BWL Kennzahlen

Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität ist eine Kennzahl, mit der Unternehmen die Verzinsung ihres Eigenkapitals messen können. Wir zeigen dir, wie du sie berechnest, was sie aussagt und was sie mit dem Leverage-Effekt zu tun hat.

Inhaltsübersicht

Eigenkapitalrentabilität Definition

Die Eigenkapitalrentabilität oder auch Eigenkapitalrendite ist eine Kennzahl zur Messung der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Im Englischen spricht man auch von „Return on Equity“. Klingt vielleicht erstmal ein bisschen kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach. Die Eigenkapitalrendite gibt einer Firma an, mit wie viel Prozent sich ihr Eigenkapital verzinst. Man kann sagen, dass ein Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite im Vergleich zu anderen Firmen aus der gleichen Branche ein erfolgreiches, bzw. wirtschaftliches Unternehmen ist.

Eigenkapitalrentabilität Formel

So, lass uns direkt einen Blick auf die Formel zur Berechnung der Eigenkapitalrentabilität werfen.

Eigenkapitalrentabilit\"at [\%]=\frac{Jahres\"uberschuss}{Eigenkapital}\times 100

Wie du siehst, berechnest du sie einfach, indem du den Jahresüberschuss nach Steuern, den du aus der Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen kannst, durch das Eigenkapital teilst und mit 100 multiplizierst.

In §266 Abs.3 A HGB kannst du auch nochmal den Aufbau des Eigenkapitals nachschauen.

Leverage-Effekt

Im Zusammenhang mit der Eigenkapitalrentabilität wird auch oft der Leverage-Effekt genannt.

Die Eigenkapitalrentabilität berücksichtigt erstmal nur das Eigenkapital. Allerdings kann die Kennzahl durch zusätzliches Fremdkapital deutlich verbessert werden, denn dann steigt ja auch der Gewinn. Diesen Effekt der steigenden Eigenkapitalrendite, bei einem höheren Einsatz von Fremdkapital, bezeichnet man als Leverage-Effekt, bzw. als Hebelwirkung des Verschuldungsgrades.

Eigenkapitalrentabilität Leverage-Effekt Gesamtkapitalrentabilität
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Eigenkapitalrentabilität und Leverage-Effekt

Ist der Zinssatz für das gesamte Fremdkapital kleiner als die Gesamtkapitalrentabilität , also die Verzinsung des gesamten Kapitals, dann kann die Eigenkapitalrentabilität durch einen höheren Verschuldungsgrad gesteigert werden. Man spricht dann auch von einem positiven Leverage-Effekt oder der Leverage-Chance.

Ist der Fremdkapitalzinssatz höher als die Gesamtkapitalrentabilität, spricht man von einem negativen Leverage-Effekt.

Beispiel: Eigenkapitalrentabilität berechnen

Die Theorie hast du schon mal geschafft. Schauen wir uns als nächstes ein Beispiel an.

Beginnen wir ganz einfach: Stell dir vor die Mobil AG hat ein Eigenkapital in Höhe von 180 Millionen Euro und sie hat einen Jahresüberschuss von 25 Millionen Euro erzielt.
Wenn du jetzt alles in die Formel einsetzt, erhältst du eine Eigenkapitalrentabilität von 13,9 Prozent.

Eigenkapitalrentabilit\"at [\%]= \frac{25 Mio.}{180 Mio}\times 100 \approx 13,9\%

Interpretation der Eigenkapitalrentabilität

Hat ein Unternehmen eine Eigenkapitalrentabilität von 15%, dann bedeutet das, dass es auf sein eingesetztes Kapital von beispielsweise 1.500.000 € einen Gewinn in Höhe von 225.000 € erzielt.

Diese Information ist besonders für Aktionäre wichtig, denn für sie ist es ein Indiz, ob eine Investition in das Unternehmen sinnvoll beziehungsweise rentabel ist.

Wichtig ist auch, dass eine außergewöhnlich niedrige Eigenkapitalrendite oft auf zu viel gebundenes Kapital oder eine „überbewertete Aktiva“, also unnötig hohe Vorratsbestände hinweist.

Im Gegensatz dazu, deutet eine außergewöhnlich hohe Eigenkapitalrendite meist auf eine kurzzeitige Ausnahmesituation hin. Das kann zum Beispiel bei außerordentlichen Erträgen oder einem konjunkturzyklischen Hochpunkt der Fall sein.

Zielwert der Eigenkapitalrentabilität

Generell sollte die Eigenkapitalrendite mindestens dem durchschnittlichen Zinssatz auf dem Kapitalmarkt entsprechen. Nur dann ist es auch sinnvoll, das Eigenkapital für den Unternehmensbetrieb zu verwenden. Liegt die Rendite unter dem durchschnittlichen Kapitalzins, so würde es mehr Sinn machen, das Geld auf dem Kapitalmarkt anzulegen.

Beispiel 2: Eigenkapitalrentabilität auf Basis der Bilanz berechnen

Schauen wir uns gleich noch ein etwas schwierigeres Beispiel an. Diesmal ist die Bilanz des vergangenen Jahres der Mobil AG gegeben:

Beispiel Eigenkapitalrentabilität
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Beispiel Eigenkapitalrentabilität

Außerdem weißt du, dass im vergangenen Jahr Aufwendungen in Höhe von 3 Millionen Euro angefallen sind und die Umsatzerlöse 3.026.000 € betragen haben.

So, jetzt haben wir ausreichend Informationen, um die Eigenkapitalrendite berechnen zu können. Hier nochmal die Formel:

Eigenkapitalrentabilit\"at [\%]= \frac{Jahres\"uberschuss}{Eigenkapital}\times 100

Bevor wir alles einsetzen, müssen wir noch den Jahresüberschuss berechnen. Dafür ziehen wir von den Umsatzerlösen die Aufwendungen ab und erhalten einen Jahresüberschuss von 26.000 €.

Sehr gut, nun müssen wir nur noch die Höhe des Eigenkapitals von 130.000 € aus der Bilanz rauslesen und können so die Eigenkapitalrendite berechnen. Diese beträgt 20 Prozent.

\frac{26.000}{130.000}\times 100=20\%

Beispiel 3: Eigenkapitalrentabilität und Leverage Effekt

Lass uns noch ein kurzes Beispiel zum Leverage-Effekt anschauen. Stell dir vor, die Mobil AG investiert 500.000 € in eine neue Maschine und erzielt einen Gewinn von 5 Millionen Euro. Die Gesamtkapitalrendite beträgt damit 10%, also 500.000 geteilt durch 5 Millionen Euro. Wir schauen uns jetzt zwei Fälle an:

Im ersten Fall wird die Maschine zur Hälfte mit Eigenkapital und zur Hälfte mit Fremdkapital finanziert und der Fremdkapitalzinssatz beträgt 5%.

Die Leverage-Formel sieht so aus:

R_E_K=R_G_K+\frac{FK}{EK}\times (R_G_K-i)

Bevor wir alles einsetzen, müssen wir noch den Anteil des Fremdkapitals und des Eigenkapitals berechnen:

FK=0,5\times 500.000=250.000

EK=0,5\times 500.000=250.000

Jetzt können wir alles einsetzen und erhalten:

0,1+\frac {250.000}{250.000}\times (0,1-0,05)=0,15

Im zweiten Fall werden 30% durch Eigenkapital und 70% durch Fremdkapital finanziert und der Fremdkapitalzinssatz beträgt wieder 5%:

Wir müssen also wieder den Fremd- und Eigenkapitalanteil berechnen:

FK=0,7\times 500.000=350.000

EK=0,3\times 500.000=150.000

Wenn wir wieder alles einsetzen, erhalten wir:

0,1+\frac{350.000}{150.000}\times (0,1-0,05)\approx 0,22

Wie du siehst nimmt die Eigenkapitalrendite mit zunehmendem Verschuldungsgrad zu.

Problematik bei der Eigenkapitalrentabilität

Zuletzt solltest du noch wissen, dass die Berechnung der Eigenkapitalrentabilität nicht ganz problemlos ist.

Unterschiedliche Rechnungslegungsstandards

Es kann nämlich passieren, dass Unternehmen mit unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards, also zum Beispiel nach dem HGB oder den IFRS (international financial reporting standards) bilanzieren und sich somit verschiedene Gewinne oder Eigenkapitalwerte ergeben. Ein anderes Beispiel wäre, dass Unternehmen unterschiedliche Abschreibungsmethoden verwenden oder verschiedene Nutzungsdauern anwenden.

Beeinflussung durch Leverage-Effekt

Außerdem ist die Höhe der Eigenkapitalrentabilität nicht immer ganz aussagekräftig, da diese, wie bereits erwähnt, durch den Leverage-Effekt beeinflusst und somit „manipuliert“ werden kann.

All das führt dann dazu, dass die Werte für die Eigenkapitalrentabilität nicht so gut vergleichbar sind.

Du weißt jetzt, wie du die Eigenkapitalrendite berechnest und dass Unternehmen damit prüfen, wie effektiv sie ihr Eigenkapital eingesetzt haben.


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