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Was ist ein aristotelisches Drama?

Das aristotelische Drama bezeichnet die ursprüngliche Form des Theaters, das du auch geschlossenes oder klassisches Drama nennst. Die aristotelische Dramentheorie geht auf den Philosophen Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.) zurück.

Der Name „geschlossenes“ Drama kommt von den einheitlichen, festen Vorgaben bei aristotelischen Dramen. Daraus entwickelten sich dann typische Merkmale für die Dramenform.

Aristotelisches Drama – Merkmale
  • Drei Einheiten: Einheit der Zeit (keine Zeitsprünge), des Raums (keine Ortswechsel), der Handlung (eine Haupthandlung)
  • Kausalität: Szenen, die aufeinander aufbauen und nicht austauschbar sind
    → verdeutlicht Zusammenhang zwischen Handlungen
  • Katharsis: Drama bewirkt Reinigung des Zuschauers von Emotionen wie Schaudern oder Jammern
  • Aufbau in 5 Akten: Exposition (Einführung), erregendes Moment (steigende Handlung), Peripetie (Höhe-/Wendepunkt), retardierendes Moment (herauszögernde Spannung), Katastrophe/Lösung (schlechtes oder gutes Ende)

Aristotelisches Drama – Hintergrund

Aristoteles beschrieb in seinem Buch „Poetik“ (335 v. Chr.) die Merkmale der Dichtkunst. Seine Dramentheorie hatte starken Einfluss auf spätere moderne Dichtungstheorien (z. B. Opitz, Gottsched) und prägte die typischen Merkmale klassischer Dramen.

Der Philosoph war der Meinung, dass alle literarischen Formen, wie das Theater, die wirkliche Welt nachahmten. Laut Aristoteles entsteht durch die angeborene Nachahmungslust des Menschen überhaupt die Freude und Bereitschaft, etwas Neues zu lernen. Diese Lust am Nachahmen bezeichnete der Philosoph als Mimesis. Dabei betonte er, dass die Darstellung des Realen auf der Bühne immer einen fiktionalen Charakter hat. Denn die Aufführung zeige nur das, was sehr wahrscheinlich in Wirklichkeit passieren könnte.

Aristotelisches Drama – Merkmale

Du bezeichnest ein aristotelisches Drama als ein geschlossenes Drama wegen seiner einheitlichen, festen Vorgaben. Dazu zählen zum Beispiel die wenigen Figuren, die in Tragödien typischerweise der Held oder die Heldin des Stücks sind. Dabei ist auch der Ablauf des Dramas mit Anfang, Höhepunkt des Konflikts und Ende klar festgelegt. Die Sprache ist in der Regel gehoben und formell.

Schau dir als Nächstes weitere Merkmale des aristotelisches Dramas an.

Drei Einheiten – aristotelisches Drama Merkmale

Ein typisches Merkmal der aristotelischen Dramentheorie ist die Einheit von Zeit, Raum und Handlung:

  • Einheit der Zeit: Im geschlossenen Drama findest du keine Zeitsprünge in die Vergangenheit oder Zukunft und die Geschehnisse laufen innerhalb von 24 Stunden ab.
  • Einheit des Raums: Der Ort der Handlung wechselt nicht. Dieses Merkmal hängt mit dem Bühnenbild zusammen. Der schnelle Kulissenwechsel auf der Theaterbühne würde den Fluss des Dramenablaufs unterbrechen und die für die Zuschauer geschaffene Illusion einer Realität stören.
  • Einheit der Handlung: Es gibt im klassischen Drama nur eine Haupthandlung mit einem Anfang, einer Mitte und einem Schluss. Das bedeutet auch eine feste Abfolge, in der Szenen nicht ausgetauscht werden können.

Schon gewusst? Das Merkmal des einheitlichen Ortes in klassischen Dramen geht nicht auf Aristoteles zurück, sondern auf verschiedene Schriftsteller aus späteren Jahrhunderten. Basierend auf Aristoteles‘ Einheiten der Zeit und der Handlung schlossen sie auf die nötige Einheit des Raums. Denn es ist aus praktischer Sicht schwierig, das Bühnenbild und somit den Ort der Handlung schnell zu wechseln.

Kausalität – aristotelisches Drama Merkmale

Das Merkmal der Kausalität bezieht sich auf die aufeinander aufbauende Szenereihenfolge im Theaterstück. Die Szenen eines klassischen aristotelischen Dramas können nur in einer festgelegten Abfolge vorkommen und somit nicht ausgetauscht werden. Das verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen Handlungen, die aufeinanderfolgen.

Katharsis – aristotelisches Drama Merkmale

Der aus dem Griechischen stammende Begriff Katharsis bedeutet bei Aristoteles‘ Dramentheorie die Reinigung der Zuschauer. Das heißt: das Publikum kann sich durch die packende Darstellung auf der Bühne in die Figuren hineinversetzen. Das führt dazu, dass die Zuschauer mit Schaudern (phobos) oder Jammern (eleos) reagieren. Beim Durchleben dieser Emotionen können sie diese Gefühle im Theater zurücklassen und so ihre ‚Seele‘ reinigen.

Deshalb kommen vor allem in Tragödien Könige, Herzoge oder sogar Götter vor, dessen Scheitern durch ihre hohe Position umso tragischer ist. Das löst nämlich noch intensivere Gefühle beim Zuschauer aus, von denen er sich reinigen kann.

Aristotelisches Drama – Aufbau

Auf Basis der Dramentheorie nach Aristoteles erstellte der deutsche Schriftsteller Gustav Freytag ein aristotelisches Drama Dreieck. Es wird auch pyramidaler Aufbau oder Spannungsdreieck des klassischen Dramas genannt. Ein aristotelischer Dramenaufbau besteht demnach aus 5 Akten. Die Handlung steigt zunächst — wie bei einem Dreieck — in ihrer Spannung und fällt nach dem Höhepunkt an der Spitze wieder ab:

1. Akt: In der Exposition lernst du die Figuren kennen und erfährst die Zusammenhänge, aus denen der Konflikt entstehen wird.

2. Akt: Die steigende Handlung oder auch das erregende Moment baut den Konflikt weiter auf, wodurch sich die Spannung erhöht.

3. Akt: Die spannendste Stelle der Handlung bezeichnest du als Peripetie, also den Höhe- oder Wendepunkt des Dramas.

4. Akt: Das retardierende Moment bezeichnet eine Verzögerung im Handlungsablauf, um somit nochmal die Spannung vor dem Ende zu steigern.

5. Akt: Zum Schluss führt es in der Tragödie zu einer Katastrophe, z. B. zum Tod oder Scheitern einer Figur, oder in der Komödie zu einer Lösung des Konflikts, z. B. eine Versöhnung zwischen Figuren.

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Aristotelisches Drama – Aufbau: Spannungsdreieck in 5 Akten

Vergleich – aristotelisches Drama und episches Theater

In der folgenden Tabelle findest du einen Vergleich zwischen dem geschlossenen, klassischen Drama nach Aristoteles und dem offenen, epischen Theater nach Brecht :

Merkmale Klassisches aristotelisches Drama Episches Theater
Form der Aufführung geschlossene Form offene Form
Handlungsverlauf linearer Handlungsverlauf (Kausalität) mit Spannungskurve kein direkter Spannungsaufbau, ohne Höhepunkt; Sprünge und Wendungen im Handlungsverlauf
Aufbau fünf Akte mit Einheit von Zeit, Raum und Handlung einzelne Szenen
Figuren wenige, unveränderliche Figuren, ergeben sich ihrem Schicksal viele, veränderliche Figuren, ergeben sich oft nicht ihrem Schicksal
Zuschauer Einfühlung des Zuschauers wird angestrebt; Zuschauer wird in die Handlung hineingezogen Zuschauer ist Beobachter und bewahrt Distanz zum Geschehen, lernt aus den Fehlern der Figuren
Geplante Zielgruppe gebildete Oberschicht Bürgertum und Arbeiter
Ziel Zuschauer unterhalten; Mitgefühl wecken und Reinigung ihrer Seele (Katharsis) Zuschauer soll Geschehen hinterfragen; Missstände der Welt aufzeigen
Beispiele

Emilia Galotti “ – Gotthold Ephraim Lessing (1772)

Die Räuber “ – Friedrich Schiller (1781)

Kabale und Liebe “ – Friedrich Schiller (1784) 

Maria Stuart “ – Friedrich Schiller (1800)

„Die Dreigroschenoper“ (1928) – Bertolt Brecht

„Mutter Courage und ihre Kinder“ (1941) – Bertolt Brecht

Der gute Mensch von Sezuan “ – Bertolt Brecht (1943)

„Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ – Bertolt Brecht (1959)

Episches Theater

Jetzt weißt du ganz genau, was ein aristotelisches Drama ist und welche Merkmale es hat. Du willst auch ein Experte für die modernere Theaterform des epischen Theaters werden? Das gelingt dir mit unserem Video .

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