Andreas Gryphius
Viele weltbekannte Gedichte der deutschen Literatur stammen aus der Feder von Andreas Gryphius. In diesem Beitrag und in unserem Video erfährst du alles Wissenswerte rund um sein Leben und seine Werke!
Inhaltsübersicht
Wer war Andreas Gryphius?
Andreas Gryphius gehört zu den bekanntesten deutschen Dichtern und Dramatikern des Barocks . Er wurde 1616 im schlesischen Glogau geboren und ist im Jahr 1664 gestorben. Zu seinem breit gefächerten Gesamtwerken zählen Sonette , Oden, Epigramme sowie Trauer- und Lustspiele.
Da Gryphius den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) miterlebte, thematisiert er in seinen Werken häufig pessimistische Themen („Poetik der Klage“) wie Zerstörung, Verlust und Leid. Auch typische Motive der Barockdichtung, wie Memento mori („Bedenke, dass du sterben musst.“), Vanitas (Vergänglichkeit) und Carpe diem (“Nutze den Tag“), sind Teil seines Schaffens.
Heutzutage zählen viele seiner Gedichte zu den absoluten Klassikern. Als zwei seiner bekanntesten Werke kannst du dir die Gedichte „Es ist alles eitel “ (1637) oder „Tränen des Vaterlandes “ (1636) merken.
Andreas Gryphius Lebenslauf kurz
Andreas Gryphius Kindheit und Jugend wurden durch den Dreißigjährigen Krieg geprägt. Wie er zu einem der bedeutendsten Dichter des Barocks wurde, erfährst du in seinem Lebenslauf:
- 1616: Geburt als Andreas Greif in Glogau (heutiges Polen)
- 1621: Tod seines Vaters Paul Greif
- 1625 – 1628: Tod seiner Mutter Anna, Besuch der evangelischen Glogauer Stadtschule
- 1632 – 1634: Besuch des Gymnasiums in Fraustadt, Aufmerksamkeit als Dichter durch den lateinischen Epos Herodes
- 1634 – 1636: Studium am Akademischen Gymnasium von Danzig, Entstehung des zweiten lateinisches Herodes-Epos sowie einiger Sonette
- 1637: Aufenthalt auf dem Gut des angesehenen Rechtsgelehrten Georg Schönborner
- 1638 – 1644: Studium an der Universität von Leyden in den Niederlanden, Tod seiner Geschwister Paul und Anna Maria, Veröffentlichung von fünf Gedichtsammlungen
- 1644 – 1647: Reise durch Frankreich, Italien und Stettin, Entstehung des ersten Dramas Leo Armenius, Rückkehr in die Heimat Schlesien
- 1647 – 1650: Veröffentlichung des Trauerspiels Cardenio und Celinde und Carolus Stuardus sowie die Lustspiele Peter Squentz und Horribilicribrifax, Heirat mit Rose Deutschländer, Beginn der Tätigkeit als Rechtsberater der evangelischen Landstände von Glogau
- 1657 – 1659: Entstehung des letzten Trauerspiels Papinian
- 1662: Aufnahme in die Fruchtbringende Gesellschaft durch Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar
- 1664: Tod infolge eines Schlaganfalls
Andreas Gryphius Biografie
Andreas Gryphius gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Barockdichtern. Sein Familienname lautete ursprünglich „Greif“ und wurde von seinem Urgroßvater zu „Gryphius“ umbenannt. Er war der jüngste Sohn von Paul Greif aus Glogau und dessen Ehefrau Anna, die er beide bereits in sehr jungen Jahren verlor. Auch sein Bruder Paul und seine Schwester Anna Maria starben innerhalb kurzer Zeit. Sein Leben war also geprägt vom Verlust seiner Eltern und Geschwister, dem Leid durch den Dreißigjährigen Krieg und der Zerstörung seiner Geburtsstadt Glogau.
Kindheit und Jugend
In seiner frühen Kindheit verlor Andreas Gryphius beide Elternteile. Als er fünf Jahre alt war, verstarb sein Vater, mit zwölf auch seine Mutter. Obwohl er aus ärmlichen Verhältnissen stammte, eignete er sich eine umfassende Bildung an. Ab 1621 besuchte er das evangelische Gymnasium in Glogau, das allerdings im Zuge der gezwungenen Katholisierung (Gegenreformation) 1628 geschlossen wurde. Damit wurde er, wie alle Protestanten, aus Glogau vertrieben.
Erst einige Jahre später holte er seine dürftige Schulbildung nach. Nachdem er zwei Jahre am Gymnasium von Fraustadt zugebracht hatte, studierte er drei Jahre am Akademischen Gymnasium von Danzig.
Hier erschloss sich für Andreas Gryphius eine ganz neue Welt. Die weltoffene Stadt bot ihm den Zugang zur Poesie und den Naturwissenschaften. Gryphius entdeckte seine Liebe für das Schreiben schon früh, denn schon in seiner Zeit als Schuljunge verfasste er kleinere Gedichte. Als 15-Jähriger schrieb er bereits ein kleines lateinisches Epos, das den Titel „Herodes“ trug.
Studium in Danzig
In Danzig verfasste Andreas Gryphius in diesen Jahren auch sein zweites „Herodes“-Epos. Verschiedene Sonette entstanden ebenfalls in dieser Zeit. Sie wurden 1637 als „Lissaer Sonette“ veröffentlicht. Zur gleichen Zeit schloss Andreas Gryphius das Danziger Gymnasium ab und folgte seinem Bruder auf das Gut des angesehenen Rechtgelehrten Georg Schönborner bei Freystadt in Schlesien, wo er als Hauslehrer arbeitete.
Studienzeit in Leyden
Im Frühjahr 1638 begleitete er zwei von Georg Schönborns Söhnen nach Leyden an die dortige Universität. Dort verbrachte er insgesamt sechs Jahre. An der Universität Leyden übernahm er später auch Lehraufgaben und machte sich mit den Theorien des Dramas vertraut. Im Jahr 1640 erkrankte Andreas Gryphius schwer. Fast zeitnah starben sein Bruder Paul und seine Schwester Anna Maria.
Sein Schaffen während seiner Studienzeit in Leyden brachte ihm Anerkennung als Lyriker ein. Obwohl er krank war, veröffentliche Andreas Gryphius in dieser Zeit insgesamt fünf Gedichtsammlungen. Darunter zum Beispiel „Son- und Feyrtags-Sonette“.
Reisen durch Italien und Frankreich
1644 bis 1646 bereiste Gryphius Frankreich und Italien. Er besuchte Den Haag, Paris, Marseille, Florenz, Rom und Venedig. Dort knüpfte er weitere wissenschaftliche und literarische Kontakte, die ihm zur Erweiterung seiner Kenntnisse über das europäische Theater verhalfen. So entstanden einige weitere Sonette, während er unterwegs war.
Rückkehr in die Heimat
Im Juli 1647 entschied sich Andreas Gryphius dazu, den Rückweg nach Schlesien anzutreten. Zurück in seiner Heimat betrauert er den Tod vieler seiner Weggefährten und Freunde in seinem Sonett „Gedanken über den Kirchhof und Ruhestätte der Verstorbenen“. Darauf schrieb Gryphius das Trauerspiel „Cardenio und Celinde“ sowie die Lustspiele „Peter Squentz“ und „Horribilicribrifax“.
1649 heiratet er die Kaufmannstochter Rosine Deutschländer. Gemeinsam hatten sie vier Söhne und drei Töchter, von denen vier früh starben. Sein Sohn Christian Gryphius wurde später zum Herausgeber der gesammelten Werke seines Vaters. Ab 1650 lässt sich Gryphius endgültig in Glogau nieder, er wird Rechtsberater der Landstände des Fürstentums Glogau.
Tod
In seinen letzten Lebensjahren verfasste Andreas Gryphius viele Gedichte, wie „Abend“ (1650) oder „Einsamkeit“ (1658), die sehr erfolgreich waren. Gerade als er sich als berühmter deutscher Dichter etabliert hatte, erlitt er am 16. Juli 1664 einen Schlaganfall und verstirbt noch am selben Tag.
Andreas Gryphius Motive und Themen
Andreas Gryphius Werke sind von einem tiefen Pessimismus durchdrungen. Denn er behandelt Themen wie Verlust, Leid und Zerstörung. Diesen Schreibstil nennst du auch Poetik der Klage. Schon seine frühen Werke zeigen, wie negativ Gryphius gegenüber dem Menschen und dem Leben eingestellt ist. Er schien nicht viel Gutes am Leben zu finden, da selbst bei positiven Dingen, nur der Schein trüge. Im Fokus seiner Texte steht darum die Vergänglichkeit des irdischen Seins.
Darüber hinaus verwendet er die drei häufigsten Motive in der Barock-Literatur: Memento mori, Carpe diem und Vanitas. Alle drei kommen aus dem Lateinischen und haben im weitesten Sinne mit dem Tod zu tun.
Steckbrief Andreas Gryphius
Für einen kurzen Überblick zu Andreas Gryphius Biographie, schau den Andreas Gryphius Steckbrief an:
Name | Andreas Gryphius (Geburtsname: Andreas Greif) |
Lebensdaten |
geboren am 2. Oktober 1616 im schlesischen Glogau (heute Polen) gestorben am 16. Juli 1664 in Glogau |
Familie |
Eltern: Paul Greif und Anna Greif Geschwister: Anna Maria und Paul Ehefrau: Rose Deutschländer 7 Kinder (darunter Christian Gryphius) |
Bekannt als | Dichter und Dramatiker des deutschsprachigen Barocks |
Bekannteste Werke |
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Andreas Gryphius Werke
Andreas Gryphius hat schon zu Schulzeiten seine ersten Texte geschrieben. Deswegen sind im Laufe seines Lebens eine Vielzahl an literarischen Werken entstanden. Seine Gedichte und Sonette, Dramen sowie Trauer- und Lustspiele entstanden zur Zeit des Barocks. Sie zeichnen sich vor allem durch eine sehr bildhafte, künstliche Sprache aus und wurden von den leidvollen Erfahrungen seiner Kindheit und Jugendzeit geprägt.
In dieser Übersicht haben wir Andreas Gryphius berühmteste literarischen Werke für dich aufgelistet:
Andreas Gryphius Lateinische Dichtungen
- Herodis Furiae et Rachelis lachrymae (1634)
- Dei Vindicis Impetus et Herodis Interitus (1635)
- Parnassus renovatus (1636)
- Epigrammata liber I (1643)
- Olivetum Libri tres (1646)
Andreas Gryphius Gedichte
- Sonette („Lissaer Sonette“) (1637)
- Son- und Feyrtags-Sonette (1639)
- Sonette. Das erste Buch (1643)
- Oden. Das erste Buch (1643)
- Epigrammata. Das erste Buch (1643)
- Gedanken über den Kirchhof und Ruhestätte der Verstorbenen (1657)
- Es ist alles Eitel (1637)
- Tränen des Vaterlandes (1636)
- Menschliches Elende (1637)
- An die Welt (1637)
- Tränen in schwerer Krankheit (1640)
- Betrachtung der Zeit (1643)
- Abend (1650)
- Einsamkeit (1650)
Andreas Gryphius Trauerspiele
- Ein Fürsten-Mörderisches Trawer-Spiel / genant. Leo Armenius (1650)
- Catharina von Georgien. Oder Bewehrete Beständigkeit. Trauer-Spiel (1657)
- Cardenio vnd Celinde, Oder Unglücklich Verliebete. Trauer-Spiel (1657)
- Ermordete Majestät. Oder Carolus Stuardus König von Groß Britannien. Trauer-Spil (1657; Überarbeitung: 1663)
- Großmüttiger Rechts-Gelehrter / Oder Sterbender Aemilius Paulus Papinianus. Trauer-Spil (1659)
Andreas Gryphius Lustspiele
- Absurda Comica oder Herr Peter Squenz/Schimpff-Spiel (1658)
- Horribilicribrifax. Teutsch (1663)
- Verlibtes Gespenste/Gesang-Spil. Die gelibte Dornrose/Schertz-Spil in schlesischer Mundart (Doppeldrama, 1660)
Andreas Gryphius Prosa
- Fewrige Freystadt (1637)
- Mumiae Wratislavienses (1662)
- Dissertationes Funebres. Oder Leich-Abdanckungen (1667)
„Es ist alles eitel“ – Analyse
Wie sich das Leben von Andreas Gryphius in seinen Werken widerspiegelt, wird besonders im Gedicht „Es ist alles eitel“ aus dem Jahr 1637 deutlich. Wenn du mehr darüber wissen willst, klicke hier !