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Mehrheitswahl und Verhältniswahl sind zwei verschiedene Verfahren, wie Wahlen durchgeführt werden können. Im Beitrag erklären wir dir, wie diese beiden Wahlverfahren funktionieren.

Inhaltsübersicht

Mehrheitswahl Verhältniswahl — einfach erklärt 

Bei einer Wahl entscheiden die Wählerinnen und Wähler, welche Personen sie ins Parlament schicken wollen. Die Wahlsysteme bestimmen, wie diese Stimmen dann in Sitze im Parlament umgewandelt werden. 

Bei der Mehrheitswahl gewinnt derjenige Kandidat, der in einem Wahlkreis die meisten Stimmen erhält. Es ist also egal, wie viele Stimmen die anderen Kandidaten erhalten, der Erstplatzierte gewinnt das Mandat für den Wahlkreis. Die Verhältniswahl hingegen teilt die Sitze im Parlament im Verhältnis zu den insgesamt erhaltenen Stimmen einer Partei auf. Das bedeutet, dass die prozentuale Verteilung der Stimmen sich in der Sitzverteilung widerspiegelt. 

Die Wahlverfahren haben einen großen Einfluss auf das politische System eines Landes. Während die Mehrheitswahl tendenziell zu einem Zwei-Parteien-System führt, sorgt die Verhältniswahl hingegen dafür, dass alle Parteien im Parlament repräsentiert sind.

Gut zu wissen: Ein Wahlsystem ist die Gesamtheit der Regeln, die bestimmen, wie eine Wahl abläuft. Mehrheits- und Verhältniswahl sind Wahlverfahren. Ein Wahlverfahren ist die konkrete Methode, mit der die Stimmen der Wähler in Sitze im Parlament umgewandelt werden.  

Mehrheitswahl & Verhältniswahl 

Die Wahlverfahren haben einen starken Einfluss darauf, wie demokratische Gesellschaften ihre Vertreter wählen. Mehrheits- und Verhältniswahl verfolgen dabei zwei verschiedene Ansätze, die Stimmen der Wähler in Mandate umzuwandeln.

Mehrheitswahl 

Die Mehrheitswahl ist ein Wahlverfahren, bei dem der Kandidat mit den meisten Stimmen in einem Wahlkreis zum Gewinner erklärt wird. Ein Wahlkreis ist ein Gebiet, in dem die Bürgerinnen und Bürger über mehrere Abgeordnete abstimmen.

Die Wähler geben also ihre Stimme für einen der Kandidaten ihres Wahlkreises ab. Derjenige mit der absoluten Mehrheit — also mehr als 50 % der Stimmen — gewinnt den Sitz im Parlament. Falls keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erreicht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird eine Stichwahl zwischen den führenden Kandidaten durchgeführt oder es wird der Kandidat mit der relativen Mehrheit direkt gewählt. Relative Mehrheit bedeutet, dass ein Kandidat mehr Stimmen haben muss als jeder andere Kandidat.

Das Ziel der Mehrheitswahl ist es, eine klare Mehrheit im Parlament zu schaffen. Dies soll zu einer stabilen Regierung führen, die in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. 

Verhältniswahl

Bei der Verhältniswahl geben Wähler ihre Stimme für eine Parteiliste oder einzelne Kandidaten innerhalb einer Liste ab. Die Sitze im Parlament werden dann proportional zur Anzahl der Stimmen vergeben, die jede Partei erhalten hat. Das bedeutet, dass eine Partei mit 20 % der Stimmen auch 20 % der Sitze im Parlament erhält.

Dabei gibt es eine Schwelle, die eine Partei überschreiten muss, um Sitze im Parlament zu erhalten. Diese Schwelle liegt Deutschland bei 5 %. Das heißt, dass eine Partei mindestens 5 % der Stimmen erhalten muss, um in die Sitzverteilung einbezogen zu werden. 

Der Sinn der Verhältniswahl ist es, dass alle politischen Meinungen im Parlament vertreten sind. Dadurch wird eine breitere Vielfalt politischer Ansichten abgebildet.

Wahlsystem in Deutschland

Das Wahlsystem in Deutschland ist ein Mischsystem, das Elemente der Mehrheits- und Verhältniswahl kombiniert. Du bezeichnest es auch als personalisierte Verhältniswahl. Bei Bundestagswahlen hat jede wahlberechtigte Person zwei Stimmen: die Erststimme und die Zweitstimme.

Der Bundestag hat 630 Sitze. Davon werden 299 über die Erststimme und 331 über die Zweitstimme vergeben.

Mit der Erststimme wählen die Wählerinnen und Wähler direkt einen Kandidaten in ihrem Wahlkreis — insgesamt gibt es 299 Wahlkreise in Deutschland. Der Kandidat, der in seinem Wahlkreis die meisten Erststimmen erhält, zieht direkt in den Bundestag ein. Hierbei wird also das Mehrheitswahlrecht angewendet.

Die Zweitstimme wählt nicht eine Person, sondern eine Partei. Diese Stimme entscheidet, wie viele der 331 Sitze jede Partei im Bundestag erhält. Die Sitze werden so aufgeteilt, dass der Prozentsatz der Parteien im Bundestag dem Prozentsatz der Zweitstimmen entspricht, die sie erhalten haben. Das ist der Teil, der wie die Verhältniswahl funktioniert. Aber eine Partei muss mindestens 5 % der Zweitstimmen bekommen oder drei Wahlkreise direkt gewinnen, um überhaupt Sitze zu erhalten.

Wahlsysteme in anderen Ländern

Beide Wahlverfahren werden auch in anderen Ländern angewendet. Die Mehrheitswahl ist beispielsweise in den USA und im Vereinigten Königreich die Norm. Sie folgen dem „Winner-takes-all“-Prinzip, was oft zu einem politischen System mit zwei dominanten Parteien führt.

Andere Länder, wie etwa Spanien, Schweden und Brasilien, nutzen die Verhältniswahl. Ein Mischsystem, das Elemente aus beiden Wahlverfahren vereint, findest du neben Deutschland auch in Ländern wie Neuseeland und Mexiko.

Vergleich Verhältniswahl & Mehrheitswahl

Beide Wahlverfahren haben andere Auswirkungen auf die Politik eines Landes. Hier findest du einen Überblick zur Verhältnis- und Mehrheitswahl:

Kriterium Mehrheitswahl Verhältniswahl
Regierungsstabilität

Führt zu klaren Mehrheitsverhältnissen und stabilen Regierungen.

Kann zu Koalitionsregierungen führen, was zu politischer Instabilität beitragen kann.
Wählerrepräsentation

Stimmen für nicht gewählte Kandidaten werden nicht im Parlament repräsentiert („verlorene Stimmen“).

Stimmen spiegeln sich proportional in der Sitzverteilung wider – weniger „verlorene Stimmen“.

Parteiensystem

Führt oft zu einem Zwei-Parteien-System, das andere Meinungen unterdrücken kann.

Fördert ein Mehrparteiensystem, das eine breitere Palette politischer Meinungen widerspiegelt.

Entscheidungsfindung Begünstigt schnelle Entscheidungen durch klare Mehrheitsverhältnisse. Kann durch die Notwendigkeit von Kompromissen in Koalitionen die Entscheidungsfindung verlangsamen.
Extremismus

Kann den Einzug extremistischer Parteien in den Bundestag einschränken.

Kann extremistischen Parteien den Einzug ins Parlament erleichtern.

 

Politisches System in Deutschland

Die Wahlverfahren tragen maßgeblich zur Gestaltung des politischen Systems bei. Mehr zu den Merkmalen des politischen Systems in Deutschland zeigen wir dir in unserem Video.

Zum Video: Politisches System Deutschland
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