Evolutionsbiologie
Evolution
 – Video
Rudiment Atavismus

Unsere Weisheitszähne sind ein Rudiment. Was das bedeutet und welche anderen Rudimente bei Lebewesen vorkommen, erfährst du in diesem Beitrag. Hier geht’s zum Video !

Rudiment einfach erklärt

Ein Rudiment ist in der Biologie ein Merkmal, das nicht mehr vollständig ausgebildet ist und deshalb seine ursprüngliche Funktion nicht mehr erfüllt.

Diese rückgebildeten Merkmale – auch rudimentäre Organe – sind also „Überbleibsel“ ursprünglich funktionierender Organe. Sie haben sich im Laufe der Zeit aufgrund von veränderten Lebensbedingungen zurückgebildet, da sie für den Organismus keinen Nutzen mehr boten. Sie sind daher sozusagen „Zeugen“ für eine gemeinsame Abstammung von Lebewesen, bei denen diese Organe noch funktionieren. 

Rudiment Definition

Rudimente (lat. rudimentum für „erster Anfang“) sind im Laufe der Evolution zurückgebildete Organe, Strukturen oder Verhaltensweisen, die meistens keine Funktion mehr erfüllen. Sie gelten als Evolutionsbelege. 

Rudimentäre Organe beim Menschen

Du kannst die „Überbleibsel“ der Evolution, selbst an deinem Körper finden. Ein bekanntes Beispiel für ein rudimentäres Organ beim Menschen ist unser Steißbein. Das sind 4 bis 5 verwachsene Wirbel am Ende unserer Wirbelsäule. Dabei handelt es sich um eine Rückbildung oder Reduktion der ursprünglich verlängerten Wirbelsäule (Schwanz). Du kannst sie noch als Schwanz bei verwandten Affenarten erkennen. Nachdem wir Menschen die Bäume als unseren Lebensraum verlassen haben, haben wir auch keinen Schwanz mehr benötigt. Er bot für uns keinen Evolutionsvorteil und hat sich in Folge dessen zurückgebildet. 

Weitere Beispiele für Rudimente beim Menschen sind: 

  • Weisheitszähne; Ursprünglich: als zusätzlicher Backenzahn
  • Verkümmerte Ohrmuskeln; Herkunft: dienten zur Bewegung der Ohrmuscheln
  • Ohrhöcker außen an der Ohrmuschel; Ursprung: spitze Ohren unserer Vorfahren
  • Reste der NickhautUrsprung: drittes Augenlid bei verwandten Säugetieren
  • Restkörperbehaarung (vor allem Brustbehaarung beim Mann); Herkunft: Fell
  • segmentierte Bauchmuskeln: Herkunft: Unterteilung des Körpers in Abschnitte (Segmente)
  • Steißbein (4-5 verwachsene Wirbel); Rudiment der verlängerten Wirbelsäule (Schwanz); Beim Verlassen von Bäumen als Lebensraum wurde ein Schwanz nicht mehr benötigt.
  • Wurmfortsatz des Bilddarms; Ursprünglich: zur besseren Verdauung pflanzlicher Nahrung; war Teil eines größeren Darms; Funktionswechsel: heute Teil unseres Immunsystems
Rudimente beim Menschen, Rudimente Beispiele, Rudimente Mensch, rudimentäre Organe, rudimentär, Weisheitszähne Evolution, Evolutionsbelege
direkt ins Video springen
Rudimente beim Menschen

Du siehst, dass die meisten rudimentären Organe oder Strukturen mit der Veränderung der Lebensweise ihre Funktion verloren haben. Sie können aber auch einen Funktionswechsel durchlaufen wie der Wurmfortsatz beim Blinddarm des Menschen. 

Aber nicht nur Organe, sondern auch Verhaltensweisen kannst du zu den Rudimenten zählen. Ein Beispiel für rudimentäres Verhalten ist der Greifreflex von Neugeborenen. Für uns Menschen ist dieser Reflex nutzlos, da die Mutter kaum Haare zum festhalten besitzt und das Baby sowieso auf ihrem Arm trägt. Bei Affenbabys hingegen ist der Reflex lebensnotwendig. So können sie sich am Fell ihrer Mütter festkrallen, während diese von Ast zu Ast klettern. 

Rudimente bei Tieren und Pflanzen

Auch bei Tieren und Pflanzen kommen Rudimente vor. Bekannte rudimentäre Organe bei Tieren und Pflanzen sind: 

  • zurückgebildete und stark verkürzte Extremitäten der Erzschleiche
  • Reste des Beckengürtels (Beckenknochen) bei Bildschleichen; Sie gehören zu den Echsen mit ursprünglich 4 Gliedmaßen; sie ist also eine Echse ohne Beine
  • Reste des Beckengürtels bei Walen; Herkunft: Wale stammen von landlebenden Säugetieren ab. Die Beckenknochen haben sich beim Übergang ins Wasser zurückgebildet.
  • Griffelbeine des Pferdefußes; Rückbildung der Mittelhand- bzw. Mittelfußknochen
  • zurückgebildete, funktionslose Augen bei Axolotl (Schwanzlurch) oder Maulwurf
  • Rückbildung der Staubblätter bei den Rachenblütern (Pflanzen); Königskerze hat fünf fruchtbare Staubblätter; Gnadenkraut nur noch zwei fruchtbare und zwei unfruchtbare
Rudimente bei Tieren, Rudimentäre Organe Beispiele, Rudiment, Beckengürtel Wal, Evolutionsbelege
direkt ins Video springen
Rudimente bei Tieren

Rudimente und Atavismen

Rudimente kommen bei vielen oder allen Organismen einer Art vor. Die meisten Menschen haben zum Beispiel Anlagen für die Weisheitszähne. Es gibt aber auch Merkmale, die eigentlich schon rückgebildet oder ganz verschwunden waren, aber bei einzelnen Individuen einer Art wieder auftreten. Das nennst du Atavismus

Weitere Evolutionsbelege

Neben den Rudimenten gibt es noch weitere Belege für die Evolution wie die homologen und analogen Organe: 

  • Homologien Merkmale, die auf eine Verwandtschaft von zwei Lebewesen hindeuten; besitzen einen gemeinsamen Grundbauplan. 
  • Analogien : Merkmale mit gleicher Funktion; ohne gemeinsamen Ursprung; Grund für die Ähnlichkeit ist eine Anpassung an gleiche Umweltbedingungen.

Hättest du gedacht, dass unsere Lungen und die Tracheen der Insekten analoge Organe sind? Das und noch viel mehr interessante Beispiele lernst du in unserem Video dazu kennen!

Zum Video: Homologie und Analogie
Zum Video: Homologie und Analogie

Hallo, leider nutzt du einen AdBlocker.

Auf Studyflix bieten wir dir kostenlos hochwertige Bildung an. Dies können wir nur durch die Unterstützung unserer Werbepartner tun.

Schalte bitte deinen Adblocker für Studyflix aus oder füge uns zu deinen Ausnahmen hinzu. Das tut dir nicht weh und hilft uns weiter.

Danke!
Dein Studyflix-Team

Wenn du nicht weißt, wie du deinen Adblocker deaktivierst oder Studyflix zu den Ausnahmen hinzufügst, findest du hier eine kurze Anleitung. Bitte lade anschließend die Seite neu.