Epochen
Epochen des 20. Jahrhunderts
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Was genau bedeutet eigentlich Postmoderne? Und welche Merkmale und Vertreter hat die postmoderne Literatur? All das erfährst du in unserem Beitrag und ganz bequem im Video !

Postmoderne Epoche einfach erklärt

Die Postmoderne ist noch eine sehr junge Epoche, weshalb es für sie noch keinen genauen Zeitraum gibt. Grob lässt sie sich jedoch in die Jahre zwischen 1990 bis 2010 einordnen. Diese Datierung ist aber umstritten. Manche sehen bereits das Jahr 1968 als Anfang der Epoche. Das Ende der Postmoderne wurde vom deutschen Philosoph Markus Gabriel im Jahr 2011 angekündigt.

Ende der 1950er Jahre wurde der Begriff als Zusammensetzung aus „post“ und „modern“ erfunden, was so viel wie „nach der Moderne“ bedeutet. Die Epoche hat ihre Ursprünge in Frankreich. Ihre Themen sind sehr vielfältig. Aufgrund dieser Uneinheitlichkeit ist ihre Bezeichnung als Epoche auch heute noch kontrovers.

Postmoderne Epoche Definition

Die postmoderne Epoche lässt sich ungefähr in die Jahre zwischen 1990 und 2010 einordnen. Der Epochenbegriff bezeichnet die Epoche „nach der Moderne“. Ihren Ursprung hat die Postmoderne in Frankreich. Es gibt keine einheitlichen Themen.

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Zeitstrahl literarische Epochen (ab 1920)
Steckbrief Postmoderne – Merkmale im Überblick
  • Zeitraum: ca. 1990-2010
  • Einordnung: parallel zu Gegenwartsliteratur, nach BRD und DDR
  • Geschichte: Ende des Kalten Krieges, Wiedervereinigung
  • Weltbild: Neuanfang, Sinnsuche in komplizierter werdender Welt, Individualismus
  • Themen: Rückgriff auf ältere Werke, Intertextualität, Sprachexperimente, Außenseiter als Protagonist, Zeitsprünge, unterschiedliche Erzählperspektiven, nicht chronologisch
  • Literatur: hauptsächlich epische Formen wie Romane, hermetische Lyrik
  • Wichtige Vertreter: Dürrenmatt, Süskind, Eco, Zeh, Kehlmann

Postmoderne Literatur – historischer Hintergrund

Weil die Zuordnung der Epoche noch unsicher ist, gibt es unterschiedliche Datierungen. Statt 1990 wird manchmal auch 1968 als Anfangsjahr angegeben, das gleichzeitig das Ende der Gruppe 47 markiert, einer wichtigen Gruppierung der Trümmerliteratur . Dadurch wäre der Beginn der Postmoderne in der Epoche der Neuen Subjektivität.

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Die Wiedervereinigung im Jahre 1989/1990 gilt meist als Anfangspunkt der Postmoderne.

Nimmst du aber 1990 als Beginn der Epoche, beginnt sie mit dem Ende des Kalten Krieges und vielen großen weltgeschichtlichen Veränderungen. Die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland sorgte für einen Neuanfang, bestimmte Weltanschauungen wie der Kommunismus galten als misslungen.

Dieser Neuanfang ermöglichte viele neue Strömungen und einschneidende Veränderungen im Leben der Menschen. Individualismus wurde zunehmend wichtiger und technischer Fortschritt verhalf neuen Medien wie dem Internet zu großer Beliebtheit. Viele unterschiedliche Lebensweisen und -vorstellungen teilten zunehmend das zuvor eher einheitliche Weltbild der Menschen auf. Pluralität statt Einheitlichkeit wurde zur Norm. Damit einher ging auch völlige künstlerische Freiheit.

Postmoderne Literatur – Welt- und Menschenbild

Doch diese Freiheit war für viele Autoren der Postmoderne nicht unbedingt befreiend. Viele sahen nämlich keinen Sinn mehr in der neuen Welt, die immer komplizierter und schnelllebiger wurde. Der einzelne Mensch verlor sich zunehmend in der modernen Welt und irrte orientierungslos umher. Das hatte eine eher pessimistische Weltsicht zur Folge.

Die Uneinheitlichkeit der Epoche und das Fehlen gemeinsamer Werte und Weltanschauungen verstärkte diese Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Die Schriftsteller versuchten, die fortschreitenden Veränderungen in der Kultur und in der Gesellschaft zu erkennen und in ihren Werken wiederzugeben. Diese Veränderungen, besonders in Wissenschaft und Technik, wurden als Bedrohung wahrgenommen. Vor allem die Angst vor dem Kalten Krieg und von neuen, modernen Massenvernichtungswaffen vertiefte diese Skepsis gegenüber neuen Technologien.

Postmoderne Literatur – Themen und Motive

In der postmodernen Literatur gab es viele verschiedene Themen. Trotzdem lassen sich einige gemeinsame Tendenzen erkennen.

Rückgriff auf die Moderne – Postmoderne Merkmale

Die Epoche der Moderne  zeichnete sich durch viele technische und wissenschaftliche Veränderungen aus. Moderne Literatur entstand um 1890 als Gegenstück zum Naturalismus und dient als Sammelbegriff für zahlreiche kleinere Strömungen und Epochen wie Impressionismus, Expressionismus und Symbolismus. Auch Dadaismus, Ästhetizismus und Jugendstil gehören zur Zeit der Moderne. Deswegen ist es, ähnlich wie bei der Postmoderne, auch hier schwierig, ein genaues Datum für die Epoche festzulegen. Der Hauptpunkt der Moderne war aber, dass sie sich komplett von vorausgegangenen Epochen unterschied.

Im Gegensatz zur Moderne hatten die Autoren der Postmoderne nicht den Anspruch, etwas Neues und Innovatives zu entwickeln. Sie waren der Ansicht, dass alles schon gemacht wurde und es deswegen nichts Originelles mehr geben konnte. Als Reaktion darauf zitierten und bezogen sie sich immer wieder auf andere, ältere Werke. Daraus entstanden dann Kombinationen aus Altem und Neuem. Im Roman „Das Parfüm“ von Patrick Süskind verwendet der Autor zum Beispiel die Gedichte Mondnacht  von Joseph Eichendorff und Willkommen und Abschied  von Johann Wolfgang von Goethe .

Intertextualität – Postmoderne Merkmale

Passend dazu ist ein häufiges Merkmal postmoderner Texte die Intertextualität. Das bedeutet, dass in einem Text auf einen anderen Text oder auf geschichtliche Ereignisse verwiesen wird. Das geschieht mithilfe von Zitaten und Collagen. Collagen, auch Montagen genannt, beschreiben den Vorgang des Zusammenfügens unterschiedlicher Texte oder Textabschnitte.

Daneben nutzten viele Autoren auch Parodien oder Pastichen. Letzteres ist eine sehr genaue Nachahmung des Stils eines anderen Autors. Eine Parodie hingegen verändert den Inhalt eines Werkes und zieht es ins Lächerliche. Die äußere Form wird dabei behalten.

Sprachexperimente – Postmoderne Merkmale

Die äußere Gestaltung der Texte war den postmodernen Autoren sehr wichtig. Ein schöner Schreibstil oder eine besondere, effektvolle Sprache machte ihre Werke spannender. Deshalb experimentierten sie viel mit der Sprache, indem sie zum Beispiel verschiedene rhetorische Mittel benutzten. Bereits Bestehendes wurde in anderer Form neu kombiniert, um daraus etwas Neues zu schaffen. Denn aus Sicht der Postmoderne gab es nichts mehr, was es nicht schon gegeben hat. Ein Beispiel für diesen experimentellen Umgang mit der Sprache ist das Gedicht „Zahlenre4e“ von Hans Manz. In ihm ersetzen Zahlen Wortteile, die sich wie die jeweilige Zahl anhören.

Postmoderne Literatur – Beispiel:

„Ich bin 2fellos größer als du“,
sprach zum Einer der Zweier.
(Hans Manz: „Zahlenre4e“)

Keine Helden als Hauptfiguren – Postmoderne Merkmale

Es gibt in der postmodernen Literatur keine Helden. Der Protagonist ist oft ein Außenseiter mit negativen Persönlichkeitsmerkmalen. Dass er sich im Laufe des Textes weiterentwickelt, ist eher selten. Es ist also für den Leser schwer, sich mit ihm zu identifizieren.

Erzählweise – Postmoderne Merkmale

Typisch für Werke der Postmoderne sind ungewöhnliche Formulierungen und Erzählweisen. So wurde oft nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt und es gab Auslassungen und Zeitsprünge. Die Leser mussten also die Handlung selbst zusammenfügen. Manchmal gab es sogar mehr als nur einen Erzählstrang.

Epoche Postmoderne – Literatur und typische Vertreter

Da die postmodernen Schriftsteller selten Kontakte untereinander knüpften, hatten sie nur wenig gemeinsam, das sie als derselben Epoche zugehörig identifizieren konnte.

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Paul Celan

Eine der wenigen Gemeinsamkeiten war ihre Einstellung, wonach es nichts Neues mehr geben konnte, weil alles schon einmal geschrieben worden war. Jedes ihrer Werke betrachteten sie deswegen als Zitat vorangegangener Werke.

Epik

Die beliebteste epische Textform war in der Postmoderne der Roman . Er eignete sich besonders gut für sprachliche Experimente und ungewöhnliche Erzählweisen. So ist der postmoderne Erzähler meist aktiv an der Handlung beteiligt. Er greift in das Geschehen ein und lenkt die Erzählung durch seine Strukturierung in eine bestimmte Richtung. Dabei kann er auch Dinge bewusst auslassen oder falsch erzählen. Das nennst du einen unzuverlässigen Erzähler

Wenn du noch mehr zu den verschiedenen Erzählperspektiven wissen willst, dann schau dir einfach dieses Video an.

Zum Video: Erzählperspektive
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Durch Auslassungen, Zeitsprünge und verschiedene Perspektiven wird der postmoderne Roman vielschichtig, aber auch kompliziert. Dazu kommen die zahlreichen Zitate und Bezüge auf andere Werke. Ein sehr bekannter Roman der Postmoderne ist Umberto Ecos „Der Name der Rose“ von 1980. Darin sind sehr viele Bezüge und Ausschnitte anderer Werke zu finden, wie zum Beispiel das Johannesevangelium oder das Hohelied Salomons aus der Bibel.

Lyrik

Auch die Lyrik war in der postmodernen Literatur weit verbreitet. Diese Gattung eignete sich besonders, um auf traditionelle Formen der Dichtkunst zurückzugreifen. Gleichzeitig konnten die Autoren aber auch Neues ausprobieren, zum Beispiel indem sie die typischen lyrischen Formen wie Metrum oder Reimschema einfach wegließen. Zusätzlich verwendeten sie oft Alltagssprache. Manchmal benutzten sie aber trotzdem traditionelle Formen wie Elegien , Oden oder Sonette .

Es gab in der Postmoderne auch die sogenannte hermetische Lyrik. Das bedeutet, dass ein Gedicht nicht einfach verständlich ist. Ziel der Dichter war es, dass sich die Leser anstrengten, um den tieferen Sinn des Textes zu verstehen. So bekam das Gedicht etwas Rätselhaftes.

Dramatik

Auch das postmoderne Drama war experimentell. Statt den Figuren und ihren Handlungen stand das performative Spiel der Schauspieler im Mittelpunkt. Das meint die Art und Weise, wie die Schauspieler den Text auf der Bühne wiedergaben und darstellten. Die Texte beschäftigten sich vor allem mit sozialen und gesellschaftlichen Themen.

Wichtige Autoren und Werke der Postmoderne (Literatur)

  • Patrick Süskind: „Das Parfüm“
  • Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“
  • Bernhard Schlink: „Der Vorleser
  • Juli Zeh: „Corpus Delicti
  • Christian Kracht: „Faserland“
  • Elfriede Jelinek: „Die Klavierspielerin“
  • Ingeborg Bachmann: „Die gestundete Zeit“
  • Paul Celan: „Todesfuge“
  • Friedrich Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame
  • Peter Handke: „Die Unvernünftigen sterben aus“
  • Heiner Müller: „Die Hamletmaschine“

Trümmerliteratur

Jetzt weißt du gut über die postmoderne Literatur Bescheid. Aber kennst du dich auch mit einem ihrer Vorgänger, der Trümmerliteratur aus? Schau dir hier direkt unser Video dazu an.

Zum Video: Trümmerliteratur
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