Wirtschaftspolitik

Theorie der langen Wellen

Hier dreht sich alles um die Theorie der langen Wellen. Diese wurde entwickelt von dem sowjetischen Statistiker Nikolai Kondratieff. Zuerst wird die Idee des Kondratieffzyklus erklärt, anschließend wird auf den Ursprung der Theorie eingegangen und zum Abschluss erfolgt eine kritische Betrachtung des Zyklus.

Unser Lernvideo zur Theorie der langen Wellen bereitet das Thema graphisch anschaulich auf und unterstützt dich bei einem besseren Verständnis.

Inhaltsübersicht

Kondratieff Zyklen einfach erklärt

Die Theorie der langen Wellen, auch Kondratieff-Zyklus genannt, beschreibt die langfristige wirtschaftliche Entwicklung aufgrund von räumlicher und wirtschaftlicher Verschiebung der weltweiten Wirtschaftsdynamik. Sie sagt aus, dass grundlegende Basisinnovationen in Zyklen (Wellen) von 40 bis 60 Jahren auftreten und beschreibt damit den ständigen Strukturwandel der Wirtschaft aus makroökonomischer Sicht.

Phasen des Kondratieffzyklus

Die Theorie geht davon aus, dass Basisinnovationen, also grundlegende technische Neuerungen, wie beispielsweise die Dampfmaschine, in Zyklen auftreten und starke Wachstumsschübe auslösen. Es kommt folglich zu einem Aufschwung. Je nach Art und Adaptionszeit kann die Zyklenlänge variieren. Irgendwann setzt sich die Basisinnovation aber durch und die Innovationskraft wird erschöpft. Es folgt eine Abschwungsphase bis eine neue Basisinnovation neue Märkte öffnet und der Zyklus erneut beginnt.

Räumliche Unterscheidung

Interessant ist, dass die verschiedenen Wellen sich nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unterscheiden. Während sich die ersten Wellen noch auf Manchester, das Ruhrgebiet und die USA bezogen, verschieben sich spätere Wellen immer mehr nach Deutschland, Japan und USA. Grund dafür ist, dass die Standorte der alten Welle nicht den Anforderungen der neuen genügen. So verhindert beispielsweise das Verhalten von Regierungen und Unternehmen den Anpassungsprozess.

Kondratieff Theorie der langen Wellen: Entwicklung

Erstmals beschrieben wurde die Theorie der langen Wellen 1926 von Kondratieff in der Zeitschrift Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik in seinem Aufsatz „Die Langen Wellen der Konjunktur“. Der sowjetischen Statistiker wird eigentlich Kondratjew geschrieben, allerdings wird der Name meist transkribiert.

Kondratieff konnte außerdem feststellen, dass in den Aufschwungsperioden die positiven Konjunkturjahre überwiegen, wohingegen in den Abschwungsphasen grundlegende Erfindungen und Entdeckungen gemacht werden. Schließlich entsteht in dieser Zeit ein, durch mangelnde Produktivitätssteigerung, nicht zu erreichender Bedarf.

Schon seit vielen Jahren wird versucht die Theorie der langen Wellen wissenschaftlich zu belegen, denn bisher handelt es sich nur um eine Theorie. Das größte Problem stellt hierbei die starke Schwankung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vom ersten bis zum letzten Zyklus dar.

Die Theorie der langen Wellen muss vier Kriterien erfüllen:

  1. Kausalität: Es darf ausschließlich die Innovationstätigkeit für den wirtschaftlichen Aufschwung ausschlaggebend sein.
  2. Zyklizität: Die einzelnen Wellen müssen alle 40 bis 60 Jahre erneut beginnen, also zyklisch verlaufen.
  3. Gesamtwirtschaftliche Auswirkung: Es darf sich nicht nur um einzelne Innovationen handeln. Die Verknüpfung vieler unterschiedlicher Innovationen über verschiedene Wirtschaftssektoren hinaus muss sich auf die gesamte Volkswirtschaft auswirken.
  4. Zeitliche Wiederkehr: Es muss sichtbar sein, dass sich die Innovationen zyklisch verhalten.

Einige Theoretiker, die sich ausführlich mit den Kondratieff Zyklen beschäftigten sind Schumpeter, Freeman und Mensch.

Josef Schumpeter

Josef Schumpeter behauptete 1939 als Erster, dass die Grundlage der Zyklen technische Innovationen seien. Er prägte damit den Begriff der Basisinnovationen und kam außerdem zu dem Schluss, dass nicht die Entdeckung der Innovation, sondern die Adaption der breiten Masse ausschlaggebend für die langen Wellen ist.

Gerhard Mensch

Gerhard Mensch unterschied 1973 außerdem zwischen Basisinnovationen und Verbesserungsinnovationen. Wobei es sich bei Verbesserungsinnovationen lediglich um eine leichte Anpassung oder Verbesserung der Basisinnovation handelt.

Christopher Freeman

Für Freeman hingegen hatten 1982 die Basisinnovationen keine herausragende Bedeutung mehr. Viel wichtiger waren sogenannte Techniksysteme. Laut ihm benötigt es also mehr als eine Basisinnovation, um einen wirtschaftlichen Aufschwung zu bewirken. Entscheidend ist die Diffusion einzelner Innovationen aus verschiedenen Wirtschaftssektoren. Nur wenn sie verbunden werden, können Sie einen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung bewirken. (siehe auch Punkt vier „Kriterien der Theorie der langen Wellen“)

Kondratieff Zyklen

In der bisherigen Entwicklung der Weltwirtschaft unterscheidet man zwischen fünf langen Wellen seit Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Hier besteht bis auf kleinere Abweichung allgemeine Einigkeit. Uneinigkeit herrscht jedoch bezüglich des so genannten 6. Kondratieff.

So in der Art kann man die Zyklen darstellen.

Kondratieff Zyklus 1

Die erste Welle von 1780 – 1840 wird als Frühmechanisierung bezeichnet und wurde durch die Erfindung der Dampfmaschine ausgelöst. Sie leitete den Beginn der Industrialisierung ein. Manche Theoretiker vermuten, dass es in Großbritannien schon eine frühere Welle gab.

Kondratieff Zyklus 2

Die zweite lange Welle von ca. 1840 – 1890 ist bekannt als die „Gründerzeit“ und wurde durch Eisenbahnen und Dampfschiffe geprägt.

Kondratieff Zyklus 3

Die folgende Welle von 1890 – 1940 ist besonders durch die Elektrifizierung, dem Beginn der Automobilisierung und bedeutende Erfindungen im Bereich der Chemie gekennzeichnet.

Kondratieff Zyklus 4

Die letzte vergangene, die vierte lange Welle, wurde durch den Ausbau der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrttechnik sowie der Kernenergie bestimmt.

Kondratieff Zyklus 5

Seit 1990 befinden wir uns in der fünften langen Welle. Jetzt spielen vor allem weitreichende Basisinnovationen in der Informations- und Kommunikationstechnik eine große Rolle. Das weltweite Wirtschaftswachstum mit Wachstumsraten von rund 5% im Jahr 2004, lassen darauf schließen, dass es sich in diesem Jahr um die Hochperiode des 5. Zyklus handelte.

Theorie der langen Wellen, Zyklen, Kondratieff
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Theorie der langen Wellen: Zyklen

6. Kondratieff

Aber schon heute sprechen manche Wissenschaftler von einem neuen Zyklus durch wissenschaftliche Durchbrüche in der „ganzheitlichen Gesundheit“. Es wird diskutiert, ob Innovationen in beispielsweise der Mikroelektronik und der Bio- bzw. Gentechnik bereits den Beginn eines neuen Zyklus gebracht haben. Als Technologien, die einen möglichen sechsten Kondratieff Zyklus prägen, werden unter anderem Themen bezüglich der künstlichen Intelligenz, das Internet der Dinge oder der Ressourceneffizienz gehandelt.

Kondratieff Zyklus Kritik

So einleuchtend die Theorie der langen Wellen auch klingt, gibt  es trotzdem viel Kritik. Denn obwohl die Theorie die Ursachen eines wirtschaftlichen Aufschwungs vermeintlich erklärt, sind Auslöser des Abschwungs und Gründe für zyklische Schwankungen nur unzureichend ausgeführt. Außerdem können sich je nach Wahl der Trendkomponente fast beliebige Wellen bilden lassen. Das lässt sich bereits an der fehlenden Beschriftung der y-Achse erkennen. Es gibt nämlich keine langen Reihen, wie beispielsweise die Entwicklung des BIP , die diese wellenförmige Entwicklung aufweisen.

 

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