Epochen
Epochen des 19. Jahrhunderts
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Der Biedermeier bezeichnet eine Epoche in der Kunst, Musik und in der Literatur. Welche Merkmale die Literaturepoche des Biedermeier hat, erfährst du in diesem Beitrag% und in unserem Video.

Biedermeier Epoche einfach erklärt

Der Biedermeier war eine Epoche, die im deutschsprachigen Raum zwischen 1815 und 1848 verbreitet war. Sie entstand als Reaktion des Bürgertums auf die Abschaffung neu gewonnener demokratischer Rechte durch adlige Alleinherrscher.

Im Biedermeier zogen sich die Bürger deshalb vom öffentlichen Leben und somit von der Politik zurück. Das häusliche, private Leben stand im Mittelpunkt und spielte sich hauptsächlich innerhalb der Familie mit traditioneller Rollenverteilung ab. Kunst und Kultur vermittelten Behaglichkeit und konnten in den eigenen vier Wänden oder in Salons und Kaffeehäusern konsumiert werden. Die Menschen nahmen die politische Situation widerstandslos als unveränderlich hin.

Biedermeier Definition

In der Biedermeierzeit, die von 1815 bis 1848 datiert wird, wandte sich das Bürgertum enttäuscht von der Politik ab. Durch den Wiener Kongress verlor das Volk ihr Mitspracherecht und musste sich einem Alleinherrscher unterordnen. Folglich konzentrierten sich die Menschen mehr auf ihr Familienleben und richteten ihr eigenes, häusliches Idyll ein.

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Zeitstrahl Übersicht Epochen (bis 1920)
Steckbrief Biedermeier – Merkmale im Überblick
  • Zeitraum: 1815-1848
  • Einordnung: parallel zu Vormärz , Überschneidung mit Romantik %Verweis und Weimarer Klassik
  • Geschichte: Wiener Kongress, restaurierter Absolutismus, Verlust demokratischer Rechte, Mehrheit Rückzug in privates, bürgerliches Leben, protestierende Minderheit
  • Weltbild: konservativ, unpolitisch, Familie als Ideal, traditionelle Rollenverteilung, bürgerliche Tugenden und Moral, Interesse an Kunst und Kultur, Geselligkeit und Harmonie, Ignorieren von gesellschaftlichen und politischen Problemen, Rückzug ins Private, trautes Heim
  • Themen: Familie, bürgerliche Werte, Natur, das Häusliche, Harmonie, das Schöne
  • Literatur: kurze Formen wie Novellen und Kurzgeschichten, gut verständliche Gedichte
  • Wichtige Vertreter: Stifter, Mörike, Droste-Hülshoff, Grillparzer

Biedermeier Epoche – historischer Hintergrund

Während der Französischen Revolution von 1789 bis 1799 schafften die Leute Alleinherrscher ab und errichteten demokratische Strukturen. Diese wurden jedoch im darauffolgenden Wiener Kongress 1815 von den ehemaligen Herrschern wieder aufgehoben. Die Staatsoberhäupter unter Klemens Wenzel von Metternich stellten die alte Ordnung wieder her, indem sie den Deutschen Bund gründeten. Das war ein loser Zusammenschluss aus Fürstentümern und freien Städten, die adligen Regierungen unterstanden.

Die alten Politsysteme mit ihren Alleinherrschern wurden also wieder restauriert. Davon zeigte sich die Bevölkerung, die noch geprägt war von den aufklärerischen , demokratischen Ideen der Französischen Revolution, enttäuscht.

Ein Teil der Leute, besonders junge Menschen und Studenten, protestierte daraufhin, und begann, politischen Widerstand zu formen. Dies spiegelte sich besonders in ihrer Literatur wider, in denen sie zu Protesten aufriefen und politische Forderungen stellten. Sie entwickelte sich zur Literaturepoche des Vormärz . Dieser Widerstand wurde jedoch durch die Herrscher rechtlich unterdrückt, indem durch die Karlsbader Beschlüsse 1819 viele ihrer Werke verboten und die Universitäten überwacht wurden.

Die Mehrheit der Bevölkerung wandte sich jedoch von der Politik ab und akzeptierte die Umstände als gegeben. Sie zogen sich in ihr Privatleben zurück und strebten nach dem traditionellen Idealbild der Familie.

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Ein typisches gutbürgerliches Familienportrait im Biedermeier

Biedermeier Merkmale – Welt- und Menschenbild

Der Begriff „Biedermeier“ leitet sich von der erfundenen Figur Gottlieb Biedermaier ab. Der Dichter Ludwig Eichrodt erfand sie, um sich über das Bürgertum und seine Ansichten lustig zu machen. Er kritisierte durch seine übertriebene Darstellung  eines typischen Bürgers deren konservative Denkweise und Gleichgültigkeit gegenüber der Politik. Später wurde aus dem Namen seiner Figur die Bezeichnung der Epoche Biedermeier.

Das politische Desinteresse der bürgerlichen Schicht führte dazu, dass sie sich in ihr „trautes Heim“ zurückzogen. Die Unsicherheit, die durch politische und gesellschaftliche Umbrüche wie die Industrialisierung herrschte, ließ sie Schutz im Privaten suchen. In ihren Familien fanden sie Ruhe und Harmonie und eine klare Rollenverteilung für jedes Familienmitglied, die ihnen Halt gab. So konnten sie sich von der komplizierten Welt draußen abschotten und stattdessen ein friedvolles Leben unter Gleichgesinnten genießen. Sie pflegten Geselligkeit und Religiosität und richteten ihre Häuser gemütlich ein.

Kunst und Kultur spiegelte diesen Wunsch nach Harmonie wider und wurde zusammen entweder im eigenen Heim oder in Salons und Kaffeehäusern in gutbürgerlicher Gesellschaft vorgeführt. Bestimmte Eigenschaften machten sie zu bürgerlichen Tugenden, wie Bescheidenheit, Fleiß und Treue. Kinder wurden nach diesen Werten und der geschlechtlichen Rollenverteilung erzogen. Alles in allem vertrat das Bürgertum während der Biedermeierzeit also ein sehr konservatives Weltbild.

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Vergleich Vormärz – Biedermeier

Biedermeier Merkmale – Themen und Motive

Da die Autoren der Biedermeierzeit sich in ihr häusliches Leben zurückzogen, ignorierten sie die Probleme der Wirklichkeit. Die wachsende Armut durch die fortschreitende Industrialisierung, der Platzmangel und das Elend in den Städten ignorierten sie.

In ihren Werken verklärten sie stattdessen das bürgerliche Leben und die bürgerlichen Tugenden und verehrten die Natur. Das äußerlich Schöne an der Literatur und an der Kunst allgemein war ihnen wichtiger, als die Wirklichkeit originalgetreu abzubilden. Sie waren von der Romantik  und der Klassik beeinflusst, behielten aber trotz allem einen größeren Realitätsanspruch als diese beiden Epochen.

Epoche Biedermeier – Literatur und typische Vertreter

Die traditionelle Familie galt auch in der Literatur als das Ideal. Es wurden Texte über sie und für sie geschrieben. Es waren Texte, die problemlos im familiären Kreis oder in bürgerlicher Gesellschaft vorgelesen werden konnten, ohne jemanden in Verlegenheit zu bringen. Die Werke waren demnach sehr auf harmonische Inhalte ausgerichtet und meistens recht kurz.

Lyrik

Typisch für die Lyrik der Biedermeier Epoche war eine bildliche, aber einfache Sprache. Genauso wurden formelle Eigenschaften, also Reimschema und Metrum , recht unkompliziert gehalten.

Häufig wurden lyrische Texte in Zyklen veröffentlicht. Oft handelten sie vom Rückzug ins Private, von der Religion oder von der Natur. Ein sehr bekanntes Beispiel ist das kurze Gedicht „Er ist’s“ von Eduard Mörike, das den Frühling personifiziert . Es ist trotz der sprachlichen Mittel sehr einfach gehalten und leicht verständlich. Das Thema wirkt zudem sehr friedlich und harmonisch, ganz im Sinne des Biedermeier.

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Annette von Droste-Hülshoff – Autorin des Biedermeier

Epik

Die Länge epischer Texte in der Biedermeierzeit war ebenso eher knapp bemessen. Deswegen waren hauptsächlich kurze Textarten wie Novellen , Kurzgeschichten oder Briefe häufig. Aber auch Märchen , Satiren , Tagebücher oder Reiseberichte waren unter den Autoren verbreitet.

Annette von Droste-Hülshoffs Novelle „Die Judenbuche“ gehört zu den berühmtesten Beispielen aus dieser Zeit. Die Handlung spielt noch vor den Umbrüchen der Französischen Revolution in einem kleinen, abgeschiedenen Dorf. So nimmt die Novelle ein typisches Thema des Biedermeier auf: die Abgeschnittenheit von der äußeren, gegenwärtigen Welt.

Dramatik

Das Drama des Biedermeier war entweder melancholisch und eher düster oder satirisch und lustig. Das Melancholische fand sich in gesteigerter Form im sogenannten Rührstück wieder. Dessen Ziel war es, den Zuschauer zu Tränen zu rühren. Das Gegenteil waren die satirisch überspitzen Possen, das sind Komödien, die ihre Komik auf sehr übertriebenen und unwahrscheinlichen Zufällen aufbauen.

Wichtige Autoren und Werke des Biedermeier (Literatur)

  • Annette von Droste-Hülshoff: „Der Knabe im Moor“
  • Eduard Mörike: „Septembermorgen“, „Maler Nolten“
  • Nikolaus Lenau: „Schilflieder“
  • Adalbert Stifter: „Der Nachsommer“
  • Jeremias Gotthelf: „Die schwarze Spinne“
  • Johann Nepomuk Nestroy: „Der Talisman“
  • Franz Grillparzer: „Der Traum ein Leben“
  • Ferdinand Raimund: „Der Verschwender“

Realismus

Jetzt kennst du dich gut mit der Biedermeierzeit aus! Danach kommt die Epoche des Realismus. Wenn du dazu mehr wissen willst, schau dir hier unser Video dazu an.%Thumnail-Verweis Realismus

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