Stilmittel
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Ein Oxymoron ist ein Stilmittel aus zwei Wörtern, die sich gegenseitig widersprechen. Hier lernst du anhand von Beispielen die Merkmale und Wirkung des Oxymorons kennen.

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Was ist ein Oxymoron?

„Du siehst ja aus wie eine lebende Leiche!“, sagst du zu jemandem, der besonders müde oder erschöpft wirkt. Dabei schließt sich das ja eigentlich gegenseitig aus: Eine Leiche ist tot – also nicht mehr lebendig! Etwas Lebendes hingegen ist keine Leiche.

Das ist das Erkennungsmerkmal des Oxymorons: Es kombiniert zwei Begriffe miteinander, die sich gegenseitig widersprechen oder eine gegensätzliche Bedeutung haben

Oxymoron Definition

Der Begriff „Oxymoron“ leitet sich von den griechischen Wörtern oxys (scharfsinnig) und moros (dumm) ab. Sogar die Bezeichnung dieses Stilmittels ist also ein Oxymoron. Darunter verstehst du eine Wortverbindung, die gegensätzliche Wörter miteinander kombiniert.

Oxymoron – Beispiele

Das Oxymoron kommt trotz seines ausgefallenen Namens öfter vor, als du denkst. Bestimmt kennst du einige der folgenden Beispiele

Wichtig

Achte beim Schreiben des Begriffs auf ein paar Stolperfallen:

  • Es heißt weder Oximoron, noch Oksymoron, sondern Oxymoron.
  • Die Mehrzahl lautet Oxymora, nicht Oxymorons.

Oxymoron im Alltag

Im Alltag fällt es oft nicht mehr auf, dass zwei Begriffe eigentlich gar nicht zusammenpassen. Sie sind als Redewendungen in den Sprachgebrauch übergegangen. Meistens bezeichnen sie Zustände, die Gegensätze in sich vereinen.  

  • Hassliebe: Eine schwierige Beziehung zu etwas, die mal von Hass, mal von Liebe geprägt ist.
  • teuflisch gut: „teuflisch“ wird hier zur Steigerung benutzt. Etwas ist also besonders gut, aber auch ein bisschen verboten.
  • Weniger ist mehr: Das Sprichwort weist darauf hin, dass der Verzicht auf Überflüssiges oft zu einem besseren Ergebnis führt.
  • alter Knabe: liebevolle Bezeichnung eines älteren Mannes.
  • bittersüß: eine Empfindung, die sowohl negative, als auch positive Emotionen enthält. Es ist aber auch eine Beschreibung für bitter und süß schmeckendes Essen.

Oxymoron in der Literatur

Schriftsteller nutzen das Stilmittel in vielen Gedichten und Romanen. Da es sich um neue Wortkombinationen handelt, sind sie besonders auffällig. 

  • Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“ – George Orwell: 1984
    • Dieser Satz verdeutlicht noch einmal, was in der düsteren Zukunftsversion der Welt alles schief läuft. Die Werte Freiheit, Friede und Wissen haben dort keine Bedeutung mehr.
  • sachliche Romanze“ – Gedicht von Erich Kästner
    • Im Titel wird der Tonfall des Gedichts vorgestellt: Über das emotionale Thema der Liebe wird in einem sachlichen, nüchternen Ton gesprochen.
  • schwarze Milch der Frühe“ – Paul Celan: Todesfuge
    • Dieser Ausdruck ist eine zentrale Wendung des Gedichts. Das positiv besetzte Wort „Milch“ wird durch das Adjektiv „schwarz“ ins Gegenteil verkehrt. So wird aus einem lebensspendenden Getränk ein todbringendes Gift.

Ein bekanntes Beispiel für Oxymora in der Literatur ist ein Scherzgedicht aus dem 19. Jahrhundert: „Dunkel war’s der Mond schien helle“

Dunkel war’s, der Mond schien helle
Schneebedeckt die grüne Flur
Als ein Wagen blitzeschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.“

Probiere doch mal aus, ob du in der zweiten Strophe des Gedichts alle Oxymora finden kannst!

„Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschoss’ner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.“

Oxymoron – Wirkung

Das Oxymoron kann verschiedene Funktionen übernehmen: 

Indem es die Gegensätze miteinander vereint, kann das Oxymoron die Mehrdeutigkeit einer Situation aufzeigen. Zum Beispiel kann ein Moment sowohl schmerzhaft als auch schön sein – du bezeichnest ihn dann als „bittersüß“.

In der Literatur werden eher Oxymora eingesetzt, um den Leser über die ungewöhnliche Formulierung stolpern zu lassen und seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er wird zum Nachdenken über die widersprüchliche Aussage angeregt. Das kannst du etwa an dem Zitat aus dem Roman 1984 von George Orwell beobachten: Du überlegst, in welcher Gesellschaft Freiheit mit Sklaverei gleichgesetzt wird und Krieg mit Frieden.

Werden Worte miteinander kombiniert, die überhaupt keinen Sinn ergeben, hat das Oxymoron eine komische Wirkung. Du konntest an unserem Beispiel „Dunkel wars …“ erkennen, dass die absurden Aussagen sehr lustig wirken.

Sonderform: Contradictio in adiecto

Besteht das Oxymoron aus einem Adjektiv und einem Substantiv, wird es als Contradictio in adiecto bezeichnet. Das ist Latein und bedeutet „Widerspruch in der Beifügung“. Normalerweise soll das Adjektiv das Substantiv näher beschreiben, zum Beispiel „ein schöner Tag“. Bei der Contradictio in adiecto passt die Beschreibung aber nicht dazu, wie etwa bei einem „offenen Geheimnis

Weitere Beispiele sind „stummer Schrei“ oder „aggressive Freundlichkeit.

Abgrenzung von anderen Stilmitteln

Das Oxymoron ist eigentlich nicht schwer zu erkennen. Es gibt aber Stilmittel, die ihm zum Verwechseln ähnlich sind: 

Pleonasmus

Der Pleonasmus ist das Gegenteil des Oxymorons. Hier werden zwei Begriffe kombiniert, die die gleiche Bedeutung haben. Der ergänzende Teil enthält also keine neue Information. Zum Beispiel „nasses Wasser“ oder „tote Leiche“.

Paradoxon

Auch ein Paradoxon  ist eine widersprüchliche Aussage. Im Gegensatz zum Oxymoron handelt es sich aber nur um einen Scheinwiderspruch: Die Aussage wirkt nur auf den ersten Blick unsinnig, beim genaueren Hinsehen offenbart sich ein tieferer Sinn. Das ist beispielsweise bei dieser Aussage des Philosophen Sokrates der Fall: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ 

Antithese

Bei einer Antithese stehen sich zwei Gegensätze gegenüber.  Zum Beispiel: „Wer Großes erreichen will, muss klein anfangen.“ Da auch das Oxymoron Gegensätze enthält, kann es als Sonderform der Antithese gelten. 

Kennst du auch die anderen Stilmittel , die in verschiedenen Textsorten vorkommen? Schau gleich mal nach, ob du sie alle unterscheiden kannst!

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