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Was ist Verstädterung?

Verstädterung ist das Wachstum, die Vermehrung und die Ausdehnung von Städten im Vergleich zu ländlicheren Gebieten. Die Hauptursache für eine Verstädterung ist die Landflucht, also die Abwanderung vom Land in die meist attraktivere Stadt.

Durch die hohe Zuwanderung in der Stadt kommt es unter anderem zu Verkehrs-, Umwelt- und Hygieneproblemen. Verstädterung ist ein weit gefasster Begriff, den du in vier Arten einteilst.

Die vier Arten der Verstädterung sind:

  • demographische Verstädterung
    • Verstädterungsgrad
    • Verstädterungsrate
  • physiognomische Verstädterung
  • funktionale Verstädterung
  • soziale Verstädterung

Schon gewusst? Häufig wird die Verstädterung mit der Urbanisierung verwechselt. Diese ist jedoch nur ein Teil der sozialen Verstädterung.

Die demographische Verstädterung

Die demografische Verstädterung beschreibt die wachsende Bevölkerungszahl eines Gebiets, Landes oder Staats.

Hörst du „Verstädterung“ im Alltag, ist wahrscheinlich die demographische Verstädterung gemeint. Achtung, hier musst du zwischen zwei Aspekten unterscheiden: dem Verstädterungsgrad und der Verstädterungsrate.

Der Verstädterungsgrad

Der Verstädterungsgrad, oder die Verstädterungsquote, gibt den demographischen Zustand eines Gebiets, Landes oder Staats an. Der Verstädterungsgrad beschreibt den Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung des Gebiets.

Du unterscheidest zwischen drei Gebietstypen:

  • Städte (dicht besiedelte Gebiete)
  • Kleinere Städte und Vororte (mittel besiedelte Gebiete)
  • Ländliche Gebiete  (dünn besiedelte Gebiete)

Übrigens: Der Verstädterungsgrad steigt weltweit immer mehr an. Schon 2015 lebten global zum ersten Mal in der Geschichte mehr Menschen in einer Stadt als auf dem Land. Das zeigt sich auch an den Zahlen: 1950 lebte nur knapp ein Drittel der Weltbevölkerung in der Stadt, 2020 waren es bereits über die Hälfte. Die Tendenz ist steigend.

Die Verstädterungsrate

Die Verstädterungsrate beschreibt den demographischen Prozess, also die Entwicklung der Verstädterung. Wichtig ist hier der Zuwachs der Stadtbevölkerung, also der Anstieg des Verstädterungsgrads.

Der Zuwachs der Stadtbevölkerung bezieht auch Geburten und Sterbefälle, Ein- und Auswanderungen sowie Eheschließungen und -lösungen ein.

Physiognomische Verstädterung

Die physiognomische Verstädterung beschreibt die arealmäßig-bauliche Erweiterung und/oder Umstrukturierung städtischer Siedlungsformen. 

Darunter kannst du dir die Veränderung „dörflicher“ Siedlungen am Beispiel von Städten vorstellen. Es wird höher und dichter gebaut, der Baustil ist städtisch orientiert und Freiflächen wie Parks werden reduziert.

Die funktionale Verstädterung

Die funktionale Verstädterung befasst sich mit der industriellen und tertiären Verstädterung. 

Bei der industriellen Verstädterung geht es um das Städtewachstum in Bezug auf die Industrialisierung. Die tertiäre Verstädterung betrachtet die Abhängigkeit der städtischen Verdichtung vom tertiären Sektor , also von Dienstleistungen. 

Durch die funktionale Verstädterung werden einst eng verflochtene und zusammenhängende Funktionsstandorte für Wohnen, Arbeiten, Versorgen und Freizeit entmischt. Konnte man im Dorf zum Beispiel fast nur in der Einkaufsstraße einkaufen, gibt es in der Stadt viel mehr Optionen, die weiter auseinander liegen. Der Standort wurde also entmischt. 

Die soziale Verstädterung

Die soziale Verstädterung, auch Urbanisierung genannt, bezieht sich auf die Ausbreitung städtischer Verhaltensweisen und Lebensformen in der Bevölkerung. Daraus ergeben sich räumliche Strukturen und Vorgänge.

Einfach gesagt verhalten sich die Menschen in ländlicheren Gebieten immer mehr wie die Menschen in der Stadt. Auch ihr Konsum orientiert sich mehr und mehr daran. Ein Beispiel für die soziale Verstädterung ist eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur im ländlichen Raum.

Urbanisierung

Urbanisierung ist etwas anderes als Verstädterung. Während bei der Verstädterung hauptsächlich auf die Entwicklung der Städte bezüglich Größe, Bevölkerungsanteil und Zuwanderung geachtet wird, bezieht die Urbanisierung zusätzlich die sozialen Aspekte ein. Soziale Verstädterung und Urbanisierung sind jedoch das Gleiche.

Verstädterung als Städteverdichtung

Die Verstädterung als Städteverdichtung ist die räumliche Verdichtung einer ländlichen Siedlung oder einer Stadt, sowie die Zunahme der Städteanzahl in einem bestimmten Gebiet.

Wenn eine ländliche Siedlung eine bestimmte Zahl an Einwohnern überschreitet, kann sie zur Stadt umklassifiziert werden. Welche Zahlen das sind, ist in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich. 

Die Städteverdichtung kann auch durch planmäßig neu-erbaute Städte oder neue Stadtgründungen erfolgen. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Halle-Neustadt. Sie wurde 1960 als Chemiearbeiterstadt nach Plan erbaut.

Ursachen der Verstädterung

Die Hauptursache der Verstädterung ist die Landflucht, also die Zuwanderung von Menschen aus ländlichen Gebieten in die Städte.

Da die Entwicklung der Länder sehr unterschiedlich ist, musst du dir die Ursachen der Verstädterung getrennt nach ihrem Entwicklungsstand ansehen.

Ursachen in Entwicklungs- und Schwellenländern

In den Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Landflucht ein aktuelles Phänomen. Auf dem Land ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch und die Lebensbedingungen schlecht. Deswegen ziehen viele Menschen mit der Hoffnung auf neue berufliche Chancen und eine bessere Bezahlung in die Stadt.

Auch das Bevölkerungswachstum spielt hier eine Rolle. Da es in diesen Ländern um einiges mehr Geburten als Todesfälle gibt, wachsen sie und somit auch ihre Städte.

Ursachen in Industrieländern

Auch in den Industrieländern gibt es die Landflucht, wenn auch weniger ausgeprägt als in den Entwicklungsländern. Das kommt daher, dass der Lebensstandard sowohl in der Stadt als auch auf dem Land höher und die Arbeitslosigkeit geringer ist.

Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert gab es eine große Zuwanderung in die Städte, da dort neue Arbeitsplätze entstanden. Die Verstädterung wurde hier also vermehrt durch Landflucht und nicht durch Bevölkerungswachstum verursacht.

Heutzutage ist die Verstädterung in den meisten Industrieländern zum größten Teil abgeschlossen. Im Gegenteil: es lässt sich sogar eine Tendenz zur Stadtflucht feststellen. Das heißt, dass Menschen aus der Stadt in ländliche Gebiete ziehen, da in der Stadt nun zu viele Leute leben. Diesen Prozess nennst du Suburbanisierung .

Folgen und Probleme der Verstädterung

Der Prozess der Verstädterung geht natürlich nicht spurlos an einer Stadt vorbei. Er bringt auch einige Folgen und Probleme mit sich:

  • Vor allem in Entwicklungsländern kann die Infrastruktur nicht ausreichend angepasst werden (zu wenige Parks, Krankenhäuser oder öffentliche Verkehrsmittel).
  • Es entstehen sogenannte Megacities, die so groß sind, dass sich die Einwohnerzahlen nur schätzen lassen.
  • Ökonomische und ökologische Folgen entstehen in allen Ländern: dichter Verkehr, Umweltprobleme wie Luftverschmutzung, aber auch Wasser- und Wohnraumnot. 
  • Durch die vielen Einwohner kommt es zu großen Hygiene- und Gesundheitsrisiken, Krankheiten verbreiten sich rasant in der Stadt.
  • Es bilden sich Armenviertel, die sogenannten Slums . Das passiert nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in den reicheren Ländern.

Die Entwicklung der Verstädterung weltweit

Das Verhältnis von Land- und Stadtbevölkerung in der Welt bleibt natürlich nicht immer gleich. Am besten vergleichst du, wie hier, zwei bis drei Jahreszahlen miteinander. An ihnen kannst du die Entwicklung dann ganz einfach ablesen:

Anteile der Stadt- und Landbevölkerung an der Weltbevölkerung, in Prozent — 1950 und 2015

  Stadtbevölkerung Landbevölkerung
1950 29,6% 70,4%
1975 37,7% 62,3%
2000 46,6% 53,4%
2015 54,0% 46,0%
Differenz insgesamt +24,4% -24,4%

Im Zeitraum von 1950 bis 2020 sind 24,4%, also fast ein Viertel der Menschen, weltweit vom Land in die Stadt gezogen. Eine Verstädterung hat also definitiv stattgefunden.

Entwicklung der Verstädterung nach Entwicklungsstand

Bei der Entwicklung der Verstädterung gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern. Schaust du dir den jeweiligen Anteil der Stadtbewohner an der Weltbevölkerung an, merkst du, dass die Verstädterung bei jedem Entwicklungsstand anders verlief. %<img class="alignnone  wp-image-456264" src="https://blog.studyflix.de/wp-content/uploads/2022/09/MicrosoftTeams-image-300x106.jpg" alt="" width="435" height="154" />(<strong>Bild ist auch auf Asana zu finden in Verstädterung->SEO-Artikel) </strong>Graphisch darstellen als Liniendiagramm, y-Achse: Prozent in 10er Schritten, x-Achse: Jahre wie in der Tabelle, Farben der Länder sind egal. Wichtig: Punkte sollten mit geraden Linien verbunden werden. Tabellentitel: "Anteile der Stadt- und Landbevölkerung an der Weltbevölkerung  in Prozent - 1950 bis 2050". Quelle der Daten: https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/globalisierung/52705/verstaedterung/; deren Quelle: United Nations - Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2014/2015): World Urbanization Prospects: The 2014 Revision, World Population Prospects: The 2015 Revision 

Bereits seit 1950 hatten die Entwicklungsländer den niedrigsten Anteil der globalen Stadtbevölkerung. Die Schwellenländer lagen damals in der Mitte, den größten Anteil hatten die Industrieländer.

1975 sah das jedoch schon anders aus: Der globale Stadtbevölkerungsanteil der Industrieländer sank ab, während der der Schwellenländer stärker anstieg. Seither haben die Schwellenländer den höchsten Verstädterungsgrad, es folgen die Industrieländer, dann die Entwicklungsländer. Laut Prognosen der UN sollen die Entwicklungs- und Industrieländer bereits 2050 fast denselben Anteil der weltweiten Stadtbevölkerung besitzen.

Verstädterung — häufigste Fragen

  • Was ist Verstädterung?
    Verstädterung ist das Wachstum von Städten im Vergleich zu ländlicheren Gebieten.
  • Was sind die Ursachen der Verstädterung?
    Die Hauptursache der Verstädterung ist die Landflucht, also die Zuwanderung von Menschen aus ländlichen Gebieten in die Stadt.
  • Was sind die Folgen der Verstädterung?
    Die Folgen der Verstädterung sind eine unzureichende Infrastruktur, die Entstehung von Megacities, ökonomische und ökologische Folgen, Hygiene- und Gesundheitsrisiken sowie die Bildung von Slums.
  • Welche Arten der Verstädterung gibt es?
    Es gibt vier Arten der Verstädterung: demographische Verstädterung, physiognomische Verstädterung, funktionale Verstädterung und die soziale Verstädterung (Urbanisierung).
  • Sind Verstädterung und Urbanisierung dasselbe?
    Verstädterung und Urbanisierung sind nicht dasselbe. Die Urbanisierung entspricht aber der sozialen Verstädterung, einer Unterart der Verstädterung.

Push- und Pullfaktoren

Jetzt weißt du ganz schön viel über die Verstädterung. Um auch noch zu verstehen, was die Leute zur Landflucht bewegt, schau dir doch unser Video zu den Push- und Pullfaktoren an!%Thumbnail Push- und Pullfaktoren einfügen

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