Lyrik
Gedichtformen
 – Video

Die Gedichtform zu bestimmen, ist ein wichtiger Schritt in der Gedichtanalyse. In unserem Beitrag lernst du die wichtigsten Gedichtformen anhand von Beispielen kennen. Eine schnelle Übersicht bekommst du in unserem Video .

Was ist eine Gedichtform?

In der Lyrik unterscheidest du verschiedene Gedichtformen. Darunter verstehst du Arten von Gedichten, die bestimmte Merkmale gemeinsam haben. Dazu gehören beispielsweise die Zahl der Verse und Strophen, das Thema, das Versmaß oder das Reimschema

Typische Gedichtformen sind zum Beispiel Balladen , Haikus, Sonette oder Oden .

Gedichtformen

In der Gedichtanalyse  bestimmst du das Versmaß und das Reimschema eines Gedichts. Diese Merkmale brauchst du auch, um die Gedichtform zu erkennen. Wenn du dich bei diesen Themen noch nicht fit fühlst, schau dir unbedingt davor noch unsere Artikel zum Reimschema und zum Metrum  an. In unserer Übersicht erklären wir dir jetzt die zehn wichtigsten Gedichtformen. 

Gedichtformen – Ballade

Eine bekannte Gedichtform ist die Ballade . Sie besteht aus mehreren Strophen und ist meist durchgehend gereimt. Durch ihre Länge unterscheidet sie sich  von vielen anderen Gedichten. Besonders ist, dass die Ballade Merkmale von allen drei literarischen Gattungen verbindet: von der Lyrik , der Epik und dem Drama .

  • Als Lyrik bezeichnest du Gedichte in Versen. Wie die meisten Gedichte hat auch die Ballade eine feste Versform, ein Metrum und ein Reimschema.
  • Die Epik wird auch erzählende Literatur genannt. Dazu zählst du zum Beispiel Romane, Kurzgeschichten und Novellen. Auch die Ballade erzählt eine Geschichte, die Spannung aufbaut und in der Mitte einen Höhepunkt hat.
  • Das Drama ist ein Oberbegriff für verschiedene Formen von Theaterstücken, die auf der Bühne aufgeführt werden. Wie im Drama steht auch in der Ballade eine dramatische Handlung im Mittelpunkt. Typisch ist außerdem ein großer Anteil an wörtlicher Rede.

Beispiele für die Ballade sind Goethes „Zauberlehrling“ und Schillers „Bürgschaft“.

Gedichtformen – Elegie

Die Elegie ist eine sehr alte Gedichtart, die aus der Antike stammt. Diese Gedichtform behandelt häufig die Themen Trauer oder erotische Liebe. Besonders auffällig ist die zweizeilige Strophenform der Elegie: Auf einen Pentameter folgt immer ein Hexameter.

Zusammen nennst du die beiden Verse elegisches Distichon (Plural: Distichen). Ein bekanntes Beispiel für Elegien sind Goethes „Römische Elegien“. Wenn du mehr dazu erfahren willst, schau dir einfach unser Video zu Elegie an.

Zum Video: Elegie
Zum Video: Elegie

Gedichtformen – Elfchen

Das Elfchen kennst du wahrscheinlich noch aus der frühen Schulzeit. Bei dieser Gedichtform reimen sich die Verse nicht. Stattdessen steht der Aufbau im Vordergrund: Elf Wörter sind hier auf fünf Verse verteilt. In der Regel besteht das Gedicht aus mehreren aneinandergereihten Wörtern zu einem bestimmten Thema. Typisch sind zum Beispiel Elfchen zu Tieren oder den vier Jahreszeiten.

Gedichtformen – Epigramm

Epigramme waren ursprünglich kurze Gedichte auf Gräbern, Geschenken oder Gebäuden. Heute wird das Epigramm nur noch selten verwendet, zum Beispiel als Widmung in einem Buch. Wie Elegien bestehen Epigramme aus Distichen, sind aber nur wenige Verse lang. Oft verspotten sie bestimmte Personen.

Seit Lessing gliedern sich die Epigramme in zwei Teile: In der ersten Hälfte baut der Dichter eine Erwartung auf oder legt das Thema fest. Danach folgt eine unerwartete Auflösung (Pointe) oder Erklärung. Schau dir dazu unser Beispiel – Schillers Epigramm „Freund und Feind“ – an:

Teuer ist mir der Freund,
doch auch den Feind kann ich nützen,
zeigt mir der Freund,
was ich kann,
lehrt mich der Feind,
was ich soll.

Gedichtformen – Haiku

Das Haiku ist ein traditionelles japanisches Gedicht. In der ursprünglichen Form hat das Haiku insgesamt nur 17 Silben, die auch Moren genannt werden. Insgesamt besteht es aus drei Versen mit fünf, sieben und fünf Silben. Damit gilt es als kürzeste Gedichtform der Welt.

Gedichtformen – Hymne

Das Wort Hymne wird heute oft als Abkürzung für die Nationalhymne gebraucht. In der Lyrik verstehst du darunter aber etwas anderes: Die Hymne ist dann ein feierlicher Lobgesang auf eine Gottheit oder Person. Du kannst die Hymne also an ihrem Inhalt erkennen. Dagegen ist die Form der Hymne nicht festgelegt: Hymnen haben nämlich in der Regel freie Verse, die kein festes Metrum besitzen.

Gedichtformen – Lehrgedicht

Der Name verrät dir schon, worum es in einem Lehrgedicht geht: Darin belehrt der Autor seinen Leser über ein bestimmtes Thema aus den Bereichen Literatur, Gesellschaft, Kultur oder Naturwissenschaften. Dafür nutzt der Dichter normalerweise die Form von Hexametern. Darunter verstehst du ein Metrum, das aus sechs Daktylen aufgebaut ist. Der sechste Daktylus  ist dabei verkürzt auf eine betonte und eine unbetonte Silbe (Spondeus).

Das Lehrgedicht ist eine typische Gedichtform der Antike. Aber auch im Mittelalter und in der Aufklärung entstanden viele Lehrgedichte.

Gedichtformen – Lied

Unter einem Lied, genauer gesagt Volkslied, verstehst du ein schlichtes Gedicht in Strophenform. Meistens verwendet der Dichter dafür ein regelmäßiges Metrum und Reimschema. Wie auch bei Liedern in der Musik kommen beim Volkslied häufig wiederkehrende Strophen, sogenannte Refrains, vor. Viele Volkslieder wurden erst über mehrere Generationen mündlich überliefert, bevor ein Dichter sie aufgeschrieben hat. Das war auch bei dem bekannten „Abendlied“ von Matthias Claudius der Fall:

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen,
am Himmel hell und klar …

Gedichtformen – Ode

Die Ode wird oft mit der Hymne verwechselt. Denn beide Gedichtformen loben eine Gottheit oder Person. Oden werden deshalb auch als Preis- oder Lobgesänge bezeichnet. Die Stimmung einer Ode ist feierlich und die Sprache leidenschaftlich und emotional.

Wie die Hymne hat die Ode kein festes Reimschema. Im Gegensatz zur Hymne besitzt die Ode einen strengen Aufbau in Strophen und ein regelmäßiges Metrum. Eine der bekanntesten Oden ist Schillers „Ode an die Freude“:

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
himmlische, dein Heiligtum…

Gedichtformen – Sonett

Zu den häufigsten deutschen Gedichtformen zählt das Sonett . Es besteht aus 14 Versen, die sich in zwei Hälften teilen lassen: Die ersten beiden Strophen, die aus jeweils vier Versen aufgebaut sind, nennst du Quartette. Daraufhin folgen zwei Strophen mit je drei Versen, sogenannte Terzette. Häufig setzt der Dichter im Sonett einen Jambus ein.

Der bekannteste deutsche Vertreter des Sonetts ist August Wilhelm Schlegel, der in der Zeit der Aufklärung lebte.

Gedichtformen – Übersicht

Mit unserer Tabelle behältst du leicht den Überblick über die wichtigsten Gedichtformen:

Name auffälliges Kennzeichen Versmaß Reim Strophen(anzahl)
Ballade Merkmale von Lyrik, Epik und Drama oft regelmäßiges Versmaß oft regelmäßiges Reimschema viele Strophen
Elegie elegisches Distichon (Pentameter und Hexameter) elegisches Distichon meistens Paarreim mehrere, zweizeilige Strophen
Elfchen elf Wörter kein Versmaß kein Reim keine Strophe, nur fünf Verse
Epigramm zweiteiliger Aufbau aus Erwartung und Auflösung (Pointe) Hexameter meistens Paarreim keine Strophen
Haiku siebzehn Silben kein Versmaß kein Reim keine Strophen, nur drei Verse
Hymne feierlich, lobend kein Versmaß kein Reim keine Strophen
Lehrgedicht belehrend Hexameter oder elegisches Distichon regelmäßiges Reimschema mehrere Strophen
Lied einfache Sprache regelmäßiges Versmaß regelmäßiges Reimschema mehrere Strophen, meistens mit Refrain
Ode feierlich, emotional regelmäßiges Versmaß kein regelmäßiges Reimschema mehrere Strophen
Sonett festgelegter Aufbau der Strophen, 14 Verse regelmäßiges Versmaß meistens Kreuzreim vier Strophen: zwei Quartette (je vier Verse) und zwei Terzette (je drei Verse)

Gedichtformen in der Gedichtanalyse

Für deine Gedichtanalyse ist nicht nur die Gedichtform wichtig. In diesem Video zeigen wir dir, welche anderen Aspekte du dabei untersuchst und worauf es dabei ankommt.

Zum Video: Gedichtanalyse
Zum Video: Gedichtanalyse

Hallo, leider nutzt du einen AdBlocker.

Auf Studyflix bieten wir dir kostenlos hochwertige Bildung an. Dies können wir nur durch die Unterstützung unserer Werbepartner tun.

Schalte bitte deinen Adblocker für Studyflix aus oder füge uns zu deinen Ausnahmen hinzu. Das tut dir nicht weh und hilft uns weiter.

Danke!
Dein Studyflix-Team

Wenn du nicht weißt, wie du deinen Adblocker deaktivierst oder Studyflix zu den Ausnahmen hinzufügst, findest du hier eine kurze Anleitung. Bitte lade anschließend die Seite neu.