Epochen
Epochen des 20. Jahrhunderts
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Der Expressionismus ist eine Epoche, die ungefähr den Zeitraum von 1905 bis 1925 umfasst. Alle wichtigen Merkmale, Vertreter und Werke aus der Literatur stellen wir dir hier und in unserem Video vor.

Expressionismus – Epoche einfach erklärt  

Der Expressionismus war eine künstlerische Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt von 1905 bis 1925. Die meisten Expressionisten waren junge deutsche Intellektuelle, die sich gegen die altmodischen Normen des Deutschen Kaiserreichs auflehnten. Dafür entwickelten sie neue Darstellungsformen, die stark von Emotionen und dem Ausdruck subjektiver, also eigener, Wahrnehmung geprägt waren. Wichtige Themen waren die Großstadt und deren Auswirkung auf den Einzelnen, und später natürlich der Erste Weltkrieg

Der Expressionismus war in fast allen Medien verbreitet, also in der Literatur, der Malerei und der Musik. Auch neue Medien, wie der Film und die Fotografie, spielten eine wichtige Rolle. Oft wurden verschiedene Medien miteinander kombiniert. 

Expressionismus Definition

Die Bezeichnung „Expressionismus“ leitet sich vom lateinischen Ausdruck exprimere ab, was so viel wie „ausdrücken“ bedeutet. Das war das Hauptziel der Expressionisten: Mit ihren Werken wollten sie ihre inneren Vorgänge und Wahrnehmungen ausdrücken. Der Begriff wurde 1911 von Kurt Hiller geprägt.

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Zeitstrahl literarische Epochen (ab 1920)
Steckbrief Expressionismus – Merkmale im Überblick
  • Zeitraum: 1905-1925
  • Einordnung: nach dem Naturalismus ; gleichzeitig mit Moderne , Impressionismus, Symbolismus, Avantgarde; vor der Neuen Sachlichkeit
  • Geschichte: Ende des Kaiserreichs, 1. Weltkrieg, Beginn der Weimarer Republik ; Industrialisierung, Urbanisierung 
  • Weltbild: Problematik der alten Ordnung, Aufbruchsstimmung, Zerfall des Individuums
  • Themen: Großstadt, Psyche, Aufbruch, Krieg
  • Literatur: Fokus auf Lyrik, Bruch mit sprachlichen Regeln 
  • Vertreter: Benn, Trakl, Heym, Döblin, Lasker-Schüler, van Hoddis

Expressionismus (Literatur) – historischer Hintergrund  

Der Expressionismus entwickelte sich zunächst als Antwort auf die starken Veränderungen, die das menschliche Leben durch die Industrialisierung und die Urbanisierung (Verstädterung) erfahren hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Folgen dieser Entwicklung besonders spürbar. 

Es entwickelte sich eine moderne Industriegesellschaft: Die Industrie wurde immer größer und wichtiger, während die Landwirtschaft an Bedeutung verlor. Ein Großteil der Landbevölkerung zog in die wachsenden Großstädte. Dadurch entstand eine Klassengesellschaft. Die Arbeiterklasse lebte in unsicheren Verhältnissen und versuchte, sich mithilfe von Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien für ihre Rechte einzusetzen. Demgegenüber stand das Bürgertum, das sehr konservativ geprägt war. Auch die Frauenrechtsbewegung war in dieser Zeit aktiv — 1918 wurde in der neu gegründeten Weimarer Republik das Frauenwahlrecht eingeführt. 

In diesen Jahren war die Welt von einem riesigen technologischen Fortschritt geprägt: Straßenbahnen, Untergrundbahnen, Autobusse und Automobile beschleunigten den Verkehr, sorgten aber auch für viel Lärm, Schmutz und Chaos auf den Straßen. Technische Neuerungen, wie fließendes Wasser und elektrisches Licht, breiteten sich rasant aus. Telefonie und Telegraphie sorgten für schnellere Kommunikation. Neue Medien, wie die Fotografie, der Film und die Schallplatte, veränderten die Medienlandschaft. 

Das prägendste Ereignis der Zeit war allerdings der Erste Weltkrieg (1914-1918). Im deutschen Kaiserreich wurde der Krieg zunächst mit Begeisterung aufgenommen, denn man war davon überzeugt, ihn innerhalb kurzer Zeit gewinnen zu können.

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Schützengraben im Ersten Weltkrieg

Allerdings entpuppte sich das als totale Fehleinschätzung. Da sich die gegnerischen Parteien entlang der Front in Schützengräben verschanzten, waren die Kriegshandlungen extrem langwierig. Moderne Waffen, wie Granaten, Maschinengewehre und Giftgas, forderten hohe Opferzahlen. Viele Soldaten wurden im Laufe des Krieges verwundet und traumatisiert. 

Frühexpressionismus (1905-1914)  

Der Frühexpressionismus umfasst die Phase von etwa 1905 bis zu den Anfängen des Ersten Weltkriegs. Es waren hauptsächlich junge, gebildete, bürgerliche Städter, die einen künstlerischen Umgang mit den umfassenden Umbrüchen ihrer Zeit suchten. Viele von ihnen waren davon überfordert: Das laute, schnelle Stadtleben war eine einzige Reizüberflutung. Zusätzlich erlebten sie dort eine zunehmende Vereinsamung, fühlten sich isoliert und ohnmächtig. 

Gleichzeitig begehrte die junge Generation gegen den Lebensstil des Bürgertums auf, da sie ihn sehr einengend fanden. Das entsprach natürlich auch einem Protest gegen die Elterngeneration. Denn die Expressionisten hatten den Eindruck, die konservativen Werte im Kaiserreich stünden nicht in Relation zu der sich verändernden Gegenwart. 

Künstlerisch schlug sich das vor allem in einem Bruch mit geltenden Regeln nieder. Die realistische Genauigkeit des Naturalismus  wurde abgelehnt. Stattdessen versuchten die Expressionisten, neue Ausdrucksformen zu erschaffen, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Bekannte Dinge sollten verfremdet werden, um sie in einem neuen Licht zu sehen. So wollten die Expressionisten sich von den festgefahrenen Normen der Vergangenheit lösen. Sie dachten, das Alte sei von verlogenen Menschen und Spießigkeit geprägt — es sollte durch den neuen Menschen ersetzt werden. 

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Franz Marc – Im Regen

Aus diesem Grund zogen viele expressionistische Künstler zunächst mit Begeisterung in den Krieg, sie meldeten sich oft als Freiwillige. Sie erhofften sich dadurch den ersehnten Umbruch und einen Neubeginn. Doch sie wurden enttäuscht.

Expressionismus (1914-1925)

Der Erste Weltkrieg veränderte den Expressionismus nachhaltig. Aus diesem Grund hat die Epoche hier eine Zäsur, also ein Bruch. Viele Expressionisten wurden im Krieg getötet oder verwundet, andere waren durch ihre Erfahrungen traumatisiert. 

Die Überlebenden versuchten, ihre subjektiven Kriegserlebnisse in ihren Werken zu thematisieren. Viele setzten sich für den Pazifismus, also für den Frieden, ein. Einige wandten sich anderen Stilrichtungen zu, weil sie vom Idealismus des Expressionismus desillusioniert, das heißt ernüchtert, waren.

Expressionismus Merkmale – Themen und Motive

Die Expressionismus-Literatur behandelte natürlich eine Vielzahl an verschiedenen Themen und Motiven. Hier findest du eine Übersicht aller Expressionismus Merkmale: 

  • Großstadt: Anonymität, Isolation, Chaos, Lärm
  • Individuum: Angst vor Identitätsverlust (Ich-Verlust), Subjektivität
  • Erneuerung: Bruch mit alten Regeln und Wertvorstellungen, Rebellion gegen die alte Generation
  • Psyche: Ausdruck der inneren, psychischen Vorgänge, Emotionen
  • Intermedialität: Nutzung der verschiedenen neuen Medien und Darstellungsformen, Kombination mehrerer Medien (z. B. Bild und Schrift)
  • Krieg: zunächst Krieg als großer Neuanfang, dann Verarbeitung der Kriegstraumata, Tod

Expressionismus – Literatur und typische Vertreter  

Die Expressionismus-Literatur unterschied sich wesentlich von der Literatur vorheriger Epochen. Das war auch so beabsichtigt, da sich die Schriftsteller von vorherigen Generationen abgrenzen wollten, vor allem vom Naturalismus. 

Sprachlich fielen die Werke dadurch auf, dass grammatikalische Regeln oder die Zeichensetzung missachtet wurden. Dadurch wirkte der Sprachstil teilweise sehr abgehackt. So wurde gleichzeitig ein neuer Rhythmus geschaffen, der das beschriebene Chaos und den Lärm widerspiegelte. Zusätzlich war die Sprache auch sehr ausdrucksstark und metaphorisch . 

Viele expressionistische Schriftsteller lebten in Großstädten, wie Berlin. Dadurch traten sie auch untereinander in Kontakt. Es gab einen regen Austausch unter vielen Expressionismus-Künstlern aller möglichen medialen Darstellungsformen. Zum Beispiel waren der Maler Franz Marc und die Autorin Else Lasker-Schüler befreundet und schrieben sich viele Briefe. Da die Expressionismus-Literatur in der Öffentlichkeit zunächst auf kein großes Echo stieß, erschienen viele Werke zunächst in Zeitschriften, wie „Der Sturm“, einer expressionistischen Zeitschrift. 

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Else Lasker-Schüler

Zum Beispiel waren der Maler Franz Marc und die Autorin Else Lasker-Schüler befreundet und schrieben sich viele Briefe. Da die Expressionismus-Literatur in der Öffentlichkeit zunächst auf kein großes Echo stieß, erschienen viele Werke zunächst in Zeitschriften, wie „Der Sturm“, einer expressionistischen Zeitschrift. 

Lyrik  

Die Lyrik erschien den Expressionisten besonders geeignet, um ihre subjektiven Wahrnehmungen frei ausdrücken zu können. Auch hier brachen sie mit alten Regeln und verzichteten weitgehend auf Metren , Reime , feste Gedichtformen oder Strophenformen. 

In den meisten expressionistischen Gedichten findest du eine Vielzahl sprachlicher Bilder, beispielsweise Metaphern . Auch Übertreibungen und Neologismen kommen häufig vor. 

Epik  

Die Epik des Expressionismus ist ebenso von vielen ausdrucksstarken sprachlichen Bildern geprägt. Sie enthält viele Aufzählungen, die durch die Missachtung von Grammatik und Satzbau sehr dicht und gedrungen wirken können. Der Fokus liegt auf dem erlebenden Subjekt

Es kommt zu interessanten neuen Erzählweisen, zum Beispiel spielen expressionistische Autoren in dem Sammelband „Das Kinobuch“ mit möglichen Szenarien für den Film. Teilweise werden auch Franz Kafkas Erzählungen, wie zum Beispiel Die Verwandlung , zur Expressionismus-Literatur gezählt. Das ist jedoch umstritten. 

Drama  

Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg gewann das Drama an Bedeutung für die Expressionismus-Literatur. Form war häufig das Stationendrama: Dabei werden mehrere in sich geschlossene Szenen aneinandergereiht, die untereinander ausgetauscht werden können. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist „Die Wandlung“ von Ernst Toller.

Die Figuren wirken oft grotesk und verzerrt. Die Aufführung ist ein wichtiges Element und wird durch den Einsatz von Licht, Musik und Pantomime bereichert. 

Wichtige Autoren und Werke des Expressionismus (Literatur)

  • Gottfried Benn: „Morgue und andere Gedichte“
  • Georg Trakl: „Grodek“
  • Georg Heym: „Der Gott der Stadt“
  • Alfred Döblin: „Berlin Alexanderplatz“
  • Else Lasker-Schüler: „Ein alter Tibetteppich“
  • Jakob van Hoddis: „Weltende“

Expressionismus in anderen Medien

Der Expressionismus zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass er in vielen verschiedenen Medien zur Anwendung kam. Die unterschiedlichen Künstler standen oft miteinander in Kontakt. 

Es gab expressionistische Musik, die von der Wiener Schule unter Arnold Schönberg entwickelt wurde. Sehr interessant sind auch expressionistische Filme, wie etwa der Stummfilm „Nosferatu“

Besonders bekannt sind auch die expressionistischen Maler, wie Franz Marc, Wassily Kandinsky, Oskar Kokoschka oder Emil Nolde.

Exilliteratur

Viele Expressionisten standen dem Nationalsozialismus (1933-1945) äußerst kritisch gegenüber. Ihre Werke galten deshalb als „entartete Kunst“ oder wurden bei Bücherverbrennungen vernichtet. Viele der Expressionisten gingen daraufhin ins Exil, flohen also ins Ausland. Mehr über die Exilliteratur erfährst du gleich im nächsten Video !

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Bildquelle: Everett Collection / Shutterstock.com

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