Lyrik
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Oden sind mehrstrophige Lobgedichte. In diesem Beitrag lernst du alle ihre Eigenschaften kennen. Hier kommst du direkt zum Video!

Was ist eine Ode?

Oden werden verfasst, um jemanden oder etwas zu loben. Durch einen gleichmäßigen Rhythmus und eine kunstvolle Sprache wirken sie sehr feierlich.

Diese Gedichtform gibt es seit der Antike. Das ausschlaggebende Erkennungsmerkmal antiker Oden ist, dass ihre Strophen in der Regel einem ganz bestimmten Metrum folgen. Dafür hat die Ode kein festes Reimschema.

Heute können Oden schon mal etwas freier in ihrer formalen Gestaltung sein. Ihr feierlicher Charakter bleibt aber trotzdem erhalten.

Ode Definition 

Oden sind lobende Gedichte, die aus mehreren Strophen bestehen. In ihnen wird jemandem oder etwas positive Anerkennung zugeschrieben. Du erkennst sie an ihren formalen Besonderheiten und an ihrer feierlichen Sprache.

Ode Begriff 

Bereits im antiken Griechenland wurden Oden verfasst. Damals war die Ode aber noch nicht die Gedichtform, die du heute kennst. Stattdessen wurde ein Gedicht als „Ode“ bezeichnet, sobald es zur Musik vorgetragen wurde – wie ein Lied. Deshalb findest du manchmal noch die Bezeichnung „Lob-“ oder „Preisgesang“ in Verbindung mit Oden.

Tipp: Diese ursprüngliche Bedeutung steckt schon in ihrem Namen: Der Begriff „Ode“ ist nämlich altgriechisch für „Lied“ oder „Gesang“ ! 

Nach und nach wurde der Inhalt der Ode aber immer wichtiger. Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff nur noch für lobende Gedichte mit gehobenem Sprachstil verwendet. Gleichzeitig sind die Oden aus dieser Zeit freier in ihrer formalen Gestaltung. Manche Dichter haben die antike Strophenform übernommen, aber viele haben das Metrum neu gestaltet. Also wundere dich nicht, wenn du eine Ode aus der deutschen Lyrik analysierst, die etwas anders aussieht, als du es hier lernst.

Merkmale der Ode

Wie du siehst, hat sich das Verständnis der Ode über die Zeit hinweg verändert. In dieser Übersicht findest du alle wichtigen Eigenschaften dieser besonderen Gedichtform auf einen Blick:

Inhalt

  • Lob 

In Oden wird jemand oder etwas gefeiert. Der Dichter spricht durch seine Ode eine tiefe Bewunderung aus. Dafür verwendet er positive Ausdrücke, die er mit Stilmitteln wie zum Beispiel Hyperbeln oder Euphemismen unterstreicht. Da Oden früher oft zu bestimmten Anlässen vorgetragen wurden, wirken sie sehr feierlich, aber auch emotional. Sie sollen den Leser oder Zuhörer berühren und fröhlich machen.

  • Titel

Oden sind an jemanden oder etwas gerichtet. Wem eine Ode gewidmet ist, erkennst du oft schon im Titel. Denn viele Dichter benennen den Empfänger des Lobes hier direkt. So richtet sich zum Beispiel die „Ode an die Nachtigall“ des englischen Dichters John Keats an genau diesen Vogel. Wie du siehst, kann über alles und jeden eine Ode verfasst werden.

Form

Oden haben kein festes Reimschema. Das bedeutet, es ist nicht vorgeschrieben, wie und ob sich die Ode überhaupt reimen muss. Viele antike Oden kommen ganz ohne Reimschema aus. Wenn es kein Reimschema gibt, solltest du das trotzdem unbedingt in deiner Gedichtanalyse erwähnen.

Merke: Nicht jedes Gedicht muss sich reimen, um ein Gedicht zu sein! 

  • Strophen

Oden sind längere Gedichte, deshalb bestehen sie aus mehreren Strophen. Insbesondere in den antiken Oden haben die Verse innerhalb der Strophen ein ganz bestimmtes Versmaß . Es folgt in der Regel einem von drei vorgeschriebenen Mustern: alkäisch, sapphisch oder asklepiadeisch. Was das genau bedeutet erfährst du im Abschnitt „Odenstrophen“!

Übrigens: Jede Strophenform wurde nach dem antiken Dichter benannt, der sie zuerst verwendet hat. Bei der alkäischen Strophe war es Alkaios, bei der sappishen Strophe war es Sappho und bei der asklepiadeischen Strophe war es Asklepiades.

Odenstrophen

Antike Oden erkennst du an den klaren Mustern, nach denen ihre Strophen aufgebaut sind. Diese Muster orientierten sich an dem jeweiligen Versmaß innerhalb der einzelnen Verse. Um das Versmaß zu bestimmen, zählst du die Abfolge von betonten () und unbetonten Silben () innerhalb einer Verszeile. Wenn du damit noch Probleme hast, dann schau dir einfach diesen Beitrag an.

Zum Video: Versmaß
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Wenn du über antike Oden sprichst, unterscheidest du nicht zwischen betonten und unbetonten Silben, sondern zwischen langen und kurzen Silben. Das liegt daran, dass das Metrum in dieser Zeit nach der Länge der Silben bestimmt wurde und nicht nach ihrer Betonung. Damit es für dich leichter ist, zeigen wir dir im Folgenden nur Beispiele, die auf die Betonung bezogen sind. 

Alkäische Odenstrophe

Diese Strophenart besteht aus vier Versen, die alle eine unterschiedliche Anzahl von Silben und ein unterschiedliches Metrum haben.

Vers 1 und 2: / ∪∪ → 11 Silben
Die ersten vier Silben sind in einem Jambus () verfasst. Nach den zwei Jamben kommt eine weitere unbetonte Silbe () und eine Pause (/), die du in Gedichten Zäsur nennst. Diese Pause wird nicht als Silbe gezählt. Weiter geht es mit einem Daktylus (∪∪). Die letzten drei Silben bilden einen vollständigen () und einen unvollständigen () Trochäus .

Vers 3: → 9 Silben
Der dritte Vers besteht aus vier Jamben () und einer zusätzlichen unbetonten Silbe () am Schluss.

Vers 4: ∪∪ ∪∪ → 10 Silben
Der vierte Vers wird aus zwei Daktylen (∪∪) am Anfang und zwei Trochäen () am Schluss aufgebaut.

Ode – Beispiel: „Die Götter“ von Friedrich Hölderlin (Auszug)

Nur ihr, mit eurer ewigen Jugend, nährt
In Herzen, die euch lieben, den Kindersinn,
Und laßt in Sorgen und in Irren
Nimmer den Genius sich vertrauern.

Sappishe Odenstrophe

Die ersten drei der vier Verse in diesem Strophenmuster sind genau gleich aufgebaut, nur der letzte Vers ist anders.

Vers 1, 2 und 3 ∪∪ → 11 Silben
Die drei Verse beginnen mit zwei Trochäen (), gefolgt von einem Daktylus (∪∪). Die Zeile endet wie sie begonnen hat mit zwei Trochäen ().

Vers 4: ∪∪ → 5 Silben
Der letzte Vers dieser Strophenart besteht aus einem Daktylus (∪∪) und einem Trochäus ().

Ode – Beispiel: „Ode an Anaktoria“ von Sappho (Auszug übersetzt von Max Treu) 

Reiterheere gen die einen, andre
halten Fussvolk oder ein Heer von Schiffen
für der Erde köstlichstes Ding, – ich aber
das was man lieb hat.

Diese Strophenform wurde eher selten von deutschen Dichtern verwendet. Aber die deutschen Übersetzer von antiken Oden haben versucht, die Form so gut es geht in ihre Übersetzung aufzunehmen.

Asklepiadeische Odenstrophe

Auch hier besteht die Strophe aus vier Versen, die alle gleich anfangen, aber anders enden. Den Anfang bilden immer ein Trochäus (), gefolgt von einem Daktylus (∪∪) und schließlich einer zusätzlichen betonten Silbe ().

Vers 1 und 2: ∪∪ / ∪∪ → 12 Silben
In den ersten zwei Zeilen kommt nach dem Anfang eine Zäsur (/), also eine Pause. Danach geht es weiter mit einem Daktylus (∪∪) und einem Trochäus (). Die Zeile wird mit einer betonten Silbe beendet ().

Vers 3: ∪∪   → 7 Silben
Der dritte Vers hängt an den Anfang einen weiteren Trochäus an ().

Vers 4: ∪∪ → 8 Silben
Vers Nummer vier sieht fast so aus wie Vers Nummer drei, aber es wird am Ende noch eine betonte Silbe () angehängt.

Ode – Beispiel: „Der Zürchersee“ von Friedrich Gottlieb Klopstock (Auszug) 

Jetzo nahm uns die Au in die beschattenden
Kühlen Arme des Walds, welcher die Insel krönt;
Da, da kamest du, Freude! (hier fehlt eine unbetonte Silbe)
Volles Masses auf uns herab! (hier fehlt eine betonte Silbe)

Wichtig: Oden aus der deutschen Lyrik können diese klaren Muster aufweisen, müssen sie aber nicht. Manchmal gibt es auch kleinere Abweichungen wie in unserem Beispiel.

Ode – Beispiel

Du hast schon viel über die Eigenschaften der Ode gelernt. Das schauen wir uns anhand eines Beispiels jetzt genauer an.

Ode – Beispiel: „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller (Auszug) 

Freude heißt die starke Feder
in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
in der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
die des Sehers Rohr nicht kennt!

Chor
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
durch des Himmels prächtgen Plan,
Laufet Brüder eure Bahn,
freudig wie ein Held zum siegen.

Inhalt: Am Titel erkennst du sofort, wer in diesem Gedicht gefeiert wird: die Freude. Also personifiziert  Schiller dieses fröhliche Gefühl und spricht es in seiner Ode direkt mit dem Pronomen „sie“ an. In dieser Strophe speziell beschreibt er die Freude als so stark und mächtig, dass sie sogar die Natur verändern kann.

Form: Die „Ode an die Freude“ unterscheidet sich von ihrem antiken Vorbild. Die Strophen setzen sich einmal aus acht und einmal aus vier Versen zusammen. Diese Verse bestehen alle aus vier Trochäen (). Der erste Vers wird zum Beispiel so betont: Freude heißt die starke Feder. Und wie du siehst, gibt es hier ein klares Reimschema. Der achtzeilige Vers besteht aus vier Kreuzreimen (ab) und der vierzeilige Vers aus einem umarmendem Reim (abba).

Auch wenn sich diese Ode nicht an die antike Form hält, hat sie trotzdem eine Verbindung zur Musik: Beethoven hat das Gedicht so gut gefallen, dass er dazu eine Klaviersymphonie geschrieben hat!

Ode und Elegie

Die Ode ist nicht die einzige antike Gedichtform, die einen festlichen Charakter hat. Auch die Elegie ist ein erhabenes Gedicht, allerdings beschäftigt sie sich mit traurigen Themen. Wenn du mehr über dieses Klagegedicht wissen möchtest, dann schau dir gleich unser Video zur Elegie an!

Zum Video: Elegie
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