Video

Vom mächtigen Kaiser zum letzten deutschen Monarchen: Wilhelm der II. prägte das Deutsche Kaiserreich über Jahrzehnte. Wer er war und welchen Einfluss er auf den ersten Weltkrieg hatte, erfährst du hier und im Video!

Inhaltsübersicht

Wer war Kaiser Wilhelm der II.?

Wilhelm II. wurde am 27. Januar 1859 in Berlin geboren und gehörte zum Herrscherhaus der Hohenzollern. Nach dem Tod seines Vaters Friedrich III. bestieg Wilhelm im Jahr 1888 den Thron. Während seiner Herrschaft verfolgte Deutschland eine ehrgeizige Weltpolitik und kämpfte im Ersten Weltkrieg (1914–1918). 

Nach der deutschen Niederlage musste Wilhelm abdanken. Damit endete die Monarchie in Deutschland und er ging ins Exil in die Niederlande. Dort starb er am 4. Juni 1941 im Alter von 82 Jahren.

Gemälde von Bruno Heinrich Strassberger - Portrait von Kaiser Wilhelm II
direkt ins Video springen
Kaiser Wilhelm der II.
Wilhelm der II. – Steckbrief
Lebensdaten Geboren am 27. Januar 1859 in Berlin, gestorben am 4. Juni 1941 in den Niederlanden
Herkunft Stammte aus dem Herrscherhaus der Hohenzollern und war Enkel von Kaiser Wilhelm I.
Aufstieg Wurde 1888 Deutscher Kaiser und König von Preußen, nachdem sein Vater Friedrich III. gestorben war
Herrschaft Wollte Deutschland zu einer Weltmacht machen, baute die Kriegsflotte aus und regierte Deutschland während des Ersten Weltkriegs

Bedeutung 

War der letzte deutsche Kaiser; seine Abdankung 1918 bedeutete das Ende der Monarchie in Deutschland

Die Kindheit von Kaiser Wilhelm dem II.

Wilhelm II. war der Sohn des späteren Kaisers Friedrich III. und der britischen Prinzessin Victoria. Seine Großmutter mütterlicherseits war die britische Königin Victoria. Bei seiner Geburt kam es zu Komplikationen, wodurch sein linker Arm dauerhaft unbeweglich und verkürzt blieb.

Fotografie von Königin Victoria, wie sie ihren Enkelsohn, den späteren Kaiser Wilhelm den 2. hält.
direkt ins Video springen
Wilhelm mit seiner Großmutter Königin Victoria

Für seine Mutter war Wilhelms Behinderung ein großes Problem, weshalb sie versuchte, die Beweglichkeit seines Arms mit zahlreichen, teils schmerzhaften Behandlungen zu verbessern. Generell war Wilhelms Verhältnis zu seiner Mutter schwierig. Victoria vertrat liberale Ansichten, während Wilhelm zunehmend konservative Vorstellungen entwickelte und die Stellung des Kaisers stärken wollte.

Neben seiner schulischen und akademischen Ausbildung erhielt Wilhelm schon früh eine intensive militärische Ausbildung, die ihn stark prägte und seine Begeisterung für das Militär förderte. 1881 heiratete er Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein, mit der er später sieben Kinder hatte.

Im Jahr 1888 bestieg Wilhelm II. dann den Thron, nachdem zunächst sein Großvater Wilhelm I. und 99 Tage später sein Vater Friedrich III. starben. Da 1888 also drei verschiedene Kaiser an der Macht waren, nennst du das Jahr auch das Dreikaiserjahr.

Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich

Nach Beantwortung speichern wir deine Antwort, um Studyflix zu verbessern. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

Wilhelm II. als Kaiser und König von Preußen

Als Wilhelm II. Kaiser wurde, gehörte das Deutsche Kaiserreich bereits zu den mächtigsten Staaten Europas. Deutschland verfügte über eine starke Armee und entwickelte sich durch die Industrialisierung rasant zu einer führenden Wirtschafts- und Industriemacht. Politisch war Deutschland eine konstitutionelle Monarchie.

Wilhelm wollte seine Stellung als Kaiser aktiv nutzen und Deutschland zu einer Weltmacht aufsteigen lassen. Dafür setzte die deutsche Führung unter anderem auf wirtschaftliche Stärke, Kolonialpolitik und später den Aufbau einer großen Kriegsflotte.

Konflikt mit Bismarck

Wilhelms Vorstellungen führten schnell zu Konflikten mit Reichskanzler Otto von Bismarck, der die deutsche Politik seit Jahrzehnten geprägt hatte. Beide stritten unter anderem darüber, wie mit der wachsenden Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie umgegangen werden sollte und wer die politische Richtung bestimmte. Schließlich entzog Wilhelm Bismarck seine Unterstützung, sodass dieser 1890 zurücktreten musste

Außenpolitik unter Wilhelm II.

In der Außenpolitik verfolgte Deutschland nun die sogenannte Weltpolitik. Der Ausbau der kolonialen Stellung und Kriegsflotte führten zunehmend zu Spannungen mit anderen Großmächten:

Hunnenrede (1900)

Als deutsche Soldaten zur Niederschlagung des Boxeraufstands nach China geschickt wurden, hielt Wilhelm eine besonders aggressive Rede. Er forderte die Soldaten zu einem äußerst harten Vorgehen auf und verglich ihre gewünschte Wirkung mit der der Hunnen. Die Rede schadete Deutschlands Ansehen im Ausland.

Fotografie vom Kaiser, wie er eine Rede vor hunderten Menschen hält
direkt ins Video springen
Fotografie während der Hunnenrede

Erste Marokkokrise (1905–1906)

Wilhelm reiste nach Tanger und unterstützte öffentlich die Unabhängigkeit Marokkos, um sich gegen den wachsenden französischen Einfluss zu stellen. Deutschland konnte sich international jedoch kaum durchsetzen und stand am Ende weitgehend isoliert da.

Durch solche provokanten Auftritte und außenpolitischen Krisen verlor Wilhelm II. zunehmend das Vertrauen der Bevölkerung und anderer europäischer Staaten.

Wilhelm II. als Reise- und Medienkaiser

Wilhelm II. wurde auch als „Reisekaiser“ bezeichnet, weil er ständig im In- und Ausland unterwegs war und sich bei Paraden, Manövern, Einweihungen und Staatsbesuchen öffentlich zeigte. Allein zwischen 1897 und 1902 besuchte er mehr als 120 deutsche Städte.

Kaiser Wilhelm mit seiner Frau und seinen Enkelkindern
direkt ins Video springen
Foto Kaiser Wilhelm und Familie (1910)

Gleichzeitig war er einer der ersten „Medienkaiser“: Er nutzte die damals neuen Medien Fotografie und Film, um sich der Bevölkerung als mächtiger und moderner Herrscher zu präsentieren. 

Die Rolle von Wilhelm dem II. im ersten Weltkrieg

Im Sommer 1914 spitzten sich die Spannungen in Europa zu. Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo stellte sich Deutschland unter Wilhelm II. hinter seinen Verbündeten Österreich-Ungarn und sagte ihm weitreichende Unterstützung zu. Diese Zusage trug dazu bei, dass sich die Krise weiter verschärfte und schließlich der Erste Weltkrieg begann.

Machtverlust im Krieg

Als Kaiser war Wilhelm II. offiziell der Oberste Kriegsherr und damit Oberbefehlshaber des deutschen Heeres. Zu Kriegsbeginn trat er öffentlich als Symbol der nationalen Einheit auf. Die eigentliche Planung und Führung der militärischen Operationen lag jedoch vor allem bei der Obersten Heeresleitung (OHL) und den Generälen.

Kaiser Wilhelm 2. begutachtet deutsche Soldaten
direkt ins Video springen
Wilhelm im ersten Weltkrieg

Je länger der Krieg dauerte, desto mehr verlor Wilhelm an politischem und militärischem Einfluss. Ab 1916 bestimmten vor allem Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff die Kriegsführung und gewannen auch großen Einfluss auf die Politik. Wilhelm trat zunehmend in den Hintergrund und wurde teilweise sogar als „Schattenkaiser“ wahrgenommen.

Exil und Tod von Wilhelm dem II.

Im Herbst 1918 war die militärische Niederlage Deutschlands kaum noch abzuwenden. Nach vier Jahren Krieg wuchs Unzufriedenheit mit dem Kaiser. Aus einem Matrosenaufstand entwickelte sich die Novemberrevolution, die sich schnell über Deutschland ausbreitete.

Am 9. November 1918 wurde die Abdankung Wilhelms II. verkündet und die Republik ausgerufen. Zwei Tage später endete der Erste Weltkrieg mit dem Waffenstillstand vom 11. November. Wilhelm floh in die Niederlande und lebte später im Haus Doorn. Damit endete nach seiner Herrschaft auch die Monarchie in Deutschland.

Wilhelm hoffte lange auf eine Rückkehr auf den Thron, doch dazu kam es nicht. Er starb am 4. Juni 1941 im Alter von 82 Jahren im niederländischen Doorn, wo er auch beigesetzt wurde.

Die Schuldfrage

Nach dem Krieg wurde darüber gestritten, wer für den Ersten Weltkrieg verantwortlich war. Wilhelm II. trug durch seine Weltpolitik, die militärische Aufrüstung und die Unterstützung Österreich-Ungarns in der Julikrise zur Verschärfung der Spannungen bei. Er war jedoch nicht allein für den Krieg verantwortlich: Auch die Politik und Entscheidungen anderer europäischer Großmächte spielten eine wichtige Rolle.

Herrscher verstehen

Kaiser Wilhelm II. war der letzte deutsche Kaiser und gehört zum Themenfeld Herrscher. Wer sich mit Herrschern beschäftigt, ordnet wichtige Personen, ihre Macht und ihre Rolle in großen politischen Entwicklungen ein. So wird klar, wie einzelne Herrscher Staaten prägen und warum sich Herrschaftsformen wie die Monarchie verändern oder enden. Weitere Videos dazu findest du in unserem Geschichtsbereich.

Was ist dein nächster Schritt?
Nächstes Video anschauen
Kaiserin Sissi
Kaiserin Sissi
Neuzeit
Text zum aktuellen Video lesen
Lernen lohnt sich! Entdecke hier deine Chancen.