bei der Kostenartenrechnung erhälst, bilden die Grundlage für die Kostenstellen– und Kostenträgerrechnung.

Die Kostenartenrechnung folgt drei Prinzipien:

  • Eindeutigkeit: Die Eindeutigkeit besagt, dass alle Kostenarten eindeutig definiert sein müssen, damit keine Zweifel über den Inhalt der Kosten aufkommen.
  • Überschneidungsfreiheit: Dieses Prinzip ergibt sich aus dem Prinzip der Eindeutigkeit. Welcher Kostenart ein Kostenbetrag zuzuordnen ist, muss klar und offen gelegt sein, wobei jeder Kostenbetrag auch nur einer Kostenart zugeordnet werden darf.
  • Vollständigkeit: Dieses Prinzip besagt, dass jeder Kostenbetrag sich zu einer bestimmten Kostenart zuordnen lassen muss.

Kostenartenrechnung Aufgaben

Die Kostenartenrechnung hat einige Aufgaben innerhalb der Kostenrechnung:

  • Sie zielt darauf ab, die Kosten eines Unternehmens eindeutig, aktuell und möglichst kostengünstig zu erfassen
  • Sie liefert zudem wichtige Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Gesamtkosten des Unternehmens und der Kostenstellen
  • Die Kostenartenrechnung stellt die wichtigsten Einflussgrößen auf den Erfolg des Unternehmens fest

Wichtig zu wissen ist zudem, dass die Kostenartenrechnung nur die betriebszweckbezogenen, also die für das Unternehmen relevanten Kosten, bewertet. Folgende Kosten werden also nicht in der Kostenartenrechnung mit einbezogen:

  • Betriebsfremde Kosten, wie zum Beispiel Spenden
  • Leistungen und Kosten, die nicht im Zusammenhang mit der eigentlichen Leistungserstellung stehen, zum Beispiel Wertpapierverkaufsgewinne
  • Kosten, die außerordentlich sind, wie beispielsweise der Verkauf von Beteiligungen

Kostenartenrechnung Beispiel

Genug der Erklärungen, jetzt zeigen wir die die Kostenartenrechnung anhand eines Beispiels! Lass uns dafür die Firma Simple GmbH anschauen. Unsere Firma produziert Pizza und Pommes. Dafür brauchen wir Rohstoffe und zwar Mehl, Tomaten, Käse, Wasser, Kartoffeln und Öl. Unsere angebotenen Produkte entstehen leider nicht von alleine, daher brauchen wir noch drei Köche, die jeweils 1.000 Euro verdienen, sowie zwei Herren für den Vertrieb und einen für die Verwaltung für jeweils 2.000 Euro.

Kostenartenrechnung Beispiel
Kostenartenrechnung Beispiel

Jetzt muss die Simple GmbH noch für Miete und Strom zahlen. Miete kostet 5.000 Euro und Strom 2.500 Euro. Schließlich dürfen wir nicht die Abschreibungen für 1.500 Euro vergessen! Außerdem hat sich während der Geschäftsperiode leider eine Gruppe hungriger Studenten in das Lager der Firma verirrt und unser Fastfood im Wert von 1.000 Euro aufgegessen.

Bestimmung der Kostenarten

Nun müssen wir das alles in die Kostenarten sortieren. Rohstoffe sind Materialkosten. Für den Rohstoff Mehl haben wir 1.000 Euro, für Tomaten 500 Euro, für Käse 2.500 Euro, für Kartoffeln 3.000 Euro und für Öl 500 Euro ausgegeben. Wasser ist eine kleine Besonderheit, denn das haben wir für beide Produkte gebraucht: Für Pizza und für Pommes jeweils 50 Euro. Damit haben wir die Materialkosten auch schon abgehakt.

Materialkosten [€]  
Mehl 1000
Tomaten 500
Käse 2500
Kartoffeln 3000
Öl 500
Wasser 50
Gesamt 7550

Weiter geht’s mit den Personalkosten. Diese können wir aufteilen in Fertigungslöhne und Gehälter. Zuerst zu den Fertigungslöhnen: Für die Produktion von Pizza brauchen wir zwei Köche – es fallen also insgesamt 2.000 Euro an. Da Pommes einfacher zuzubereiten sind, brauchen wir nur einen Koch. Wir zahlen ihm 1.000 Euro. Die Herren von der Verwaltung und dem Vertrieb können wir leider nicht so einfach auf die Produkte aufteilen – sie sind nämlich Gemeinkosten. Wir notieren uns also bei Gehälter für den Vertrieb 4.000 Euro und für die Verwaltung 2.000 Euro.

Personalkosten [€]  
Köche [Pizza] 2000
Köche [Pommes] 1000
Vertrieb 4000
Verwaltung 2000
Gesamt 9000

Strom zählt zu den Dienstleistungskosten und auch zu den Gemeinkosten. Wir können schließlich nicht genau sagen, wie viel Strom für die Produktion von Pizza und wie viel für die Produktion von Pommes verwendet wurde. Also schreiben wir nur: Strom 2.500 Euro. Genauso ist es auch bei den Raumkosten. Wir notieren einfach nur: Miete 5.000 Euro.

Kostenartenrechnung Beispiel
Kostenartenrechnung Beispiel

Die 1.500 Euro kalkulatorischen Abschreibungen sind Anlagekosten. Der kleine Zwischenfall mit den hungrigen Studenten stellt ein Beständewagnis dar. Wir schreiben also bei den Wagniskosten: Beständewagnisse 1.000 Euro. So, jetzt haben wir alle Kosten, die in unserer Simple GmbH angefallen sind, nach ihren Kostenarten gegliedert.

Kostenartenrechnung Zusammenfassung

  • Die Kostenartenrechnung erfasst alle für die Kostenrechnung relevanten Kosten.
  • Diese Kosten werden anschließend nach Kostenarten gegliedert und der weitere Verarbeitung in der Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung zur Verfügung.
  • Die Kostenartenrechnung stellt sicher, dass die Kosten vollständig und korrekt erfasst sind.
  • Die Zuordnung der Werte zu den Kostenarten erfolgt eindeutig und überschneidungsfrei.

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