Erziehungsstile einfach erklärt

Der Erziehungsstil ist eine Grundhaltung der Eltern, die sich im Verhalten dem Kind gegenüber zeigt. Dadurch wird die Entwicklung des Kindes beeinflusst.

Aber nicht in jeder Familie läuft die Erziehung gleich ab: Es gibt unterschiedliche Erziehungsstile. Der jeweils gewählte Erziehungsstil entscheidet, welche Einstellungen, Zielvorstellungen und Verhaltensmuster der Erziehung zugrunde liegen und an das Kind weitergegeben werden.

Grundsätzlich unterscheidest du zwischen 8 verschiedenen Erziehungsstilen in der Pädagogik. Drei der wichtigsten Erziehungsstile gehen dabei auf den Psychologen Kurt Lewin zurück: 

  • Autoritärer Erziehungsstil
  • Laissez-Faire Erziehungsstil
  • Demokratischer Erziehungsstil

Neben diesen Hauptkategorien gibt es noch weitere Erziehungsstile:

  • Antiautoritärer Erziehungsstil
  • Autokratischer Erziehungsstil
  • Autoritativer Erziehungsstil
  • Egalitärer Erziehungsstil
  • Permissiver Erziehungsstil

Im Folgenden erfährst du, was jede dieser einzelnen Erziehungsmethoden ausmacht.

Erziehungsstil vs. Erziehungskonzept und Erziehungsphilosophie

Erziehungsstile bilden sich aus der erzieherischen Grundhaltung und dem Verhalten der Eltern. Im Gegensatz dazu liegen den Erziehungskonzepten und Erziehungsphilosophien Leitbilder, pädagogische Ziele und Normen zugrunde.

Autoritärer Erziehungsstil

Beim autoritären Stil wird ein Großteil der Aktivitäten von den Eltern bestimmt und das Kind muss sich ihnen unterordnen. Der Stil zeichnet sich vor allem durch viele Verbote, Grenzen und Regeln aus. Je nachdem, ob sich das Kind an diese Vorgaben hält, wird es belohnt oder bestraft. Diese Form der Erziehung war vor wenigen Jahrzehnten noch weit verbreitet, heutzutage kommt sie seltener vor.

Auswirkungen

Der autoritäre Erziehungsstil fördert nicht die Selbstständigkeit der Kinder. Durch die strengen Regeln und Befehle haben sie keine Möglichkeit, sich frei zu entfalten und ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Laissez Faire Erziehungsstil

Einfach machen lassen — das ist das Motto der Laissez-Faire Erziehung. Die Eltern nehmen dabei eine passive Rolle ein und lassen ihren Nachwuchs einfach gewähren. Dabei gelten kaum Regeln und wenn eine gebrochen wird, bringt das keine Konsequenzen mit sich. Das Kind bleibt dementsprechend sich selbst überlassen und hat keine richtige Orientierung oder Sicherheit. 

Auswirkungen

Da das Kind auf sich alleine gestellt ist, lernt es keine sozialen Werte und Normen, was oft zu einem gestörten Sozialverhalten führen kann. Auch Probleme wie Bindungsschwierigkeiten und Orientierungslosigkeit sind häufige Folgen dieser Erziehung.

Demokratischer Erziehungsstil

Entscheidungen gemeinsam fällen — das zeichnet den demokratischen Erziehungsstil aus. Das Kind wird als ernstzunehmende Persönlichkeit behandelt und darf selbstständig und eigenverantwortlich handeln. Trotzdem leiten die Eltern ihre Kinder an und unterstützen sie, ohne sie zu bevormunden. Das Ziel ist, dass die Erziehung samt aller Regeln und Vorschriften transparent und für das Kind nachvollziehbar ist. 

Trotz allem gelten bestimmte Regeln, die beachtet werden sollen. Im Gegensatz zum antiautoritären Führungsstil haben die Kinder also keine völlige Freiheit bei dem, was sie tun.

Auswirkungen

Beim demokratischen Führungsstil gibt es Vor- und Nachteile für die Pädagogik. Zum einen sind Kinder, die so erzogen werden, kritikfähig und haben eine hohe Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen. Andererseits können sie dazu neigen, alles ausdiskutieren zu wollen. 

Antiautoritärer Erziehungsstil

Diese Art der Erziehung ist das genaue Gegenteil zur autoritären Erziehung. Hier kann das Kind viel selbst entscheiden und sich somit frei entfalten und kreativ ausleben. Das soll aber nicht heißen, dass die Erziehung ganz ohne Grenzen abläuft. Diese Grenzen werden aber eher als Vorschläge angesehen und du vertraust darauf, dass das Kind selbst lernt, was gut für es ist. 

Auswirkungen

Wird der antiautoritäre Erziehungsstil falsch verstanden und werden überhaupt keine Grenzen gesetzt, besteht die Gefahr, dass die Kinder Regeln nicht akzeptieren und egoistisch werden. Sie lernen dann nicht, wie sie mit negativen Emotionen umgehen und sich anderen gegenüber einfühlsam verhalten sollen. Das hemmt sie in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung . Das ist aber nicht der Sinn und Zweck dieses Erziehungsstils — vielmehr soll das Kind selbst Verantwortung für sein Handeln und seine Entscheidungen übernehmen. 

Autokratischer Erziehungsstil

Der autokratische Erziehungsstil ist eine Steigerung des autoritären Stils. Das Kind hat keinerlei Mitspracherecht und es gelten strenge Regeln ohne Kompromisse. Anders als beim autoritären Stil werden Fehler bestraft und auf Dinge, die das Kind gut gemacht hat, wird wenig bis gar nicht eingegangen. Diese Form der Erziehung ist sehr unpersönlich und die Selbstständigkeit des Kindes wird unterdrückt.

Auswirkungen

Durch die strengen Regeln kann das Kind keine Eigeninitiative entwickeln, was dazu führt, dass auch kein gesundes Selbstbewusstsein ausgebildet wird. Es kann vorkommen, dass ein auf diese Weise erzogenes Kind Aggressionen gegenüber anderen zeigt, da es ja gar kein anderes Verhalten von zu Hause kennt.

Autoritativer Erziehungsstil

Hier bist du ein Vorbild für das Kind und lebst ihm das vor, was du auch von ihm erwartest. Trotz Fürsorglichkeit herrschen klare Grenzen, allerdings wird hauptsächlich viel gelobt und unterstützt. Vor allem klare Kommunikation ist gefragt – du hörst dir zwar auch an, was das Kind zu sagen hat, allerdings triffst letztendlich du die Entscheidungen. 

Auswirkungen

Der autoritative Stil gilt als der goldene Mittelweg bei der Erziehung von Kindern. Dadurch, dass dem Kind weder starre Regeln noch komplett freies Handeln im Weg stehen, kann es ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Auch das Verantwortungsbewusstsein wird durch das Mitspracherecht gestärkt.

Kinder, die so erzogen werden, können sich leichter in die Gesellschaft und die dort herrschenden Strukturen einordnen und besitzen ein hohes Maß an Teamfähigkeit. Sie lernen, ihre eigene Meinung zu vertreten, gleichzeitig aber auch andere Standpunkte zu akzeptieren.

Egalitärer Erziehungsstil 

Hier ist absolute Gleichberechtigung angesagt. Das Kind und die Eltern bestimmen alles gemeinsam und begegnen sich auf Augenhöhe: Ein Über- oder Unterordnungsprinzip wie bei einigen anderen Erziehungsstilen gibt es nicht. Die egalitäre Erziehung kannst du sozusagen als eine Steigerung des demokratischen Erziehungsstils betrachten. Wenn also das Kind nicht zur Schule will oder sich sträubt, sein Zimmer aufzuräumen, wird die Angelegenheit miteinander ausdiskutiert.

Auswirkungen

Das Kind lernt, seine Meinung zu äußern und sachliche Kritik entgegenzunehmen. Auch andere Meinungen kann es akzeptieren. Jedoch hat sich in der Pädagogik gezeigt, dass diese Erziehungsmethode viel Zeit und Geduld seitens der Eltern erfordert. Denn manchmal kann es etwas dauern, bis die Dinge geklärt sind. 

Permissiver Erziehungsstil

Der permissive Erziehungsstil ist eine etwas mildere Form des Laissez Faire Erziehungsstils und zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Eltern in der Erziehung eher zurückhalten. Das Kind muss seine Wünsche selbst formulieren, damit die Eltern ihm auch helfen. Es muss also selbst aktiv werden und Verantwortung übernehmen. Im Gegensatz zum Laissez Faire-Ansatz werden aber trotzdem ab und zu Grenzen gesetzt.

Auswirkungen

Auch hier hat das Kind einen großen Handlungsspielraum, um sich frei zu entfalten und eine eigene Meinung zu bilden. Das kann allerdings auch dazu führen, dass es sehr selbst fokussiert oder egoistisch wird und sich nicht an Regeln hält, da es ja gewohnt ist, dass die Eltern immer nachgeben.

Erziehungsstile Pädagogik Übersicht

Jetzt hast du alles über die Details verschiedener Erziehungsstile in der Pädagogik kennengelernt. Im Folgenden siehst du eine Übersicht mit den wichtigsten Merkmalen:

Erziehungsstil Merkmale
autoritär
  • Erziehung erfolgt nach dem Belohnungs- oder Bestrafungssystem.
  • Strenge Regeln und Kontrolle. 
  • Kühler Umgangston.
antiautoritär
  • Die Kinder werden zu nichts gezwungen. 
  • Eltern und Kinder begegnen sich auf Augenhöhe. 
  • Die Kinder treffen eigene Entscheidungen und lernen so, was gut für sie ist.
autokratisch
  • Der Erziehende bestimmt alleine über alle Aktivitäten des Kindes und stellt Regeln auf.
  • Das Einhalten der Regeln wird streng überwacht. 
  • Erziehungsmittel sind Bestrafung, Einschüchterung und Drohungen.
autoritativ
  • Es gibt klare, aber keine starren Regeln und Grenzen.
  • Mitbestimmungsrecht der Kinder, soweit es sinnvoll ist. 
  • Autorität und Freiheit werden gleichermaßen beachtet. 
demokratisch
  • Das Kind darf Regeln hinterfragen und alternative Lösungen können diskutiert werden.
  • Die Meinung von Eltern und Kind wird als gleichwertig angesehen.
  • Kritik am Kind erfolgt konstruktiv.
Laissez Faire
  • Das Verhältnis ist neutral und distanziert. 
  • Das Kind trifft Entscheidungen selbst, ohne Austausch mit seinen Eltern. 
  • Eltern greifen nicht ein. 
egalitär
  • Absolute Gleichberechtigung, also kein Machtgefüge. 
  • Eltern geben keine Befehle. 
permissiv
  • Eltern sind eher passiv und stellen nur wenige Regeln auf.  
  • Das Kind soll seine Bedürfnisse selbst äußern. 
  • Jeder Wunsch des Kindes wird ernst genommen.

Erziehungsstile und Bindungstypen

Du siehst, dass in der Pädagogik die Erziehung stark über das spätere Verhalten eines Menschen entscheidet. Ein wichtiger Faktor, der durch die Erziehung beeinflusst wird, ist die emotionale Verbundenheit zu den Bezugspersonen. Diese kann sich auf alle anderen Beziehungen im späteren Leben auswirken.

Mehr dazu, welche verschiedenen Bindungstypen es gibt und was ihre Auswirkungen sind, erfährst du im nächsten Beitrag.

Zum Video: Bindungstypen
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