Internes Rechnungswesen

LIFO-Verfahren

Du möchtest wissen, was der Unterschied zwischen permanentem und periodischem LIFO ist und wie man diese Verfahren anwendet? Im folgenden Beitrag erklären wir dir, was es genau mit dem LIFO-Verfahren auf sich hat und wie du Werkstoffkosten nach dem Last-In-First-Out-Verfahren erfassen kannst.

Bewertung laut Handelsrecht

Laut § 252 I Nr.3 HGB müssen in der Bilanz alle Vermögensgegenstände einzeln bewertet werden. Allerdings gibt es auch Ausnahmen für die eine Einzelerfassung zu aufwendig wäre. Nach § 256 S. 1 HGB wird in der sogenannten Sammelbewertung bei gleichartigen Vermögensgegenständen unterstellt, dass sie in einer bestimmten zeitlichen Verbrauchsfolge oder in einer sonstigen bestimmten Reihenfolge verbraucht werden.

Definition LIFO-Verfahren

Das Last-In-First-Out, kurz LIFO-Verfahren wird zur zeitlichen Bewertung von Lagerbeständen bzw. Vorräten verwendet. Wie der Name schon sagt, geht man beim LIFO-Verfahren davon aus, dass Lieferungen, die als letztes im Lager ankommen sind, das Lager auch als erstes wieder verlassen.

Bei diesem Verfahren wird angenommen, dass die Waren in einer bestimmten Reihenfolge verbraucht werden. Daher spricht man auch häufig von einer Verbrauchsfolge und demnach vom Verbrauchsfolgeverfahren.

periodisches und permanentes LIFO
Unterscheidung periodisches und permanentes LIFO-Verfahren

Weitere Verfahren

  • Die Denkweise ist also genau andersrum als beim FIFO-Verfahren (First In – First Out). Hierbei wird vermutet, dass immer die erste Lieferung das Lager auch als erstes wieder verlässt.
  • Neben dem FIFO-Verfahren, solltest du auch das LOFO-Verfahren (Lowest In – First Out) kennen. Dabei wird angenommen, dass die günstigsten Vorräte als erstes verbraucht werden.
  • Zudem gibt es das HIFO-Verfahren (Highest In – First Out), heißt also die teuersten Lieferungen sollen das Lager als erstes verlassen.

Periodische und Permanente LIFO-Methode

Wie beim FIFO-Verfahren, unterscheidet man ebenso zwischen permanentem und periodischem LIFO.

  • Periodische LIFO-Methode: Beim periodischen Prinzip findet die Bewertung der Vorräte erst am Ende der Periode statt. Man geht dabei entweder von den Anschaffungs- und Herstellungskosten der ersten Lagerzugänge oder den durchschnittlichen Kosten aller Zugänge der Periode, aus.
  • Permanente LIFO-Methode: Dahingegen werden bei der permanenten LIFO Methode alle Zu- und Abgänge fortlaufend während der Periode erfasst. Allerdings ist diese Methode aber sehr zeit- und arbeitsaufwendig und wird deshalb in der Praxis eher selten verwendet.

Beispiel zum LIFO-Verfahren

Damit das ganze verständlicher wird, betrachten wir die beiden Verfahren anhand der Simple GmbH, die zwei Güter, nämlich Pizza und Pommes, herstellt. Zur Produktion der Pommes benötigt sie Kartoffeln. Gehen wir von einem Anfangsbestand von 200 kg Kartoffeln im Lager aus, der zu einem Kilopreis von 2€ bewertet wurde.

Am 01.02.2018 kam eine Lieferung mit 100kg Kartoffeln zum Preis von 1€/kg an und am 01.05. eine weitere Lieferung von 150kg zum Preis von 3€/kg. Abgänge fanden am 01.04. und am 01.07.  in Höhe von 110kg und 200kg statt. Alle Vorgänge sind nochmal in der Tabelle übersichtlich aufgelistet:

Datum   Menge €/ kg
01.012018 Anfangsbestand 200kg 2€
01.02.2018 Zugang 100kg 1€
01.04.2018 Abgang 110kg
01.05.2018 Zugang 150kg 3€
01.07.2018 Abgang 200kg
31.12.2018 Endbestand 140kg

Beispiel: Periodisches LIFO-Verfahren

Mit Hilfe dieser Informationen soll nun der Materialverbrauch und der Endbestand bewertet werden. Als erstes lösen wir dieses Beispiel mit dem periodischen LIFO-Verfahren. Bei diesem geht man ja generell immer davon aus, dass Lieferungen, die zuletzt im Lager ankamen, auch als erstes wieder aus dem Lager entnommen werden.

Das heißt logischerweise, dass der Endbestand aus dem Anfangsbestand, beziehungsweise der ersten Lieferung stammen muss. In unserem Beispiel müssen wir den Endbestand also mit 2€ bewerten, und erhalten also 2€ mal 140 gleich 280€.

LIFO Beispiel: periodisch
LIFO Beispiel: periodisch

Jetzt müssen wir nur noch die Materialkosten berechnen, also den bewerteten Restbestand ermitteln. Das geht mit folgender Formel:

Materialkosten\ =\ bewerteter\ Anfangsbestand\ +\ bewertete\ Zug\"ange\\\ \noindent\hspace*{42mm}% -\ bewerteter\ Endbestand

 

Diese Formel kennst du vielleicht schon aus dem FIFO-Verfahren. Beim periodischen LIFO-Verfahren funktioniert die Bestimmung der Materialkosten genau gleich. In unserem Fall rechnen wir also:

200\ast2\ Euro + 100\ast1\ Euro + 150\ast3\ Euro - 280\ Euro = 670\ Euro

und erhalten somit einen bewerteten Restbestand in Höhe von 670€. Wenn du wissen möchtest, wie du die einzelnen Abgänge jeweils bewerten musst, kannst du die 670€ einfach durch die gesamten Abgänge teilen. Also 670€ geteilt durch 310 kg, ergibt ungefähr 2,16€/kg.

Beispiel: Permanentes LIFO-Verfahren

Jetzt machen wir dasselbe nochmal, nur diesmal unter Anwendung des permanenten LIFO-Verfahrens. Bei dieser Methode bewertet man die Abgänge immer direkt gemäß dem Prinzip, dass zuletzt zugegangene Waren zuerst verbraucht werden.

Vom ersten Abgang am 01.04.2018 aus gesehen ist die letzte Lieferung die vom 01.02.2018. Da diese Lieferung aber nicht ganz ausreicht, müssen noch 10 kg aus dem Anfangsbestand verwendet werden. Wir bewerten den ersten Abgang also mit 100 mal 1€ plus 10 mal 2€ gleich 120 €. Der zweite Abgang stammt nach dieser Logik also aus der Lieferung vom 01.05. Da diese wieder nicht ganz ausreicht müssen wir noch einen Teil aus dem Anfangsbestand verwenden.

LIFO Permanentes LIFO-Verfahren LIFO-Methode Last In First Out
LIFO Beispiel: permanent

Wir rechnen 150 mal 3€ plus 50 mal 2€ und erhalten einen bewerteten Abgang von 550€. Da die zwei Lieferungen schon komplett aufgebraucht wurden, muss der Endbestand also aus dem Anfangsbestand stammen und wird somit mit 2€ bewertet, wie auch schon beim periodischen LIFO. Um den Wert des Materialverbrauchs insgesamt zu erhalten, kannst du jetzt einfach die einzelnen Werte addieren.

Wir erhalten somit Materialkosten in Höhe von 120€ plus 550€ gleich 670€. Auch dieser Endwert entspricht also wieder genau dem Ergebnis aus dem periodischen LIFO. Wie du siehst unterscheiden sich die beiden Verfahren also nur in der Vorgehensweise.

Die Endergebnisse sind bei der periodischen und permanenten Methode des Last-In-First-Out-Verfahrens gleich.

Zusammenfassung

Fassen wir also nochmal kurz zusammen: LIFO (Last In – First Out) beschreibt ein Verbrauchsfolgeverfahren nach der Annahme, dass die zuletzt eingetroffenen Waren das Lager als erstes wieder verlassen. Dabei unterscheidet man zwischen der periodischen und der permanenten Methode.

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