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In ihren ersten Lebensmonaten bauen Kinder eine Bindung zu ihren Bezugspersonen auf. Welche Bindungstypen es gibt und welche Auswirkungen sie auf die Entwicklung haben können, erfährst du hier%und in unserem Video!

Bindungstypen einfach erklärt

Die Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth beschreibt, wie die Entwicklung von Kindern durch emotionale Beziehungen zu ihren Bezugspersonen geprägt ist. Es wird zwischen vier Bindungstypen unterschieden:

  • Bindungstyp A: Unsicher-vermeidende Bindung
  • Bindungstyp B: Sichere Bindung
  • Bindungstyp C: Unsicher-ambivalente Bindung
  • Bindungstyp D: Unsicher-desorganisierte Bindung

Die Bindungstypen beschreiben, wie stark sich das Kind in neuen Situationen an seiner Bezugsperson orientiert (Bindungsverhalten) und wie eigenständig es seine Umwelt erkundet (Explorationsverhalten). Daraus lassen sich allgemeine Aussagen über die emotionale Beziehung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen ableiten.

Sichere Bindungen helfen dabei, dass sich Kinder angstfrei entfalten können und tragen deshalb positiv zu ihrer Entwicklung bei.

Was ist Bindung (Bindungstheorie)?

Unter dem Begriff „Bindung“ verstehst du die anhaltende emotionale Verbundenheit zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen, die sich in den ersten Lebensmonaten ausbildet. Sie wird vor allem dadurch gestärkt, dass das Baby erkennt, dass es seinen Bezugspersonen, z. B. den Eltern, vertrauen kann. Für die Vertrauensbildung ist es sehr wichtig, dass die Grundbedürfnisse des Babys nicht vernachlässigt werden.

Tipps für Erziehende:  Babys schreien und weinen, weil sie ihre Gefühle noch nicht anders ausdrücken können. Diese Äußerungen solltest du nicht ignorieren, denn sie sind ein Anzeichen dafür, dass das Baby etwas braucht.

Der Psychoanalytiker John Bowlby hat als Erster festgestellt, dass diese Bindung einen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Kindern hat. Die Stärke der Bindung zeigt sich dann im sogenannten Bindungsverhalten daran, wie sich Kinder in neuen Situationen verhalten. Fühlt sich das Kind sicher, zeigt es ein hohes Explorationsverhalten. Das heißt, dass es seine Umwelt erkundet. Die Bezugsperson sollte dabei idealerweise die Basis bilden, zu der Kinder zurückkehren können, um die neuen Erfahrungen in Sicherheit zu verarbeiten.

Um die Bowlby Bindungstheorie praktisch zu testen, hat die Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth Experimente durchgeführt. Daraus ergaben sich 4 Bindungstypen.

Bindungstypen – Übersicht

Laut Bindungstheorie ist die Verbindung zwischen Kind und Bezugsperson so stark, dass sie sich auch auf das Verhalten des Kindes auswirkt, wenn die beiden räumlich oder zeitlich voneinander getrennt sind. Mary Ainsworth hat das in ihrem Bindungstypen Test mit 1 bis 1\frac{1}{2}-jährigen Kindern und ihren Müttern näher erforscht.

Der Testablauf sah so aus:

  1. Die Kinder und ihre Mütter halten sich in einem unbekannten Raum auf, wo dem Kind Spielzeug zur Verfügung steht.
  2. Eine fremde Person betritt den Raum und beschäftigt sich mit dem Kind.
  3. Die Mutter verlässt kurz den Raum und kommt dann wieder zurück.
  4. Die Mutter verlässt den Raum erneut, während die fremde Person bei dem Kind bleibt.

Dabei konnte beobachtet werden, dass verschiedene Kinder unterschiedliches Explorationsverhalten (hier: Spielen) und Bindungsverhalten (hier: Reaktion auf die Abwesenheit der Mutter) gezeigt haben. Daraus wurden die 4 Bindungstypen abgeleitet.

Wichtig: Weil das ursprüngliche Experiment mit Müttern und ihren Kindern durchgeführt wurde, werden diese als beispielhafte Bezugsperson genannt. Natürlich können die Bindungstypen ebenso bei einer Beziehung von Vater und Kind oder unter Geschwistern wahrgenommen werden.

Bindungstyp A: Unsicher vermeidende Bindung

Während des Experiments zeigen unsicher-vermeidende gebundene Kinder kaum eine Reaktion darauf, dass ihre Mutter den Raum verlassen hat. Stattdessen spielen sie die ganze Zeit weiter. Das Kind wirkt dabei nach außen selbstbewusst und ruhig. Tatsächlich kann aber davon ausgegangen werden, dass auch sie von der Abwesenheit der Bezugsperson gestresst werden. Nur zeigen sie diese Gefühle nicht.

Grund für diese Reaktion ist die Erfahrung, dass die Bezugsperson generell unzuverlässig ist und nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht. Deshalb suchen sie bei ihr auch keinen Trost nach der stressigen Erfahrung und „passen auf sich selbst auf“. Nicht selten geht das mit einem negativen Selbstbild einher, da die eigenen Gefühle als unwichtig verinnerlicht werden.

Tipps für Erziehende: Bereits in ihren ersten Lebensmonaten beginnen Kinder damit, ihr Verhalten an die Reaktionen ihres Umfelds anzupassen. Wenn einem Baby konstant das Gefühl gegeben wird, dass es eine Belastung für die Eltern ist, dann wird es aufhören, seine Gefühle auszudrücken.

Bindungstyp B: Sichere Bindung

Während des Bindungstypen Tests reagieren sicher gebundene Kinder mit Schreien oder Weinen auf die Abwesenheit der Mutter. Bei ihrer Rückkehr sind sie sichtlich erleichtert und wenden sich erst dann wieder dem Spielen zu. Bindungs– und Explorationsverhalten wechseln sich also ab.

Kinder mit diesem Bindungstyp nehmen ihre Bezugsperson als sichere Basis wahr, zu der sie immer wieder zurückkehren können, wenn sie Hilfe oder Trost brauchen. Das liegt daran, dass die Kinder von Anfang an Verlässlichkeit erfahren haben. Durch die emotionale Stabilität der Bezugsperson können sie ihre Gefühle ausdrücken und erkunden ihre Umwelt. Das führt dazu, dass sie Lernerfolge erzielen können.

Tipps für Erziehende: Damit Kinder eine sichere Bindung aufbauen, ist es sehr wichtig, dass auf ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse eingegangen wird.

Bindungstyp C: Unsicher ambivalente Bindung

In Ainsworths Experiment fallen unsicher-ambivalent gebundene Kinder vor allem dadurch auf, dass sie keine Balance zwischen Bindungs– und Explorationsverhalten zeigen. Von der Abwesenheit der Mutter sind sie stark verunsichert. Das zeigt sich daran, dass sie nicht nur weinen, sondern auch versuchen, das Gehen zu verhindern. Auch wenn die Mutter wieder da ist, können sich die Kinder nicht entspannen und spielen, sondern sind ängstlich, aggressiv oder suchen Nähe.

Hier ist der Grund ebenfalls eine unzuverlässige Bezugsperson, die selbst ambivalentes Verhalten zeigt: Das Kind weiß nie, wie die Bezugsperson auf ihre Gefühlsäußerung reagieren wird. Das führt dazu, dass nicht nur die stressige Situation, sondern auch die Bezugsperson an sich sie unsicher macht.

Tipps für Erziehende: Kinder brauchen eine Garantie, dass das Verhalten ihrer Bindungsperson konstant bleibt und sich nicht von einem Moment auf den anderen verändert. Sonst beginnen sie zu glauben, dass ihre eigenen Bedürfnisse weniger wichtig sind als die der anderen.

Bindungstyp D: Unsicher desorganisierte Bindung

Unsicher-desorganisiert gebundene Kinder reagieren sehr widersprüchlich auf die unbekannten Situationen während des Tests. Sie wirken sowohl von der Abwesenheit als auch von der Rückkehr der Mutter überfordert. Das zeigt sich in ungewöhnlichen Verhaltensweisen wie beispielsweise Stimmungsschwankungen, Aggression oder das Fehlen von Gefühlsäußerungen. Das Spielzeug beachten sie oft nicht.

Dieses Verhalten stammt wahrscheinlich davon, dass die Kinder bereits in den ersten Lebensmonaten traumatische Erlebnisse gemacht haben, die nicht selten direkt mit der Bezugsperson zusammenhängen. Die Bezugsperson wird dann nicht nur als Quelle von Sicherheit, sondern auch als Auslöser von Angst wahrgenommen. Werden die traumatischen Erfahrungen fortgesetzt und die Ereignisse nicht verarbeitet, können sie sich als schwere psychische Probleme verfestigen.

Tipps für Erziehende: Zeigt das Kind ein solches Verhalten, sollte möglichst schnell professionelle Hilfe, zum Beispiel die eines Kinderpsychiaters, in Anspruch genommen werden.

Bindungstypen – Zusammenfassung

In dieser Tabelle findest du die wichtigsten Punkte der Ainsworth Bindungstypen auf einen Blick zusammengefasst:

Typ A: Unsicher-vermeidend B: Sicher C: Unsicher-ambivalent D: Unsicher-desorganisiert

Bindungs-
verhalten

Gering Stark Unsicher Widersprüchlich
Explorations-
verhalten
Stark

Stark

Gering Uneinheitlich
Grund Unzuverlässige Bezugsperson Zuverlässige Bezugsperson Ambivalente Bezugsperson Traumatische Erfahrung
Folge Verbergen der Gefühle und geringes Selbstvertrauen

Gefühls-äußerungen und Lernerfolge

Ängstlichkeit und Nervosität Schwere psychische Probleme

Bindungstypen und Auswirkungen

Ganz allgemein machen die Bindungstypen Aussagen darüber, wie gut Kinder gelernt haben, mit Stresssituationen umzugehen. Ihr Verhalten orientiert sich daran, ob sie eine sichere oder eine unsichere Bindung zu ihrer Bezugsperson aufgebaut haben.

Eine sichere Bindung hat viele positive Auswirkungen auf das Verhalten, die sich bis ins Erwachsenenalter bemerkbar machen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten
  • Lernbereitschaft
  • Konstruktiver Umgang mit stressigen Situationen
  • Kontaktfreudigkeit

Unsichere Bindungen dagegen können viele Probleme für das spätere Leben der Kinder auslösen. Die häufigsten sind:

  • Psychische Labilität
  • Geringes Selbstvertrauen und Misstrauen
  • Schwierigkeiten bei der Gefühlsregulierung
  • Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen

Eine sichere Bindung ist also ganz entscheidend dafür, dass sich Kinder gesund und glücklich entwickeln können.

Bindungstypen und Urvertrauen 

Für eine sichere Bindung zwischen der Bezugsperson und dem Kind spielt das Urvertrauen eine entscheidende Rolle. Bereits in ihren ersten Lebensmonaten bilden Babys ein Gespür dafür aus, ob sie sich auf ihre Bezugsperson verlassen können. Dieses grundlegende Vertrauen beeinflusst, wie sie die Welt wahrnehmen.

Der Psychoanalytiker Erik Erikson sieht in der Ausbildung des Urvertrauens einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Kindern. Wenn du mehr über Erikson’s Stufenmodell der Persönlichkeitsentwicklung erfahren möchtest, dann schau als Nächstes bei unserem Video dazu vorbei!%Verweis Thumbnail Erikson Stufenmodell

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