Sozialdarwinismus einfach erklärt

Der Sozialdarwinismus vertritt die Ansicht, dass Menschen nicht gleich viel wert seien. Seine Anhänger stützen sich dabei auf Charles Darwins Evolutionstheorie . Nach dem Sozialdarwinismus sollen nur die „stärksten“ Menschen überleben und Kinder bekommen können. 

Darwins Evolutionstheorie bezog sich ursprünglich nur auf die „natürliche Selektion“ in der freien Natur, also im Tier- und Pflanzenreich. Im 20. Jahrhundert haben dann die Nationalsozialisten die Vorstellung von Darwin auf den Menschen übertragen. Damit begründeten sie ihre Rassenlehre .

Sie verboten bestimmten Minderheiten wie Juden, Menschen mit Behinderungen und nicht-weißen Menschen, Kinder zu bekommen. Denn nach der rassistischen Ansicht der Nazis waren diese Menschen weniger wert und sollten sich nicht mit den angeblich „besseren“ Deutschen vermischen. Das nannten sie „Rassenhygiene„.

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Konzentrationslager in Auschwitz, Polen

Schließlich gingen die Nazis so weit, dass sie Millionen von Menschen in sogenannten Konzentrationslagern ermordeten, weil sie so ihre „Rasse“ reinhalten wollten.

Sozialdarwinismus Definition

Der Sozialdarwinismus war lange Zeit eine Theorie, nach der manche Menschen anderen überlegen seien und deshalb mehr Wert wären. Sie basiert auf Charles Darwins Evolutionstheorie. Dabei gingen Sozialdarwinisten davon aus, dass eine gesunde menschliche Gesellschaft nur durch den „Kampf ums Dasein“ entstehen könne. Das heißt, dass nur die „besten und gesündesten Menschen überleben und Kinder haben sollten.

Evolutionstheorie: Darwin und Spencer 

Damit du den Sozialdarwinismus richtig verstehst, musst du zuerst seine Ursprünge kennen. Schaue dir dafür zunächst die Evolutionstheorie des britischen Naturforschers Charles Darwin an.

Im 19. Jahrhundert fand Darwin heraus, dass sich Lebewesen durch die sogenannte natürliche Selektion weiterentwickeln. Das heißt, das Lebewesen mit den „praktischeren“ Genen, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit zu überleben. Über mehrere Generationen sind dann genau diese „nützlichen“ Gene weitergegeben worden, und die Art hat sich so an ihren Lebensraum angepasst.

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Charles Darwin – Begründer der Evolutionstheorie

Darwin übernahm dabei einige Begriffe wie „Kampf ums Dasein“ vom britischen Philosophen Herbert Spencer. Spencer hatte nämlich schon selbst eine Art Evolutionstheorie aufgestellt. Allerdings hatte er sie nicht wie Darwin auf die Tier- und Pflanzenwelt bezogen, sondern auf die Gesellschaft.

Nach Spencers Theorie gäbe es Menschen, die besonders gut an das soziale Leben und den wirtschaftlichen Markt angepasst wären. Das seien zum Beispiel Personen mit Charaktereigenschaften wie Fleiß oder Selbstkontrolle. So funktioniere das Zusammenleben besser. Das würde wiederum dazu führen, dass die Menschen zusammenarbeiten könnten, anstatt wie Tiere um Lebensmittel zu kämpfen. Denn zusammen wären die Menschen erfolgreicher beim Überleben.

Spencers Sozialdarwinismus sah also die Hilfe der Menschen untereinander als natürliche Entwicklung. Der Staat selbst sollte dabei so wenig wie möglich in diese Entwicklung eingreifen. So hätte jeder Mensch die gleichen Chancen, sich anzupassen. Das nennst du übrigens Liberalismus.

Eugenik und Rassenlehre

Der frühe Sozialdarwinismus von Spencer ging also eigentlich von der Chancengleichheit der Menschen aus. Und genauso war ja die Evolutionstheorie von Darwin nicht auf den Menschen bezogen. In Deutschland lenkte aber der einflussreiche Biologe Ernst Haeckel die Diskussion um Darwins Evolutionstheorie. Haeckel übertrug Darwins Theorie wieder auf die menschliche Gesellschaft — für die sie aber gar nicht entwickelt worden war!

Haeckel ging davon aus, dass sich in einer Gesellschaft nur eine kleine privilegierte Minderheit weiterentwickeln und „verbessern“ könne. Die Mehrheit hingegen würde hungern und frühzeitig sterben. So würden sich nur die „Besten“ vermehren können. Wie du siehst, kannst du in Haeckels Auslegung bereits eine diskriminierende Färbung erkennen. Und genau in diese Richtung wurde Haeckels Auffassung dann weiterentwickelt.

Eugenik

Dabei gab es diese Entwicklung in Richtung Diskriminierung nicht nur in Deutschland. Nun gingen die Theorien nicht mehr von der „automatischen“ Verbesserung der Gesellschaft aus, sondern davon, dass in einer zivilisierten Gesellschaft mit Zugang zu Medizin der Faktor der natürlichen Auslese fehlen würde.

So schürten die Vertreter der Theorien Ängste, dass dadurch angeblich ein Volk durch „schlechte“ Gene „verdorben“ werden würde. Das nahmen viele Leute zum Anlass, unterdrückende Maßnahmen gegen bestimmte Gruppen von Menschen zu fordern, die von vielen als „minderwertig“ gesehen wurden. Das nannten sie „Eugenik„.

Francis Galton, der ein Vetter Darwins war, gilt als einer der Väter der Eugenik. Galton forderte, dass Menschen mit Behinderungen oder psychischer Krankheit keine Kinder haben durften. Im 19. und 20. Jahrhundert gab es daraufhin eugenische Maßnahmen in vielen Ländern weltweit. Zum Beispiel wurden in den USA bis 1932 viele Menschen gegen ihren Willen sterilisiert.

NS-Ideologie: Rassenhygiene

Der traurige Höhepunkt der rassistischen Eugenik fand aber im Dritten Reich statt: Die sogenannte „Rassenhygiene“ der Nazis trieb das Prinzip des angeblichen „Vorrechts“ des „Stärkeren“ auf die Spitze.

Die „Starken“ waren dabei Menschen, die der „arischen Rasse“ angehörten und körperlich gesund waren. Die „Arier“ waren angeblich die weißen, blonden und blauäugigen Menschen in Europa. Dazu musst du wissen, dass die Annahme von „Rassen“ beim Menschen komplett erfunden ist.

Die Nazis wollten ihre „Rasse“ „rein“ halten. Also unterdrückten sie Menschen, die sie als „minderwertig“ betrachteten. Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, Homosexuelle und nicht-weiße Menschen, sowie politische Gegner schlossen sie zunächst von der Öffentlichkeit aus. 

Sie wurden in Ghettos gesperrt, wo sie unter sich bleiben sollten. Und schließlich begannen die Nazis, diese Menschen systematisch in Konzentrationslagern zu ermorden.

Die Nazis „rechtfertigten“ sich damit, so die natürliche Selektion der Natur selbst zu übernehmen. Außerdem hetzten sie gegen ihre Opfer, indem sie zum Beispiel behinderte Menschen als unnötige Kosten und Bürde für die Gesellschaft darstellten.

Sozialdarwinismus heute

Nach den Schrecken des Nationalsozialismus war auch der Sozialdarwinismus für die Menschen nicht mehr attraktiv.

Trotzdem gibt es auch heute noch sozialdarwinistisches Denken in unserer Gesellschaft, wenn es um bestimmte soziale Gruppen geht. Viele Leute halten zum Beispiel Obdachlose für faul und denken, dass sie selbst für ihre unsichere Situation Schuld seien.

Ähnlich argumentieren manche Menschen über Arbeitslose, die sie oft als nutzlos und belastend für die Gesellschaft sehen. Zudem existiert Ausländerfeindlichkeit und, noch offensichtlicher, offener Rassismus gegenüber nicht-weißen Menschen.

Es gibt aber auch den wirtschaftlichen Sozialdarwinismus. Hier werden Menschen nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beurteilt. Das heißt, je mehr Geld jemand der Gesellschaft bringt, desto wertvoller ist er als Mensch. Das schlägt sich im Wettbewerbsgedanken des Kapitalismus nieder. Demnach brauche es den Wettbewerb, sodass es immer bessere Angebote gäbe.

Allerdings kannst du dir zum Schluss merken, dass die Annahme, ein Mensch wäre aus irgendeinem Grund mehr wert als ein anderer Mensch, dem demokratischen Grundprinzip von Gleichheit widerspricht.

Nationalsozialismus

Auf den Sozialdarwinismus beriefen sich besonders die Nationalsozialisten. Wenn du noch mehr über den Nationalsozialismus erfahren willst, schau dir unser Video dazu an!

Zum Video: Nationalsozialismus
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