Sechs Ehefrauen und ein Bruch mit dem Papst — Heinrich VIII. sorgte als König von England für jede Menge Aufsehen. Wie er England für immer veränderte, erfährst du hier und im Video!
Inhaltsübersicht
Wer war Heinrich VIII.?
Heinrich VIII. war von 1509 bis 1547 König von England, sowie ab 1541 König von Irland. Er gehört zu den bekanntesten Herrschern der englischen Geschichte. Geboren wurde er 1491 in Greenwich und kam bereits mit 17 Jahren auf den Thron. Zu Beginn seiner Herrschaft galt Heinrich als gebildet und beim Volk beliebt.
Berühmt wurde Heinrich vor allem für seine sechs Ehen. Besonders folgenreich war seine erste Ehe mit Katharina von Aragón: Weil sie ihm keinen überlebenden Sohn schenkte, wollte er die Ehe auflösen. Als die römische Kirche dies verweigerte, brach Heinrich mit dem Papst und gründete die englische Kirche.
Mit zunehmendem Alter veränderte sich Heinrich stark: Er wurde schwer krank und zunehmend grausam. 1547 starb Heinrich VIII. und hinterließ drei Kinder als mögliche Thronfolger – und damit eine komplizierte Thronfolge, die England noch jahrzehntelang beschäftigte.
Heinrichs Weg zur Krone
Heinrich wurde 1491 nach einer sehr turbulenten Zeit für England geboren. Erst wenige Jahre zuvor hatte sein Vater Heinrich VII. die jahrzehntelangen Rosenkriege beendet und als erster Tudor-König wieder für mehr Stabilität gesorgt. Diese wollte er unbedingt bewahren. Als zukünftiger König war deshalb Heinrichs älterer Bruder Arthur vorgesehen.
Doch auch Heinrich spielte schon früh eine wichtige Rolle für die neue Dynastie. Seine Geburt wurde öffentlich gefeiert, und obwohl er zunächst nicht König werden sollte, erhielt er bedeutende Titel. Mit nur drei Jahren wurde er zum Herzog von York ernannt und bei öffentlichen Auftritten vom Volk gefeiert. Erst als Arthur 1502 überraschend starb, änderte sich Heinrichs Leben schlagartig: Mit zehn Jahren wurde er zum Thronfolger.
Heinrich erhielt für einen englischen Monarchen eine außergewöhnlich umfassende Ausbildung: Er beherrschte mehrere Sprachen, beschäftigte sich intensiv mit Theologie, Literatur und Musik und komponierte sogar selbst. Gleichzeitig galt der junge Heinrich als charismatisch, intelligent und äußerst sportlich.
💡 Der berühmte Humanist Erasmus von Rotterdam lernte Heinrich bereits als jungen Prinzen kennen. Er war von dessen Bildung und Auftreten beeindruckt und setzte große Hoffnungen in den späteren König.
Heinrich VIII. als König
Als Heinrichs Vater 1509 starb, bestieg Heinrich mit nur 17 Jahren den englischen Thron. Dabei übernahm er zunächst auch die Heiratspolitik seines Vaters: Heinrich VII. hatte gezielt Ehen genutzt, um politische Bündnisse zu schließen und die junge Tudor-Dynastie abzusichern.
Genau deshalb heiratet Heinrich die spanische Prinzessin Katharina von Aragón — die Witwe seines verstorbenen Bruders Arthur. Damit blieb das wichtige Bündnis mit Spanien bestehen. Die Ehe war jedoch nicht nur politisches Kalkül: Heinrich scheint Katharina wirklich gemocht und geschätzt zu haben, und zunächst führten die beiden eine vergleichsweise glückliche Ehe.
Mit der Zeit wurde jedoch ein Problem immer größer: Heinrich brauchte einen männlichen Thronfolger, um die Tudor-Dynastie zu sichern. Katharina wurde mehrfach schwanger, doch nur ihre Tochter Maria überlebte dauerhaft.
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Bruch mit der katholischen Kirche
Als Heinrich sich in die Hofdame Anne Boleyn verliebte, stand für ihn fest, dass er seine Ehe mit Katharina annullieren lassen wollte. Auch Anne wollte sich nicht mit der Rolle einer Mätresse zufriedengeben, sondern Heinrich heiraten und Königin von England werden.
Gleichzeitig hoffte Heinrich, dass Anne ihm endlich den ersehnten männlichen Thronfolger schenken würde. Denn er war überzeugt, seine Ehe mit Katharina sei von Gott verflucht, weil sie zuvor mit seinem Bruder Arthur verheiratet gewesen war. Also bat Heinrich den Papst um die Annullierung seiner Ehe. Als Begründung berief er sich auf die Bibel: Die Heirat mit der Frau seines verstorbenen Bruders sei verboten gewesen. Doch für die Ehe hatte es damals eine päpstliche Sondergenehmigung gegeben. Nun sollte ausgerechnet der Papst diese Verbindung wieder aufheben.
Als der Papst sich weigerte, löste Heinrich England von der römischen Kirche und schuf mit der Church of England (Kirche von England) eine eigene protestantische englische Kirche. Somit wurde 1533 seine Ehe mit Katharina für ungültig erklärt und er konnte Anne Boleyn heiraten. Mit dem Suprematsgesetz von 1534 machte Heinrich sich schließlich selbst zum Oberhaupt der Church of England. Damit unterstand die Kirche in England nicht mehr dem Papst, sondern dem englischen König – eine Rolle als weltliches Oberhaupt der Kirche, die das britische Staatsoberhaupt bis heute innehat.
💡Heinrich wurde durch den Bruch mit Rom nicht zum Protestanten, sondern hielt weiterhin an vielen katholischen Glaubensvorstellungen fest. Schließlich war er zuvor sogar entschieden gegen die Reformation aufgetreten und hatte eine Streitschrift gegen Martin Luther verfasst. Dafür verlieh ihm der Papst 1521 den Titel „Verteidiger des Glaubens“.
Der langersehnte männliche Thronfolger
Doch auch Anne Boleyn schenkte Heinrich nicht den ersehnten Sohn. 1533 brachte sie ihre Tochter Elisabeth zur Welt – die spätere Königin Elisabeth I. Doch nach weiteren gescheiterten Schwangerschaften verlor Anne Heinrichs Gunst. 1536 ließ er sie wegen Ehebruchs und Hochverrats hinrichten. Diese Vorwürfe gelten heute als weitgehend konstruiert.
Nur wenige Tage später heiratete Heinrich Jane Seymour, eine Hofdame Anne Boleyns, die er bereits am Hof kennengelernt und in die er sich verliebt hatte. Sie erfüllte endlich seinen größten Wunsch: 1537 brachte sie mit Edward den ersehnten männlichen Thronfolger zur Welt. Doch Jane starb nur zwölf Tage nach der Geburt. Ihr Tod soll Heinrich schwer getroffen haben.
Gleichzeitig führten kostspielige Kriege gegen Frankreich und Schottland, Krankheiten und persönliche Rückschläge dazu, dass Heinrich immer jähzorniger und misstrauischer wurde.
Vom Hoffnungsträger zum gefürchteten König
Janes Tod traf Heinrich schwer. Danach wurde sein Verhalten zunehmend jähzornig, misstrauisch und rücksichtslos. Er ging immer härter gegen vermeintliche Gegner vor und ließ selbst enge Berater und frühere Vertraute hinrichten, darunter Thomas Cromwell. Auch Menschen, die seine religiöse Politik ablehnten, wurden verfolgt und teilweise hingerichtet. Gleichzeitig verschlangen seine Kriege gegen Frankreich und Schottland enorme Summen und belasteten England finanziell immer stärker.
In dieser Zeit gewann Heinrichs Berater Thomas Cromwell großen Einfluss. Er vermittelte dem König aus politischen Gründen eine Ehe mit der deutschen Prinzessin Anna von Kleve, durch die England ein Bündnis mit protestantischen deutschen Fürsten gewinnen sollte. Doch als Heinrich Anna 1539 persönlich kennenlernte, war er enttäuscht und fühlte sich nicht zu ihr hingezogen. Trotzdem heirateten die beiden 1540.
Schon nach wenigen Monaten ließ Heinrich die Ehe annullieren – und Cromwell verlor kurz darauf Heinrichs Gunst und wurde hingerichtet. Schon während seiner Ehe mit Anna hatte Heinrich ein Auge auf ihre junge Hofdame Catherine Howard geworfen – eine Cousine von Anne Boleyn. Kurz nach der Annullierung heiratete er Catherine als seine fünfte Ehefrau.
Auch diese Ehe endete tödlich. Der inzwischen an starkem Übergewicht, chronischen Schmerzen und offenen Wunden an den Beinen leidende Heinrich wurde immer jähzorniger, misstrauischer und paranoider. Als Catherine des Ehebruchs beschuldigt wurde, ließ Heinrich sie 1542 hinrichten.
Die letzten Jahre des Königs
1543 heiratete Heinrich seine sechste und letzte Ehefrau Catherine Parr. Anders als bei vielen seiner vorherigen Ehen entwickelte sich zwischen ihnen ein von Respekt und Vertrauen geprägtes Verhältnis. Catherine war hochgebildet und kümmerte sich besonders um die Erziehung von Heinrichs Kindern Maria, Elisabeth und Edward. Sie half damit auch, die zuvor zerstrittene königliche Familie wieder näher zusammenzubringen.
Heinrich vertraute ihr sogar so sehr, dass Catherine 1544 während seines Feldzugs in Frankreich zeitweise die Regierungsgeschäfte als Regentin übernahm.
Heinrichs Gesundheit verschlechterte sich jedoch währenddessen immer weiter. Am 28. Januar 1547 starb er mit 55 Jahren. Von seinen sechs Ehefrauen war Catherine Parr die einzige, die ihn überlebte.
💡In England kennt bis heute fast jedes Kind den berühmten Merkspruch über das Schicksal von Heinrichs sechs Ehefrauen: „Geschieden, enthauptet, gestorben, geschieden, enthauptet, überlebt“ (Divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived).
Heinrichs Erbe
Heinrich hinterließ ein tief gespaltenes England. Durch seinen Bruch mit Rom hatte er die Church of England geschaffen, doch die Frage, ob England katholisch oder protestantisch sein sollte, war längst nicht geklärt. Unter seinen Kindern führte das zu heftigen religiösen Konflikten und Verfolgungen.
Gleichzeitig stärkte Heinrich England als Seemacht. Er ließ die königliche Flotte deutlich ausbauen, investierte in neue Kriegsschiffe und verbesserte die maritime Infrastruktur. Damit legte er wichtige Grundlagen für den späteren Aufstieg Englands zu einer bedeutenden Seemacht.
Auch die Thronfolge war kompliziert: Sein Sohn Edward VI. folgte ihm zunächst als König, starb jedoch schon mit 15 Jahren. Danach kämpften unterschiedliche Gruppen um die Krone, bevor schließlich Heinrichs Töchter Maria I. und Elisabeth I. nacheinander Königinnen wurden. So hinterließ Heinrich zwar eine mächtige Krone, aber auch ein religiös und politisch zerrissenes England.