Lyrik
Reimschema
 – Video
Reimschema Reimformen

Das Reimschema ist das bekannteste Merkmal von Gedichten. In unserem Beitrag lernst du die wichtigsten Arten von Reimen kennen. Schau dir hier direkt das Video an!

Was ist ein Reimschema?

Gedichte gehören zur Gattung der Lyrik. Typisch für Gedichte ist neben dem Versmaß auch das Reimschema.

Zwei Wörter reimen sich, wenn sie ab der letzten betonten Silbe gleich klingen, zum Beispiel: Wintertage – Grünanlage. Bei dem Beispiel handelt es sich um einen reinen Reim. Das bedeutet, dass die Wortenden gleich klingen. Bei einem unreinen Reim dagegen klingen die Wörter nicht gleich, sondern nur ähnlich, zum Beispiel: grüßen – fließen.

In einem Gedicht reimen sich die Wörter meistens am Ende des Verses. Du nennst diese Art von Reim daher Endreim. Das Muster, nach dem die Endreime in einem Gedicht angeordnet sind, bezeichnest du als Reimschema.

Reimschema bestimmen

Um das Reimschema zu bestimmen, schaust du dir in jeder Strophe jeweils das letzte Wort im Vers an. Die Wörter, die sich reimen, kannst du zunächst einmal mit Farbe markieren, zum Beispiel so:

Kennst du das Land, wo die Citronen blühn,
im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
die Myrthe still und hoch der Lorbeer steht?

Jetzt siehst du, dass sich in diesem Gedicht von Goethe jeweils zwei aufeinanderfolgende Verse reimen. Für die Gedichtanalyse arbeitest du statt mit Farbe normalerweise mit Abkürzungen. Dafür schreibst du die Kleinbuchstaben a, b, c, d usw. ans Versende. Für unser Beispiel sieht das dann so aus:

  Kennst du das Land, wo die Citronen blühn,
a   im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
b   ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
b   die Myrthe still und hoch der Lorbeer steht?

Jedes Mal, wenn ein neuer Reim im Gedicht vorkommt, verwendest du also einen neuen Kleinbuchstaben.

Reimschema Arten

Für die unterschiedlichen Reimschemata gibt es auch Bezeichnungen. Im Folgenden stellen wir dir die häufigsten Arten vor. Neben den Begriffen merkst du dir am besten auch die Abkürzungen. Eine Übersicht über die wichtigsten Reimschemata erhältst du am Ende des Artikels.

Paarreim

Viele Kinderreime und Kinderlieder verwenden den Paarreim . Dabei reimen sich jeweils zwei aufeinanderfolgende Verse: Das Reimschema ist damit aabb. Ein Beispiel für den Paarreim ist Goethes Gedicht „Erlkönig“:

a   Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
a   Es ist der Vater mit seinem Kind;
  er hat den Knaben wohl in dem Arm,
  er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Durch die einfache Reimform vermitteln Paarreime oft eine unbeschwerte, fröhliche Stimmung. Wenn du noch mehr über den Paarreim erfahren willst, dann schau dir auch unser Video dazu an!

Zum Video: Paarreim
Zum Video: Paarreim

Kreuzreim

Ein weiteres bekanntes Reimschema ist der Kreuzreim . Dabei reimt sich immer ein Versende mit dem übernächsten Versende. Die Reime wechseln sich also ab. Das Reimschema ist abab. Ein Beispiel für den Kreuzreim ist Eichendorffs berühmtes Gedicht „Die Wünschelrute“:

a   Schläft ein Lied in allen Dingen,
b   die da träumen fort und fort,
a   und die Welt hebt an zu singen,
b   triffst du nur das Zauberwort.

Den Kreuzreim kannst du auch als Wechselreim bezeichnen.

Umarmender Reim

Der umarmende Reim  besteht aus zwei Reimpaaren. Dabei schließt das erste Reimpaar das zweite Reimpaar ein. Das Reimschema ist also abba. Ein Beispiel für den umarmenden Reim findest du in Georg Heyms Gedicht „Die Stadt“:

a   Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein
b   zerreißet vor des Mondes Untergang.
b   Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang
  und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.

Der umarmende Reim heißt auch umschließender oder umfassender Reim. Du möchtest noch mehr Beispiele? Kein Problem. Sieh dir auch unseren extra Beitrag zum umarmenden Reim an!

Haufenreim

Der Haufenreim lässt sich sehr leicht erkennen. Denn hier reimen sich alle Versenden des Gedichtes. Das Reimschema wird mit aaaa abgekürzt. Wegen seiner einfachen Form kommt der Haufenreim fast nur in Kinderreimen oder Zungenbrechern vor, zum Beispiel hier:

  Auf den hohen Felsenklippen
a   sitzen sieben Robbensippen,
a   die sich in die Rippen stippen,
a   bis sie von den Klippen kippen.

Schweifreim

Neben dem Paarreim und dem Kreuzreim ist der Schweifreim  eines der bekanntesten Reimschemata. Er besteht aus sechs Versen. Dabei folgt auf einen Paarreim ein umarmender Reim. Das Reimschema sieht also so aus: aabccb. Ein typisches Beispiel für den Schweifreim ist Matthias Claudius „Abendlied“:

a   Der Mond ist aufgegangen,
  die goldnen Sternlein prangen
b   am Himmel hell und klar:
c   Der Wald steht schwarz und schweiget,
c   und aus den Wiesen steiget
b   der weiße Nebel wunderbar.

Noch mehr Infos und Beispiele zum Schweifreim bekommst du hier !

Zum Video: Schweifreim
Zum Video: Schweifreim

Kettenreim

Der Kettenreim (Terzinenreim) ist ein eher seltenes Reimschema. Er ist aber leicht an seinen Dreiergruppen zu erkennen. Jeweils drei Verse bilden dabei eine Strophe. In jeder der Strophen befindet sich ein mittlerer Vers, der erst in der nächsten Strophe seinen Reim findet.

Das Reimschema lautet also aba bcb cdc. Verständlich wird das an Goethes Gedicht „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“:

a   Im ernsten Beinhaus* war’s, wo ich beschaute,
b   wie Schädel Schädeln angeordnet passten;
a   die alte Zeit gedacht ich, die ergraute.

b   Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich hassten,
c   und derbe Knochen die sich tödlich schlugen,
b   sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.

*Ein Beinhaus ist ein Aufbewahrungsort für die ausgegrabenen Gebeine auf einem Friedhof.

Waise

Die Waise ist kein Reimschema im eigentlich Sinn. Es handelt sich dabei um einen reimlosen Vers innerhalb einer Strophe. In der Gedichtanalyse kannst du die Waise mit x oder w abkürzen. Häufig betont der Dichter damit einen Vers. Für deine Gedichtinterpretation ist die Waise daher sehr wichtig. Ein Beispiel für eine Waise findest du in Eduard Mörikes Gedicht „Er ist’s“:

a   Veilchen träumen schon,
  wollen balde kommen.
a   Horch, ein leiser Harfenton!
x   Frühling, ja du bist’s!
  Dich hab ich vernommen!

In diesem Gedicht unterbricht die Waise einen Kreuzreim. Der Ausruf Frühling, ja du bist’s! wird durch den fehlenden Reim deutlich hervorgehoben.

Verschränkter Reim

Der verschränkte Reim kommt im Vergleich zum Kreuzreim oder Paarreim in Gedichten eher selten vor. Der Name verrät schon, dass dabei die Reimpaare ineinander verschränkt sind. Das Reimschema lautet also: abcabc.

Ein Beispiel für den verschränkten Reim findest du in Karoline von Günderrodes Gedicht „Der Kuss im Traume“:

  Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen,
b   es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
c   und mich verzehren seiner Sonne Gluthen.
a   Drum birg dich Aug‘ dem Glanze ird’scher Sonnen!
b   Hüll dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
  und heilt den Schmerz, wie Lethes* kühle Fluten.

*Lethe ist in der Mythologie ein Fluss in der Unterwelt. Wenn die Toten daraus trinken, vergessen sie ihr vergangenes Leben.

Kehrreim

Beim Kehrreim gibt es kein festes Reimschema. Du kennst den Kehrreim wahrscheinlich unter der Bezeichnung „Refrain“ aus Liedern. Das bedeutet, dass einzelne Verse oder ganze Strophen im Laufe des Gedichts oder Lieds mehrmals wiederholt werden. In manchen Fällen kann der Kehrreim auch leicht abgeändert werden. Dadurch erhält die Aussage des Kehrreims noch mehr Gewicht.

Du kannst unterschiedliche Arten von Kehrreimen unterscheiden:

  • Anfangskehrreim: Hier wird nicht die ganze Strophe wiederholt, sondern nur der Anfang einer Strophe.
  • Endkehrreim: Wie der Name verrät, ist der Endkehrreim das Gegenstück zum Anfangskehrreim. Dabei wiederholt sich immer wieder das Teile vom Ende der Strophe.
  • Binnenkehrreim: Die Wiederholung bestimmter Wörter findet beim Binnenkehrreim in der Mitte der Strophen statt.
  • periodischer Kehrreim: Diese Art von Kehrreim ist am bekanntesten. Denn dabei wiederholt sich eine ganze Strophe mehrmals im Gedicht oder Lied.

Körnerreim

Auch Körnerreime sind Verse, die kein festes Reimschema besitzen. In vielen Gedichten findet sich das Reimwort normalerweise in derselben Strophe, beim Terzinengedicht erst in der übernächsten. Anders ist es beim Körnerreim: Dabei sind die Reimwörter oft mehrere Strophen voneinander getrennt.

In der mittelalterlichen Sängerdichtung waren Körnerreime besonders beliebt. Heute findest du sie nur noch vereinzelt in Kinderreimen, zum Beispiel im „Reim über das Pech“:

Erste Strophe:
a   Pech hat, wer sich ein Brot beschmiert,
a   und dieses aus der Hand verliert

Fünfte Strophe:
a   Was hat man bei dem Fall studiert?
a   Wer Pech hat, der ist angeschmiert.

Reimschema interpretieren

Grundsätzlich kannst du jedes formale Merkmal in einem Gedicht deuten: das Metrum , die Kadenz  oder das Reimschema. Durch das Reimschema erhält das Gedicht einen bestimmten Rhythmus und eine Struktur. Dadurch wird die Stimmung beeinflusst.

So wirkt zum Beispiel ein Paarreim oft fröhlich und beschwingt. Bei jeder Gedichtinterpretation  musst du dich also fragen, wie das Reimschema mit dem Inhalt des Gedichts zusammenhängt. Passen die Reime zur Aussage des Gedichts?

Wichtig: Auch wenn in einem Gedicht gar kein Reimschema vorkommt, solltest du das in deiner Interpretation erwähnen.

Reimschema Übersicht

Mit unserer kurzen Tabelle behältst du den Überblick über die unterschiedlichen Reimschemata:

Reimschema Abkürzung
Paarreim aabb
Kreuzreim abab
umarmender Reim abba
Haufenreim aaaa
Schweifreim aabccb
Kettenreim aba bcb cdc
Waise w / x

Du sollst eine komplette Gedichtanalyse schreiben? Dann hole dir hilfreiche Tipps dazu in diesem Video !

Zum Video: Gedichtanalyse
Zum Video: Gedichtanalyse

Hallo, leider nutzt du einen AdBlocker.

Auf Studyflix bieten wir dir kostenlos hochwertige Bildung an. Dies können wir nur durch die Unterstützung unserer Werbepartner tun.

Schalte bitte deinen Adblocker für Studyflix aus oder füge uns zu deinen Ausnahmen hinzu. Das tut dir nicht weh und hilft uns weiter.

Danke!
Dein Studyflix-Team

Wenn du nicht weißt, wie du deinen Adblocker deaktivierst oder Studyflix zu den Ausnahmen hinzufügst, findest du hier eine kurze Anleitung. Bitte lade anschließend die Seite neu.