Wiener Kongress
Was der Wiener Kongress war, wer daran teilnahm und welche Folgen er für Europa hatte, erfährst du hier und im Video!
Inhaltsübersicht
Was war der Wiener Kongress?
Der Wiener Kongress war ein großes internationales Treffen von September 1814 bis Juni 1815. Die wichtigsten Staatsmänner Europas verhandelten darüber, wie Europa nach den Napoleonischen Kriegen neu geordnet werden sollte.
Mit am Tisch saßen die sogenannten Großmächte Österreich, Preußen, Russland, Großbritannien und nach Napoleons Niederlage auch Frankreich. Sie wollten die Zeit vor Napoleons Herrschaft wiederherstellen. Dabei orientierten sie sich an drei gemeinsamen Grundideen:
- Wiederherstellung (Restauration)
- Rechtmäßigkeit der Monarchie (Legitimation)
- Zusammenhalt unter den Fürsten (Solidarität)
Schon gewusst? Der Wiener Kongress war nicht nur politisch bedeutend. Er war auch ein großes gesellschaftliches Ereignis mit Festen, Bällen und Begegnungen, über das in ganz Europa gesprochen wurde.
Wie kam es zum Wiener Kongress? — Die Vorgeschichte
Bevor sich Europas Herrscher in Wien trafen, lag Europa in Trümmern. Zwischen 1792 und 1815 führte Frankreich gegen viele europäische Staaten fast ununterbrochen Krieg. Ausgelöst wurde diese lange Konfliktzeit durch die Französische Revolution, bei der die Bevölkerung die bestehenden Machtverhältnisse in Frage stellte.
Als Napoleon in Frankreich 1799 an die Macht kam, verschärfte sich die Lage. Er führte nicht nur Kriege, sondern veränderte Europas politische Ordnung. Napoleon setzte Könige ab, schuf neue Staaten und machte viele Gebiete von Frankreich abhängig.
Das führte zu großer Unsicherheit in Europa. Viele Herrscher fürchteten, dass sich der Umsturz aus Frankreich auch in ihren Ländern wiederholen könnte. Nach mehreren Niederlagen wurde Napoleon 1814 zum ersten Mal besiegt. Im Pariser Frieden einigten sich die Sieger darauf, Europa gemeinsam neu zu ordnen. Dafür wurde der Wiener Kongress einberufen.
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Was wurde beim Wiener Kongress verhandelt?
Beim Wiener Kongress saßen Vertreter von über 200 Staaten an einem Tisch. Doch am Ende bestimmten vor allem fünf Großmächte den Verlauf der Verhandlungen: Österreich, Preußen, Russland, Großbritannien und, nach Napoleons Niederlage, auch Frankreich. Die wichtigsten Entscheidungen trafen dabei nicht gewählte Volksvertreter, sondern Fürsten und Diplomaten, die ihre alte Macht zurückgewinnen wollten.
Österreich wollte seine Führungsrolle in Mitteleuropa behalten. Russland forderte Gebiete in Polen. Großbritannien setzte sich für ein Gleichgewicht der Kräfte ein, damit kein Land zu mächtig wird. Preußen wollte neue Gebiete im Westen. Und Frankreich, das lange als Feind galt, wurde aus politischen Gründen einbezogen, damit es nicht isoliert wird und erneut einen Krieg anzettelt.
Restauration, Legitimität und Solidarität
Damit Europa nach den Kriegen wieder zur Ruhe kommt, einigten sich die Teilnehmer des Wiener Kongresses auf drei gemeinsame Grundsätze. Diese Prinzipien sollten die alte Ordnung wiederherstellen und für langfristigen Frieden sorgen.
- Restauration: Alles sollte wieder so werden wie vor den Napoleonischen Kriegen — mit alten Grenzen, alten Herrschern und alten Machtverhältnissen. Wer durch Napoleon abgesetzt worden war, sollte seinen Thron zurückbekommen. Die Botschaft war deutlich: Revolutionen dürfen keinen dauerhaften Wandel bringen
- Legitimität: Nur „rechtmäßige“ Herrscher sollten regieren dürfen. Das bedeutete: durch Geburt oder durch den Willen Gottes. Der sogenannte Gottesgnadenglaube war weit verbreitet und diente als Rechtfertigung für die Macht der Fürsten — nicht das Volk sollte entscheiden.
- Solidarität: Die Monarchen versprachen sich gegenseitige Hilfe, falls es irgendwo zu Aufständen kommen sollte. Wenn Menschen für Freiheit oder politische Mitsprache kämpften, sollten die anderen Herrscher eingreifen. Gemeinsam wollten sie so die Ordnung bewahren.
Mit diesen Entscheidungen stellten sich die Fürsten bewusst gegen die Forderungen vieler Menschen nach Freiheit und politischer Mitbestimmung. Stattdessen stärkten sie ihre eigene Macht.
Beschlüsse und Ergebnisse des Wiener Kongresses
Nach den langen Kriegen wollte der Wiener Kongress nicht nur Frieden sichern, sondern auch Europas Landkarte neu ordnen. Dabei wurden viele Grenzen verschoben und Herrscher neu eingesetzt:
- Frankreich verlor alle Gebiete, die es unter Napoleon erobert hatte, und wurde auf seine alten Staatsgrenzen zurückgesetzt.
- Großbritannien erhielt neue Kolonien, darunter wichtige Stützpunkte für den Handel.
- Russland bekam große Teile Polens.
- Preußen vergrößerte sich stark, vor allem im Westen, und erhielt unter anderem das Rheinland.
- Österreich gab zwar die Niederlande ab, bekam aber Norditalien dazu.
- Die Schweiz wurde als neutraler Staat anerkannt.
- Deutschland wurde nicht zu einem einheitlichen Staat, sondern blieb ein loses Bündnis aus vielen kleinen Einzelstaaten.
Neben den territorialen Veränderungen wurden auf dem Wiener Kongress auch zentrale politische Grundsätze beschlossen, die in der Wiener Kongressakte festgehalten wurden:
- Die Fürsten setzten auf die drei Leitprinzipien Restauration, Legitimität und Solidarität.
- Die Staaten verpflichteten sich zur gegenseitigen Hilfe bei inneren Unruhen.
- Es entstand eine sogenannte Pentarchie: ein Machtbündnis der fünf Großmächte Großbritannien, Russland, Österreich, Preußen und Frankreich.
- Mit der Heiligen Allianz sicherten sich Russland, Österreich und Preußen zusätzlich ab — um monarchische Strukturen in Europa zu schützen.
Welche Folgen hatte der Wiener Kongress?
Die Fürsten, die sich in Wien einigten, erreichten eines ihrer Hauptziele: Europa blieb für lange Zeit stabil. Es gab keine großen Kriege zwischen den Großmächten, und die alte Herrschaftsordnung wurde wiederhergestellt. Diese Phase der Ruhe hielt fast ein Jahrhundert, bis zum Ersten Weltkrieg 1914. Viele sprechen deshalb von einer Friedenszeit, die dem Kongress zu verdanken ist.
Für große Teile der Bevölkerung fühlte sich das aber ganz anders an. Viele Menschen hatten sich mehr Freiheit und Mitbestimmung erhofft. Sie wollten moderne Verfassungen, freie Wahlen und nationale Einheit. Die Politik des Wiener Kongresses setzte jedoch vor allem auf Kontrolle und Rückkehr zur alten Ordnung. Das führte zu wachsendem Widerstand.
Deutscher Bund
Nach dem Ende der Napoleonischen Herrschaft entschieden die Teilnehmer des Wiener Kongresses, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation nicht wiederherzustellen. Stattdessen wurde 1815 der Deutsche Bund gegründet.
Er sollte die vielen deutschen Einzelstaaten miteinander verbinden — allerdings nur locker. Ein gemeinsames Parlament oder eine einheitliche Regierung gab es nicht. Trotzdem spielte dieser Bund eine wichtige Rolle in der politischen Ordnung Europas nach 1815.
Was genau der Deutsche Bund war und welche Aufgaben er hatte, erfährst du hier.