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Epochen des 20. Jahrhunderts
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Was machten eigentlich andersdenkende Schriftsteller während der Zeit des Nationalsozialismus? Alles zur Epoche der Exilliteratur erfährst du hier%und in unserem Video!

Exilliteratur einfach erklärt

Die Exilliteratur bezeichnet eine Epoche zwischen 1933 und 1945, also zur Zeit des Nationalsozialismus. ‚Exil’ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚Verbannung’. Exilliteratur bedeutet also, dass Schriftsteller ihre Heimat verlassen mussten und dann im Ausland ihre Texte schrieben. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden viele demokratische Rechte wie die Meinungsfreiheit abgeschafft.

Besonders Schriftsteller, die der Politik der Nationalsozialisten widersprachen, wurden öffentlich angeprangert und teilweise sogar verfolgt. Daraufhin flohen viele Autoren ins Ausland. Von dort aus konnten sie ihre Werke fernab des Einflusses der Nationalsozialisten, also eben aus dem Exil, veröffentlichen. In ihren Texten kritisierten und warnten sie vor dem Nationalsozialismus in Deutschland.

Exilliteratur Definition

Die Exilliteratur (auch: Emigrantenliteratur) ist eine Literaturepoche, die in Deutschland zwischen 1933 und 1945 existierte. Die Nationalsozialisten hoben demokratische Rechte, wie die Meinungsfreiheit, auf. Regierungskritische Autoren flohen ins Ausland, aus Angst vor Zensur und Verfolgung. Von dort aus warnten sie vor den Nationalsozialisten.

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Zeitstrahl Übersicht Epochen (ab 1890)
Steckbrief Exilliteratur – Merkmale im Überblick
  • Zeitraum: 1933-1945
  • Einordnung: zwischen Neue Sachlichkeit%Verweis und Trümmerliteratur , parallel zu Innere Emigration
  • Geschichte: Aufstieg des Nationalsozialismus, Verfolgung von Kritikern, starke Einschränkung demokratischer Rechte, Bücherverbrennung, Flucht von Autoren ins Ausland, Propaganda gegen ’nicht-arische’ Literatur, Zensur
  • Weltbild: gegen die Politik der Nationalsozialisten, Antifaschismus
  • Themen: über Nationalsozialismus warnen und aufklären, Aufruf zum Widerstand gegen das Dritte Reich, humanitäre Ideen, gegen Diktatur und Krieg, Sehnsucht nach der Heimat
  • Literatur: hauptsächlich Romane (Epik), kaum Exillyrik, episches Theater von Brecht
  • Wichtige Vertreter: Brecht, Mann, Seghers

Exilliteratur Epoche – historischer Hintergrund

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 verschärfte autoritäre Tendenzen, die davor bereits erkennbar waren. Es gab Verbotslisten, in denen literarische Werke aufgelistet waren, die nicht der rechtsextremen ‚arischen’ Ideologie entsprachen. Die Autoren solcher Werke wurden öffentlich angeprangert und durch Propaganda, also gezielte, hetzerische Desinformationen, eingeschüchtert. Am 30. Mai 1933 kam es dann zur Bücherverbrennung. Dabei wurden unerwünschte Werke oder Texte geächteter, beispielsweise jüdischer Autoren, zerstört. Nur regimetreue, propagandistische Literatur wurde geduldet.

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Bücherverbrennung 1933

Nach diesem Ereignis kam es zu einer ersten Auswanderungswelle. Weitere folgten nach der Erlassung der Nürnberger Gesetze 1935, in denen die Diskriminierung und der gesellschaftliche Ausschluss von Juden gesetzlich vorgeschrieben wurde. Dies spitzte sich zu bis zur brutalen Ermordung von Millionen von Juden, politischen Oppositionellen und anderen Minderheiten wie Sinti und Roma und Homosexuellen in Konzentrationslagern.

Ungefähr 1.500 Schriftsteller gingen zunächst ins europäische Ausland. Mit dem zunehmenden Einfluss der Nationalsozialisten europaweit und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 mussten viele erneut fliehen. Viele setzten sich ab in die USA, Mexiko oder in die Sowjetunion.

Das Leben im Exil war deswegen aber nicht unbedingt einfach. Viele Autoren fühlten sich hilflos gegenüber der andauernden politischen Situation in ihrem Heimatland, zu dem sie keinerlei Kontakte mehr hatten. Die neue Heimat war ihnen zunächst fremd und es war schwer, sich in der neuen Kultur zurechtzufinden. Viele Schriftsteller hatten zudem Probleme, im nicht-deutschsprachigen Ausland mit ihren deutschen Texten ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur sehr wenige konnten davon leben.

Es gingen aber nicht alle Autoren ins Ausland, manche blieben trotz allem in Deutschland. Sie zogen sich lediglich geistig zurück und schrieben verschlüsselt gegen das Regime an. Das zählt unter der Bezeichnung Innere Emigration als eigene Epoche, die zeitgleich zur Exilliteratur entstand. Bekannte Vertreter der Inneren Emigration waren zum Beispiel Erich Kästner und Gottfried Benn.

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands.

Exilliteratur Merkmale – Welt- und Menschenbild

Die meisten der im Exil lebenden Autoren waren klar gegen die Politik der Nationalsozialisten. Einige entschieden sich dazu, sich zusammenzuschließen. Sie waren der Ansicht, nur so könnten sie gegen den Nationalsozialismus rebellieren. Dafür veröffentlichten sie beispielsweise 1933 die Zeitschrift „Neue Deutsche Blätter“ in Prag oder „Die Sammlung“. Letztere hatte zum Ziel, antifaschistische Autoren zusammenzubringen. Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es über 400 solcher Zeitschriften.

Exilliteratur Merkmale – Themen und Motive

Im Grunde hatten alle Exilautoren das gleiche Ziel: Sie wollten über den Nationalsozialismus aufklären, die Menschen warnen und dem Widerstand gegen das Regime helfen. Die Autoren verstanden sich als die wahren Vertreter deutscher Literaturtradition und führten humanitäre und soziale Ideen fort. Nur die antifaschistische Literatur, also Literatur, die rechtsextreme Diktaturen kritisierte, war für viele von ihnen die tatsächliche deutsche Literatur. Sprache oder äußerliche Merkmale ihrer Texte waren dabei unwichtig, da sie nur als Mittel zum Zweck dienten. Die Botschaft war wichtiger als Formalitäten.

Einige Themen findest du immer wieder in den Werken der Exilliteratur. Neben der Aufklärung über die Gefahren des Nationalsozialismus schrieben sie auch aktiv gegen Diktatur und Krieg. Dabei kritisierten und analysierten sie das Dritte Reich, und riefen zum Widerstand dagegen auf.

Trotz allem vermissten viele von ihnen im Exil ihre alte Heimat. Diese Sehnsucht nach der Heimat kommt immer wieder als Motiv in ihren Werken vor und ist eines der wichtigsten Exilliteratur Merkmale.

Exilliteratur Epoche – Typische Vertreter

Am wichtigsten war für die Vertreter der Exilliteratur der Inhalt ihrer Werke. Wie die äußerliche Gestaltung der Texte aussah, war unbedeutend für die Überbringung der Botschaft. Deswegen gab es auch keine einheitlichen äußeren Merkmale der Texte wie Reimschema oder Metrum in der Exillyrik. Viele Schriftsteller übernahmen einfach den Stil der älteren Epoche der Neuen Sachlichkeit%Verweis. Dieser war darum bemüht, die Realität möglichst nüchtern und wertfrei darzustellen und eignete sich deshalb gut für eine wirklichkeitsgetreue Beschreibung der politischen Situation in Deutschland. Grundsätzlich gab es hauptsächlich epische Textformen wie den Roman anstatt künstlerischere Gattungen wie die Exillyrik.

Exilepik

Am weitesten verbreitet war in der Exilliteratur Epoche die Epik . Diese Gattung konnte leichter veröffentlicht werden, weil auch die internationale Leserschaft an den Romanen der deutschen Exilanten interessiert war. Darin schrieben die Autoren gegen das nationalsozialistische Regime an.

Es wurden viele unterschiedliche Romangenres benutzt, wie beispielsweise der historische Roman oder der Gesellschaftsroman. Er war zur Zeit der Weimarer Republik sehr beliebt gewesen und die Autoren wollten diese Tradition weiterführen. Sie bedienten sich dafür oft bei Fabeln oder Erzählungen, die auf die politische Situation in Deutschland übertragen werden konnten. Zudem thematisierten sie häufig Geschichte und Tradition des Judentums und machten satirische Andeutungen zu bekannten Politikern des Nationalsozialismus. Ein bekannter historischer Roman ist zum Beispiel Heinrich Manns „Die Jugend des Henri Quatre“.

Der Zeitroman war ein weiteres wichtiges Genre. In ihm bildeten die Autoren die politische Situation im Dritten Reich möglichst wirklichkeitsgetreu ab. Bedeutend war dabei auch, wie das Regime das Leben des Einzelnen beeinflusste. Die Gesellschaft wurde ebenso analysiert und kritisiert. Berühmtes Beispiel eines Zeitromans ist Anna Seghers‘ 1942 erschienener Roman „Das siebte Kreuz“. Darin beschreibt sie den Alltag im nationalsozialistischen Deutschland und schreibt aus der Perspektive von zum Tode verurteilten KZ-Häftlingen.

Daneben gab es auch Texte, die vor allem aufklären und informieren wollten. In diesen Exilromanen gingen die Autoren auch auf die Geschehnisse, die zum Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland geführt hatten, ein.

Dann gab es noch Schriftsteller, die fantasievoller mit der Thematik umgingen. Sie beschrieben unter dem Genre des utopischen Romans eine mögliche Zukunft. In Hermann Hesses „Das Glasperlenspiel“ existiert scheinbar eine Utopie, eine friedliche Welt ohne Leid. Allerdings lässt sich im Roman Hesses Skepsis gegenüber der zukünftigen Entwicklung von Kultur erkennen. Dieser Kulturpessimismus vertrat die Ansicht, dass in Zukunft nichts Neues mehr erschaffen werden kann, sondern nur noch reproduziert, also zitiert und wiederholt werden wird.

Wenn du mehr zu den Merkmalen eines Romans und seinen Gattungen wissen willst, schau dir unser ausführliches Video dazu an.

Zum Video: Merkmale eines Romans
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Neben Romanen trauten sich viele Schriftsteller während der Exilliteratur Epoche auch an offensichtlichere politische Texte, wie Manifeste, Flugblätter, Reden im Radio oder sogenannte Tarnschriften. Das waren Werke, die unter falschem Titel und Impressum ins Dritte Reich geschmuggelt werden konnten, so zum Beispiel Bertolt Brechts Aufsatz „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“, der unter dem Titel „Satzungen des Reichsverbands Deutscher Schriftsteller“ nach Deutschland gelangte.

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Thomas Mann – Autor der Exilliteratur

Exillyrik

Weil Gedichte schwer zu veröffentlichen waren, gab es eher wenig Exillyrik . Deswegen wurden viele Gedichte erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 publiziert. Die Exillyrik wurde deshalb auch hauptsächlich von Dichtern wie Bertolt Brecht und Else Lasker-Schüler beeinflusst, die beide bereits vor 1933 bekannte Lyriker gewesen waren.

Exildramatik

Die Veröffentlichung von Dramen war in der Exilliteratur Epoche ebenso schwierig. Denn eigentlich sollten diese ja auf einer Bühne aufgeführt werden. Das passierte aber nicht oft.

Es entstand jedoch eine neue Form des Theaters, die von Bertolt Brecht maßgeblich geprägt und weiterentwickelt wurde. Das Anfänge des sogenannten epischen Theaters finden sich schon in den 1920er Jahren. Es sollte epische Merkmale in den Dramentext mit aufnehmen, wie zum Beispiel einen Erzähler, der die Handlung erzählt. Weitere Beispiele sind Lieder, Kommentare, Plakate oder Chöre. Brecht nannte das den Verfremdungs- oder V-Effekt.

Ziel davon sollte es sein, den Fluss des Dramas zu unterbrechen, seine Illusion zu zerstören und den Zuschauer aus seiner Vertiefung in das Geschehen zu holen. Dadurch sollte das Publikum eine kritische Distanz zum Stück einnehmen können, ohne vom eigenen Mitgefühl mit den Figuren beeinflusst zu werden. Die Vorgehensweise war das komplette Gegenteil zu den traditionellen Formen des Dramas nach Aristoteles. Es war ein Bruch mit den Traditionen und erschuf eine neue, moderne Form des Theaters.

Auch die Form des epischen Dramas war nicht traditionell: Sie folgten oftmals nicht der üblichen Einteilung in Szenen und Akte. Zudem hatten sie meist ein offenes Ende.

Wichtige Autoren und Werke der Exilliteratur

  • Thomas Mann: „Doktor Faustus“, „Buddenbrocks“, „Joseph und seine Brüder“
  • Ödön von Horváth: „Jugend ohne Gott“
  • Oskar Maria Graf: „Der Abgrund“
  • Anna Seghers: „Transit“
  • Lion Feuchtwanger: „Der falsche Nero“, „Exil“
  • Johannes Becher: „Abschied“
  • Erich Maria Remarque: „Liebe deinen Nächsten“
  • Ernst Troller: „Eine Jugend in Deutschland“
  • Werner Bergengruen: „Der Großtyrann und das Gericht“
  • Stefan Zweig: „Schachnovelle“
  • Kurt Tucholsky: „Christoph Kolumbus“
  • Bertolt Brecht: „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, „Die Gewehre der Frau Carrar“, „Der gute Mensch von Sezuan“, „Leben des Galilei“, „Mutter Courage und ihre Kinder“
  • Carl Zuckmayer: „Des Teufels General“

Trümmerliteratur

Während die Exilliteratur Epoche hauptsächlich von politisch Verfolgten verfasst wurde, kam nach dem Krieg die von ehemaligen Soldaten geprägte Epoche der Trümmerliteratur. Wenn du mehr darüber wissen willst, schau dir hier unser Video dazu an.%Thumbnail-Verweis Trümmerliteratur

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