Stilmittel
Stilmittel - Satz
 – Video

 

Eine rhetorische Frage ist eine Frage, die keine Antwort braucht. Wie sie als Stilmittel eingesetzt werden kann, erfährst du in diesem Beitrag. Hier kommst du zum Video!

Was ist eine rhetorische Frage?

Die rhetorische Frage sieht auf den ersten Blick aus wie eine tatsächliche Frage. Der große Unterschied ist allerdings, dass der Sprecher einer rhetorischen Frage keine Antwort erwartet. 

Rhetorische Frage – Beispiel: „Ist das nicht zum Lachen?“

An diesem Beispiel erkennst du, dass der Satz seiner Form nach eine Frage ist. Inhaltlich ähnelt er doch eher einer Behauptung. Du könntest die Frage durch „Das ist doch zum Lachen“ ersetzen, der Inhalt bleibt derselbe.  

Rhetorische Frage Definition

Die rhetorische Frage bezeichnet ein Stilmittel der Rhetorik. Im Gegensatz zu einer echten Frage wird sie nicht gestellt, um neue Informationen zu erhalten. Stattdessen wird sie eingesetzt, um eine Behauptung zu betonen und den Gesprächspartner zu beeinflussen

Rhetorische Frage – Beispiele

Rhetorische Fragen kommen oft in mündlicher Sprache vor. Da bei dem Stilmittel auch immer die persönliche Meinung des Sprechers/Autors mitschwingt, findest du sie häufig in argumentativen Texten. Texte dieser Art wollen die Leser von etwas überzeugen. Zu ihnen zählst du zum Beispiel die Erörterung oder die Stellungnahme . Im Anschluss findest du viele Beispiele, mit denen du die Wirkung des Stilmittels noch besser verstehst. 

Rhetorische Fragen im Alltag

In alltäglichen Unterhaltungen begegnen dir rhetorische Fragen häufig. Es sind keine echten Fragen, weil der Sprecher keine neue Information von dir erwartet. Du kannst höchstens zustimmen, also ein „Ja“ als Antwort geben. 

Rhetorische Frage – Beispiel:

  • Habe ich es dir nicht gesagt?
  • Machen wir nicht alle Fehler?
  • Seid ihr von allen guten Geistern verlassen?
  • Ist das nicht offensichtlich?

All diese Sätze enden mit einem Fragezeichen. Auch die Satzstellung ähnelt der einer Frage, da in Fragesätzen ohne Fragewort das Verb immer an erster Stelle steht: Ist das der Weg zum Bahnhof?

Abgesehen von der äußerlichen Struktur sind diese Sätze aber eher Behauptungen. Du kannst sie alle durch eine Aussage ersetzen. Habe ich es dir nicht gesagt? soll eigentlich heißen Ich hab es dir doch gesagt. Außerdem entsteht kein Gesprächsabbruch, wenn jemand keine Antwort gibt.

Das Stilmittel der Ironie wird häufig mit der rhetorischen Frage kombiniert. Stell dir vor, du möchtest eine Radtour mit einem Freund machen. Wenn dieser dich neben seinem Fahrrad mit plattem Reifen erwartet und sagt „Ist das nicht super?“, dann meint er damit genau das Gegenteil von super. Er ärgert sich, dass ihr nicht gleich losfahren könnt. 

Wenn du noch mehr zur Ironie erfahren möchtest, dann schau dir direkt unser Video dazu an.

Zum Video: Ironie
Zum Video: Ironie

 

Damit du eine rhetorische Frage als solche verstehst, musst du dasselbe Vorwissen haben wie dein Gesprächspartner. Zusätzlich ergibt sich auch aus bestimmten Situationen, ob es eine Scheinfrage ist oder nicht.

Fragt jemand „Ist denn heute Sonntag?“ handelt es sich nur um eine rhetorische Frage, wenn ihr zum Beispiel unter der Woche an vielen geschlossenen Geschäften vorbeigeht. Du weißt, dass sonntags alle Geschäfte zu haben und heute Dienstag ist. Somit ist klar, dass das keine echte Frage ist. Wird dir die Frage ohne diesen Zusammenhang, beispielsweise im Urlaub gestellt, kann es sich durchaus auch um eine normale Frage handeln. Der Fragende erwartet dann eine Auskunft von dir. 

Rhetorische Fragen in Reden 

Redner verwenden die rhetorische Frage häufig, um die Aufmerksamkeit der Hörer zu gewinnen. 

  • „Wie lange noch, Catilina, wirst du unsere Geduld missbrauchen?“ ( – Cicero: 1. Rede gegen Catilina am 7. November 63 v. Chr.) 

Mit dieser rhetorischen Frage beginnt Cicero seine erste Rede gegen den römischen Staatsmann Catilina. So spricht er in einem Einstieg Catilina direkt an und bringt sogleich auch seine Kritik unter. Er betont also seinen eigenen Standpunkt.  

Merke: Wie du an diesem Beispiel erkennst, gab es rhetorische Fragen schon in der Antike. Ebenso leitet sich der Ausdruck selbst von der antiken Redekunst, der Rhetorik, ab. Du schreibst deshalb nicht: rethorisch / rethorische Frage, sondern: rhetorisch / rhetorische Frage.

Aber auch heutzutage kommt das Stilmittel in vielen Reden noch zum Einsatz. So auch in diesen beiden Ansprachen: 

  • „Wer konnte arglos bleiben nach den Bränden der Synagogen, […] der unaufhörlichen Schändung der menschlichen Würde?“ ( – R. v. Weizsäcker: Ansprache in der Gedenkstunde am 8. Mai 1985) 
  • „Dass wir diese Krise überwinden werden, dessen bin ich vollkommen sicher. Aber wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren? Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand.“ ( – A. Merkel: Fernsehansprache zur Corona-Pandemie am 18. März 2020)  

Sowohl Merkel als auch der ehemalige Bundespräsident Weizsäcker setzen die Scheinfragen ein, um die Zuhörer stärker einzubinden und sie zum Nachdenken anzuregen.

Tipp: Die meisten Fragen in einer Rede sind rhetorisch. Schließlich gibt es in dieser speziellen Kommunikationssituation eigentlich keine Möglichkeit zu antworten.

Rhetorische Frage – Wirkung

Eine rhetorische Frage kann also bewusst eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Grundsätzlich unterstützt sie immer die Argumente des Sprechers.

Einerseits erwarten Sprecher nach rhetorischen Fragen häufig eine Zustimmung ihres Gesprächspartners. Durch Ausdrücke wie „Ist das nicht offensichtlich?“ werden Hörer beeinflusst. Es ist viel wahrscheinlicher, dass jemand nach so einer Formulierung dem Gesagten zustimmt. 

Zum anderen regen rhetorische Fragen zum Nachdenken an (Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren?). Eine Antwort wird hier gar nicht erwartet, in den meisten Fällen gibt es sogar keine konkrete Antwort. 

Rhetorische Frage vs. suggestive Frage

Das Stilmittel der rhetorischen Frage wird oft mit der Suggestivfrage verwechselt. Zwar möchte die suggestive Frage auch beeinflussen, im Unterschied zu der rhetorischen Frage erwartet der Fragende jedoch eine Antwort. 

Suggestive Frage – Beispiel: Du möchtest doch sicher auch nächsten Samstag helfen?

Stellt jemand dir so eine Frage, hast du gleich das Gefühl, mit „Ja“ antworten zu müssen. Durch das auch signalisiert der Fragende, dass andere Personen schon zugesichert haben zu helfen. Die Wörter doch und sicher verdeutlichen, dass er von deiner Hilfe bereits ausgeht. Du hättest also ein schlechtes Gewissen, wenn du ablehnen würdest.

Du kannst das Stilmittel der rhetorischen Frage auch selbst in argumentativen Texten einbringen. Welche Punkte dabei sonst noch wichtig sind, erfährst du in unserem Video zum Kommentar .

Zum Video: Kommentar schreiben
Zum Video: Kommentar schreiben

Hallo, leider nutzt du einen AdBlocker.

Auf Studyflix bieten wir dir kostenlos hochwertige Bildung an. Dies können wir nur durch die Unterstützung unserer Werbepartner tun.

Schalte bitte deinen Adblocker für Studyflix aus oder füge uns zu deinen Ausnahmen hinzu. Das tut dir nicht weh und hilft uns weiter.

Danke!
Dein Studyflix-Team

Wenn du nicht weißt, wie du deinen Adblocker deaktivierst oder Studyflix zu den Ausnahmen hinzufügst, findest du hier eine kurze Anleitung. Bitte lade anschließend die Seite neu.