Stilmittel

Die Hypotaxe ist eine Unterordnung eines Nebensatzes unter einen Hauptsatz. In diesem Beitrag erfährst du, wie du eine Hypotaxe erkennen kannst und ihre Wirkung als Stilmittel richtig interpretierst. %Hier geht's zum Video!

Inhaltsübersicht

Was ist eine Hypotaxe? 

Eine Hypotaxe beschreibt das Verhältnis von Hauptsatz und Nebensatz: Hauptsätze sind eigenständige Sätze, sie können also alleine für sich stehen. Im Gegensatz dazu können Nebensätze nicht alleine stehen, weil sie dem Hauptsatz untergeordnet sind. Solche Satzstrukturen nennst du auch Satzgefüge

Beispielsätze: Heute läuft ein guter Film. Ich möchte gerne ins Kino gehen. 

Wenn du den ersten Satz dem zweiten unterordnest, entsteht ein hypotaktischer Satz: Ich möchte gerne ins Kino gehen, weil heute ein guter Film läuft. Der untergeordnete Nebensatz wird durch ein Komma abgetrennt und ist abhängig vom übergeordneten Hauptsatz

Hypotaxe Definition 

Eine Hypotaxe (gr. hypo = unter) bezeichnet die hierarchische Struktur von einem Hauptsatz und mindestens einem untergeordneten Nebensatz. Treten mehrerer solcher Satzgefüge in einem Text auf, liegt die Hypotaxe als Stilmittel vor (hypotaktischer Stil).

Hypotaxe – Beispiele 

Hypotaxen gibt es in vielen Textsorten. Deshalb findest du im Anschluss Beispiele aus mehreren Bereichen, die verschiedene Funktionen erfüllen. 

Hypotaxe in Fachtexten

Hypotaxe Beispiel – Fachzeitschrift: 

„Invasive [Tier-]Arten sind laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) solche,
            die sich durch den Einfluss des Menschen in Regionen ausbreiten,
                       in denen sie vorher nicht heimisch waren […].
Sie haben oft unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten […],
            weil sie mit einheimischen Arten um Lebensraum […] konkurrieren
            und diese auch verdrängen können.“ (- Magazin Spektrum) 

Die Hypotaxe besteht aus zwei längeren Hauptsätzen, denen verschiedene Nebensätze untergeordnet sind. Zunächst bestimmt der Autor des Artikels den ersten Hauptsatz durch Nebensätze näher (Was sind Invasive Arten?). Bereits im ersten hypotaktischen Satz gibt es mehrere Ebenen: Hauptsatz[die] Nebensatz auf 1. Ebene[in denen] Nebensatz auf 2. Ebene. Vom ersten Nebensatz, der die invasiven Arten beschreibt, hängt also nochmal ein weiterer Nebensatz ab. Dieser bestimmt die Region näher. 

Zudem begründet der Autor durch Nebensätze auch seine zweite Aussage (Warum haben sie unerwünschte Auswirkungen?). Dem zweiten Hauptsatz sind dann zwei Nebensätze untergeordnet. Sie sind mit einem Bindewort vernetzt: Hauptsatz[weil] Nebensatz 1. EbeneNebensatz 1. Ebene. Im zweiten hypotaktischen Satz befinden sich jedoch beide Nebensätze auf einer Ebene. Beide liefern Begründungen für die Aussage im Hauptsatz. Somit ist der zweite Nebensatz nicht abhängig vom ersten. Er könnte also auch ohne ihn direkt an den Hauptsatz angeschlossen werden. 

Tipp: Ein weiterer Hinweis auf eine Hypotaxe sind Bindewörter und Relativpronomen (der, die, das). Weil sie Nebensätze einleiten, findest du sie oft in Satzgefügen. 

Hypotaxe in der Literatur

Hypotaxe Beispiel – Literatur: 

Am Fuße der Alpen […] befand sich ein altes, einem Marchese gehöriges Schloß,
            das man jetzt,
                       wenn man von St. Gotthard kommt,
            in Schutt und Trümmern liegen sieht:
ein Schloß mit hohen und weitläufigen Zimmern,
            in deren einem einst, auf Stroh, 
                       das man ihr unterschüttete,
           eine alte kranke Frau,
                      die sich bettelnd vor der Tür eingefunden hatte,
           von der Hausfrau aus Mitleiden gebettet worden war.“ ( – H. v. Kleist: Das Bettelweib von Locarno)

Am Einstieg der Erzählung von Kleist kannst du gut erkennen, wie lang und verschachtelt ein Satz mit hypotaktischem Satzbau werden kann. In diesem Beispiel hängt der erste Nebensatz vom Hauptsatz davor ab. Außerdem wird er durch eine weitere Nebensatzebene unterbrochen. Zusammengefasst ergibt sich diese Struktur: Hauptsatz[das] Nebensatz 1. Ebene  – [wenn] Nebensatz 2. Ebene –  Nebensatz 1. Ebene. 

Tipp: Du kannst Nebensätze von Hauptsätzen auch mithilfe der Position des Verbs im Satz unterscheiden. Steht das Verb an letzter Stelle, erkennst du einen Nebensatz. In normalen Aussagesätzen steht es dagegen an zweiter Stelle: Am Fuße der Alpen befand sich ein altes Schloß, das man jetzt in Schutt und Trümmern liegen sieht

Der zweite Satz ist hier nur durch einen Doppelpunkt abgetrennt. Er stellt ein noch komplexeres Satzgefüge dar. Denn der Nebensatz auf 1. Ebene ist gleich durch zwei Nebensätze der 2. Ebene unterbrochen: Hauptsatz[in deren] Nebensatz 1. Ebene  –  [das] Nebensatz 2. Ebene  – Nebensatz 1. Ebene  – [die] Nebensatz 2. Ebene Nebensatz 1. Ebene.

Kleist wählt hier bewusst den hypotaktischen Stil, um dem Leser möglichst viele Informationen über die Umgebung der Handlung zu vermitteln. So unterstützt er die Vorstellungskraft des Lesers. Darüber hinaus nutzen Autoren auch viele andere Möglichkeiten, um mit ihren Texten eine bestimmte Wirkung zu erzielen. In unserem Beitrag zu den sprachlichen Mitteln erfährst du mehr darüber. 

Hypotaxe – Wirkung

Meistens verwenden Autoren einen hypotaktischen Satzbau, wenn sie dem Leser ein schwieriges Thema erklären wollen. Nebensätze bringen zusätzliche Informationen ein und erläutern die Aussage des Hauptsatzes genauer. Daher findest du den hypotaktischen Stil häufig in erklärenden und informativen Textsorten. Dazu gehören zum Beispiel Lexikonartikel, wissenschaftliche Texte oder Zeitungsartikel.

Tipp: Konjunktionen, also Bindewörter, stellen verschiedene Beziehungen zwischen Hauptsatz und Nebensatz her: 

  • Während er Musik hört, putzt er die Wohnung. ⇒ zeitliche Verbindung 
  • Ihr habt den Preis gewonnen, weil ihr die schnellste Gruppe wart. ⇒ Begründung
  • Ich gehe später schwimmen, wenn die Sonne da noch scheint. ⇒ Bedingung 
  • Sie hat mir sehr geholfen, indem sie einfach nur zugehört hat. ⇒ Art und Weise 
  • Obwohl ich zuhause war, habe ich das Klingeln der Tür nicht gehört. ⇒ entgegen der Erwartung

Indem du auf die Bedeutung der Konjunktion achtest, erkennst du die verschiedenen Richtungen der Erklärung. Dadurch gelingt es dir, den Aufbau eines Textes und die Struktur der einzelnen Sätze besser verstehen. 

Hypotaxen bieten also die Möglichkeit, genauere Informationen zu liefern. Aus diesem Grund nutzen Autoren das Stilmittel auch in literarischen Texten. Sie können mithilfe der Hypotaxe eine ausführlichere Beschreibung der Umgebung und Handlung geben. Allerdings wirken die Sätze so auch komplexer und sind schwieriger zu verstehen. Je mehr Ebenen von Nebensätzen es gibt, desto verschachtelter ist der ganze Satz. Deshalb sprichst du auch von „Bandwurmsätzen“. 

Hypotaxe und Parataxe 

Das Gegenstück zur Hypotaxe ist die Parataxe. Im Gegensatz zum Satzgefüge bezeichnet die Parataxe eine Satzreihe, in der Hauptsätze gleichwertig aneinander gereiht sind. 

Tipp: Sprich immer erst von hypotaktischem und parataktischem Stil, wenn mehrere Satzgefüge oder Satzreihen in einem Text vorkommen. Hypotaxe und Parataxe bezeichnen zunächst nur die grammatische Anordnung von Sätzen. 

Um den Unterschied zwischen der Hypotaxe und Parataxe besser zu verstehen, schau dir gleich noch unseren Beitrag zur Parataxe an! %Verweis Thumbnail Parataxe

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