Epochen
Epochen des 17. und 18. Jahrhunderts
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Der Begriff Barock begegnet dir überall — in der Kunst, in der Literatur, in der Architektur. Aber was genau bedeutet er überhaupt? In unserem Beitrag%und in unserem Video erfährst du alles Wichtige über diese Literaturepoche.

Barock Epoche einfach erklärt

In der deutschen Literatur war der Barock zwischen 1600 und 1720 weit verbreitet. Das 17. Jahrhundert war geprägt vom Dreißigjährigen Krieg. Die Gegenwärtigkeit von Krieg und Elend löste in der ärmeren Bevölkerung ein tiefes Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit aus. Im Gegensatz dazu lebten die absolutistischen, alleinigen Herrscher in verschwenderischem Luxus und ließen sich Prunkschlösser bauen. 

Diese Gegensätze von Lebenslust und Todesangst bzw. Luxus und Armut spiegelten sich auch in der Literatur wider. Motive wie „Memento mori“(„Bedenke, dass du sterben wirst.“) und „Carpe diem“ („Nutze den Tag!“) existierten nebeneinander und waren zum Teil im selben Werk zu finden.

Barock Definition

Die Literaturepoche des Barock entstand zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1600 und 1720. Sie zeichnete sich vor allem durch eine sehr bildhafte, künstliche Sprache aus und behandelte gegensätzliche Themen wie Lebenslust (Carpe diem) und Todessehnsucht (Memento mori).

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Zeitstrahl literarische Epochen (bis 1920)
Steckbrief Barock – Merkmale im Überblick
  • Zeitraum: 1600-1720
  • Einordnung: zwischen Mittelalter und Aufklärung
  • Geschichte: Dreißigjähriger Krieg, Absolutismus
  • Weltbild: Gegensatz des luxuriösen, verschwenderischen Lebensstils der Adligen zum von Armut und Elend geprägten Leben der einfachen Bevölkerung, Lebenslust und Todessehnsucht
  • Themen: religiöse Motive, Gegensätze (Antithetik): Diesseits – Jenseits, Schein – Sein, Reinheit – Sinneslust; ‚Carpe diem’, ‚Memento mori’, Vanitas-Motiv
  • Literatur: vorwiegend Lyrik
  • wichtige Vertreter: Opitz, Gryphius, Grimmelshausen

Barock Epoche – historischer Hintergrund

Die Zeit des Barocks wurde bestimmt von Gegensätzen, die in allen Lebensbereichen auftauchten. Krieg und Verschwendung beeinflussten das damalige Lebensgefühl. Kunst und Kultur verinnerlichten diese Gegensätze und brachten sie zum Ausdruck.

Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige Krieg war zunächst ein Krieg zwischen den christlichen Glaubensrichtungen, dessen Auslöser die Reformation um 1517 war. Sie führte dazu, dass sich europaweit der Protestantismus vom Katholizismus abspaltete. Hinzu kamen noch Streitereien darüber, wer über welche Regionen herrschen durfte, vor allem auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Ein sehr langwieriger und brutaler Krieg war die Folge, dem ein großer Teil der Landbevölkerung zum Opfer fiel und der Not und Elend verbreitete.

Absolutismus

Währenddessen bestieg König Ludwig XIV. in Frankreich den Thron. Er beanspruchte die ganze Macht über den Staat und das Volk für sich allein und begründete den sogenannten Absolutismus. Sein Lebensstil war geprägt von Überfluss und Luxus. Er ließ sich mit dem Schloss Versailles eines der prächtigsten Schlösser Europas errichten, das noch heute als Paradebeispiel für barocke Architektur zählt. Auch die Malerei, die Mode der Adligen und die damalige Literatur waren ähnlich ausschweifend und verschnörkelt.

Dieser Überfluss im Stil der reichen Bevölkerung wird aus heutiger Sicht als verschwenderisch und überladen angesehen. Das merkt man auch an der im 19. Jahrhundert entstandenen Bezeichnung „Barock“. Der Begriff stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet so viel wie „schiefrunde Perle“.

Barock Epoche – Welt- und Menschenbild

Krieg und Glauben beeinflussten das Weltbild des Barocks. Die leidvollen Erfahrungen im Krieg und die daraus entstehende Not in der einfachen Bevölkerung verbreiteten eine negative Sichtweise auf das Leben. Das Bewusstsein, dass der Tod allgegenwärtig ist und das Leben nur vorübergehend, bestärkte den Pessimismus unter den Menschen. Hinzu kam, dass das Leben der Leute in allen Lebensbereichen strengen Regeln unterlag, auferlegt von den absolutistisch geprägten Herrschern.

Diese folgten der absolutistischen Vorstellung Ludwigs XIV. und ahmten auch seine Tendenz zu Verschwendung und Luxus nach. Schlösser und andere Prunkbauten, wie das Schloss Versailles, dienten den Herrschern zur Vorführung der eigenen Macht und Stärke und sollte den niederen Ständen Respekt einflößen. Vor allem zeigten sie aber die unterschiedlichen Lebensumstände sehr deutlich und stellten den kostspieligen Lebensstils des Adels dem von Armut und Elend geformten Lebensweise der Bauern gegenüber. Daraus ergaben sich zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben, die auch in der Literatur immer wieder aufgegriffen wurden: die Sinnes- und Lebenslust des Adels und die Todesangst und -sehnsucht der Ärmeren. Diesen Fokus auf Gegensätze bezeichnest du als Antithetik .

Barock Epoche – Themen und Motive

Die Themen der Gattungen waren also weitestgehend festgelegt. Weitere Gegensätze, die in der Literatur des Barocks behandelt wurden, sind Himmel und Erde, Diesseits und Jenseits, Erotik und Enthaltsamkeit, Schein und Sein sowie Reinheit und Sinneslust.

Typische Themen waren demnach meist religiös geprägt. So auch die drei häufigsten Motive in der Barock-Literatur: Memento mori, Carpe diem und Vanitas. Alle drei kommen aus dem Lateinischen und haben im weitesten Sinne mit dem Tod zu tun.

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Ein typisches Vanitas-Motiv: der Totenkopf.

Barock Merkmale – Vanitas-Motiv

Vanitas bedeutet so viel wie „Vergänglichkeit“. Hierbei wird das Leben als bedeutungslose vorübergehende „Station“ des Menschen auf Erden gesehen. Es knüpft an die christliche Vorstellung, wonach es nach dem Leben auf Erden ein besseres im Paradies geben wird.

Barock Merkmale – Memento mori

Memento mori lässt sich in etwa mit „Bedenke, dass du sterben musst“ übersetzen. Die eigene Vergänglichkeit sollte immer im Bewusstsein bleiben, was durch den lange andauernden Krieg verstärkt wurde.

Barock Merkmale – Carpe diem

Im Gegensatz dazu steht Carpe diem, was in etwa „Nutze den Tag“ bedeutet. Der Fokus liegt hier also auf dem Leben und nicht dem Tod. Das Motiv fordert dazu auf, das Leben zu genießen und nicht zu viel an den Tod zu denken. 

Epoche Barock – Literatur und typische Vertreter

In der Epoche Barock folgten die Dichter und Autoren strengen Regeln, nach denen ein literarisches Werk aufzubauen war. Individualität und Originalität waren nicht so wichtig. Stattdessen sollten sich die Leser mit den Figuren identifizieren können, indem die damalige Ständegesellschaft den Rahmen des Werks vorgab. Zudem begannen die Schriftsteller zum ersten Mal, ihre Werke auf Deutsch statt auf Latein zu schreiben.

Nach der Ständeklausel (Einteilung des Volkes in drei Schichten mit unterschiedlich hohem Rang: 1. Adel, 2. Bürger, 3. Bauern) als Vorbild gab es drei verschiedene Gattungen, die Adel, Bürgertum und Bauern widerspiegeln sollte:

  • hoher Stil, würdevolle Sprache → Adel
  • mittlerer Stil, „normale“ Sprache → Bürgertum
  • niederer Stil, einfache Sprache → Bauern

Neben dieser Einteilung nach Ständen war vor allem eine ausgeschmückte Sprache wichtig. Dafür wurden im Barock viele verschiedene Stilmittel benutzt, wie beispielsweise Wiederholungen (Repetitio), Symbolik , Allegorien , Personifikationen und Metaphern . Aus heutiger Sicht wirkt die Sprache des Barock deshalb häufig sehr überladen bzw. übertrieben und teilweise recht anstrengend zu lesen.

Lyrik

Die Lyrik war die beliebteste Literaturform des Barocks. Sie eignete sich perfekt für das barocke Ideal einer bildhaften und sehr verschnörkelten Sprache und unterlag klaren Regeln zu Form, Versmaß und Reimschema . Außerdem hielt auch sie sich an die Ständeklausel. Bestimmte Gedichtformen wurden also nur im hohen Stil verfasst und behandelten „ehrwürdige“ Themen, während andere im niederen Stil alltäglichere Themen besprachen.

Es gab einige Merkmale, die alle Gedichte jedoch gemeinsam hatten. Auf den Hauptgedanken (zum Beispiel „Carpe diem“) des Gedichts wurde ständig Bezug genommen und bestimmte Wörter und Stilmittel, die den gleichen Sinn hatten, wurden wiederholt. Dazu kommt noch eine besondere Bildsprache, die aus einem sogenannten Emblem hervorgeht. Ein Emblem ist eine Art Sinnbild mit festgelegter Bedeutung. Es hat einen festen Aufbau aus Überschrift, Aussage, einem übernommenen Bild aus der Bibel, der Mythologie oder der Geschichte, und einer Erklärung in Versform.

Besonders beliebt war das Sonett . Es setzt sich aus 14 Verszeilen zusammen, die in zwei Quartette und zwei Terzette aufgeteilt sind. Daneben gab es noch die Elegie , das Epigramm (kurzes Spottgedicht) und die Ode .

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Andreas Gryphius – Autor des Barock

Dramatik

Im Gegensatz zur Lyrik war das Drama in der deutschen Barock-Literatur weniger verbreitet, weil es damals noch kein Nationaltheater gab. Stattdessen waren Werke aus dem Ausland beliebt, wie die von Shakespeare, Molière, Corneille und Monteverdi. Diese Stücke hielten sich meist streng an die damaligen Vorgaben, nach denen Komödien das Leben von Menschen aus den unteren Ständen behandeln sollten und Tragödien der Darstellung höfischen Lebens vorbehalten waren.

Epik

Im Barock verfassten die Autoren verschiedene epische Textsorten, darunter Romane , Satiren und Schwänke. Es entstanden neue Genres wie der Schelmenroman oder der Abenteuerroman. Ein Beispiel dafür ist das bedeutende Werk „Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Auch hier hielten sich die Schriftsteller größtenteils an die Ständeklausel: Demnach thematisierten Schelmenromane und Schäferromane das Leben der unteren Schichten. Historische Romane erzählten hingegen von dem Leben Adliger.

Neben fiktiven Texten waren aber auch nicht-fiktive Texte, wie Reiseberichte, wissenschaftliche und journalistische Aufsätze oder Predigten sehr beliebt.

Wichtige Autoren und Werke des Barock (Literatur)

  • Martin Opitz: „Carpe diem“, „Buch von der Deutschen Poeterey“ (Regelwerk)
  • Andreas Gryphius: „Es ist alles eitel“, „Sonn- und Feiertagssonette“, „Leo Armenius oder Fürstenmord“, „Ermordete Majestät oder Carolus Stuardus, König von Groß Britanien“
  • Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: „Vergänglichkeit der Schönheit“
  • Angelus Silesius: „Geistreiche Sinn- und Schlussreime“, „Cherubinischer Wandersmann“
  • Georg Rudolf Weckherlin: „Oden und Gesänge“
  • Jakob Bidermann: „Cenodoxus – Der Doktor von Paris“
  • Daniel Caspar von Lohenstein: „Ibrahim“, „Cleopatra“, „Großmüthiger Feldherr Arminius“
  • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: „Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“

Barock Epoche – Merkmale auf einen Blick

  • strenge Vorschriften zu Form und Inhalt
  • Texte auf Deutsch statt auf Latein
  • „Carpe diem“ („Nutze den Tag“)
  • „Memento mori“ („Bedenke, dass du sterben musst“)
  • Vanitas-Motiv (Vergänglichkeit)
  • Ständegesellschaft
  • Antithetik

Weimarer Klassik

Einige Jahrzehnte nach Ende der Barock-Epoche löste die französische Revolution den Absolutismus auf und mit ihm verfielen auch seine barocken Ideale. In Deutschland entwickelte sich daraufhin eine neue Epoche der Literatur: die Weimarer Klassik. Wenn du dazu mehr wissen willst, sieh dir hier unser Video%Verweis an!%Thumbnail-Verweis Weimarer Klassik

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