Oktoberrevolution 1917
Inhaltsübersicht
Was war die Oktoberrevolution 1917?
Die Oktoberrevolution 1917 war ein politischer Umsturz, bei dem die Bolschewiki unter Führung von Wladimir Lenin die Macht in Russland übernahmen. In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1917 stürzten sie in der Hauptstadt Petrograd die Provisorische Regierung.
Die Bolschewiki waren eine radikale sozialistische Partei. Sie wollten den Krieg beenden und eine neue Ordnung schaffen, in der Arbeiter und Bauern die Macht haben. Nach der Machtübernahme versprachen sie „Frieden, Land und Brot“ und leiteten große politische und wirtschaftliche Veränderungen ein. Aus dem Umsturz entwickelte sich später die Sowjetunion.
Gut zu wissen: Russland verwendete damals noch den julianischen Kalender. Nach diesem Kalender fand die Revolution am 24./25. Oktober 1917 statt. Daher der Name „Oktoberrevolution„. Im heute üblichen gregorianischen Kalender war das aber am 6./7. November.
Wie kam es zur Oktoberrevolution?
Der Weg zur Oktoberrevolution begann mit tiefen Krisen im Russischen Reich. Seit 1914 kämpfte Russland im Ersten Weltkrieg. Der Krieg kostete Millionen Soldaten das Leben und verschlang enorme Ressourcen. In den Städten fehlten Lebensmittel und Heizmaterial. Die Preise stiegen stark an und viele Menschen litten Hunger.
Die Februarrevolution 1917
Im Februar 1917 kam es deshalb zu Massendemonstrationen und Streiks. Arbeiter legten die Arbeit nieder und viele Soldaten verweigerten Befehle. Der Zar Nikolaus II. musste aufgrund der Unruhen abdanken. Damit endete die jahrhundertelange Monarchie.
Die Doppelherrschaft
Nach dem Sturz des Zaren entstand eine sogenannte Doppelherrschaft. Das bedeutet, dass zwei politische Kräfte gleichzeitig Einfluss hatten:
- Die Provisorische Regierung wollte eine demokratische Ordnung aufbauen.
- Die Sowjets, also Arbeiter- und Soldatenräte, vertraten die Interessen der einfachen Bevölkerung.
Wachsende Unzufriedenheit
Die neue Regierung setzte den Krieg fort. Auch die Versorgung verbesserte sich kaum. Viele Menschen verloren daher das Vertrauen in die Regierung. Dadurch wuchs die Unterstützung für die Bolschewiki, die einen schnellen Ausweg aus Krieg und Not versprachen.
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Die Bolschewiki bereiten die Machtübernahme vor
Die Bolschewiki (russisch für „Mehrheitler“) waren eine radikale kommunistische Gruppierung. Ihr Ziel war es, die bestehende politische Ordnung gewaltsam zu stürzen und durch ein sozialistisches System zu ersetzen.
Ihr wichtigster Anführer war Wladimir Lenin. Er lebte lange im Exil in Europa. Im Frühjahr 1917 kehrte er nach Russland zurück und veröffentlichte ein politisches Programm, das als „Aprilthesen“ bekannt wurde. Darin forderte er drei Dinge:
- sofortiger Austritt Russlands aus dem Ersten Weltkrieg
- Übergabe des Landes an die Bauern
- Übertragung der politischen Macht an die Sowjets
Mit klaren Parolen wie „Alle Macht den Sowjets“ gewannen die Bolschewiki viele Anhänger. Gleichzeitig organisierten sie eigene bewaffnete Einheiten. Diese Truppen nannten sich dann die „Roten Garden„.
Lenin und seine Mitstreiter gingen für ihre Zielerreichung strategisch vor. Sie nutzten gezielt die Schwäche der Provisorischen Regierung aus: Ministerpräsident Alexander Kerenski war es nicht gelungen, den Krieg zu beenden oder die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Dadurch verlor er den Rückhalt des Militärs und der Bevölkerung.
Übrigens: Sozialismus bedeutet, dass wichtige Bereiche der Wirtschaft nicht mehr privaten Unternehmern gehörten, sondern dem Staat. Industrie, Banken und Großbetriebe wurden verstaatlicht und zentral geplant.
Wie verlief die Oktoberrevolution?
Im Herbst 1917 erreichte die Lage in Petrograd — der Hauptstadt des Landes — ihren Höhepunkt. Als Ministerpräsident Kerenski befahl, die Soldaten aus an die Front des Ersten Weltkriegs zu schicken, sahen die Bolschewiki ihre Chance. Sie behaupteten, Kerenski wolle die Hauptstadt schutzlos lassen, um sie den Deutschen auszuliefern. Gleichzeitig wolle er die Ergebnisse der Februarrevolution rückgängig machen und die Macht wieder den Generälen oder dem Adel zuspielen. Unter diesem Vorwand präsentierten sich die Bolschewiki als Verteidiger der Revolution.
Unter diesem Vorwand präsentierten sich die Bolschewiki als Verteidiger der Revolution und gründeten das „Militärrevolutionäre Komitee„. Dieses Gremium sollte offiziell die Hauptstadt verteidigen, bereitete jedoch in Wirklichkeit die Machtübernahme der Bolschewiki vor. Vorsitzender des Petrograder Sowjets war Leo Trotzki, ein führender Bolschewik und zentraler Organisator des Umsturzes. Über das Komitee gewannen die Bolschewiki die Kontrolle über wichtige Truppenteile der Stadt.
In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1917 besetzten bewaffnete Einheiten strategische Punkte Petrograds. Sie übernahmen Bahnhöfe, Brücken, das Post- und Telegrafenamt. Dadurch kontrollierten sie Kommunikation und Verkehr. Schließlich wurde der Winterpalast umstellt, in dem die Provisorische Regierung tagte. Das Gebäude fiel nach kurzer Zeit, die Regierungsmitglieder wurden verhaftet.
Der Machtwechsel verlief mit vergleichsweise wenig Blutvergießen. Später stellten die Bolschewiki die Ereignisse als dramatischen „Sturm auf den Winterpalast“ dar. Tatsächlich handelte es sich um eine sorgfältig geplante und militärisch koordinierte Aktion.
Der Rote Terror und die Tscheka
Nach der Machtübernahme bildeten die Bolschewiki eine neue Regierung. Diese nannte sich „Rat der Volkskommissare„. An der Spitze stand Lenin.
Im Januar 1918 fanden Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Versammlung statt. Diese sollte eine neue demokratische Ordnung ausarbeiten. Die Bolschewiki erhielten jedoch nicht die Mehrheit der Stimmen. Als die gewählte Versammlung die Politik der Bolschewiki kritisierte und ihre Macht nicht anerkennen wollte, ließen die Bolschewiki sie gewaltsam auflösen. Damit endete die kurze Phase der Mitbestimmung der anderen Parteien. Russland entwickelte sich nun zu einer kommunistischen Diktatur, in der allein die Bolschewiki die politische Macht ausübten.
Um die Gegner weiter einzuschüchtern und auszuschalten, gründeten die Bolschewiki am 20. Dezember 1917 die Tscheka. Das war eine politische Geheimpolizei mit weitreichenden Vollmachten. Sie durfte Menschen ohne Gerichtsverfahren verhaften, inhaftieren oder hinrichten.
Die Phase systematischer Gewalt, die ab 1918 einsetzte, wird als Roter Terror bezeichnet. Er richtete sich gegen politische Gegner, ehemalige Adlige, Geistliche und andere Gruppen, die als Bedrohung für die neue Herrschaft galten.
Was passierte nach der Oktoberrevolution?
Mit der Oktoberrevolution 1917 übernahmen die Bolschewiki die Macht in Russland. Es folgte ein blutiger Bürgerkrieg zwischen den „Roten“ (Bolschewiki) und den „Weißen“ (Gegnern der Revolution). Die Bolschewiki setzten sich schließlich durch und sicherten ihre Kontrolle.
1922 veranlassten die Bolschweiki, dass sich mehrere zuvor eigenständige Sowjetrepubliken – Russland, die Ukraine, Belarus und Transkaukasien – offiziell zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) zusammenschließen. Damit entstand der erste sozialistische Staat — die Sowjetunion.
Durch den Sozialismus kam es zu tiefen Einschnitten auf dem Land: Großgrundbesitzer wurde enteignet. Später zwang der Staat viele Bauern, sich in landwirtschaftlichen Großbetrieben zusammenzuschließen. Das führte zu sozialen Spannungen und Hungersnöten.
Politisch entwickelte sich ein Einparteienstaat unter der „Kommunistischen Partei der Sowjetunion“ (KPdSU). Die bolschewistische Führung verbot andere Parteien. Nach Lenins Tod im Jahr 1924 setzte sich Josef Stalin an die Spitze des Staates. Unter seiner Herrschaft verschärften sich Unterdrückung und Kontrolle weiter.
International hatte die Revolution ebenfalls Auswirkungen. Kommunistische Parteien entstanden in vielen Ländern Europas und Asiens. Gleichzeitig wuchs aber auch die Angst vor einer Ausbreitung des Sozialismus.
Kalter Krieg
Die Oktoberrevolution prägte das 20. Jahrhundert und den Gegensatz zwischen kommunistischen und kapitalistischen Staaten entscheidend. Wie sich daraus der Kalte Krieg zwischen Ost und West entwickelte, erfährst du hier.